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Der Rest der Welt

Die 10 Gebote für das Wipptal

1) Du sollst Dir Schneeschuhe ausborgen

Abseits von den schneegeräumten Straßen spielen sich im Obernbergtal, einem Seitental vom Wipptal, die wahren Abenteuer ab. Ich sehe Forellen an der Quelle zu, lausche dem Gezwitscher einer Kohlmeise und betrachte die Eintagsfliegen, die Wolfgang aus dem glasklaren Bach holt. In der Plastikschale schwimmt noch so manch anderes Getier. „Die Leute sagen oft, das würden sie nicht trinken. Dabei gilt das Gegenteil. Ich würde mir Sorgen machen, wenn nichts mehr drinnen ist.“ Behutsam leert der 50-Jährige Naturführer das Wasser in den Bach zurück.
Wir stapfen weiter durch den knöchelhohen Schnee und ziehen mit unseren Schneeschuhen eine weitaus unelegantere Spur als die im Wald lebende Tierwelt. Wolfgang zeigt auf Fuchs-, Eichhörnchen- und Hasenspuren und erklärt uns die Unterschiede.
Noch bewegen wir uns im Schatten, die Sonne steigt mit uns empor und taucht die umliegenden Holzhütten auf einer Lichtung ins erste Sonnenlicht des Tages. Für uns geht es höher und höher. Immer wieder bleibe ich stehen und bestaune die umliegende Bergwelt. Das ist doch viel besser als das tägliche „Vor-dem-Computer-sitzen“.

Schneeschuhwandern zum Obernberger See

Almhütte im Obernbergtal

2) Du sollst den Obernberger See bestaunen
Wir biegen aus dem kleinen Waldstück und haben es geschafft. Vor uns liegt der Obernberger See, gut versteckt unter einer dicken Schneedecke. Vor Tausenden von Jahren war hier noch alles unter einer dicken Eisschicht bedeckt. Ein prähistorischer Felssturz ließ den See entstehen und spülte riesige Steine Richtung Tal.
Wir begegnen bloß vier Wanderern, zwei sind ebenfalls mit Schneeschuhen unterwegs. Im Sommer ist es hier oben natürlich nicht so ruhig, ganze Familienverbände pilgern zu einem der größten Seen in den Nordtiroler Zentralalpen. Das Wirtshaus zu unserer Linken hat schon länger geschlossen, ein jahrelanger Rechtsstreit verhindert ein geplantes Hotelprojekt. Gerne würde ich um den See stapfen, laut Wolfgang kann man den See in einer guten Stunde umrunden. Doch die Zeit drängt, wir haben Hunger und unser Mittagstisch ist in Schmirn, einem der drei Bergsteigerdörfer, gedeckt.

Obernberger See in Tirol

Geschlossener Gasthof am Obernberger See

3) Du sollst eine Kaspressknödelsuppe genießen
Ich heiße Gudrun, bin Reisebloggerin und süchtig nach Kaspressknödel. Im Gasthaus Olpererblick werde ich fündig und schon landet eine dampfende Rindsuppe mit zwei Kaspressknödeln vor mir. Doch in diesem Traditionsgasthaus stehen noch ganz andere Köstlichkeiten auf der Speisekarte: Hirtenmakkaroni, Gulasch, Zwiebelrostbraten, Tafelspitz und Steak. Die Fleischlieferanten kommen aus der nächsten Umgebung, hier im Schmirntal werden die Tiroler Almochsen gezüchtet.
„Ein Almochse wächst langsamer als ein herkömmliches Rind, somit ist das Fleisch feinfasriger und einfach perfekt“, erklärt uns der Schmirner Bürgermeister Vinzenz Eller, der uns wenige hundert Meter vom Gasthaus entfernt in seinen Stall führt. Neugierig werden wir von den Ochsen und Kühen beäugt, als wir den Stall betreten. Die Kälber werden drei Monate lang mit Milch getränkt, dann erhalten sie bestes Futtermittel. Im Sommer geht es hinauf auf die Alm. „Die Nachfrage nach regionalen Produkten mit hoher Qualität ist gestiegen“, freut sich Eller, der sich stolz mit seinen Ochsen im Stall ablichten lässt.

Kaspressknödelsuppe

Steak vom Almochsen

4) Du sollst in den Bergsteigerdörfern Bergsteigen gehen
Eine langjährige Alpingeschichte, ein gutes Wegenetz, touristische Infrastruktur, keine großen Skigebiete, keine großen Hotelbauten, das sind nur einige der Kriterien die das Gebiet von St.Jodok mit dem Schmirn- und Valsertal erfüllen um sich Bergsteigerdorf nennen zu dürfen. Den Olperer mit seinen 3.476 Höhenmetern werde ich wohl nie bezwingen können, doch neben dem Bergsteigen kann man hier im Sommer ausgezeichnet Wandern und im Winter Schneeschuhwandern, Langlaufen und Bergtouren gehen. Mit dem Wanderbus im Sommer und dem Wintertourentransfer im Winter ist man dankenswerterweise als Nicht-Autofahrer bestens gerüstet um diese schönen Täler kennenzulernen.

Blick auf den Olperer

5) Du sollst im Gschnitztal Winterwandern gehen
Du könntest Dir auch Langlaufski ausborgen, ich aber bevorzuge die gemütlichere und weniger sportliche Variante um meine von der trockenen Büroluft ausgetrockneten Lungenflügel frische Bergluft zukommen zu lassen.

Winterwandern im Gschnitztal

Winterwandern im Wipptal

6) Du musst in der Pumafalle einkehren
Das ist übrigens kein Gebot, sondern ein Befehl! Und weil die Pumafalle ein außergewöhnliches, fantastisches und grandioses Wirtshaus mit ganz besonderen Gastgebern ist, gibt es darüber in Bälde einen eigenen Blogbeitrag.

Pumafalle

7) Du sollst ein Lawinen Sicherheitstraining belegen
„Der hot ned überlebt“, meint Hubert Gogl lapidar. Der Bergführer aus St.Jodok zeigt uns kurze Filme über Lawinenabgänge. Obwohl die meisten davon für die Beteiligten glimpflich endeten, hätten viele Unfälle, darunter auch tödliche, vermieden werden können. Dem etwa einstündigen theoretischen Teil des Sicherheitstrainings folgt ein praktischer.
Neben dem Gasthaus Olpererblick in Schmirn gibt es einen LVS-Park. LVS steht für Lawinenverschüttetensuchgerät. Ich erhalte ein solches Gerät und versuche das eben gelernte anzuwenden. Fünf Minuten habe ich Zeit um zwei Verschüttete zu finden. Das LVS zeigt mir am Display mit Pfeilen die Richtung an, Hubert feuert mich mit „schneller, schneller“ an.
Was die Suche kompliziert macht? Das LVS leitet mich nicht direkt zu dem Verschütteten, sondern schickt mich bogenförmig in die richtige Richtung. Zum Glück hat uns Hubert dieses elektromagnetische Phänomen erklärt. Ich bin nur noch 1,4 Meter vom vermeintlich Verschütteten entfernt und führe das Gerät knapp über der Schneeoberfläche. Mittels Einkreuzen ermittle ich den kleinsten Anzeigewert. Helga steht mit der Sonde bereit und stößt diese in den Schnee. Ein Signal ertönt, den ersten Verschütteten habe ich gefunden. Im Ernstfall müsste ich jetzt mit dem Schaufeln beginnen, und zwar immer trichterförmig, nie brunnenschachtförmig, so hat es uns Hubert erklärt. Mein Herz klopft wie verrückt, wie würde es mir im Ernstfall ergehen?

Bergführer Hubert Gogl

LVS Sicherheitstraining in Schmirn

8) Du sollst endlich Skifahren lernen
Dieses Gebot gilt nur für die Reisebloggerin!
Ich gebe es zu, ich war ein bisschen neidisch. Ich, die Skifahrverweigerin, konnte bei der geplanten Skitour nicht mitgehen. Wie denn auch, nach fast 25-jähriger Abstinenz von den Skipisten. Freeriden hieß bei uns noch Mugelpistenfahren und Carven war ein Fremdwort. Meinen Skifahrerfrust habe ich mir übrigens in diesem Blogbeitrag von der Seele geschrieben: Skifahren
Aber in einem kleinen, feinen Skigebiet wie der Bergeralm mit überschaubaren 28 Pistenkilometern wäre es eine Überlegung wert, wieder einmal in Skischuhe zu schlüpfen und mehr oder weniger elegant die Pisten runterzuwedeln.

Skitourengeher

9) Du sollst auf der Sattelbergalm Trisknödel bestellen und mit dem Schlitten talabwärts sausen
Wenn ein Kaspressknödel auf meinem Teller landet, bin ich schon überglücklich (siehe Gebot Nummer 3). Doch neben dieser Köstlichkeit landen auf der Sattelbergalm auch ein Spinatknödel und ein Schlutzkrapfen auf meinem Teller. Aller guten Knödel sind drei!
Die Sattelbergalm ist das Paradies unter den Skitourengehern. Da Hüttenwirt Luis die ehemalige Skipiste präpariert, ist das Gebiet perfekt für Anfänger geeignet. Wer dem Freeriden nichts abgewinnen kann, brettelt einfach die Piste runter. Andere Fortbewegungsmittel Richtung Tal: Schlitten oder Hüttentaxi. Und wer gar nicht nach Hause will, fragt den Hüttenwirt ob noch ein Bett frei ist.

Trisknödel auf der Sattelbergalm

10) Du sollst in Almi’s Berghotel übernachten
Ein fröhliches „Guten Morgen, Gudrun!“, ein Genießerfrühstück mit vielen regionalen Produkten, ein Zimmer mit großen Balkon, eine „Tuat-Guat-Zone“ mit wunderschönen Ausblick auf die St.Nikolaus Kirche und den Obernberger Tribulaun, kostenloser Verleih von Schneeschuhen, Wanderstöcken, Rucksack, eine umfangreiche Bibliothek mit Bergsteigerbüchern zum Ausborgen und immer ein freundliches Wort, so habe ich das Almi’s Berghotel in Obernberg kennengelernt.

Almi's Berghotel in Obernberg

Der Tourismusverband Wipptal hat mich auf diese Reise eingeladen. Vielen Dank!

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Webadressen:
Tourismusverband Wipptal
Gasthaus Olpererblick
Bergsteigerdörfer St.Jodok, Schmirn und Vals
Skigebiet Bergeralm
Sattelbergalm
Almi’s Berghotel

12 comments to Die 10 Gebote für das Wipptal

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