Der Weg der Liebe – Sentiero dell’Amore

Die Einwohner von Millstatt kennen sich aus. Mit der Liebe und mit dem Wandern. Irgendjemand ist hier draufgekommen, dass sich die Liebe und das Wandern gleichen. Ist beides nicht ein ständiges auf und ab? Bei beiden stellen sich einen Hindernisse in den Weg, beim Wandern zum Beispiel in Form von Kühen. Sowohl das Wandern als auch die Liebe können anstrengend sein, schlimmstenfalls zu anstrengend.

Liebe und Wandern gleichen sich

Es kann aber auch vorkommen, dass man sich verläuft, die falsche Richtung einschlägt oder in ein Gewitter kommt. Oder es ist strahlender Sonnenschein, liebes- wie auch wandertechnisch, also wie zum Beispiel in meinem Fall. Auf jeden Fall braucht man beim Wandern Ruhepausen, in der Liebe hoffentlich seltener. Am Weg der Liebe soll/darf/muss man an bestimmten und besonders schönen Flecken Pausen machen, sich mit dem Liebsten oder der Liebsten auf einer aus Holz gezimmerten Bank ausruhen, ein Buch aus einem Fach zaubern und darin schmökern. Will man sich schriftlich verewigen, darf man das.

Der Weg der Liebe in Kärnten

Ich musste auf dem Weg der Liebe auf meinen Liebsten verzichten. Sein Knie sträubte sich gegen jede Art der Fortbewegung, es wollte geschont werden. Daher startete ich den Weg gemeinsam mit Alexandra auf der Alexanderhütte. Diese Alm liegt hoch oben auf dem Berg.

Hütte aus Holz mit Ausblick auf die Berge
Bei der Alexanderhütte beginnt der „Weg der Liebe“
Milchkannen
Auf der Alexanderhütte wird noch Käse gemacht
Wand mit der Aufschrift "Weg der Liebe"
Was ist das Verrückteste, was Du jemals aus Liebe getan hast? Mit dieser Frage beginnt der Wanderweg der Weg der Liebe.

Hier, auf 1800 Höhenmetern, startet der 6,5 km lange Wanderweg mit einer Frage: Was ist das Verrückteste, was Du jemals aus Liebe getan hast?

Fällt euch dazu was ein?

Ich beschließe meine Verrücktheiten der Nachwelt vorzuenthalten und widme mich der Sennerei, wo gerade Magdalena, die Sennerin aus Bayern, den Harber Kas aus einer Plastikwanne auf einen Tisch im Freien stürzt und ihn sorgfältig in ein Tuch einschlägt. Sie lässt mich kosten. Er schmeckt sehr würzig und ein bisschen scharf.

Wir starten die Wanderung „Der Weg der Liebe“

Solchermaßen gestärkt starten wir unsere Wanderung. Wir plaudern drauf los und unser Thema ist nicht die Liebe, aber trotzdem so spannend, dass wir die erste Station verpassen. Ja, also auch das kann sowohl bei der Liebe als auch beim Wandern passieren: Man verpasst etwas. Wir trösten uns bei der nächsten Alm, der Millstätter Hütte, mit selbstgemachten Holundersaft.

Die Millstätterhütte liegt inmitten von grünen Wiesen
Hütte mit Aussicht: Die Millstätterhütte
Speisekarte auf der Millstätterhütte
Hausgemachte Spezialitäten perfekt zum Wandern

Die zweite Station des Wanderweges

Bis zur zweiten Station ist es nicht mehr weit, hier lautet die Frage: „Wie nennst Du Deinen Liebsten?“.

Im Buch, das in einer Schublade versteckt ist, wurden Kosenamen aus der ganzen Welt gesammelt. In Armenien nennt man seine Liebste zum Beispiel Erazanqneris Taguhi, was „Königin meiner Träume“ bedeutet. 

Alexandra verabschiedet sich und ich komme gar nicht dazu, sie zu fragen, ob sie sich mit ihrem Liebsten bereits eingetragen hat. Ich gehe alleine weiter. Auch das ist erlaubt: Den Weg der Liebe alleine beschreiten, man kann ja immerwährend und bei jedem Schritt an den Liebsten denken.

Ein graues Buch mit der Aufschrift der Weg der Liebe
Habt ihr euch schon eingetragen?
Enzian
Was man beim Wandern am Weg der Liebe entdeckt: Enzian

Was schätzt Du an Deinem Partner am meisten?

An der dritten Station rankt sich alles um das Thema: Was schätzt Du an Deinem Partner am meisten? Sofort trage ich Großzügigkeit ins Buch ein. Beim Durchblättern der bereits beschrieben Seiten fallen mir die Wörter Mut und Humor auf. Vier Stationen habe ich noch vor mir und die fünfte Station, die unter dem Motto „Unsere Liebe ist…“ steht, beantworte ich mit „hungrig“. Ich lege mich auf die Bank, esse einen Müsliriegel und schaue in die Landschaft.

Bank zum Rasten mit Ausblick auf den Millstätter See
Wanderweg mit Aussicht
Wanderschuhe und im Hintergrund der Millstätter See
Bei der Wanderung hat man den Millstätter See oftmals im Blick

Angekommen beim Granattor

Solchermaßen gestärkt marschiere ich Richtung Granattor, dem höchsten Punkt des Sentiero dell’Amore. In den Millstätter Alpen steckt das größte Granatvorkommen Europas. Mit diesem imposanten Tor, geschaffen aus Eisen und Tonnen von Granatsteinen, erinnert man sich daran.

Granattor, ein künstliches Tor geschaffen aus Eisen und Granitsteinen
Das Granattor

Wer weiß schon an wie vielen Granatsteinen ich vorbeimarschiert bin? Sie werden auch „Feuersteine der Liebe“ genannt.

An der sechsten Station stellt sich daher die Frage: „Wem wirst Du diesen Stein als Liebesbekenntnis überbringen?“ Im Buch finden sich Liebeserklärungen aus Film und Fernsehen, als Inspiration für die Verliebten.

Liebesschwur
Liebeserklärung aus dem Film „Harry und Sally“

Bei der siebten und letzten Bank am Weg der Liebe wird folgender Wunsch abgefragt: „Wir wünschen uns für die Zukunft…“

Ein gesundes Knie, denk ich mir, und trage unter anderem „Gesundheit“ in das Buch ein.

Und soll ich euch was verraten? Es hat geholfen. Ich steige hinab zur Lammersdorfer Hütte, als ich eine SMS erhalte: Deine Liebe kommt Dir entgegen. Die Wirksamkeit des Weges der Liebe ist somit bewiesen.

Schild mit dem Worten Lammersdorfer Hütte
Einkehr nach der Wanderung bei der Lammersdorfer Hütte
Jausenbrot mit Speck, Gurkerl und Ei
Das habe ich mir verdient!

Weitere Informationen zum Weg der Liebe findet ihr hier: Der Weg der Liebe – Sentiero dell’Amore

Informationen zum Millstätter See gibt es hier: Millstätter See in Kärnten

Über das Wandern am Alpe-Adria-Trail, der am Millstätter See vorbei führt, hat Sabrina von Couchflucht.de einen ausführlichen Artikel geschrieben: Wandern am Millstätter See

Ich wurde von der Millstätter Tourismus GmbH und der Kärnten Werbung eingeladen die Region kennenzulernen. Vielen Dank!

1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Michaela am 11/12/2020 um 11:23

    Liebe Gudrun,
    ein toller Beitrag, der gleich Lust auf’s Wandern macht. Ich komme selbst aus Kärnten und ich liebe meine Heimat. Den „Weg der Liebe“ habe ich bisher aber noch nicht erkundet, kommt aber jedenfalls nächstes Jahr auf die To-do-Liste.
    Viele Grüße aus Kärnten, Michaela

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GUDRUN KRINZINGER

Ich tue. Ich reise. Ich bin.


Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.

Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.

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