Sal heißt Salz und Vento heißt Wind

Erst vor einer halben Stunde bin ich mit dem Flugzeug von Mindelo kommend gelandet. Schon am Flughafen herrschte ein Gerangel und Geschiebe beim Taxistand. Das Taxi war eine alte Schüssel, das einzige was einwandfrei funktionierte, war das Autoradio des etwas 25-jährigen Taxilenkers. Der Gesang, der aus dem Autoradio quoll, war leicht zu verstehen. Wobei Gesang? Die einzigen zwei Wörter aus dem die Lieder bestanden, waren „sexy“ und „baby“ kombiniert mit tiefen Bässen und wilden Rhythmen. Ich überstand die Fahrt und wollte nur kurz an den Strand und im Anschluss etwas essen.

Sal – die Sonneninsel der Kapverden

In sämtlichen Reiseführern und Reisebürokatalogen wird Sal als DIE Sonneninsel beschrieben. Das mag schon stimmen. Die Erwähnung der Passatwinde, die die gesamte Insel von November bis in Juni in Schach hält, hatte ich zwar nicht überlesen, fand ich aber auch nicht schlimm. Wem schadet schon so ein bisschen Wind?

So spazierte ich nichtsahnend auf die Straße und fand Touristen vor, die in Daunenjacken unter Wärmelampen saßen. Hinter jeder Türe auf der Hauptstraße verbarg sich entweder eine Bar oder ein Souvenirladen, deren Besitzer versuchten mich mit „Hello, Miss“ oder „Come in, it’s free“ in die Läden zu locken. Dass in den angrenzenden Clubs die kapverdischen Mädchen von weißen, bierbäuchigen und betrunkenen Männern angebaggert wurden fand ich jetzt auch nicht unbedingt ansprechend. Und dass die Preise im hoch gelobten Fischrestaurant um 25 Prozent teurer als auf den anderen Inseln, die Qualität dafür 25 Prozent schlechter und die Bedienung mehr als desinteressiert war, überraschte mich schließlich nicht mehr.

Glücklicherweise war für den nächsten Tag noch ein Mietwagen zu haben und die Tagesrundfahrt über die kleine Insel mit großer Geschichte entschädigte mich dann doch noch über den misslungenen Start.

Die wichtigste Attraktion in Sal ist die stillgelegte Saline Pedra de Lume

Der gleichnamige Ort nur einen Kilometer vor der Saline wirkte auf mich wie eine Geisterstadt im Wilden Westen. Jeden Moment könnte Clint Eastwood aus der verfallenen Ladestation mit einem gezückten Colt in der Hand kommen und Ennio Morricones Melodie „Spiel mir das Lied vom Tod“ pfeifen. Die Person die sich dann wirklich von der Hausmauer löste, war natürlich nicht Clint Eastwood, sondern ein Guide, der uns seine Dienste anbieten wollte.

Die Saline selbst liegt in der Einsturzcaldeira eines ehemaligen Vulkans. Da der Boden der Caldeira unter dem Meeresspiegel liegt, das umliegende Gestein jedoch porös ist, sickert Meerwasser in die Senke. Nach der Verdunstung bleibt eine weiße Salzschicht an der Oberfläche zurück. Noch zu Beginn des 20.Jhdts arbeiteten hier hunderte Arbeiter um mithilfe einer Seilbahn bis zu 25 Tonnen Salz pro Stunde aus dem Krater zum Hafen zu transportieren. Heute kümmern sich einige wenige um die zahlungswilligen Touristen die entweder im Salzsee ein Bad nehmen oder im Restaurant eine Pause einlegen wollen.

Pedra de Lume auf Sal

Pedra de Lume auf Sal – eine verlassene Salz-Mine auf den Kapverden

Verfallene Salzladestation

Verfallene Salzladestation

Pedra de lume

Ein Kirche in Pedra de lume auf Sal

Salzmine

Salzmine

Salz

Salz in einem Vulkankrater auf Sal

Wenn schon aus windtechnischen Gründen das Baden im Meer nicht möglich war, legte ich mich eben hier kurz in den Salzsee. Und ja, ich blieb tatsächlich oben und ging nie unter.

Ausflug in den Fischerort Palmeira

Im Anschluss unternahmen wir einen Abstecher in den kleinen Fischerort Palmeira. Wie wurden von den vielen bunten Schirmchen angezogen. Von weitem sah alles ein bisschen seltsam aus: helle Sanddünen und dahinter flitzten Kite-Schirme über den blauen Himmel. Das Meer war unsichtbar, ebenso wie die Kitesurfer selbst.

Für Kitesurfer ist Sal ein Paradies. Ich bin ja viel zu feig für solch eine rasante und windige Sportart, aber den Sportlern zuzuschauen war ein tolles Erlebnis.

Kitesurfen auf Sal

Kitesurfen auf Sal

Kitesurfer auf Sal

Kitesurfer auf Sal

Kitesurfen auf Sal

Kitesurfen auf Sal

Und sowieso immer ein Erlebnis sind Sonnenuntergänge am Meer. Da kam mir dann der Gedanke, die Insel Sal (portugiesisch für Salz) umzutaufen in Vento (portugiesisch für Wind). Ich glaube die Kitesurfer hätte ich an meiner Seite.

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang

Ich war von 1.- 16.Jänner 2015 auf den Kapverdischen Inseln unterwegs, davon zwei Nächte auf Sal.

Andere Reiseblogger, andere Berichte:
Die ReiseEule hat auf Sal die versteckte Buchten entdeckt

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2 Kommentare

  1. Veröffentlich von TanjasBunteWelt am 03/03/2015 um 15:51

    Hallo Grudrun,

    also der Start ist mal richtig schlecht 🙁 hoffentlich hat die Fahrt auf der Insel dich etwas vertröstet. Für mich jedoch wäre es dort schon fast zu fad.
    LG Tanja

    • Veröffentlich von Reisebloggerin am 03/03/2015 um 15:55

      Ja, der Start war gar nicht nach meinem Geschmack. Mir hat der eine Tag gereicht. Für Sonnenanbeter, Kitesurfer und Badeurlauber ist es das Paradies!

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GUDRUN KRINZINGER

Ich tue. Ich reise. Ich bin.


Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.

Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.

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