Interview mit Luke Evans von Pinto Africa
Luke Evans habe ich am Reisesalon im November 2016 in Wien kennengelernt. Stolz präsentierte er sein neu gegründetes Unternehmen Pinto Africa. Bei allem was mit Afrika zu tun hat, werde ich natürlich hellhörig.
Luke hat sich dankenswerterweise 10 Minuten für mich Zeit genommen und mit mir über sein Heimatland Sambia, das neu gegründete Unternehmen und seinen Umzug nach Tirol geplaudert.

Was bedeutet der Name Pinto?
Pinto war ein portugiesischer General. So um 1830 hat er die Gebiete in Sambia, wo ich aufgewachsen bin, entdeckt. Er war als erster Europäer in dieser Gegend unterwegs. Ich denke oft, ich selbst bin im falschen Jahrhundert geboren, ich wäre viel lieber in Afrika vor 200 oder vor 100 Jahren aufgewachsen.
Seit wann gibt es Pinto Africa und was machst Du genau?
Pinto Africa gibt es seit April 2016. Wir sind ein Afrika Reiseveranstalter für maßgeschneiderte, individuelle Reisen. Wir organisieren auch Kleingruppenreisen. Ich selber führe 2-3 Mal Gruppen in Afrika und zwar hauptsächlich in Länder, wo die Deutschsprachigkeit nicht vorhanden ist. So haben unsere Gäste immer einen Guide mit, der erstens aus dem Land ist und zweitens die Sprache spricht.
Wir haben Pinto Afrika in Österreich gegründet, weil wir gemerkt haben, dass viele Gruppen und Einzelreisende über deutsche Veranstalter buchen. Wir sind somit einer der wenigen Veranstalter in Österreich, die auf Afrika spezialisiert sind. Die Gründung eines Reisebüros war immer ein Traum von uns.
Du bietet Reisen nach Malawi, Botswana, Sambia, Simbabwe und Namibia an. Wenn man Afrika noch nicht kennt, welches Land soll man Deiner Meinung nach zuerst bereisen?
Es kommt auf den Menschen an, der diese Frage stellt. Wenn wir das Gefühl haben, der Kunde ist ein bisschen vorsichtiger, dann bieten wir Südafrika an. Südafrika ist von der Infrastruktur her Europa am nächsten. Wenn man ein abenteuerlicher ist, würde ich alle anderen Länder anbieten. Sambia ist zum Beispiel nicht so bekannt, aber hier kann man super die ersten Afrika-Erfahrungen sammeln.
Das Land ist auch für Familien gut geeignet. Ich empfehle, dass die Kinder ein bißchen älter sind, so um die acht Jahre, da kriegen sie dann schon vieles mit. Andere sagen, man soll erst mit 15, 16 Jahren nach Afrika fahren, das finde ich einen Blödsinn. So ein Urlaub ist viel interessanter als 10 Tage am Strand. Viele Safarilodges bieten ein super Kinderprogramm an.
Du bist in Sambia geboren?
Ja, ich bin in Sambia geboren und aufgewachsen. Meine Großeltern sind aus Irland ausgewandert, mein Großvater hat im Kafue-Nationalpark Safaris pioniert, meine Eltern haben das weitergeführt. Ich habe selbst einen kleinen mobilen Safari Betrieb gegründet.
Wo bist Du in die Schule gegangen?
Mit 5 Jahren wurde ich in ein Internat nach Kenia geschickt. Wir mussten zuerst mit dem Auto nach Malawi und von dort aus ging mit dem Flugzeug nach Kenia. Dort waren wir 15 Wochen im Internat und dann ging es wieder zurück in den Busch.
Für mich war es eine sehr interessante Kindheit und am liebsten bin ich auch jetzt noch im Busch. Ich spreche die Sprache dort.
Wie war der Umzug von Sambia nach Österreich?
Es hätte schwierig sein können, aber ich mag die Berge. Tirol hat eine Natur, die man anderswo in Europa nicht findet. Es ist ein großer Unterschied zu Irland oder England. In Tirol kann ich Mountainbiken, das ist nur Natur um mich herum. Das ist so wie in Afrika.
Aber in einer Stadt könnte ich nicht leben. Ich habe den größten Teil meiner Kindheit im Nationalpark verbracht, da gibt es keine Schulen, die nächste Einkaufsmöglichkeit ist 10 Stunden entfernt, da gab es nicht viel.
Gibt es ein Buch über Dich und Deine Familie?
Die Oma schreibt seit 10 Jahren an einem Buch über die Familie, aber ob das noch fertig wird, das weiß ich nicht. Jedes Jahr sagt sie als Neujahrsvorsatz, ich schreibe es fertig, aber sie hat wohl längere Schreibblockaden. Aber ihr Gedächtnis ist phänomenal.
Lebt Deine Familie noch in Sambia?
Meine Eltern sind getrennt. Mein Vater lebt in Italien, meine Großmutter in Frankreich, meine Mutter lebt in Lusaka, der Hauptstadt Sambias.
Hast Du ein Lieblingstier?
Mein Lieblingstier in Afrika ist der Honigdachs. Das ist ein sehr kleines, aber starkes Säugetier. Der ist immer lustig zum Anschauen. Den sieht man selten und oft nur in der Nacht.
Pinto Africa im Jahr 2025
Mit Luke war ich die Jahre über in Kontakt. Es war also an der Zeit, nachzufragen, wie es ihm und seinem Unternehmen geht.
Wie würdest du dein Unternehmen Pinto Africa im Jahr 2025 beschreiben?
Pinto Africa ist heute ein hochspezialisierter Boutique-Anbieter für individuelle Safari- und Afrikareisen.
Wir planen keine Standardprogramme, sondern kuratieren Reisen, die wirklich zu den Menschen passen, die mit uns unterwegs sind authentisch, tief, persönlich und mit kompromissloser Qualität. „Reise-Architekten“ beschreibt das, was wir tun, eigentlich ganz gut.
Was hat sich seit 2017 bei Pinto Africa am meisten verändert?
2017 war Pinto Africa noch ein kleines Herzensprojekt. Heute sind wir ein bewusst kleines, aber stark etabliertes Premium-Unternehmen mit klarer Handschrift – ein Safari-Spezialist für maßgeschneiderte Afrikareisen. In den letzten Jahren haben wir unglaublich viel von unseren Gästen gelernt – was ihnen wichtig ist, was sie suchen, was sie tief berührt. Wir sind noch besser darin geworden zuzuhören und sehr schnell zu erkennen, welches Land, welche Region und welche Camps zu welchem Gast passen.
„Von der Stange“ gibt es bei uns nicht. Wir haben zwar Beispielreisen auf der Website, aber sie dienen einzig dazu zu zeigen, wie eine Reise aussehen könnte – als Inspiration, damit sich Gäste besser orientieren können.
Ich meine wir betreuen Gäste heute noch intensiver als früher. Wir sind von zwei auf vier Mitarbeiter gewachsen und begleiten unsere Gäste vom ersten Gespräch bis zur Rückkehr. Pinto ist dadurch erwachsener, fokussierter und viel stärker kuratiert.
Auch bin ich selbst zum absoluten Spezialisten geworden was Safari mit Kindern betrifft. Dadurch das ich mit meinen zwei Söhnen wirklich schon viel unterwegs war in Afrika weiß ich genau was für eine Familie wichtig ist und worauf es da ankommt.
Welche Länder stehen aktuell im Fokus eurer Reisen – und warum gerade diese?
Unsere Hauptdestinationen liegen im südlichen und östlichen Afrika: Sambia, Botswana, Kenia, Tansania, Südafrika – aber auch Uganda und Ruanda gehören zu unseren beliebtesten Reiseländern. Sambia liegt mir persönlich natürlich am nächsten – es ist meine Heimat. Und ich bin schon ein bisschen stolz darauf sagen zu können, dass wir der erste Anbieter waren, der dieses besondere Safariland in Österreich bekannt gemacht hat. Vor fünf Jahren hatten viele noch nie von Sambia gehört.
Botswana ist und bleibt eine der besten Safari-Destinationen der Welt – das Land enttäuscht einfach nie.
Tansania ist weltberühmt und teilweise sehr touristisch, doch wir kennen die kleinen Juwelen, die noch wirklich wild und authentisch sind. Gleiches gilt für Kenia: eine reiche Safaritradition und Orte, die einem den Atem rauben – wenn man weiß, wohin man muss. Ich könnte über jedes der Länder stundenlang erzählen, aber das würde den Rahmen sprengen.
Wichtig ist, wir schicken niemanden irgendwohin, nur um eine Reise zu verkaufen. Wir empfehlen ausschließlich, was wir selbst kennen, lieben und verantworten können. Und wenn eine Anfrage gar nicht zu uns passt, sagen wir das ehrlich und empfehlen gerne einen anderen Anbieter.
Wodurch unterscheidet sich Pinto Africa von großen deutschen oder anonymen Veranstaltern?
Wir sind absolut kein typischer Reiseveranstalter aus mehreren Gründen:
- Unsere Wurzeln liegen nicht in „einem Urlaub in Afrika“, sondern tief in Afrika selbst. Afrika ist in meiner DNA. Meine Großeltern haben Safaris im Kafue Nationalpark in Sambia maßgeblich geprägt. Ich bin von Geburt an in Camps mitten in den Nationalparks Sambias aufgewachsen. Somit hatte ich das riesengroße Privileg, von klein auf in der Wildnis zu leben, zu lernen, was ein gutes Camp wirklich ausmacht, was Gästen wichtig ist und wie authentische Safari funktioniert. Dieses Verständnis ist tief – und selten in dieser Kombination zu finden.
- Gäste sprechen bei uns immer mit echten Experten. Keine Katalogverkäufer, kein Callcenter, kein KI-Chatbot. Wir kennen jede Lodge und jedes Gebiet persönlich.
- Wir sind Gründer eigener Camps in Sambia. Das gibt uns eine völlig andere Perspektive: Wir wissen, wie Safari von innen funktioniert – was zählt, was ehrlich ist, was Qualität bedeutet. Wir sitzen am Puls der Zeit. Das kann kaum ein anderer europäischer Anbieter bieten, und im DACH-Raum sind wir die Einzigen. Wir planen keine Reisen – wir komponieren Erlebnisse. Und wir sagen offen und ehrlich, wenn etwas nicht passt.
Merkst du, dass sich die Wünsche der Gäste verändern? (Slow Travel & Sustainability)
Absolut. Genau diese beiden Themen stehen heute viel stärker im Mittelpunkt.
Slow Travel: Viele Menschen wollen bewusst, langsam und tief reisen. Sie wollen abschalten, den Stress des Alltags hinter sich lassen und wieder zu sich selbst finden. Und dafür gibt es meiner Meinung nach nichts Besseres als ein kleines Camp im afrikanischen Busch – ein Ort, an dem man wieder einfach Mensch sein darf. Ich habe schon immer versucht, Gäste zu ermutigen, weniger Stationen in eine Reise zu packen. Afrika ist ein Kontinent – die Länder sind riesig. In zehn Tagen oder zwei Wochen kann man nicht „alles sehen“. Aber man kann eine Region intensiv und entschleunigt erleben.
Die Natur funktioniert nicht im „schnell-schnell“-Modus. Wer ihr Zeit gibt, bekommt Wunder zurück. Zum Glück ändert sich das Bewusstsein langsam. Viele wünschen sich heute Reisen, die weniger stressig und dafür berührender sind.
Sustainability: Nachhaltigkeit war bei Pinto Africa immer ein Thema. Wir achten sehr genau darauf, mit wem wir zusammenarbeiten und wen wir mit unseren Reisen unterstützen – und wir merken, dass das auch für unsere Gäste zunehmend wichtig ist. Reisen hinterlässt immer Spuren – positive wie negative. Doch ohne Tourismus würden viele dieser wichtigen Wildnisgebiete schlicht nicht mehr existieren. Nachhaltiger Safari-Tourismus ist ein zentraler Baustein des Schutzes.
Und es macht einen Unterschied, wen man mit seiner Reise unterstützt. Manche Unternehmen geben sehr viel zurück, andere leider gar nichts. Unsere Camps in Sambia haben zum Beispiel ein eigenes Naturschutzprojekt – Musekese Conservation – und ein Teil der Einnahmen fließt direkt in die Arbeit vor Ort. Das Gebiet, das wir dort schützen, ist so groß wie die Masai Mara in Kenia. Es gibt viele Betreiber, die ähnlich arbeiten und genau diese unterstützen wir bewusst.
Tourismus ist unglaublich wichtig, für Tiere und Menschen.
Wie beeinflusst deine Arbeit mit euren eigenen Camps in Zambia (Classic Zambia) die Art, wie du Reisen planst?
Die Antwort ist eigentlich ganz einfach – es verändert alles.
Ich sehe Safaris nicht von außen, sondern von innen. Ich weiß, wie wichtig gutes Guiding ist, wie viel Detailarbeit hinter jeder Aktivität steckt und welche Herausforderungen es im täglichen Betrieb gibt. Ich sehe bei unseren Partnern sofort, was funktioniert – und was nicht. Mir kann da wirklich niemand etwas vormachen. Diese Perspektive hat kaum ein Reiseanbieter in Europa. Sie macht mich strenger in der Auswahl, präziser in der Beratung und ehrlicher in der Empfehlung. Unsere Gäste profitieren enorm – sie bekommen Wissen und Erfahrung aus erster Hand.
Was ist für dich eine typische „Pinto Africa Reise“ – woran erkennt man eure Handschrift?
Eine typische Pinto-Reise ist eine individuelle Afrikareise – tief, persönlich und emotional und immer orientiert an den Wünschen des Gastes. Typische Pinto-USPs sind,- Location, großartiges Guiding und außergewöhnliches Wildlife. Afrika hat so viele Facetten, dass es schwierig ist, eine einzige typische Route zu definieren. Aber eines ist für mich zentral: Eine gute Safari besteht aus zwei bis drei Regionen, jeweils 2-4 Nächte, nicht zu viel, nicht zu wenig. Nehmen wir das Beispiel Sambia und eine echte Bush-Safari:
Kafue Nationalpark → Lower Zambezi → North Luangwa.
Walking Safaris, Pirschfahrten, Kanusafaris, Bootssafaris – eine Mischung, die sich wie eine Dramaturgie aufbaut, mit dem Highlight am Ende. Die ersten Afrikareisen verändern Menschen oft tief. In unseren eigenen Camps habe ich schon oft erlebt, wie Gäste von Emotionen übermannt werden weil die Natur, die Energie und diese Art der Begegnung sie so tief berührt. Das ist Pinto.
Warum sollte man eine Safari nicht einfach online buchen?
Weil Safari die komplexeste Reiseform der Welt ist. Fotos und Preise erzählen nur 20 Prozent der Wahrheit – und Afrika funktioniert vollkommen anders als Europa. Es geht um Logistik, Sicherheit, Erfahrung und um tausend kleine Nuancen, die man nur versteht, wenn man sie selbst erlebt hat. Die beste Reisezeit für eine Region ist nicht automatisch die beste für die nächste. Camps mit ähnlichen Preisen können qualitativ Welten auseinanderliegen. Die Location mag online gut wirken – aber ist sie das in Wirklichkeit? Und auch die Route entscheidet oft darüber, ob eine Reise „schön“ oder „lebensverändernd“ wird. Diese Tiefe kann das Internet, zum Glück – noch nicht vermitteln. Wir verhindern Fehler und machen aus einer Reise ein Lebensereignis.
Genau dafür gibt es Afrikaspezialisten wie uns.
Was bedeutet für dich „echter Luxus“ auf Safari?
Echter Luxus auf Safari hat für mich wenig mit großen Pools oder Designermöbeln zu tun. Für mich ist Luxus, wenn ein Camp klein ist, eine besondere Lage hat, großartige Guides vor Ort sind und man die Natur in ihrer Ursprünglichkeit erleben kann. Es geht um Raum, Stille, gute Gastgeber und echte Wildnis. Viele unserer Gäste merken schnell, dass das eigentlich der wahre Luxus ist: kein Lärm, kein Stress, kein Druck, nichts künstliches. Ein Camp, das ehrlich geführt ist, mit Menschen, die ihren Beruf lieben und mit Herz dabei sind, ist für mich viel mehr „Luxus“ als jede Marmorbadewanne.
Am Ende ist es die Kombination aus Natur, Authentizität, kleinen Details und diesem besonderen Gefühl, wirklich weit weg vom Alltag zu sein.
Vielen Dank für das Interview!
Meine Lieblingstiere in Afrika sind übrigens die Großkatzen.
Neugierig gemacht auf Afrika? Hier geht es zur Bildergalerien Kenia und Namibia.
Wer seinen Urlaub auf einem faszinierenden Kontinent buchen möchte, wendet sich an Pinto Africa.
2 Kommentare
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GUDRUN KRINZINGER
Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.
Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.
Find ich toll dass man jetzt auch mal in Österreich spezielle Reisen nach Afrika buchen kann! Toller Artikel 🙂
Danke!