5:0 für die Kapverden

Kap Verde ist Musik.

Das beginnt schon am Flughafen. Gate 44 ist noch lange nicht zu sehen, aber bereits von Weitem zu hören. Kapverdische Musik tönt aus einem CD-Player, um den drei Männer tanzen.

„Shake me, baby, shake me!“

Selbst die Kleinsten wiegen ihre Hüften im Takt. Später werden sie im Flugzeug mit leisen Liedern in den Schlaf gesungen.

Wir Erwachsenen müssen mit Musik aus der Konserve vorliebnehmen, denn der CD-Player läuft selbstverständlich auch während des Fluges weiter. Die einen wiegt die Musik in den Schlaf, die anderen schnippen mit den Fingern. Vermutlich würden manche auch ihre Hüften schwingen, wäre da nicht das Anschnallzeichen, das sämtliche Tanzambitionen vorerst beendet.

„Shake me, baby, shake me!“

Auch in Praia ist die Musik nie weit. Auf einem großen Platz zeigen sieben Jugendliche spontan, was sie können. Zwei Gitarren sind schnell gestimmt, die Stimmbänder werden mit einem Schluck Bier geölt, und schon beginnt die improvisierte Probe.

Bei uns gibt es Castingshows, Jurys und aufwendig inszenierte Bühnen. Die Jugendlichen auf den Kapverden brauchen nicht viel mehr als zwei Gitarren, ihre Stimmen und einen freien Platz mitten in der Stadt.

Das Ergebnis

1:0 für die Kapverden.

Jugendliche spielen am Strand auf den Kapverden Fußball
Für ein Fußballspiel braucht es nicht viel: einen Ball, einen Strand und ein paar Mitspieler.

Der Alltag hat seinen eigenen Rhythmus

Auf den Kapverden wird das Auto nicht einfach nur auf einem Parkplatz gewaschen. Dazu läuft das Autoradio auf voller Lautstärke.

Frauen tragen schwere Waren auf dem Kopf und bewegen sich dabei mit einer Selbstverständlichkeit und Eleganz über den Markt, als wäre der ganze Platz eine Bühne. Ihre aufrechte Haltung, die langen Schritte und die bunten Kleider ziehen meinen Blick immer wieder auf sich.

Während bei uns Laufstege aufgebaut und Models gecastet werden, findet die Modenschau hier jeden Tag mitten im Leben statt.

2:0 für die Kapverden.

Frauen verkaufen Waren auf einem Markt auf den Kapverden
Auf den Märkten der Kapverden werden Lebensmittel und andere Waren oft auf dem Kopf transportiert.

Tiere haben Vorfahrt – meistens jedenfalls

Kap Verde ist auch Tierwelt.

Kühe und Stiere schlendern gemächlich am Straßenrand entlang und blockieren gelegentlich die Fahrbahn. Ein Almabtrieb auf kapverdisch, könnte man sagen.

Die Ziegenherde wiederum zeigt wenig Interesse daran, sich wie eine ordentliche Herde zu benehmen. Eine besonders eigensinnige Ziege beschließt spontan, eine Pause einzulegen.

Natürlich direkt vor unserem Auto.

Auch ein schwer beladener Esel bevorzugt den Mittelstreifen der Straße. Dort ist schließlich mehr Platz, und besonders eilig scheint es ohnehin niemand zu haben.

Weniger schön sind die vielen humpelnden Hunde. Sie zeigen, dass der Straßenverkehr für Tiere gefährlich sein kann. Dabei erlebe ich die Fahrer grundsätzlich als aufmerksam und rücksichtsvoll. Vor Zebrastreifen wird zuverlässig angehalten.

Bei Hunden scheint diese Regel leider nicht immer zu funktionieren.

Trotzdem:

3:0 für die Kapverden.

Fahrt mit dem Mietwagen über eine gepflasterte Bergstraße auf Santo Antão
Mit dem Mietwagen unterwegs durch die spektakuläre Berglandschaft von Santo Antão.

Die Pläne machen, was sie wollen

Kap Verde ist die Leichtigkeit des Seins.

Die Fähre hat ihren Fahrplan geändert und fährt trotz Reservierung nicht? Dann muss eben neu geplant werden.

Das Hotel hat die Buchung nicht erhalten, obwohl ich die Bestätigung ausgedruckt in der Hand halte? Irgendwo wird sich schon ein Zimmer finden.

Im Hotel gibt es kein Wasser? Dann bleibt für diesen Tag eben nur eine Katzenwäsche.

Wie viel Zeit unseres Lebens verbringen wir eigentlich unter der Dusche?

Seien wir ehrlich: vermutlich viel zu viel.

Auf den Kapverden heißt es, mindestens zwei Gänge zurückzuschalten. Für europäische Reisende, die mit einem minutiösen Reiseplan in der Hand ankommen, ist das anfangs gewöhnungsbedürftig.

Wir möchten wissen, wann die Fähre fährt, ob das Zimmer reserviert ist und ob morgen alles genauso funktioniert, wie wir es geplant haben.

Hier werden uns diese Pläne immer wieder aus der Hand genommen.

Das kann anstrengend sein. Es kann aber auch unglaublich befreiend wirken.

Denn irgendwann hört man auf, gegen jede Veränderung anzukämpfen. Man nimmt die Dinge, wie sie kommen, und stellt fest, dass sich meistens trotzdem eine Lösung findet.

4:0 für die Kapverden.

Altes Geschäft mit blauen Türen und der Aufschrift Loja Herculano in Praia
Verwitterte Fassaden und kleine Geschäfte prägen manche Straßen in Praia.

Das Meer bekommt immer einen Punkt

Kap Verde ist Meer.

Meer mit allem, was dazugehört: kleine Fischerboote, überfüllte Fähren, windige Häfen und Leuchttürme, die über der Küste wachen.

Es ist das Meer, aus dem am Morgen der Fisch geholt wird, der wenig später auf dem Markt liegt. Thunfisch, Tintenfisch und Oktopus landen am Abend auf den Speisekarten der Restaurants.

Es ist das Meer, das die Inseln voneinander trennt und sie gleichzeitig miteinander verbindet.

Und für das Meer gibt es von mir immer einen Punkt.

Also:

5:0 für die Kapverden.

Zwei Kinder sitzen am Straßenrand auf den Kapverden
Eine Alltagsszene abseits der touristischen Orte auf den Kapverden.

Kap Verde hat gewonnen

Dabei habe ich zu diesem Zeitpunkt gerade einmal Santiago gesehen. Vier weitere Inseln liegen noch vor mir – vorausgesetzt, die Flug- und Fährpläne spielen mit.

Aber vielleicht ist genau das der falsche Gedanke.

Auf den Kapverden spielen die Pläne schließlich selten so mit, wie man es erwartet.

Kap Verde hat trotzdem schon gewonnen.

Oder vielleicht gerade deshalb.

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2 Kommentare

  1. Veröffentlicht von Peter Eich am 05/01/2015 um 18:51

    Vielleicht für dich hilfreich: http://www.bodenseepeter.de/2012/12/29/kapverden/
    LG, Peter

    • Veröffentlicht von Reisebloggerin am 07/01/2015 um 21:01

      Hi Peter, klingt spannend! Nur leider ist momentan das Internet auf den Kapverden soooooo langsam (ja, da sind wir Europäer halt sehr verwöhnt), dass ich mir Deine Erlebnisse erst nach meinem Besuch durchlese. Liebe Grüße!

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GUDRUN KRINZINGER

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Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.

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