Auf Zeitreise im Museumsdorf Niedersulz

Ruhig ist es im Museumsdorf Niedersulz. Das Schulhaus ist verwaist. Kaiser Franz Josef blickt gütig und trotzdem ein bisschen streng auf die schmalen Holzbänke hinab. Wahrscheinlich sind die Kinder gerade johlend nach Hause gelaufen, endlich schulfrei! Die Schiefertafeln haben sie auf den Bänken vergessen, aber was soll man machen, es sind halt Kinder.

Ein Schulraum im Museumsdorf Niedersulz. Ausgestattet mit Bänken und einer Schultafel.
Die Schule im Museumsdorf Niedersulz
Schreibhefte in der Volksschule im Museumsdorf Niedersulz
Volksschule im Museumsdorf Niedersulz

Das Wirtshaus im Museumsdorf Niedersulz ist leer

Den Herrn Lehrer treffe ich ebenfalls nicht an. Vielleicht ist er gerade am Weg zur Greißlerei und kauft sich frischen Tabak für seine Pfeife? Seine Frau hat den Tisch schon gedeckt, es gibt Erdäpfelsuppe.

Der Müller von der Hofmühle ist ebenfalls nicht zu Hause. Böse Zungen behaupten, er sitze ständig mit dem Schuhmachermeister im Wirtshaus. Aber warum soll sich der reiche Müller, in dessen Wohnzimmer sogar ein Klavier steht, mit dem armen Schuster zusammensetzen? Das Wirtshaus am Dorfplatz ist übrigens ebenfalls leer. Weder hier noch in der angrenzenden Greißlerei entdecke ich eine Menschenseele.

Die Hofmühle im Museumsdorf Niedersulz. Die Fenster des Hauses sind grün gestrichen.
Hofmühle im Museumsdorf Niedersulz
Im Wohnzimmer der Hofmühle steht ein Klavier.
Einrichtung in der Hofmühle im Museumsdorf Niedersulz
Auf einem Schild über der Eingangstür steht: Johann Neugebauer Schuhmachermeister
Johann Neugebauer Schuhmachermeister

Überall im Museumsdorf Niedersulz sieht es so aus, als hätten die Handwerker ihr Handwerkszeug gerade weggelegt und für einen Vormittag das Dorf verlassen. Sogar die Tiere haben sie mitgenommen. Keine Taube wohnt im Taubenkogel, die Ziegen- und Hühnerställe sind ebenfalls leer. Erst Richtung Schmalzberg finde ich im lebenden Bauernhof Ziegen, Kaninchen und Schweine.

Hausnummer 26 steht auf einer grünen Tür Im Museumsdorf Niedersulz
Im Museumsdorf Niedersulz
Das sogenannte Kleinhäuslerhaus mit einem Vorgarten, in dem die unterschiedlichsten Blumen blühen
Kleinhäuslerhaus mit Vorgarten
Eine Stube mit gedecktem Tisch, Kaminofen und Kreuz an der Wand.
Eine Stube im Museumsdorf Niedersulz
Vogelscheuche mit Hut steht in der Wiese
Vogelscheuche

Im Museumsdorf Niedersulz befinden sich um die 80 Gebäude

Dahlien und Rosen blühen im Vorgarten um die Wette, die Heil- und Kräuterpflanzen finden im Hof Platz und die Selbstversorgergärten sind beim Ausgedinge angesiedelt.

Über den Dorfplatz spaziere ich die Hintausgasse entlang und werfe einen Blick in die Marienkapelle. Daneben liegt der Friedhof, die Gräber sind gepflegt. Der Bibelgarten ist in Form eines Kreuzes angelegt, gleich daneben entdecke ich die Lutherische Kapelle.

Insgesamt befinden sich im größten Freiluftmuseum Niederösterreichs um die 80 Gebäude. Eines nach dem anderen suche ich auf, betrete Stuben, Kapellen, Höfe und Presshäuser. Das Eintauchen in eine andere Epoche macht Spaß, andererseits fühle ich mich wie ein Voyeur der durch Fenster blickt und plötzlich in fremden Küchen und Stuben steht. Es sieht alles so echt aus, so wirklich und real.

Schlafzimmer im Museumsdorf Niedersulz. Über der Tür hängt ein Jesusbild.
Schlafzimmer im Museumsdorf Niedersulz
Ein Spalierbaum schmückt eine Hausmauer
Spalierbaum im Museumsdorf Niedersulz
Ein Zimmer im Kleinhäuslerhaus in Niedersulz
Kleinhäuslerhaus in Niedersulz

Die leeren Suppenschüsseln an den Tischen, das Kaffeegeschirr in den Stuben, das Holz im Kamin, die Bettwäsche in den Kästen, die mir fremden Maschinen in den Werkstätten. Jederzeit könnte jemand eintreten und weiterarbeiten, weiteressen, weiterkochen. Wie viele Personen haben wohl diesen Kochlöffel in der Hand gehalten? Wie viele Schulkinder sind auf den Bänken gesessen? Wie viele Menschen sind über die Türschwelle der Kapelle getreten? Fragen über Fragen. Vielleicht die wichtigste: War früher wirklich alles besser? Beschaulicher? Ruhiger?

Nach über vier Stunden beende ich die Zeitreise. Ich tauche wieder auf aus dem bäuerlichen Alltag des 18.und 19.Jahrhunderts.  Das Schinkenbrot im „echten“ Wirtshaus holt mich in die Realität zurück. 

Öffnungszeiten, Führungen und Informationen

  • Das Museumsdorf hat täglich von 9:30 bis 18:00 geöffnet, letzter Einlass 17:00
  • Ab 15.Oktober ist bis 17:00 geöffnet, letzter Einlass 16:00
  • Es gibt zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen, aktuelle Infos findet man auf der Homepage
  • einmaliger freier Eintritt mit der Niederösterreich Card
  • Hunde dürfen an der Leine mit ins Museumsdorf
  • Anfahrt Museumsdorf Niedersulz: >>hier klicken<<

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Diesen Beitrag gaben die TOP Ausflugsziele Niederösterreich in Auftrag.

2 Kommentare

  1. Veröffentlich von Birgit am 28/08/2017 um 13:51

    Ich war schon öfters in Niedersulz, weil ich es so mag. Du hast das Gefühl dort super beschrieben!

  2. Veröffentlich von Elisabeth am 06/09/2017 um 12:13

    Tolle Fotos!

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GUDRUN KRINZINGER

Ich tue. Ich reise. Ich bin.


Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.

Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.

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