Am Rheinradweg - Von Gottlieben nach Schaffhausen

In Gottlieben falle ich zum zweiten Mal aus der Zeit. Es ist so ruhig hier, so idyllisch. Der Rhein liegt direkt vor der Haustür und die Drachenburg und seine Bewohner schlafen noch, als ich mich aufs Fahrrad schwinge und mich Richtung Schaffhausen aufmache. Schaffhausen, das wird meine letzte Station. Was werde ich noch sehen die letzten Kilometer?

Zunftzeichen

Zuerst sehe ich ihn nicht, ich höre ihn nur. Irgendetwas schnauft da über mir. Irritiert blicke ich nach oben und bis ich meinen Fotoapparat aus der Tasche nestle, ist er schon fast verschwunden, der Zeppelin. Fliegen Zeppeline oder fahren sie? Schön sieht es aus, wie er so elegant davon schwebt.

Zeppelin am Bodensee

Alle Dörfer, die ich heute besuche, haben eins gemeinsam: Sie duften nach Rosen. Vor, hinter und neben den Häusern finde ich Rosenstöcke, Rosenstöcke und nochmals Rosenstöcke. Der Rhein heißt hier nicht Rhein, sondern Untersee. Und kaum biegt man ab, lande ich in Apfelplantagen. Äpfel, Äpfel, Äpfel, soweit das Auge reicht.

Apfelplantagen

Die lasse ich ebenso hinter mir wie das Schloss Arenenberg mit dem Napoleonmuseum, das Nähmaschinenmuseum in Steckborn und das Museum in Eschenz. Die winzige Insel Werd jedoch besuche ich. Hier leben im Kloster fünf Franziskanermönche.

die Insel Werd mit einem Labyrinth im Vordergrund

Insel Werd

Steht man am Steg zur Insel Werd, ist im Hintergrund Stein am Rhein zu sehen. Das Städtchen ist ein übriggebliebenes Juwel aus dem Mittelalter. Die bemalten Fassaden bringen mich zum Staunen. Wie hunderte andere Touristen auch an diesem Sonntag. Stein am Rhein ist voll, zumindest der Rathausplatz. Ich biege in eine der schmalen Gassen ein und spaziere fast alleine durch die Altstadt.

Stein am Rhein am Bodensee

prunkvolle Hausfassade in Stein am Rhein

Auch im sehenswerten Museum Lindwurm bin ich fast alleine. Dabei ist das schon wieder so ein Highlight meiner Rheinradreise. Kaum steigt man die paar Treppenstufen hoch, landet man im Jahre 1850 und zwar mit allem, was dazu gehört: Gesindestube, Dachboden, Küche, Keller, Waschstube, Kinderzimmer, gute Stube, Schlafzimmer und Biedermeiersalon. Alles ist so eingerichtet, als ob die Besitzer des Hauses jeden Moment bei der Tür hereinkommen würden. Der Esstisch ist gedeckt, die Schuhputzpaste liegt bereit und im Dachboden wurde soeben die Wäsche aufgehängt. Wieder so ein hier-ist-es-schön-hier-bleibe-ich-Moment.

Museum in Stein am Rhein

Ein altes Bügeleisen im Lindwum Museum

Dachboden im Lindwurm Museum - hier wird Wäsche getrocknet und Holz aufbewahrt

Und doch muss ich weiter. Doch nicht bevor ich mich in einer Seitengasse kulinarisch verwöhnen lasse. Die Pontoniere feiern heute ihr traditionelles Fischessen mit Felchenknusperli und Hechttranchen.

Fischessen bei den Pontoniere

Weiter geht es Richtung Schaffhausen, links strahlt die Sonne vom Himmel und rechts von mir türmen sich dicke schwarze Wolken auf. Regen am letzten Radltag? Nein, nicht mit mir. Ab jetzt geht es Vollgas mit meinem E-Bike ohne Pausen Richtung Schaffhausen. Und nach insgesamt 275 km heißt es um 14 Uhr und 27 Minuten: Schaffhausen, ich habe mein Ziel erreicht!

Schaffhausen

Meine Rhein-Radtour wurde organisiert und unterstützt von Schweiz Tourismus und SwissTrails. Vielen Dank!

Mein Tipp:
Museum Lindwurm
Understadt 18
CH – 8260 Stein am Rhein
www.museum-lindwurm.ch

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