Die Wasnerin Bad Aussee: Mein Besuch im Literaturhotel
„Was wirklich? Zur Wasnerin? Nimmst mich bitte, bitte mit?“ Kaum hatte ich erzählt, dass ich nach Bad Aussee fahre, überschlugen sich die Reaktionen. Plötzlich wollten alle ins Ausseerland. Wirklich alle. Die einen, weil sie schon einmal in der Wasnerin gewesen waren und noch immer davon schwärmten. Die anderen, weil sie diese Schwärmereien längst gehört hatten und endlich selbst wissen wollten, was an diesem Hotel so besonders ist.
Ich gehörte damals zur zweiten Gruppe. Ich kannte die Wasnerin nur vom Hörensagen. Als Hotel für Auszeit, Wellness, gutes Essen, Yoga, Natur und diesen besonderen Ausseerland-Blick, bei dem man sofort ein bisschen langsamer wird.
Aber ganz ehrlich: Detox und Yoga waren nicht der Grund, warum ich gekommen bin.
Mich hat etwas anderes gelockt.
Die Bücher.


Die Wasnerin in Bad Aussee
Die Wasnerin liegt in Bad Aussee, mitten im Ausseerland, dort, wo die Berge nicht nur Kulisse sind, sondern fast schon Teil des Hotelkonzepts. Vom Zimmer aus fällt der Blick Richtung Loser, draußen wartet das Salzkammergut, drinnen die Tee-Lounge, der Wellnessbereich, das Restaurant – und überall diese Einladung, ein bisschen langsamer zu werden.
Verwöhnen ist ja ein höchst individueller Begriff.
Die einen entspannen am liebsten in der Sauna. Andere brauchen eine Tasse Tee, eine Yogastunde am Morgen oder eine Massage am Nachmittag. Manche schließen sich den Auszeit-Begleitern an und lassen sich die schönsten Plätze im Ausseerland zeigen. Wieder andere nehmen sich ein Fahrrad und erkunden die Umgebung auf eigene Faust.
Und dann gibt es Menschen wie mich.
Ich brauche eine funktionierende Leselampe neben dem Bett.


Ein Hotel für Menschen, die gerne lesen
In der Wasnerin wird Literatur nicht einfach als hübsches Dekorationselement verwendet. Bücher liegen hier nicht herum, weil sie gut ins Farbkonzept passen. Sie sind Teil der Atmosphäre.
Es gibt eine Hotelbibliothek, literarische Details, Leseplätze, den Alpen-Worte-Garten und immer wieder Veranstaltungen rund um Bücher, Autorinnen und Autoren. Die Wasnerin nennt sich nicht zufällig Literaturhotel. Hier wird gelesen, gesprochen, diskutiert, zugehört – und manchmal wahrscheinlich auch heimlich ein Buchstapel aufs Zimmer getragen.
Ich fühlte mich jedenfalls sofort ertappt.
Denn wer Bücher liebt, kennt dieses Problem: Man nimmt für ein Wochenende viel zu viele Bücher mit, kauft vor Ort trotzdem noch eines und ist am Ende traurig, dass man nicht alle lesen konnte.
So many books, so little time.

Kulinarik, Wellness und Bücherstapel
Natürlich geht es in der Wasnerin nicht nur um Literatur. Auch das Essen spielt eine große Rolle. Schon beim Frühstück merkt man, dass Regionalität und Qualität wichtig sind. Vegetarische und vegane Gerichte gehören ebenso dazu wie eine Nachmittagsjause und das mehrgängige Abendmenü.
Aber selbst im Restaurant bleibt man als Buchmensch nicht ganz unbeobachtet. Denn hier werden nicht nur Menüs verschlungen.
Auch der Wellnesskorb bekommt bei mir eine Zusatzfunktion: Neben Bademantel und Handtuch wandert natürlich ein Buch mit. Sogar in der Sauna wird gelesen – zumindest in Gedanken. Und wer nach dem Saunagang in der Tee-Lounge sitzt, hat eigentlich keine Ausrede mehr, nicht endlich mit dem Buch anzufangen, das schon viel zu lange im Stapel liegt.

Warum die Wasnerin ein Literaturhotel ist
Was mich an der Wasnerin besonders fasziniert hat: Literatur wirkt hier nicht aufgesetzt. Das Ausseerland hatte immer schon eine enge Verbindung zu Kunst, Kultur und Sommerfrische. Schriftsteller und Künstler kamen hierher, suchten Ruhe, Austausch, Landschaft und wahrscheinlich auch ein bisschen Abstand vom Alltag.
Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal und Friedrich Torberg zählen zu den bekanntesten Namen, die mit dem Ausseerland verbunden sind. Heute wird diese literarische Tradition in der Wasnerin weitergeführt – mit Lesungen, Gesprächen und dem Wortfestival Literasee.
Und genau deshalb war ich dort.
Literasee: Wenn Literatur nicht nur vorgelesen wird
Ich war während des Wortfestivals Literasee in der Wasnerin. Und was soll ich sagen: Es war keine dieser Lesungen, bei denen ein Autor hinter einem wackeligen Tisch sitzt, aus seinem Buch liest, höflich beklatscht wird und alle danach schnell nach Hause gehen.
Bei Literasee entstehen Gespräche.
Es wird erklärt, nachgefragt, gelacht, diskutiert. Die Autorinnen und Autoren werden mit ihren Texten nicht alleine gelassen. Moderatorinnen und Moderatoren führen durch die Abende, holen Gedanken hervor, stellen kluge Fragen und schaffen genau jene Atmosphäre, die Literatur lebendig macht.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Lesung von Angelika Klüssendorf im Salzbergwerk Altaussee. Wir zogen weiße Schutzkleidung über unsere warmen Sachen, marschierten im Gänsemarsch in den Berg und lauschten der Autorin an einem Ort, an dem es gerade einmal um die acht Grad hatte. Tee und Rum halfen gegen die Kälte. Die Worte gegen alles andere.
Auch Arno Geiger blieb mir stark in Erinnerung. Wenn er über seine Figuren spricht, bekommen sie tatsächlich Atem und Puls. Literatur wirkt dann nicht wie Papier, sondern wie etwas, das sich mitten im Raum bewegt.
Genau solche Momente machen Literasee besonders.

Arno Geiger beim Literasee Wortfestival
Bei Literasee wird erklärt, diskutiert und es entstehen spannende Gespräche mit vielen klugen Sätzen. Wenn Arno Geiger spricht, hängen sowohl Moderatorin Kristina Pfoser von Ö1 als auch die Zuhörer an seinen Lippen. Zehn Jahre hat er an seinem neuesten Roman „Unter der Drachenwand“ gearbeitet. Die Kritiken überschlugen sich in Lobpreisungen und Lobeshymnen. Und was sagt Arno Geiger dazu? „Literatur erzeugt nicht Papier, sie erzeugt Realität. Wenn meine Figuren nicht Atem und Puls bekommen, bin ich gescheitert.“
Keiner der anwesenden Autoren ist an den Figuren gescheitert. Sie erzählen über ihre Protagonisten, als wären es gute oder weniger gute Freunde. Lucy Fricke’s Romanfiguren Betty und Martha erinnern nicht nur an Thelma und Louise, die Filmfiguren werden sogar im Buch zitiert. Norbert Gstrein erfindet den Gletscherforscher Richard, einem Mann, der vor seiner Frau und dem Sterben nach Kanada flieht.
Und Martin Schlembach, der als Writer in Residence einen ganzen Monat bei der Wasnerin verbracht hat? Er verleitet einen verliebten jungen Mann in ein Zwiegespräch mit einem Schulmädchen in Paris. „Was ist Poesie?“ fragt das Kind. „Disneyland fürs Herz“, antwortet der Dichter.

Was von diesem Aufenthalt geblieben ist
Ich habe aus der Wasnerin kein Detox-Programm mitgenommen. Auch keine neue Yoga-Routine. Dafür aber das Gefühl, dass ein Hotel mehr sein kann als ein Ort zum Schlafen.
Die Wasnerin ist ein Rückzugsort für Menschen, die Ruhe mögen. Für Menschen, die gerne gut essen. Für Menschen, die nach Bad Aussee fahren, weil das Ausseerland ohnehin immer eine gute Idee ist.
Und ganz besonders ist sie ein Ort für Menschen, die Bücher lieben.
Für mich war es dieses Zusammenspiel aus Zimmer mit Bergblick, Tee-Lounge, Sauna, gutem Essen, Literatur und Gesprächen, das den Aufenthalt so besonders gemacht hat. Ein Hotel, in dem man nicht komisch angeschaut wird, wenn man mit drei Büchern zum Frühstück erscheint, hat bei mir ohnehin schon gewonnen.

Für wen lohnt sich die Wasnerin?
Die Wasnerin passt besonders gut für alle, die ein paar ruhige Tage im Ausseerland verbringen möchten und dabei Wert auf Atmosphäre legen. Wer Wellness, Natur, gutes Essen und Literatur mag, ist hier sehr gut aufgehoben.
Man muss aber kein Literaturprofi sein, um sich wohlzufühlen. Es reicht völlig, Bücher zu mögen. Oder neugierig auf Gespräche zu sein. Oder einfach einen Ort zu suchen, an dem man endlich einmal wieder in Ruhe lesen kann.
Und falls gerade Literasee oder ein anderes literarisches Wochenende stattfindet: umso besser.

Aktuelle literarische Veranstaltungen
Die Wasnerin bietet regelmäßig literarische Veranstaltungen, Lesungen und das Wortfestival Literasee an. Da sich Programm und Termine jedes Jahr ändern, verlinke ich dir hier direkt die aktuelle Übersicht des Hotels. Besonders schön finde ich, dass Literatur dort nicht nur vorgelesen, sondern wirklich ins Gespräch gebracht wird.
Anmeldungen und weitere Informationen auf der Homepage: Literaturhotel Wasnerin
Mehr Ausseerland auf meinem Blog
Wenn du deinen Aufenthalt in der Wasnerin mit weiteren Erlebnissen im Ausseerland verbinden möchtest, findest du hier noch mehr Inspiration:
Über das Ausseerland habe ich folgende Texte geschrieben:
- Ein Wunder im Ausseerland
- Mah, so schee in Bad Aussee
- Zur Sommerfrische in Bad Aussee
- Das Ausseerland mit Umweltzeichen
Gut zu wissen: Die Wasnerin in Bad Aussee
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GUDRUN KRINZINGER
Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.
Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.
Jetzt will ich da hin… sofort… erst Wandern, dann Sauna, dann die Massage – und dazwischen lesen
Ich wusste es, dass Dir das Hotel gefällt…