Schloss Eckartsau – Wo die Habsburger-Monarchie zu Ende ging
Fast möchte ich seufzen: „Was, schon wieder ein Schloss?“ In der Marchfelder Gegend sprießen Schlösser ja fast wie Spargel aus dem Boden. Schloss Hof, Schloss Niederweiden, Schloss Orth – und eben auch Schloss Eckartsau. Wer im Osten Niederösterreichs unterwegs ist, kommt an barocken Fassaden, alten Jagdschlössern und kaiserlichen Geschichten kaum vorbei.
Aber Schloss Eckartsau ist nicht einfach nur „noch ein Schloss“.
Es ist einer dieser Orte, an denen Geschichte plötzlich sehr nahe kommt. Nicht als Jahreszahl in einem Schulbuch, sondern als Raum, als gedeckter Tisch, als stilles Zimmer, als letzter Blick zurück. Denn hier verbrachte Kaiser Karl I. mit seiner Familie die letzten Monate in Österreich, bevor die kaiserliche Familie 1919 ins Exil ging.
Ich war viele Jahre nach meinem ersten Besuch im Frühling 2026 wieder in Eckartsau und habe genau deshalb diesen Artikel überarbeitet. Denn dieser Ort verdient mehr als einen kurzen Ausflugstipp. Schloss Eckartsau erzählt vom Glanz der Habsburger, von Jagdgesellschaften, barocker Pracht, politischem Umbruch und einem ziemlich leisen Ende.

Schloss Eckartsau im Marchfeld
Schloss Eckartsau liegt im Marchfeld in Niederösterreich, östlich von Wien und nicht weit von der Donau entfernt. Heute befindet sich das Schloss mitten im Nationalpark Donau-Auen – und genau diese Mischung macht den Besuch so besonders: Hier trifft Habsburger-Geschichte auf Au-Landschaft, Schlossführung auf Spaziergang, barocke Räume auf Naturerlebnis.
Wer einen Ausflug ab Wien sucht, der Geschichte, Architektur und Natur verbindet, ist in Eckartsau genau richtig. Das Schloss liegt außerdem an der sogenannten Straße der Kaiser und Könige zwischen Regensburg und Budapest – also an einer Route, auf der kaiserliche Geschichte ohnehin nie weit entfernt ist.

Vom mittelalterlichen Wasserschloss zum barocken Jagdschloss
Die Geschichte von Schloss Eckartsau reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Damals war es noch eine mittelalterliche Wasserburg am Rand des Marchfeldes. Erst viel später wurde daraus jenes barocke Schloss, das man heute besucht. Die offizielle Schlossgeschichte nennt die Anfänge im 12. Jahrhundert und beschreibt den Weg von der Wasserburg zum späteren kaiserlichen Jagdschloss.
Im 18. Jahrhundert ließ Graf Kinsky das Schloss im Stil der damaligen Zeit umbauen. Aus der alten Anlage wurde ein barockes Schloss. Und weil Barock ohne Symbolik fast undenkbar ist, zog auch die römische Göttin Diana in Eckartsau ein: als Statue, auf Gemälden und in Deckenfresken.
Diana ist die Göttin der Jagd – und damit war das Programm des Schlosses gewissermaßen vorgegeben. Schloss Eckartsau wurde zum Jagdschloss. Genau das machte es später auch für die Habsburger interessant. Die weitläufigen Ländereien, die Nähe zur Donau und die wildreichen Auen waren ideal für höfische Jagden.
Franz Stephan von Lothringen, der Gemahl Maria Theresias, erwarb das Schloss. Es wurde gefeiert, gejagt, empfangen. Schloss Eckartsau erlebte eine glanzvolle Zeit – bevor es nach dem Tod Maria Theresias wieder an Bedeutung verlor.

Franz Ferdinand und die Rückkehr der Habsburger nach Eckartsau
Erst im 19. Jahrhundert wurde Schloss Eckartsau wieder stärker mit den Habsburgern verbunden. Besonders Erzherzog Franz Ferdinand, der spätere Thronfolger, interessierte sich für das Schloss. Er war ein leidenschaftlicher Jäger und ließ umfangreiche Renovierungsmaßnahmen durchführen.
Dabei ging es nicht nur um Repräsentation, sondern auch um Modernität. Wie in Schloss Artstetten war Franz Ferdinand offenbar durchaus daran interessiert, Komfort und zeitgemäße Technik einziehen zu lassen. Ein Detail, das bei der Führung besonders hängen bleibt: Im Schloss gibt es einen Staubsauger – allerdings nicht so ein handliches Ding, wie wir es heute kennen, sondern ein riesiges Gerät, das von zwei Bediensteten bedient werden musste.
Auch der Schlosspark wurde umgestaltet. Heute umfasst die Anlage einen weitläufigen Park, der wunderbar zu einem Spaziergang passt. Gerade diese Verbindung aus Schloss und Natur macht Eckartsau so reizvoll.


Die Herrschaft der Habsburger geht in Eckartsau zu Ende
So schön die barocken Räume, die Jagdgeschichten und die Parkanlage auch sind: Der eigentliche Gänsehautmoment in Schloss Eckartsau hängt mit dem Ende der Monarchie zusammen.
Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch der Donaumonarchie wurde Schloss Eckartsau zum letzten Wohnort der kaiserlichen Familie in Österreich. Kaiser Karl reist mit seiner Familie am 11.November 1918 von Schönbrunn nach Eckartsau und unterschrieb zwei Tage später die Verzichtserklärung an der Regierungsbeteiligung Ungarns. Noch bis zum 23.März 1919 lebt die Familie im Schloss und emigriert von hier aus in die Schweiz. Die Herrschaft der Habsburger ist somit zu Ende.
Als uns eine Ungarin den Originaltext der Verzichtserklärung vorliest (der Text ist in ungarischer Sprache verfasst), ist es im Raum mucksmäuschenstill. Zwar verstehen wir kein Wort, aber wir wissen um die Auswirkung des Textes.


Der gedeckte Tisch
Der Tisch im Nebenraum ist gedeckt für das Abschiedsessen der kaiserlichen Familie. Damals gab es Fritattensuppe und Filet vom Wild mit Gemüse. Eigentlich ein ganz normales Menü – und gerade deshalb so berührend. Denn dieser Tisch erzählt nicht nur von höfischer Etikette, sondern von einem Moment, in dem eine Familie Abschied nahm.
Auch die Privaträume erzählen so einiges. Ein Ankleidezimmer hier, ein Wohnzimmer dort, Möbel, Stoffe, Alltagsgegenstände. Man wartet fast darauf, dass der Kaiser den Raum betritt, sich in einen Fauteuil setzt und die Geschichte einfach weitergeht.


Schlossführung „Kaiser ohne Krone“
Wer Schloss Eckartsau besuchen möchte, sollte unbedingt eine Führung einplanen. Das Schloss ist nämlich nicht einfach ein Museum, durch das man frei spazieren kann, sondern kann ausschließlich im Rahmen von Führungen besichtigt werden. In der Saison 2026 wird die Schlossführung „Kaiser ohne Krone“ laut offizieller Besucherinformation täglich um 11, 14 und 16 Uhr angeboten.
Der Titel passt perfekt. Denn es geht hier nicht nur um Kaiser, Kronen und höfischen Glanz, sondern vor allem um den Moment, in dem diese Welt zerbricht. Gerade deshalb ist die Führung so spannend: Sie verbindet die Schlossgeschichte, die Jagdtradition, Franz Ferdinand und den letzten Kaiser Karl zu einem sehr dichten historischen Bogen.
Für mich ist Schloss Eckartsau einer jener Orte, an denen man österreichische Geschichte besser versteht. Nicht abstrakt, nicht trocken, sondern räumlich. Man steht dort, wo Entscheidungen nachhallten. Man sieht, wo Menschen wohnten, warteten, hofften und schließlich abreisten.

Schlosspark und Nationalpark Donau-Auen
Was Schloss Eckartsau zusätzlich besonders macht, ist seine Lage im Nationalpark Donau-Auen. Nach der Führung lohnt es sich unbedingt, noch Zeit für den Schlosspark und die Umgebung einzuplanen.
Der Park ist ideal zum Spazieren. Je nach Jahreszeit wirkt er ganz unterschiedlich: im Frühling frisch und hell, im Sommer grün und schattig, im Herbst etwas verwunschen. Wer historische Orte liebt, aber nach einer Schlossführung gerne noch draußen ist, bekommt hier beides.
Im Schloss befindet sich außerdem eine Informationsstelle des Nationalparks Donau-Auen. Damit wird Schloss Eckartsau nicht nur zum Ziel für Geschichtsinteressierte, sondern auch für Familien, Naturfreundinnen und alle, die einen entspannten Tagesausflug suchen.

Schloss Eckartsau als Filmkulisse
Schloss Eckartsau ist auch eine beliebte Filmkulisse. Kein Wunder: Historische Räume, Schlosskapelle, Jagdgang, Schlafzimmer und Park liefern genau die richtige Atmosphäre für Filme, Serien und Dokumentationen.
Gedreht wurde hier unter anderem für „Radetzkymarsch“ (1965, Regie: Michael Kehlmann), „Sisi“ (2009, Regie: Xaver Schwarzenberger), „Das Sacher“ (2016), „Corsage“ (2021, Regie: Marie Kreutzer, mit Vicky Krieps) sowie für mehrere Folgen von „SOKO Donau“. Auch das ORF-Ballett zum Neujahrskonzert nutzte Schloss Eckartsau als Kulisse.
Aktueller Tipp: Schloss- und Parkfest „Zartgrüne Sommerlaune“
Ein schöner Anlass für einen Besuch ist das Schloss- und Parkfest „Zartgrüne Sommerlaune“, das am 14. Juni 2026 stattfindet. Das Fest läuft von 11 bis 20 Uhr, das Programm im Schlosspark von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Der weitläufige Schlosspark wird an diesem Tag zum sommerlichen Erlebnisraum. Es gibt Wiesenlounges, also frisch gemähte Chill-out-Inseln im Gras, dazu Live-Musik, regionale Kulinarik und ein Familienprogramm. Besonders nett finde ich das neue Maskottchen des Schlosses: die Fliedermaus. Sie verbindet Schloss und Park und begleitet Kinder spielerisch durch verschiedene Stationen.
Auch das sogenannte SPÄHIKEL, ein mobiler Naturbeobachtungswagen, ist Teil des Programms. Damit werden moderne Forschungsmethoden anschaulich vermittelt. Für Kinder gibt es Malstationen, Kutschenfahrten, Seifenblasen und Naturspielangebote.

Meine Gedanken zu Schloss Eckartsau
Mir ist nach dem Besuch ein bisschen melancholisch zumute. Genauso wie in Schloss Hof habe ich auch in Schloss Eckartsau das Gefühl, eine kleine Zeitreise in ein anderes Jahrhundert unternommen zu haben. Vielleicht liegt es an den historischen Räumen, vielleicht an der Geschichte der kaiserlichen Familie, vielleicht aber auch an dieser besonderen Stille, die über dem Schloss liegt.
Ich finde es schön, dass man hier heute eintreten darf und den Lauf der Geschichte nicht nur nachlesen, sondern beinahe spüren kann. Schön, dass sich hier Hochzeitspaare das Ja-Wort geben, dass Feste gefeiert werden und ein Ort des Abschieds heute wieder ein Ort des Lebens ist.
Und schön ist auch, dass man nach all der Geschichte einfach hinausgehen kann: in den Park, unter alte Bäume, hinein in die Natur des Nationalparks Donau-Auen. Schloss Eckartsau bleibt für mich genau deshalb besonders – weil es Vergangenheit und Gegenwart, Geschichte und Natur auf so stille Weise miteinander verbindet.

Praktische Tipps für deinen Besuch in Schloss Eckartsau
Adresse: Schloss Eckartsau, 2305 Eckartsau
Region: Marchfeld, Niederösterreich
Gut kombinierbar mit: Nationalpark Donau-Auen, Orth an der Donau, Schloss Hof, Schloss Niederweiden
Besichtigung: Das Schloss ist nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen.
Führungen: In der Saison 2026 wird die Führung „Kaiser ohne Krone“ täglich um 11, 14 und 16 Uhr angeboten.
Öffnungszeiten 2026: Laut Gruppenprogramm sind Nationalpark-Informationsstelle, Schloss Café und Ausstellungen von 21. März bis 1. November 2026 geöffnet, im Sommer an Wochenenden und Feiertagen länger.
Tipp: Vor dem Besuch immer die aktuellen Zeiten auf der Schlosswebsite prüfen, besonders bei Veranstaltungen oder Sonderführungen.
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GUDRUN KRINZINGER
Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.
Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.
Toller Artikel!
Liebe Grüße
Danke schön!