Auf dem Bauernregelweg in Altenmarkt

Es nieselt. Nicht schlimm, aber doch. Hätte ich mich nicht schon gestern für die Wanderung angemeldet, hätte ich wahrscheinlich heute früh abgesagt. Seit zwei Jahre stehen meine Wanderschuhe unbenutzt herum, zuletzt gebraucht in Nepal, wo wir mit kompletter Wanderausrüstung (Wanderschuhe, Wandersocken, Wanderstöcke, Regenjacke) einen – für mich – hohen Berg erklommen, als uns ein Nepali fast im Laufschritt überholte. Mit Flip-Flops und einem riesigen Bündel am Rücken. Da kam ich mir ziemlich blöd vor.

In Altenmarkt sind die Berge nicht so hoch wie in Nepal, und die vom Tourismusverband organisierte „Willkommentour“ trifft genau meinen Geschmack. 5,5 Stunden werden wir unterwegs sein, davon 4,5 Stunden reine Gehzeit. Gegen den Wettergott ist man sowieso machtlos, also schnüre ich meine Wanderschuhe und auf geht’s!

Margarete Balla Wanderführerin

Margarete ist nicht nur eine sehr sportliche Wanderführerin, sondern auch pflanzen- und baumkundig. Wir finden rasch unser Tempo und sind schneller als erwartet auf der Reitlehenalm. Und zwar um eine Stunde schneller! Kein Wunder, das Wetter ist für Wanderungen perfekt. Es ist angenehm kühl, und es regnet kaum noch. Die Aussicht ist nicht so schön als am Tag zuvor, die Berge verstecken sich hinter dicken Wolken. Aber der Kaffee schmeckt! Und der Topfenstrudel auch!

Reitlehenalm

Reitlehenalm in Altenmarkt

Nach unserer Pause geht es den Bauernregelweg entlang talwärts. Der Weg umfasst insgesamt 22 Stationen, davon erklären 10 Stationen verschiedene Wetter-Regeln und die restlichen 12 Stationen sind den Los-Tagen gewidmet. An einer Station erfährt man zum Beispiel, dass der Begriff  „Altweibersommer“ nicht von „alten Weibern“ kommt, sondern dass das Wort „Weiben“ das Knüpfen von Spinnnweben bezeichnet.

Am 17.März ist wettertechnisch die heilige Gertraud zuständig, denn „Sieht St.Gertrud Eis, wird das ganze Jahr nicht heiß“. Die Heilige ist aber nicht nur für das Wetter zuständig, sondern gilt auch als Patronin der Reisenden.

Bauernregelweg

Auf der Route Richtung Altenmarkt geht es ein kleines Stück durch den Geisterwald. So hat Margaretes Tochter das Wegstück getauft. Die Bäume sind von Farnen, Flechten und Moosen überwuchert; und bilden eigenartige, fast gespenstische Gebilde. Aber nur auf den ersten Blick. Ich gehe näher zu den Bäumen und betrachte die eigenartigen Gewächse. Sie sehen sehr kunstvoll aus.

Der Geisterwald in Altenmarkt

Flechten

Neben den Bauenregeln und dem Geisterwald gibt es noch eine weitere Attraktion auf dem Weg, und zwar den Weitsprung der Tiere. Eigentlich ist das für Kinder gedacht, die sich auf dem Waldboden mit den verschiedensten Tieren im Weitsprung messen können. So springt eine Waldmaus 0,7 Meter weit, ein Luchs legt sieben Meter vor. Leider ist der Boden zu nass und rutschig, sonst wüsste ich jetzt, ob ich den Hasen oder den Fuchs übertrumpfen könnte.

Weitsprung der Tiere in Altenmarkt

Weitsprung der Tiere

Noch eine Stunde brauchen wir zum Auto. Es geht vorbei an der letzten „modernen“ Bauernregel: „Fehlt der Knecht am Morgen ständig, ist die Magd nachts zu lebendig.“ Ja, Humor haben sie, die Bauern!

Vielen Dank an den Tourismusverband Altenmarkt/Zauchensee, der mich nach Altenmarkt eingeladen hat.

Hinterlasse einen Kommentar