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Der Rest der Welt

7 Tipps für Marrakesch - Eine Stadt zwischen Licht und Schatten

Marrakesch leuchtet. Sonnenstrahlen schummeln sich durch löchrige Plastikplanen und Panelen und bilden scharf umrandete Quadrate in den schmalen Gassen der Medina. Im Souk tanzen die Lichtreflexe um die Wette. Sie spiegeln sich im bunten Teegeschirr, bringen Ledertaschen zum Leuchten und Schmuck zum Strahlen. Der Dattelverkäufer, der hinter seinen getrockneten Früchten kaum zu sehen ist, streckt sich über sein Verkaufspult und legt mir eine Dattel in die Hand. Viel zu süß, befinde ich und koste mich durch das gesamte Sortiment, bestehend aus Feigen, Nüssen und Mandeln.

Zufrieden ziehe ich weiter, laufe durch menschenleere Gassen und finde mich Minuten später im dichtesten Getümmel wieder. Nichts geht mehr. Es wird sprichwörtlich um jeden Zentimeter Platz gerungen, die Menschenmassen schlängeln sich an Friseuren, Schuhmachern, Restaurants, Teestuben und Souvenirständen vorbei. Krampfhaft halte ich meine Tasche fest und lasse mich nach vorwärts schieben. Ein Mädchen hat im Getümmel ihre Freundin verloren, will rückwärts nach ihrem Arm greifen und hält plötzlich meine Hand in der ihren. Panisch reißt sie die Augen auf und starrt mich erschrocken an. Ich muss lachen, sie lächelt verlegen zurück und prustet ebenfalls los.

Vielleicht war es in diesem Moment, als ich mein Herz an Marrakesch verloren habe?

In der Medina von Marrakesch

In der Medina von Marrakesch

Im Souk von Marrakesch

Im Souk von Marrakesch

Dattelverkäufer im Souk von Marrakesch

Dattelverkäufer im Souk von Marrakesch

Meine Tipps für Marrakesch:

Den Djemaa el-Fna zu unterschiedliche Tageszeiten besuchen

Zwei Frauen kehren mit ihren Besen die Reste der Nacht vom Pflaster. Die wenigen Stände sind geschlossen, kein Schlangenbeschwörer buhlt um zahlungskräftige Touristen. Die mit Fußballtrikots verkleideten Berberaffen sind verschwunden, die Restaurant-Keiler mit ihren viersprachigen Speisekarten ebenso. Es ist acht Uhr früh und ich eile über den Djemaa el-Fna zum ausgemachten Treffpunkt hinter der Kutubiya Moschee, dessen Minarett als Wahrzeichen Marrakeschs gilt. Fast hätte ich den menschenleeren Platz nicht wiedererkannt.

Je nach Reiseführer oder Reiseblog wird der Djemaa el-Fna „Platz der Gehenkten“ oder „Versammlung der Toten“ genannt. Die mächtigen Sultane aus längst vergangenen Zeiten ließen den Platz als Hinrichtungsstätte nutzen. Viel freundlicher ist natürlich die Bezeichnung „Platz der Gaukler“.

Der Platz ist aber auch ein Platz der Schriftsteller. Jean Genet und Paul Bowles waren Stammgäste im mittlerweile geschlossenen Café Matich. Elias Canetti verewigte Marrakesch in dem lesenswerten Büchlein „Die Stimmen von Marrakesch“ und Hubert Fichtes Buch „Der Platz der Gehenkten“ habe ich mir eben erst bestellt. Dem Schriftsteller und Nobelpreisträger Juan Goytisolo ist es zu verdanken, dass die Fläche in die UNESCO-Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen wurde.

Gestern Abend drängten sich noch Menschenmassen auf dem Djemaa el-Fna. Die zahnlosen Wasserträger mit ihren bunten Hüten posierten für Touristen, während sich die Marrakchis um die Geschichtenerzähler scharrten. Natürlich verstand ich kein Wort von den in der Berbersprache vorgetragenen Märchen und Geschichten. Ich beobachtete die Zuschauer, die sich keine einzige Silbe des Gehörten entgehen ließen. Es schien, also ob sie die Erzähler mit ihren Augen hypnotisierten. Fasziniert schlugen sie ihre Hände vors Gesicht, seufzten erschüttert auf oder lachten begeistert mit.

Von den Garbuden, die eiligst in den Nachmittagsstunden aufgestellt wurden, zogen dichte Rauchschwaden über den Platz. Jeden Abend verwandelt sich der Djemaa el-Fna in eine Schauküche. Angeboten werden gedünstete Hammel- und Ziegenköpfe, gegrillte Spieße, Salate, Suppen und Muscheln. Eine spanische Großfamilie war mit dem Preis-Leistungsverhältnis unzufrieden und tat lautstark ihren Unmut kund. Im Trubel und Stimmengewirr verhallten ihre Beschwerden ungehört.

Was haben die Pflastersteine dieses Platzes schon alles mitanhören müssen?

Der Platz der Gaukler in Marrakesch

Der Platz der Gaukler in Marrakesch

Djemaa el-Fna

Djemaa el-Fna

Der Djemaa el-Fna in Marrakesch

Der Djemaa el-Fna in Marrakesch

Im Souk von Marrakesch verloren gehen

Mit „Madame, Madame“ und „cheap, cheap“ versuchen mich die Verkäufer in ihre Läden zu locken. Wobei Läden? Meist sind es nur wenige Quadratmeter, vollgefüllt mit Lederschuhen und –taschen, Korbwaren, Silberschmuck, Teppichen und Lampen.

Jeden Tag laufe ich durch die gleichen Gassen und jeden Tag entdecke ich neue Geschäfte und noch schönere Mitbringsel. Neben den vielen Souvenirständen gibt es Abschnitte und Ecken, wo Obst, Gemüse und Fleisch verkauft wird. An einem kleinen Platz werden sogar Chamäleons feilgeboten. Will ich wissen, warum? Nein, ich frage lieber nicht und laufe weiter…

im Souk von Marrakesch

Im Souk von Marrakesch geht man leicht verloren und taucht mit vielen Mitbringseln wieder auf

Handgemalte Berufsschilder im Souk

Ein beliebtes Souvenir: ein handgemaltes Berufsschild

Eine Teepause im Dar Cherifa einlegen

Irgendwann kam der Punkt, da war mir das Gewusel im Souk zuviel. Ich wollte nicht mehr angesprochen werden, keine Fragen nach meinem Herkunftsland beantworten und keine Verkäufer mehr abwehren müssen. Ich sehnte mich nach Stille und Minztee und bekam beides im Dar Cherifa.

Das Wohnhaus in der Medina zählt zu den ältesten in Marrakesch und wurde sorgfältig renoviert. An bestimmten Tagen finden Lesungen, Konzerte und Vernissagen statt.

Der Aufenthalt am Nachmittag gefiel mir so gut, dass ich einen Tisch für den Abend reservierte. Leider war es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr so ruhig, die Musikauswahl paßte meiner Meinung nach nicht zum Ambiente des Hauses und es war viel zu laut. Das Essen und das Service waren hingegen ausgezeichnet.

8, derb Chorfa Lakbir, Mouassine
www.dar-cherifa.com

Dar Cherifa in Marrakesch

In die Vergangenheit blicken:
Die Gräber der Saadier und der Bahia Palast

Versteckt. Zugemauert. Dem Verfall und Vergessen preisgegeben. Mein Kopfkino schaltet sich ein, als ich 10 Dirham Eintrittsgebühr an der Kassa der Saadier-Gräber bezahle.

Die Saadier waren eine islamische Dynastie aus dem 16.Jhdt. Ihre wichtigste Grabstätte liegt in der Nähe der Kasbah-Moschee. Sieben Sultane und viele weitere Familienmitglieder liegen in den beiden Mausoleen und im Garten begraben. Die Saadier wurden von den Alawiden besiegt, deren Sultan ließ den Eingang zur Nekropole verschließen. Nichts sollte an die Saadier erinnern. Erst 1917 wurden wurden die Gräber wiederentdeckt.

Ich gehe durch einen schmalen Gang, biege links ab, biege nochmals ab, der Eingang entpuppt sich als Labyrinth der in einen schmalen Innenhof führt.
Beide Mausoleen sind prunkvoll ausgestattet. Säulen aus Carrara-Marmor und mit Gold verzierte Zedernholzdecken weisen auf den vergangenen Reichtum der Saadier-Dynastie hin.

Die Saadier Gräber in Marrakesch

Prunkvoll: Die Saadier Gräber in Marrakesch

„Reichtum und Gesundheit“ versprechen die Kalligraphiebänder im Bahia Palast. Bahia, so hieß angeblich die Lieblingsfrau des Großwesirs Ba Ahmed Ben Moussa. Er ließ den Bau des Palastes mit 160 Räumen in Auftrag geben. Die besten Handwerker wurden angeheuert um den Palast auszuschmücken. Durch die färbigen Glasfenster fällt buntes Licht auf die ebenfalls bunten Mosaikböden.

Lege ich den Kopf in den Nacken und blicke nach oben, sehe ich bemalte Zedernholzdecken. Sie erinnern mich an die Hochzeitstruhen aus meiner Heimat.
Angelegt wurde der Palast als Labyrinth, angeblich wollte der Herrscher vermeiden, dass sich seine vier Frauen und die 80 (!) Konkubinen in die Quere kamen.

Der Bahia Palast in Marrakesch

Der Bahia Palast in Marrakesch: Hier wurden schon Hollywoodfilme gedreht

Der Mosaikboden im Bahia Palast

Der Mosaikboden hat mich fasziniert

Wie sah Marokko vor 100 Jahren aus?
Im La Maison de la Photographie bekommst Du die Antwort

Ein Museum stand ganz oben auf meiner Besichtigungsliste in Marrakesch: La Maison de la Photographie. Das Privatarchiv beherbergt über 10.000 Originalabzüge und Postkarten, natürlich sind in dem renovierten Riad nicht alle ausgestellt. Die Ausstellungen widmen sich bestimmten Themen, so hat man für das Jahr 2017 das Motto „Marokko – Land des Lichts“ gewählt. In den kleineren Räumen sind die Bilder bekannter Fotografen ausgestellt. Ferdinand Bidon, Jean Besancenot, Nicolas Muller, Denise Bellon und weitere Fotokünstler zeigen den Besuchern, wie anders Marrakesch und Marokko vor etwa hundert Jahren aussah.

46, Rue Souk Ahal Fassi
www.maisondelaphotographie.ma

Maison de la Photographie in Marrakesch

Marokko in vielen Schwarz-Weiß-Fotografien

Das Gerberviertel

No merci, no merci, no merci! Wie ein Mantra murmle ich das französische „Nein, danke!“ vor mich hin, als ich mich zum Gerberviertel aufmache. An allen Ecken der Straße stehen junge Männer und wollen mich zu den Gerberhöfen führen. Ich allerdings bin überzeugt davon, dass ich den Weg auch alleine finde und spähe auf meinem Weg Richtung Stadttor Bab Debbagh in die Innenhöfe.

Ab und an erblicke ich Arbeiter, die Kamel-, Ziegen- und Schafhäute aus den Becken schaufeln. Einen besseren Überblick in einen Gerberhof bekomme ich aus dem Fenster eines Souvenirshops, wo mir der Besitzer eine kurze Einführung in das Gerberhandwerk gibt. Es gibt sicherlich schönere Arbeiten, als den ganzen Tag zwischen stinkenden Tierhäuten zu verbringen.

Dem Eigentümer des Souvenirshops drücke ich 20 Dirham in die Hand und bevor er noch protestieren kann, bin ich im Gerberhof verschwunden. Dort will mir ein Mann drei Stängel frischer Minze in die Hand reichen. Mißtrauisch weise ich seine Gabe zurück. Erst viel später lese ich in vielen negativen Bewertungen auf Online-Bewertungsportalen, dass die Minze als „Gasmaske“ dienen soll und den beißenden Geruch der Lederhäute überdecken soll.
Und negativ sind die Bewertungen deshalb, da sich Touristen von Schleppern abgezockt fühlen.

Ich versuche bei meinem Besuch im Gerberhof niemanden im Weg zu stehen und bin froh, dass ich feste Schuhe angezogen habe. Der schmale Gang neben den vielen Becken ist uneben und teilweise überschwemmt.
Schließlich entdeckt mich einer der Arbeiter und scheucht mich mit einer Handbewegung fort. Irgendwie verstehe ich seinen Wunsch nach Ruhe. Ich stelle mir vor, wie eine Horde von Touristen durch mein Büro läuft und alles abfotografiert. Das ist auch kein schöner Gedanke und so respektiere ich den Wunsch des Gerbers und verlasse den Hof.

Das Gerberviertel in Marrakesch

Ein Gerberhof in Marrakesch

Eine Gerberei in Marrakesch

Einblick in das Handwerk des Gerbers

Das waren meine Tipps für Marrakesch. Andere Reiseblogger, andere Tipps:

Jakob von Weltblicke schreibt über die Do’s and Dont’s 
Sabine von Ferngeweht war Stilvoll Essen 
Marion hat sich den Bahia Palast näher angesehen

4 comments to 7 Tipps für Marrakesch

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