Das Belvedere in Wien

Es war keine Liebe auf den ersten Blick. Wir waren damals alle so um die 14 Jahre alt und das Projekt hieß „Wienwoche“. Spannend fanden wir Kinder vom Land den Wiener Prater, den Besuch in der UNO-City, das U-Bahn Fahren und das Mittagsmenü bei McDonalds. In unser Kulturprogramm hatten sich einfach zu viele Museen eingeschlichen. Und ganz ehrlich, so genau kann ich mich an das Belvedere gar nicht mehr erinnern. Gustav Klimts Bilder waren mir immer schon zu golden.

Belvedere Wien

Im Park des Belvedere in Wien

Unteres Belvedere

Blick auf das Untere Belvedere

Das Belvedere in Wien – Der Kuss von Gustav Klimt schimmert gülden

Es war auch keine Liebe auf den zweiten Blick. Wieder war es ein Ausflug mit der Schule, und die berühmten Seerosenbilder Claude Monets standen auf dem Programm. Irgendwie passten die Bilder nicht in das barocke Palais. Es waren zu viele Leute, die sich um die Bilder scharrten, es war kein Platz, schon gar nicht für eigene Gedanken. Und Gustav Klimt? Der war mir immer noch zu golden.

Belvedere

Ausstellugen im Belvedere

Oberes Belvedere

Blick auf das Obere Belvedere

Jahre später entdeckte ich das Laufen als Sportart und gelegentlich zog ich im barocken Garten meine Runden. Ab und an besuchte ich eine der Sonderausstellungen im unteren Belvedere. Die Puppe von Oskar Kokoschka blieb mir in Erinnerung und eine Ausstellung über Herbert Böckl faszinierte mich ebenso.

Das 21er Haus gehört auch irgendwie zum Belvedere

Vor 2 Jahren kam ein Anruf von einer Freundin. Ich solle sie zur Eröffnung des 21er-Hauses begleiten. 21er-Haus? Noch nie gehört! Dabei handelt es sich um ein temporäres Ausstellungsgebäude, errichtet vom österreichischen Architekten Karl Schwarzer anlässlich der Weltausstellung in Brüssel 1958. Retour in Wien beherbergte das Gebäude lange Zeit das Museum des 20.Jhdts. 2002 wurde es an das Belvedere übergeben und 2010 erfolgte schließlich die Eröffnung als 21er Haus.

21er Haus

Das 21er Haus in Wien

das 21er Haus im Schweizergarten

Das Museum für zeitgenössische Kunst in Wien

Es war nicht nur eine simple Eröffnung. Es war eine Party, eine Riesenparty! Offen für alle! Offen für Kunst- und Nichtkunstinteressierte, offen für den Bundespräsidenten und den Kunststudenten, offen für den Sammler und den Sandler, der sich noch schnell am Buffet bediente, bevor die Politiker ihre Reden schwangen.

Seit diesem Tag bietet das 21er Haus eine eigene Plattform für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Außerdem integriert es ein Kino, eine Sammlung von Fritz Wotruba, eine oder einen Artist in Residence und vieles mehr.

Ich hatte das Gefühl, das Belvedere wächst. Nicht nur der Vergangenheit wird Raum gegeben, sondern die Kunst der Moderne hat ebenfalls ihren Platz. Gustav Klimt und Maria Lassnig, Arnulf Rainer und Egon Schiele, Claude Monet und Gerhard Rühm, im Belvedere findet jeder Künstler seinen passenden Ausstellungsraum und seine Besucher.

Zuwachs im Belvedere – Das Winterpalais des Prinz Eugen

Im Oktober 2013 bekam das Belvedere wieder Zuwachs. Das Winterpalais des Prinz Eugen in der Himmelpfortgasse wurde eröffnet. Jahrelang logierte hier das Finanzministerium, jetzt wurde dem Prinzen zu seinem 350.Geburtstag ein würdiges Geschenk gemacht. Die Räume erstrahlen in barockem Glanz. Es riecht sogar noch ein bisschen frisch gestrichen, wenn man auf dem blitzblank polierten Parkett durch die Prunksäle schreitet.

winterpalais

Das Winterpalais von Prinz Eugen in der Himmelpfortgasse

restauriertes Deckengemälde im Winterpalais

restauriertes Deckengemälde im Winterpalais

Herkules

Herkules bewacht das Winterpalais.

Und irgendwo hier im Winterpalais hat es mich dann doch noch erwischt, die Begeisterung für diese belvedersche Mischung aus Kunst und Geschichte, Mythologie und Staatskunst, barocker Gartenkunst und moderner Ästhetik. Für mich ist das Belvedere ein Gesamtkunstwerk, ein faszinierendes Kulturerlebnis.

Dieser Beitrag entstand zur Blogparade „Mein faszinierendes Kulturerlebnis“ von Tanja Praske.

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