Meine Nacht im Schneeiglu

„What is a snowigloo?“ fragt eine japanische Reiseleiterin. Die Rezeptionistin ringt nach einer Erklärung. Die Japanerin gibt den Begriff in ihr elektronisches Wörterbuch ein.

Wie schaut ein Schneeiglu aus?

Ob sie wohl eine ausreichende Übersetzung findet? Die Schneeiglus im Kakslauttanen Arctic Resort  in Finnland entsprechen nicht der klassischen runden Igluform. Acht Türen sind in eine Schneewand geschlagen, dahinter verbergen sich die Schlafräume. Wände und Decke bestehen aus meterdickem Schnee, das einfache Holzbett an der Rückwand ist mit Teppichen belegt. Sehr spartanisch, so ein Schneeiglu.

Schneeiglu

In diesem Schneeiglu darf ich eine Nacht verbringen

Schneeiglu in Finnland

Schneeiglu in Finnland

Uns gibt die Rezeptionistin noch den Tipp mit Thermounterwäsche, Haube, Handschuhen und Socken in den Schlafsack zu kriechen. Wenig später stapfen wir durch den Schnee, bewaffnet mit dicken Daunenschlafsäcken und einer Flasche gutem schottischen Talisker Whiskey. Es kostet Überwindung sich in einem kalten Schneeiglu aus der warmen Skihose zu schälen. Laut Thermometer hat es minus 4 Grad, ich habe das Gefühl, es sind minus 20. Noch ein Schluck aus der Flasche, vielleicht hilft es gegen die Kälte. Haube auf, Handschuhe anziehen und wir wurschteln uns in die Schlafsäcke. Ganz egal ob man am Rücken, am Bauch oder auf der Seite liegt, es ist unbequem. Der Körper drückt gegen die harte Unterlage. Mir ist kalt. Eiskalt. Trotzdem schließe ich die Augen und versuche den Schlaf herbeizuschwören.

Schneeiglu bei Nacht

so sieht mein Schneeiglu bei Nacht aus

Die Reisebloggerin im Schneeiglu

Mir ist kalt im Schneeiglu

Es hilft nicht. Mittlerweile ist es kurz vor Mitternacht, das beheizte Blockhaus lockt zu sehr. Schnell sind wir wieder angezogen und freuen uns auf das Kaminfeuer. Draußen stürzt eine Gestalt auf uns zu. „Please, can you help us?“ Es ist die japanische Reiseführerin. „We can´t find our cabins!“ Sie hat drei japanische Reisegäste im Schlepptau, die etwas verloren mit dick bepacktem Rucksack in der Kälte herumstehen. Hektisch zeigt sie auf ihren Plan. „Here are your cabins“, deuten wir auf die Schneeiglus. Entsetzt starren die Japaner auf die Iglus und verschwinden Richtung Rezeption.
Wir verschwinden ebenfalls – in unsere warme Blockhütte.

Diese Reise fand im März 2012 statt.

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