Winter in Finnland: Hundeschlitten, Schneeiglu und Nordlichter
Ich mag ihn nicht, den Winter. Diese Jahreszeit verbinde ich gedanklich immer mit einer Tätigkeit, die ich noch weniger mag: dem Skifahren. Doch während meiner Reise in den Norden Finnlands habe ich entdeckt, dass der Winter abseits der Skipisten durchaus seine schönen Seiten hat.
Im März 2012 war ich in Finnisch-Lappland unterwegs. Auch wenn diese Reise bereits einige Jahre zurückliegt, denke ich bis heute gerne an diese besonderen Tage im Schnee zurück.
Meine winterlichen Aktivitäten bestanden aus einer Fahrt mit dem Hundeschlitten, einem Ausflug mit dem Schneemobil inklusive Eisfischen, einer kurzen Nacht im Schneeiglu und einer Rentierschlittenfahrt. Als besondere Zugabe zeigten sich sogar die Nordlichter.

Mit dem Hundeschlitten durch Finnland
Kaum steigen wir aus dem Auto, geht das Kläffen los. Mehrere Huskys stehen auf ihren Hundehütten und bellen sich sprichwörtlich die Seele aus dem Leib. Einige von ihnen sind bereits vor einfache hölzerne Schlitten gespannt und hüpfen aufgeregt hin und her. Sie können es kaum erwarten, dass unser rund vierstündiger Ausflug durch die verschneiten Wälder beginnt.
Nach der Einkleidung mit Overall, Thermoschuhen, Socken und Handschuhen bekommen wir von Minna eine kurze Einführung in die Handhabung eines Hundeschlittens. Sie erklärt uns die Handzeichen für „Stopp“ und „Weiterfahrt“ und zeigt uns unser wichtigstes Hilfsmittel: die Bremse. Das ist eine Art Metallkralle, die am hinteren Teil des Schlittens angebracht ist.
Die Huskys bellen umso aufgeregter, je näher wir dem Schlitten kommen. Sie wollen lossprinten. Dann löst ein Helfer die Leinen und es geht los.

Die Schlittenhunde stürmen los
Bis zur Mittagspause bin ich Passagier, mein Partner führt den Schlitten und konzentriert sich auf das Hundegespann. Ich genieße die Fahrt, den Sonnenschein und die Landschaft, während sich mein Partner mit unserem schnellen Gespann abmüht. Ein Mitarbeiter der Huskyfarm begleitet unsere Gruppe mit einem Motorschlitten und behält die Gespanne im Auge.
Die eineinhalbstündige Fahrt vergeht viel zu schnell. Schon erreichen wir eine Blockhütte, in der wir Tee und Suppe zum Aufwärmen bekommen. Die Huskys liegen angeleint in der Sonne. Sie sehen müde aus und sind für jede Streicheleinheit zu haben.

Nach der Pause wechseln wir die Plätze, nun darf ich das Gespann anführen. Die vermeintliche Müdigkeit der Hunde ist wie weggewischt. Sie spüren die Aufbruchstimmung und wollen losstürmen.
Kaum sind die Leinen gelöst, stürzen sie drauflos. Ich versuche sie zu bremsen und muss mich mit meinem ganzen Körpergewicht auf die Bremse stellen. Unser Gespann ist schnell und ich muss die Bremse noch mehrmals einsetzen, damit wir dem Schlitten vor uns nicht zu nahe kommen.
Leider vergeht auch die Rückfahrt viel zu schnell. In Windeseile – oder besser gesagt: in Hundeseile – erreichen wir wieder die Huskyfarm.
Wie schnell wir mit dem Hundeschlitten unterwegs waren, siehst du in diesem Video:
Mehr über dieses Erlebnis erzähle ich in meinem ausführlichen Artikel über die Hundeschlittenfahrt in Finnland.
Mit dem Schneemobil zum Eisfischen
Die Fahrt mit dem Schneemobil entpuppt sich als deutlich lauter als die Hundeschlittenfahrt. Doch das Abenteuer beginnt fast gleich: Wir werden in warme Overalls gesteckt und bekommen erklärt, wie der Motorschlitten funktioniert. Handzeichen gibt es ebenfalls.
Nur diesmal darf mein Partner von Anfang bis zum Schluss das Steuer übernehmen. Zuerst drehen wir eine Proberunde. Nachdem bei allen alles geklappt hat, geht es auch schon los. Besonders schnell sind wir nicht, dafür aber ziemlich laut. Da sind mir selbst die kläffenden Huskys lieber.


Die Wildniskirche von Pielpajärvi
Unser erstes Ziel ist die Wildniskirche von Pielpajärvi.
Die erste Kirche an diesem Standort wurde 1647 fertiggestellt. Ein- bis zweimal im Jahr besuchte der Pfarrer die Gemeinde, bisweilen erschien er jedoch auch gar nicht.
Die Aufenthalte rund um die Gottesdienste dauerten im Winter eine bis eineinhalb Wochen. Gleichzeitig fanden Märkte statt, Steuern wurden eingehoben und Gerichtsverhandlungen abgehalten. Das heutige Kirchengebäude stammt aus dem Jahr 1760 und wurde vollständig aus Holz errichtet. Zu Ostern und zu Mittsommer finden hier noch heute Gottesdienste statt. Auch Hochzeiten werden in der Kirche gefeiert.
Nicht weit von der Kirche legen wir in einer Blockhütte unsere Mittagspause ein. Danach geht es hinaus auf den zugefrorenen See zum Eisfischen.


Eisfischen auf dem zugefrorenen See
Zuerst drückt uns Martin einen Bohrer in die Hand, mit dem wir ein Loch in die dicke Eisdecke bohren. Anschließend bekommen wir kleine Plastikangeln samt Köder ausgehändigt, die wir in die Löcher halten.
Und dann heißt es warten.


Petri heil!
Wir müssen sogar als Fotomotive herhalten, wie wir so einsam und verloren auf dem See herumstehen, mit kleinen Angeln in den Händen und ohne die geringste Ahnung, ob sich unter uns überhaupt ein Fisch für unsere Köder interessiert.
Martin hat sich einige Meter von uns entfernt ein eigenes Loch gebohrt. Er hält seine Angel hinein und hat – schwupps – einen Fisch am Haken.
So ganz glaube ich ihm nicht, dass das mit rechten Dingen zugeht. Wahrscheinlich hat er getrickst, den Fisch schon vorher gefangen und ihn extra für uns aus dem Eisloch gezogen.


Trotzdem ist unsere Gruppe in guter Stimmung und wir fahren mit dem Schneemobil über den gefrorenen See weiter. An einer anderen Stelle zeigt uns Martin eine weitere Art des Eisfischens. Eine Angelschnur mit mehreren Haken verläuft unter dem Eis. Auch hier war er erfolgreich und zieht gleich mehrere Fische aus dem Wasser.
Mit dem Schneemobil geht es zurück nach Inari, wo wir das Siida Sámi Museum besuchen. Eine Sonderausstellung ist den Polarlichtern gewidmet.
Ob ich sie später auch am Himmel sehen werde?
Wie laut eine Fahrt mit dem Schneemobil sein kann, hörst du in diesem Video:
Auf der Suche nach den Nordlichtern
Eigentlich ist es ganz einfach: Läutet jemand die schwere schmiedeeiserne Glocke im Kakslauttanen Arctic Resort, heißt es warm anziehen, in die Kälte hinausstapfen und den Kopf Richtung Himmel strecken.
Wo sind sie, die Nordlichter?
Ganz so einfach ist es allerdings nicht immer. Wer noch nie zuvor Nordlichter in natura gesehen hat, erkennt sie nicht unbedingt auf Anhieb. Sind das Wolken? Grüne Wolken? Oder leuchtet da tatsächlich der Himmel?
Noch bevor wir die Kamera in die richtige Position gebracht haben, spielt sich über uns ein Spektakel ab. Und schon sind sie wieder verschwunden, die Nordlichter.
Nur die Glocke hat niemand geläutet. Vor lauter Staunen haben wir ganz darauf vergessen.

Ein Ausflug mit dem Rentierschlitten
Merke: Das Wort Rentier kommt nicht von Rennen. Eigentlich müssten sie Langsamtiere heißen, so geruhsam, wie sie durch die Gegend stapfen.
Haben sie sich erst einmal in Bewegung gesetzt, ziehen sie den Schlitten jedoch ruhig und ausdauernd durch die verschneite Landschaft.
Seit 45 Minuten sind wir unterwegs. Außer dem Stapfen der Hufe und den Schleifgeräuschen der Schlitten höre ich nichts.

Plötzlich bellt ein Hund. Das vorderste Rentier bleibt stehen und trappelt nervös auf der Stelle. Maxim steigt aus seinem Schlitten und beruhigt das Tier.
Ein Ruck geht durch unseren Schlitten. Das Rentier trottet wieder gemächlich weiter und zieht uns zu einem Rastplatz, an dem Maxim Tee für uns zubereitet.
Beim Lagerfeuer erklärt er uns die Eigenheiten der Tiere. Vor Berührungen zucken sie zurück. Ein Kuschelfoto wie bei den Huskys ist daher nicht möglich. Zäh seien sie und gute Arbeitstiere.

Die 15 Tiere, die auf der Rentierfarm leben, sind ausschließlich Zugtiere für die Schlitten. Andere Arbeiten müssen sie nicht übernehmen.
Maxim erzählt uns außerdem, dass die Tracht, die er trägt, eigens für touristische Vorführungen verwendet wird.
Wie gemütlich Rentiere unterwegs sind, siehst du in diesem Video:
Noch mehr Eindrücke findest du in meinem eigenen Artikel über die Rentierschlittenfahrt in Finnland.
Eine kurze Nacht im Schneeiglu
Einmal in einem Iglu übernachten – dieses Erlebnis stand damals ganz oben auf meiner Wunschliste.
Im Kakslauttanen Arctic Resort bekomme ich die Gelegenheit dazu. Für eine Nacht mieten wir uns in einem Schneeiglu ein.
Hätten wir in dieser Nacht auf unser Blockhaus verzichtet, hätten wir unser Gepäck in einem eigenen Raum im Hotel unterbringen können. Doch glücklicherweise waren wir so schlau und behielten unsere gemütliche Hütte mit Sauna und Kamin auch für diese Nacht.
Das stellte sich schon nach kurzer Zeit als ausgesprochen gute Entscheidung heraus.
Wir verbringen gerade einmal etwa 20 Minuten im Schneeiglu, bevor wir uns zurück in unser warmes Blockhaus schleichen und am Feuer aufwärmen.
Am nächsten Morgen lernen wir beim Frühstück ein kanadisches Ehepaar kennen, das offenbar weniger gut vorbereitet war. Die beiden hatten einen Teil der Nacht im beheizten Sanitärraum bei den Iglus verbracht.
Auch eine japanische Reisegruppe machte in dieser Nacht ihre ganz eigenen Erfahrungen mit dem Schlafen im Schnee. Die ganze Geschichte erzähle ich in meinem ausführlichen Bericht über meine Nacht im Schneeiglu.



Mein Winterabenteuer in Finnland
Obwohl ich nach wie vor kein großer Winterfan bin, hat mir diese Reise gezeigt, wie abwechslungsreich die kalte Jahreszeit sein kann. Besonders die Hundeschlittenfahrt, die Stille während der Rentierschlittenfahrt und die Nordlichter sind mir bis heute in Erinnerung geblieben.
Auf Skiern wirst du mich vermutlich auch in Zukunft nicht sehen. Für ein weiteres Winterabenteuer in Finnland würde ich jedoch eine Ausnahme machen.
Hinweis: Diese Reise fand im März 2012 statt. Der Artikel wurde im August 2026 überarbeitet.
Reisebloggerin Gudrun Krinzinger in Finnland

📍 Persönlich besucht
Ich war im März 2012 im Norden Finnlands unterwegs. Während dieser Reise fuhr ich mit einem Hundeschlitten und einem Rentierschlitten durch die verschneite Landschaft,
5 Kommentare
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GUDRUN KRINZINGER
Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.
Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.
So ein kleines Rentier hätte man wahrscheinlich auch zum Kuscheln ins Schneeiglu mitnehmen können. Damit die Nacht nicht zu kalt wird. 🙂
LG Juergen
Die sind mir zu haarig…
Müsste ich mich für eine der drei Schlittenfortbewegungsarten entscheiden, ich würde wohl das Rentier nehmen 😉 Wie gings eigentlich deinem Rücken nach der Husky-Schlittenfahrt? Das sieht ja ziemlich „bumpy“ aus im Video!
Liebe Grüße,
Flo
Nein, die Fahrt mit den Schlittenhunden war die Beste! Der Rücken hat nicht gelitten, die Schlitten waren ganz dick mit Fellen ausgelegt.
OK, dann bin ich ja beruhigt 🙂