Schloss Eckartsau

Fast möchte ich seufzen: „Was, schon wieder ein Schloss? In der Marchfelder Gegend sprießen die ja wie Spargel aus dem Boden!“. Ja, schon wieder ein Schloss. Und an der Straße der Kaiser und Könige zwischen Regensburg und Budapest ist das Vorkommen von Schlössern, Burgen und Klöstern gar nicht mal so selten.

Schloss Eckartsau ist aber nicht irgendein Schloss, hier wurde Geschichte geschrieben, hauptsächlich habsburgische und somit österreichische Geschichte. Das Schloss selbst stammt aus dem 12.Jhdt und dümpelte jahrelang als Wasserschloss vor sich hin, bis sich ein Graf Kinsky im 18.Jhdt. erbarmte und es im Stil der damaligen Zeit umbauen ließ. Schloss Eckartsau erstrahlte von nun an im barocken Glanz.

Die römische Göttin Diana zog als Statue, auf Gemälden und Deckenfresken mit ein und unter ihrer Schutzherrschaft wurde auf Schloss Eckartsau dem Hobby gefrönt, wofür Diana bekannt ist: Der Jagd. Als Jagdschloss wurde der Besitz wiederum für die Habsburger interessant, die weitläufigen Ländereien versprachen großartige Trophäen, so dass Franz Stephan von Lothringen, der Gemahl von Kaiserin Maria Theresia, dass Schloss erwarb. Empfänge wurden gegeben und Jagdfeste gefeiert. Doch die Blütezeit währte nicht lange, das Schloss verfiel nach Maria Theresias Tod.

Schloss Hof

Stiegenhaus

Bett in Schloss Hof

Erst im 19.Jhdt wurde es wieder für einen Habsburger interessant, einem leidenschaftlichen Jäger und Gartenliebhaber: Franz Ferdinand. Er setze umfangreiche Renovierungsmaßnahmen in Gang und wie in Artstetten wurde Wert auf Modernität gelegt. Zum Beispiel mit der Anschaffung eines Staubsaugers, ein Riesending, dass von zwei Bediensteten bedient werden musste. Ebenso umgestaltet wurde der riesige 27 ha große Park.

Nach dem Attentat in Sarajewo und dem Tod des Thronfolgers spielte das Schloss Eckartsau noch einmal eine entscheidende Rolle in der Geschichte Österreichs. Kaiser Karl reist mit seiner Familie am 11.November 1918 von Schönbrunn nach Eckartsau und unterschrieb zwei Tage später die Verzichtserklärung an der Regierungsbeteiligung Ungarns. Noch bis zum 23.März 1919 lebt die Familie im Schloss und emigriert von hier aus in die Schweiz. Die Herrschaft der Habsburger ist somit zu Ende.

Als uns eine Ungarin den Originaltext der Verzichtserklärung vorliest (der Text ist in ungarischer Sprache verfasst), ist es im Raum mucksmäuschenstill. Zwar verstehen wir kein Wort, aber wir wissen um die Auswirkung des Textes. Der Tisch im Nebenraum ist gedeckt für das Abschiedsessen der kaiserlichen Familie. Damals gab es Fritattensuppe und Filet vom Wild mit Gemüse. Die Privaträume sind ebenfalls zu besichtigen, hier ein Ankleideraum, dort ein gemütliches Wohnzimmer, es fehlt gerade noch dass der Kaiser den Raum betritt und im bequemen Fauteuil Platz nimmt.

Mir ist ein bisschen melancholisch zu Mute und genauso wie in Schloss Hof habe ich das Gefühl eine Zeitreise in ein anderes Jahrhundert unternommen zu haben. Ich finde es schön, dass man hier heute eintreten darf und den Lauf der Geschichte verstehen lernt. Schön, dass sich hier Hochzeitspaare das Ja-Wort geben und Feste gefeiert werden. Und schön, dass man bei Spaziergängen im Park der Natur so nahe ist.

Meine Gastgeber auf der Reise waren die ARGE Straße der Kaiser und Könige und die Region Donau Niederösterreich. Vielen Dank für die Einladung.

Festsaal in Schloss Hof

Wäscheschrank

Abschiedsessen der Habsburger

 

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