Reisende am Rand der Welt

Liebe Elena, Du hast Dir für Deine Blogparade ein ganz besonderes Thema einfallen lassen. Du willst wissen, wo ich „Reisende am Rand der Welt“ war, also wo ich besondere Menschen getroffen habe (eigentlich auf der ganzen Welt) , wo ich etwas ganz exotisches gegessen habe (Krokodil auf Kuba) oder wo ich seltsame Tiere gesehen habe (ein nach Insekten schnappendes Chamäleon in der namibischen Wüste).

Reisende am Rand der Welt

Ich hatte schon Fotos rausgesucht und in Erinnerungen geschwelgt. Die mongolische Bäuerin, die mir gezeigt hat, wie man Kühe melkt, sollte unbedingt in den Blogbeitrag. Der kenianische Fischer, der mich mit seinem Boot auf den Lake Naiwasha gebracht hat und dort mit Fischen einen Seeadler angelockt hat, sollte ebenfalls seinen Auftritt bekommen.

Dann war da noch das nordkoreanische Hochzeitspärchen, das unbedingt wollte, dass ich auf ihrem Hochzeitsfoto mit drauf war. Denn angeblich bringe das Glück! Und Nordkorea ist ja jetzt wirklich am Rande der Welt, zumindest politisch. Mehr Rand geht ja nun wirklich nicht.

Als ich mir die Fotos dann so ansah, bemerkte ich meinen Irrtum. Ich war gar nicht am Rande der Welt. Ich war mittendrin! Liebe Elena, ich hätte also fast eine Themaverfehlung begangen! Ich überlegte und überlegte. Wann und wo war ich am Rande der Welt?

Und dann fiel es mir ein, und Auslöser war ein Foto von zwei Mädchen in Bhaktapur in Nepal. Ich war zur Zeit des Neujahrsfestes dort und diese zwei Mädchen hatten auf einem Tablett Opfergaben gesammelt und wanderten durch die Gassen. Freudestrahlend hielten sie mir, der Touristin, ihr Tablett hin. Ich kramte ein paar Münzen aus meiner Hosentasche, legte sie auf das Tablett. Die Mädchen waren glücklich. Ich war verwirrt. Denn ich verstand den Brauch nicht. Ich hatte zwar bereitwillig mitgespielt, aber kapiert hatte ich gar nichts.

Mädchen in Nepal

Mädchen in Nepal

Genauso wenig wie bei den Verbrennungsstätten in Pashupatinat. Ich sah wie man die Toten in gelbe Tücher einwickelte, wie man Scheiterhaufen errichtete und die Körper darauf verbrannte. Ich war nicht übermäßig schockiert. Unsere Toten bestattet man eben in der Erde, hier verbrennt man sie. Das war nicht das Thema. Aber ich spürte, hier war ich nicht in der Mitte. Ich war zwar da, aber nicht mittendrin. Ich war am Rande der Welt.

Und je länger ich überlegte, desto öfter viel mir auf, wann und wo ich Reisende am Rand der Welt war. Immer dann, wann Religion mit im Spiel war. Ich verstand das Gemurmel des bulgarisch-orthodoxen Priesters nicht. Die Töne der Liturgie in der mongolischen Jurte waren mir fremd. Die Opfergaben im hinduistischen Tempel auf Mauritius hatte ich noch nie gesehen. Ich kapierte den Zusammenhang der Prozession in einem Dorf in Nepal nicht. Ich schaute den Mönchen in Laos bei ihrem Bettelgang nach Reis zu und verstand null. Ich war Reisende am Rande der Welt. Ich war nur Zuseher, aber ich würde nie dazugehören.

Prozession in Nepal

Prozession in Nepal

Opfergaben in Mauritius

Opfergaben in Mauritius

Mongolisches Mädchen mit einer Gebetsmühle

Mongolisches Mädchen mit einer Gebetsmühle

junger Mönch vor dem Gandan Kloster

junger Mönch vor dem Gandan Kloster

Mönche in Laos

Bettelgang der laotischen Mönche nach Reis in Luang Prabang

Hinduistische Gottheit in einem Tempel in Mauritius

Hinduistische Gottheit in einem Tempel in Mauritius

Bulgarisch orthodoxe Kirche

Bulgarisch orthodoxe Kirche

Stupa in Nepal

Stupa in Nepal

Und Dein Wunsch, liebe Elena, nach einer Anwort auf Deine Blogparade liegt in mir. Mein Rand der Welt liegt in mir. Es ist kein geografischer Punkt für mich, sondern es ist mein Umgang mit anderen Religionen. Mit der Fremdheit. Mit dem Nicht-Verstehen und Nicht-Begreifen können. Und ich werde trotzdem in jedem Land wieder versuchen, einen Blick zu erhaschen. Jede Moschee und jeden Tempel zu besuchen. Hinzusehen. Zuzuhören. Offen zu sein. Für alle Ränder und Religionen dieser Welt.

Danke, Elena, dass Du mir diese Frage gestellt hast!

Deine Gudrun

2 comments to Reisende am Rand der Welt

Hinterlasse einen Kommentar