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Der Rest der Welt

Interview mit Fanny Abrari

Sie waren mir sofort aufgefallen, die bunten Kleider im Eingangsbereich des Apothekertraktes vom Schloß Schönbrunn. Letztes Jahr fand in diesen illustren Räumen der Reisesalon statt (heuer übrigens auch wieder). Doch neben den üblichen Verdächtigen wie Hotels und Destinationen gab es besondere Aussteller, wie Fanny Abrari, die auf der Reisemesse ihr eigenes Modelabel fabrari – wear the world präsentierte. Es ist gar nicht so einfach, die Kollektion zu beschreiben. Auf einem Kleid ist eine Mohnblumenwiese aufgedruckt, auf einem Rock entdecke ich alte Bücher, auf einem T-Shirt orientalische Fliesen. Die Schnitte sind simpel, der Stoff fühlt sich gut an.

Fanny Abrari

Da Fanny Abrari vor Ort ist, habe ich die Gelegenheit genutzt und die sympathische Designerin um ein Interview gebeten.

Kaum stelle ich meine erste Frage, sprudelt sie drauflos:

Ich bin im Iran geboren und lebe seit meiner Kindheit in Wien. Den Bezug zu meinem Heimatland habe ich nie verloren. Ich besuche das Land immer wieder und mache sehr gerne Reisen zu meiner Familie.
Es hat mich immer gestört, dass über den Iran sehr einseitig berichtet wird. Ich selbst empfinde das Land reich an Kultur, schön und sehr herzlich.
Dann habe ich mir gedacht, ich möchte zeigen, dass es überall auf der Welt schön ist. Seien es die vom Menschen geschaffene Sachen, oder die Natur, die Erde mit all ihren Ressourcen.
Ich habe sehr viele andere Reisen gemacht und bin eine Reisebegeisterte. 

Ich habe mir dann ein Gesamtkonzept überlegt, wie ich es mit meinen Fotos schaffen könnte, die Schönheiten der Welt aufzuzeigen und sie gleichzeitig tragbar zu machen.

Bist Du Fotografin?
Ich bin Hobbyfotografin. Ursprünglich komme ich aus dem Sales- und Marketingbereich und war lange in einer Eventagentur beschäftigt. Irgendwann wollte ich dann aber ein Produkt schaffen das Sinn ergibt. Das eine Botschaft hat und ethisch korrekt produziert wird.
Mein Hauptthema ist Wertschätzung, weil ich finde, dass das sowohl im Umgang miteinander zu kurz kommt, als auch im Umgang mit der Erde, mit den Ressourcen. Mein Ansatz ist so: Wie ich will, dass man mich behandelt, so muss ich auch andere behandeln.
Somit ist mein Ziel, dass die Leute ein Gespür bekommen, aufmerksam werden und Freude an besonderen Kleidungsstücken haben. Mittlerweile herrscht in der Mode ein Einheitsbrei vor. Im vorübergehen kauft man sich einen Teil, weil es gerade billig ist oder weil man glaubt, man wird glücklich damit.

Aber das erfüllt einen doch nicht wirklich. Wenn man bedenkt, was man mit diesen Produkten sich und den anderen antut. 5 Euro für ein T-Shirt, 10 Euro für eine Jeans, was tut man damit den Ressourcen an und den Menschen, die das produzieren? Giftige Farbstoffe, Chemikalien, Kinderarbeit, untragbare Produktionsbedingungen, Ressourcenverschwendung, Umweltverschmutzung, das kommt ja nicht einfach von irgendwoher. Es betrifft uns alle.

Jedenfalls habe ich Fotos gemacht und habe Lieferanten gefunden, die eine umwelt- und ressourcenschonende Produktion ermöglichen. Die Stoffe werden in Deutschland bedruckt, Abwässer und Abluft werden nicht verunreinigt. Es sind keine giftigen Farbstoffe oder Pestizide in den Stoffen enthalten. Dann kommen die Stoffe nach Wien und werden hier von integrativen Werkstätten zu Kleidern, Röcken und T-Shirts vernäht. Diese Werkstätten beschäftigen Menschen mit geistiger oder körperlicher Benachteiligung.

Ich wollte auf keinen Fall eine Produktion irgendwo in Fernost haben.

Natürlich sind die Preise ganz anders, wenn man ethisch, fair und korrekt produziert. Aber es war mir ein Anliegen, ein Produkt zu erschaffen, dass diese Rahmenbedingungen erfüllt und trotzdem leistbar ist.
Ich kann eine Alternative sowohl zur Massenware bieten, als auch zu teuren Luxuslabels, die ja auch oft unethisch produzieren lassen. Nur weil es teuer ist, heißt es ja nicht, dass es korrekt produziert ist.

fabrari - wear the world

Was kostet so ein Teil aus Deiner Kollektion?
Die Kleider kommen auf 229 Euro, die Röcke auf 129 Euro und die Shirts kosten zwischen 119 und 149 Euros.
Für das, was das Produkt ist, nämlich in limitierte Auflage hergestellt, umwelt- und ressourcenschonend produziert, als soziales Projekt in Einzelanfertigung genäht, finde ich es sehr gut leistbar.

Du sagst limitiert, wie viele Stücke werden produziert?
Als ich vor vier Jahren begonnen habe, habe ich mir als Limit 50 Stück gesetzt. Das habe ich aber bis jetzt bei fast keinem Kleidungsstück erreicht. Es wird immer weniger. Wobei da gibt es einen Rock, wo Kühe abgebildet sind. Der geht sehr gut. Ich habe in Folge schon den dritten Kuhrock, nächstes Jahr kommen wieder neue. So bin ich immer auf Motivsuche. Zum Beispiel nach neuen Kühen (Fanny Abrari lacht).

Ist es schwierig für Dich ein Motiv auszuwählen?
Nein, mittlerweile denke ich nur mehr in Kleidungsstücken wenn ich fotografiere. Wenn ich durch die Straßen gehe, denke ich mir oft, dass wäre jetzt ein super Rock. Es eignet sich nicht jedes Foto.

Wo kann man Deine Kleider kaufen?
Ich habe keinen Online-Shop, das hat mehrere Gründe.
Ich bin für Slow-Fashion, ich finde es schöner lokale Geschäfte zu unterstützen. Man kann Kleider anschauen, anfühlen, probieren und oft ist es doch so, dass einem ein Kleid besonders gut gefällt und dann geht man mit einem anderen raus. Es findet Kommunikation statt.
Da es limitierte Stücke sind, ist ein Online-Shop logistisch fast nicht machbar.
Meine Kollektion gibt es in mehreren Boutiquen in Wien und in Baden, manchmal auf Messen und auf Pop-Up-Stores.

Gibt es außer dem Iran und Österreich noch ein Land mit dem Du besonders verbunden bist?
Nach jeder Reise sage ich: Es war so schön, am liebsten würde ich dort wohnen. Ich finde jedes Land spannend. Wobei ich war jetzt zweimal in Kanada, in Vancouver, da ist die Welt noch sehr in Ordnung. Die Menschen sind kommunikativ, sie sind offen und herzlich. Es ist eine junge Stadt. Abgesehen davon gibt es wunderschöne Natur, spannende Architektur, Kunst und Kultur. Diesen Reisetipp kann ich gerne geben.

Wie planst Du Deine Reisen?
Oft bin ich alleine unterwegs. Mir kommt plötzlich die Idee, ich muss nach Argentinien und mir die Iguazú-Wasserfälle anschauen. Ich habe ein Faible für Wasserfälle.

Mittlerweile haben wir eine Viertelstunde geplaudert. Eine Messebesucherin bittet Fanny um Rat. Engagiert und mit viel Freude erzählt sie der Kundin über ihr Projekt. Die nächste Kundin tritt heran, hört zu und lässt sich beraten. Schön, dass es solche engagierte Modemacherinnen mit einer Vision für eine bessere Welt gibt.


Während des Interviews habe ich an meine Freundin Sabrina vom Blog ichmachesanders gedacht. Sabrina gibt in ihrem Blog Tipps zum Thema Nachhaltigkeit, Fanny’s Kleiderlabel würde perfekt auf Sabrina’s Blog passen. Tja, Sabrina war natürlich schneller und hat Fanny Abrari schön längst interviewt: Wear the world mit fabrari

Noch mehr Informationen gibt es auf der Webseite von fabrari.

Vielen Dank für das Interview!

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