Das jüdische Viertel in Venedig – Geschichte, Synagogen und Tipps
Venedig ist für seine prächtigen Palazzi, verwinkelten Gassen und stillen Kanäle bekannt. Doch im Stadtteil Cannaregio befindet sich ein Ort, der eine ganz andere Geschichte erzählt: das jüdische Viertel von Venedig.
Rund um den Campo del Ghetto Nuovo entstand 1516 das erste staatlich eingerichtete jüdische Ghetto Europas. Hier lebten über Jahrhunderte Menschen unterschiedlicher jüdischer Gemeinden auf engstem Raum. Bis heute befinden sich im Viertel fünf historische Synagogen, Erinnerungsorte, Einrichtungen der jüdischen Gemeinde und das Jüdische Museum von Venedig.
Ich habe das jüdische Viertel erstmals 2018 im Rahmen einer Führung besucht. Ende November 2025 kehrte ich zurück. Vieles war mir noch vertraut, gleichzeitig befand sich das Viertel sichtbar im Wandel: Es wurde restauriert und umgebaut, das Museum war während meines Besuchs geschlossen. Die Levantinische und die Spanische Synagoge konnte ich jedoch besichtigen.
- Wo liegt das jüdische Viertel in Venedig?
- Warum heißt das Viertel „Ghetto“?
- Jüdisches Leben in Venedig vor der Gründung des Ghettos
- Die Gründung des Ghettos im Jahr 1516
- Ghetto Nuovo, Ghetto Vecchio und Ghetto Nuovissimo
- Die jüdischen Gemeinden von Venedig
- Die fünf historischen Synagogen von Venedig
- Das Jüdische Museum von Venedig
- Mein Wiedersehen mit dem jüdischen Viertel im November 2025
- Erinnerung an die Shoah
- Jüdisches Leben heute
- Praktische Tipps für den Besuch
- Lohnt sich das jüdische Viertel in Venedig?
- Häufige Fragen zum jüdischen Viertel in Venedig
- Venedig interessiert Dich? Hier geht es zu meinen anderen Artikeln:

Wo liegt das jüdische Viertel in Venedig?
Das jüdische Viertel liegt im Sestiere Cannaregio, einem der sechs historischen Stadtteile Venedigs. Sein Zentrum ist der Campo del Ghetto Nuovo.
Vom Bahnhof Venezia Santa Lucia erreicht man den Platz zu Fuß in ungefähr 15 Minuten. Der Weg führt zunächst durch die belebten Straßen Cannaregios und schließlich durch schmalere Gassen in ein ruhigeres Viertel.
Der Campo del Ghetto Nuovo wirkt überraschend weitläufig. Rund um den Platz stehen ungewöhnlich hohe Häuser. Sie erzählen bereits auf den ersten Blick von den beengten Lebensverhältnissen, unter denen die jüdische Bevölkerung hier einst leben musste. Weil sich das Viertel kaum ausdehnen konnte, wurde nach oben gebaut. Einige Häuser besitzen sechs oder sieben Stockwerke, wobei die einzelnen Etagen teilweise sehr niedrig sind.
Wer ohne Führung durch das Viertel spaziert, kann die Synagogen leicht übersehen. Sie wurden in bestehende Wohnhäuser eingebaut und sind von außen kaum als Gotteshäuser zu erkennen.

Warum heißt das Viertel „Ghetto“?
Das heute weltweit verwendete Wort „Ghetto“ hat seinen Ursprung vermutlich in Venedig.
Auf dem Gelände des späteren jüdischen Viertels befanden sich zuvor Gießereien. Im venezianischen Dialekt wurde eine solche Gießerei als „geto“ oder „getto“ bezeichnet. Das Wort hängt mit dem italienischen Verb „gettare“ zusammen, das unter anderem „gießen“ bedeutet.
Eine häufig erzählte Erklärung besagt, dass deutschsprachige jüdische Bewohner das Wort anders aussprachen und daraus im Laufe der Zeit „Ghetto“ wurde. Ganz eindeutig geklärt ist die sprachliche Entwicklung nicht. Als wahrscheinlich gilt jedoch, dass sich die Bezeichnung auf die früheren Metallgießereien an diesem Ort zurückführen lässt.
Von Venedig aus verbreitete sich das Wort später in viele Sprachen. Es wurde zum Begriff für Stadtviertel, in denen bestimmte Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt und zum Leben auf engem Raum gezwungen wurden.

Jüdisches Leben in Venedig vor der Gründung des Ghettos
Die Geschichte jüdischen Lebens in Venedig begann nicht erst mit der Einrichtung des Ghettos im Jahr 1516.
Schon im Mittelalter hielten sich jüdische Händler, Ärzte und Geldverleiher in der Stadt auf. Viele jüdische Familien lebten allerdings auf dem venezianischen Festland, da ihnen eine dauerhafte Niederlassung in Venedig über lange Zeit nicht erlaubt war.
Sie waren von zahlreichen Zünften und Berufen ausgeschlossen und durften kein Eigentum besitzen. Häufig blieben ihnen nur wenige Erwerbsmöglichkeiten, darunter die Pfandleihe, der Handel mit gebrauchten Waren oder – in Ausnahmefällen – die Arbeit als Arzt.
Nach dem Chioggia-Krieg zwischen Venedig und Genua wurde zwischen 1382 und 1387 eine Vereinbarung geschlossen, welche die Beziehungen zwischen jüdischen Geldverleihern, venezianischen Kaufleuten und der Republik regelte.
Im Jahr 1386 erhielt die jüdische Gemeinde ein Stück Land auf dem Lido in der Nähe des Klosters San Nicolò. Dieses Grundstück sollte als Friedhof genutzt werden. Nach längeren Auseinandersetzungen mit den Benediktinern wurde die Nutzung des Geländes einige Jahre später bestätigt.
Die Verstorbenen wurden mit dem Boot zum Friedhof gebracht. Der Weg führte zunächst unter der Brücke von San Pietro di Castello hindurch. Von dort wurden die Trauerzüge offenbar immer wieder verspottet und beleidigt. Auf Wunsch der jüdischen Gemeinde wurde deshalb 1688 eine alternative Wasserstraße geöffnet, der sogenannte Kanal der Juden.
Diese Geschichte zeigt, dass jüdisches Leben in Venedig schon lange vor der Gründung des Ghettos existierte, jedoch immer wieder von Einschränkungen und Ausgrenzung geprägt war.

Die Gründung des Ghettos im Jahr 1516
Am 29. März 1516 beschloss der Senat der Republik Venedig, die jüdische Bevölkerung in einem abgegrenzten Bereich der Stadt anzusiedeln.
Rund 700 deutsche und italienische Juden sowie einige levantinische Familien mussten daraufhin in das Gebiet des Ghetto Nuovo ziehen. Das Viertel war von Kanälen umgeben und nur über wenige Brücken zugänglich.
Am Abend wurden die Tore geschlossen und erst am nächsten Morgen wieder geöffnet. Bewaffnete Wächter kontrollierten die Eingänge und patrouillierten mit Booten auf den umliegenden Kanälen. Bezahlen musste diese Bewachung die jüdische Gemeinde selbst.
Wenn jüdische Bewohner das Viertel tagsüber verließen, mussten sie eine gelbe Kopfbedeckung tragen. Nur einzelne Ärzte und Bankiers waren von dieser Vorschrift ausgenommen.
Auch innerhalb des Viertels war das Leben streng geregelt. Die Bewohner bezahlten höhere Mieten als andere Venezianer und waren weiterhin auf wenige Berufe beschränkt.
Trotz dieser schwierigen Bedingungen entstand im Ghetto ein vielfältiges religiöses und kulturelles Leben. Synagogen, Lehrhäuser und soziale Einrichtungen wurden gegründet. Rabbiner, Ärzte, Händler, Musiker und Gelehrte prägten die Gemeinschaft.
Venedig entwickelte sich außerdem zu einem wichtigen Zentrum des hebräischen Buchdrucks. Zahlreiche religiöse und wissenschaftliche Werke wurden hier veröffentlicht.

Ghetto Nuovo, Ghetto Vecchio und Ghetto Nuovissimo
Das jüdische Viertel bestand nicht nur aus einem einzigen Bereich. Im Laufe der Zeit entstanden drei miteinander verbundene Teile.
Ghetto Nuovo
Das Ghetto Nuovo wurde 1516 als erster abgeschlossener Wohnbereich eingerichtet. Hier lebten vor allem aschkenasische Juden aus Mittel- und Osteuropa sowie italienische Juden.
Am Campo del Ghetto Nuovo befinden sich die Deutsche Synagoge, die Canton-Synagoge und die Italienische Synagoge.
Der Name kann zunächst verwirren: Das „neue“ Ghetto war der zuerst eingerichtete Teil. „Neu“ bezog sich auf die frühere neue Gießerei, die sich hier befunden hatte.
Ghetto Vecchio
1541 wurde das Wohngebiet um das Ghetto Vecchio erweitert. Hier siedelten sich vor allem levantinische Juden an, die aus dem östlichen Mittelmeerraum kamen und teilweise Untertanen des Osmanischen Reiches waren.
Viele von ihnen waren erfolgreiche Kaufleute und für den venezianischen Seehandel von großer Bedeutung. Im Ghetto Vecchio befinden sich die Levantinische und die Spanische Synagoge.
Auch hier bezieht sich „vecchio“, also „alt“, auf die frühere Gießerei und nicht auf das Alter des jüdischen Wohnviertels.
Ghetto Nuovissimo
1633 entstand schließlich das Ghetto Nuovissimo. Es war der jüngste und kleinste Teil des Viertels. Dort lebten vor allem wohlhabendere sephardische Familien.
So entwickelte sich im Laufe der Zeit ein dichtes Nebeneinander verschiedener Sprachen, Traditionen und religiöser Bräuche. Deutsche, italienische, levantinische, spanische und portugiesische Juden lebten zwar im selben Viertel, bildeten aber unterschiedliche Gemeinden.

Die jüdischen Gemeinden von Venedig
Im Ghetto lebten Menschen aus unterschiedlichen Regionen Europas und des Mittelmeerraums. Sie bildeten eigene Gemeinden, die häufig als „Nationen“ bezeichnet wurden.
Die deutschen Juden waren überwiegend Aschkenasen. Viele von ihnen waren als Geldverleiher oder Händler tätig. Sie gründeten unter anderem die Deutsche Synagoge und die Canton-Synagoge.
Die italienischen Juden stammten aus verschiedenen Regionen Mittel- und Süditaliens. Sie lebten ebenfalls im Ghetto Nuovo und pflegten einen eigenen italienischen Ritus.
Die Levantiner kamen aus dem östlichen Mittelmeerraum. Viele von ihnen hatten zuvor auf dem Gebiet des Osmanischen Reiches gelebt. Als wohlhabende Kaufleute waren sie für den venezianischen Handel von großer Bedeutung.
Die spanischen und portugiesischen Juden waren Sepharden. Viele ihrer Familien hatten die Iberische Halbinsel nach den Vertreibungen und Zwangskonversionen am Ende des 15. Jahrhunderts verlassen.
Obwohl alle diese Gruppen im selben Viertel lebten, bewahrten sie ihre religiösen Traditionen. Deshalb entstanden in Venedig fünf historische Synagogen.

Die fünf historischen Synagogen von Venedig
Im jüdischen Viertel befinden sich fünf historische Synagogen:
- die Deutsche Synagoge, Scola Grande Tedesca
- die Canton-Synagoge, Scola Canton
- die Italienische Synagoge, Scola Italiana
- die Levantinische Synagoge, Scola Levantina
- die Spanische Synagoge, Scola Spagnola
Von außen sind die Gotteshäuser teilweise kaum als Synagogen zu erkennen. Sie wurden in bestehende Wohnhäuser integriert und befinden sich häufig in den oberen Stockwerken.
Bei meinem ersten Besuch konnte ich im Rahmen einer Führung drei Synagogen kennenlernen. Ende November 2025 besichtigte ich die Levantinische und die Spanische Synagoge.

Die Deutsche Synagoge
Die Deutsche Synagoge, die Scola Grande Tedesca, wurde 1528 oder 1529 gegründet. Damit gilt sie als die älteste erhaltene Synagoge im jüdischen Viertel von Venedig.
Sie entstand für die aschkenasische Gemeinde und befindet sich am Campo del Ghetto Nuovo. Von außen ist sie nur an ihren fünf Fenstern zu erkennen.
Der Innenraum liegt im obersten Stockwerk des Hauses. Wie bei mehreren venezianischen Synagogen wurde dieser Platz wohl auch deshalb gewählt, weil sich zwischen dem Gebetsraum und dem Himmel kein weiterer bewohnter Raum befinden sollte.
Bei meinem ersten Rundgang faszinierte mich besonders, wie verborgen die Synagoge im Wohnhaus liegt. Wer ohne Vorwissen über den Platz spaziert, würde hinter der schlichten Fensterfront kaum ein historisches Gotteshaus vermuten.

Die Canton-Synagoge
Nur wenige Jahre nach der Deutschen Synagoge entstand 1531 oder 1532 die Canton-Synagoge, auch Scola Canton genannt.
Ihr Name wird häufig mit der Lage im „Canton del Forno“, einer Ecke des Platzes, in Verbindung gebracht. Der vergleichsweise kleine Gebetsraum ist reich ausgestattet und zeigt, wie die Gemeinde den begrenzten Platz kreativ nutzte.
Auch diese Synagoge wurde in die oberen Stockwerke eines bestehenden Gebäudes eingebaut. Ihre Fassade ist nach außen hin weitgehend unscheinbar.



Die Italienische Synagoge
Die Italienische Synagoge wurde 1575 errichtet. Sie diente den aus Mittel- und Süditalien stammenden Juden, die gemeinsam mit der deutschen Gemeinde im Ghetto Nuovo lebten.
Die italienischen Juden bildeten verwaltungstechnisch keine vollkommen eigenständige „Nation“, bewahrten aber ihren eigenen liturgischen Ritus. Dieser wurde in der Synagoge bis ins frühe 20. Jahrhundert gepflegt.
Die Italienische Synagoge liegt ebenfalls am Campo del Ghetto Nuovo.
Die Levantinische Synagoge
Die Levantinische Synagoge, die Scola Levantina, entstand in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Sie wurde für jene Juden errichtet, die aus dem östlichen Mittelmeerraum nach Venedig gekommen waren.
Viele von ihnen waren wohlhabende Kaufleute und unterhielten Handelsbeziehungen zum Osmanischen Reich. Ihr wirtschaftlicher Einfluss spiegelte sich auch in der aufwendigen Gestaltung ihrer Synagoge wider.
Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Innenraum erneuert. Die Arbeiten werden mit der Werkstatt des berühmten Holzschnitzers Andrea Brustolon in Verbindung gebracht.
Besonders beeindruckend ist die erhöhte Bima, also der Platz, von dem aus aus der Tora gelesen wird. Zwei geschwungene Treppen führen zu ihr hinauf. Dunkles Holz, kunstvolle Schnitzereien, rote Vorhänge und große Leuchter verleihen dem Raum eine fast theatralische Wirkung.
Als ich die Synagoge Ende November 2025 betrat, wusste ich zunächst gar nicht, wohin ich schauen sollte. Die Blicke wanderten von den mächtigen Leuchtern zur reich geschnitzten Bima und weiter hinauf zur Frauenempore.
Von außen lässt sich kaum erahnen, welche Pracht sich hinter der schlichten Fassade verbirgt.

Die Spanische Synagoge
Die Spanische Synagoge, die Scola Spagnola, ist die größte und bekannteste Synagoge im jüdischen Viertel von Venedig.
Sie wurde im 16. Jahrhundert für sephardische Juden gegründet, die nach ihrer Vertreibung von der Iberischen Halbinsel über verschiedene Wege nach Venedig gelangten. Rund ein Jahrhundert später wurde das Gotteshaus vollständig umgebaut. Der Umbau wird dem venezianischen Architekten Baldassare Longhena zugeschrieben.
Longhena prägte mit Bauwerken wie der Kirche Santa Maria della Salute, der Ca’ Pesaro und der Ca’ Rezzonico das barocke Stadtbild Venedigs.
Die Spanische Synagoge beeindruckte mich bereits bei meinem ersten Besuch. Auch beim Wiedersehen Ende November 2025 wirkte der große Raum überwältigend: dunkles Holz, rote Vorhänge, eine umlaufende Frauenempore und große Leuchter bestimmen den Innenraum.
Der schwarz-weiße geometrische Fußboden lenkt den Blick in Richtung des Toraschreins. Die prachtvolle Gestaltung steht in einem starken Gegensatz zur unscheinbaren Außenfassade.
Die Synagoge wird bis heute für Gottesdienste genutzt. In den Sommermonaten finden hier die Gottesdienste der jüdischen Gemeinde statt, während im Winter die Levantinische Synagoge verwendet wird.



Das Jüdische Museum von Venedig
Das Jüdische Museum, das Museo Ebraico di Venezia, befindet sich direkt am Campo del Ghetto Nuovo zwischen den ältesten Synagogen.
Ein Teil der Ausstellung beschäftigte sich mit der Geschichte der verschiedenen jüdischen Gemeinden Venedigs. Dazu gehörten deutsche und italienische Juden mit aschkenasischer Tradition sowie spanische und levantinische Juden mit sephardischer Tradition.
Bei meinem ersten Besuch konnte ich die damalige Ausstellung noch besichtigen. Gezeigt wurden zahlreiche Gegenstände aus dem religiösen und alltäglichen Leben: Chanukka-Leuchter, silberne Ritualgegenstände, bestickte Stoffe, kostbare Toramäntel und historische Dokumente.
Ende November 2025 war das Museum aufgrund der laufenden Restaurierungs- und Umbauarbeiten geschlossen. Auf der offiziellen Website wird weiterhin auf das umfangreiche Restaurierungsprojekt hingewiesen. Die Ausstellungsfläche soll erweitert und die Präsentation der Sammlung neu gestaltet werden.
Da sich der Stand der Arbeiten und die Besuchsmöglichkeiten ändern können, sollte man vor dem Besuch unbedingt die aktuellen Informationen auf der offiziellen Website überprüfen.


Mein Wiedersehen mit dem jüdischen Viertel im November 2025
Sieben Jahre nach meinem ersten Besuch kehrte ich Ende November 2025 in das jüdische Viertel zurück.
Vieles war mir sofort wieder vertraut: der weite Campo del Ghetto Nuovo, die hohen Häuser und die Synagogen, die sich hinter gewöhnlich wirkenden Fassaden verbergen.
Gleichzeitig befand sich das Viertel sichtbar im Wandel. Es wurde an mehreren Stellen gebaut und restauriert. Das Jüdische Museum war während meines Aufenthalts noch geschlossen.
Besichtigungen der historischen Gebäude wurden jedoch weiterhin angeboten. Die Führung führte mich diesmal in die Levantinische und die Spanische Synagoge.
Gerade die Gegenüberstellung der beiden Räume fand ich spannend. In der Levantinischen Synagoge fällt der Blick sofort auf die hoch gelegene Bima mit ihren geschwungenen Treppen. Die Spanische Synagoge wirkt noch größer und feierlicher, beinahe wie ein barocker Festsaal.
Beide Synagogen erinnern daran, dass das jüdische Viertel nicht nur ein historischer Schauplatz ist. Es ist bis heute ein Ort religiösen Lebens.

Erinnerung an die Shoah
Die Geschichte des jüdischen Viertels endete nicht mit der Öffnung der Ghettotore.
Unter dem italienischen Faschismus und während der deutschen Besetzung Venedigs wurden Mitglieder der jüdischen Gemeinde verfolgt, verhaftet und deportiert.
Am Campo del Ghetto Nuovo erinnern eindringliche Bronzereliefs des litauisch-jüdischen Künstlers Arbit Blatas an die Deportationen und die Ermordung der europäischen Juden.
Die Reliefs zeigen unter anderem Verhaftungen, Deportationen und Szenen aus den Konzentrationslagern. Sie gehören zu jenen Orten, an denen man nicht einfach vorbeigehen sollte.
Das jüdische Viertel ist deshalb nicht nur eine Sehenswürdigkeit. Es ist auch ein Ort des Gedenkens.

Jüdisches Leben heute
Das jüdische Viertel ist kein Freilichtmuseum. Bis heute befinden sich hier Einrichtungen der jüdischen Gemeinde, und mehrere Synagogen werden weiterhin für Gottesdienste genutzt.
Außerdem gibt es im Viertel eine jüdische Buchhandlung und koschere Angebote. Besucher sollten sich immer bewusst machen, dass sie einen Ort religiösen und gesellschaftlichen Lebens betreten.
Respektvolles Verhalten sollte deshalb selbstverständlich sein.

Praktische Tipps für den Besuch
Anreise: Das Zentrum des jüdischen Viertels liegt am Campo del Ghetto Nuovo in Cannaregio. Vom Bahnhof Venezia Santa Lucia benötigt man zu Fuß ungefähr 15 Minuten. Von der Vaporetto-Haltestelle Guglie sind es nur wenige Minuten.
Synagogenführungen: Die historischen Synagogen können nicht selbstständig besichtigt werden. Der Zugang ist im Rahmen geführter Rundgänge möglich. Welche Synagogen gezeigt werden, kann sich ändern. Deshalb sollte man vor dem Besuch prüfen, welche Führung aktuell angeboten wird.
Öffnungszeiten: Am Samstag, dem jüdischen Schabbat, finden keine touristischen Besichtigungen statt. Auch an jüdischen Feiertagen kann das Angebot eingeschränkt sein.
Die öffentlichen Gassen und Plätze des Viertels bleiben zugänglich.
Zeitaufwand: Für einen Spaziergang durch das Viertel sollte man mindestens eine Stunde einplanen. Mit Führung und Synagogenbesichtigung würde ich etwa zwei Stunden vorsehen.
Fotografieren: Bei meinen Besuchen durfte ich im Inneren der Synagogen fotografieren. Die Regeln können sich jedoch ändern. Deshalb sollte man vor jeder Aufnahme fragen und auf die Hinweise der Führung achten.
Sicherheitskontrollen: Da es sich bei den Synagogen um aktive religiöse Einrichtungen handelt, finden Sicherheitskontrollen statt. Ein amtlicher Lichtbildausweis sollte mitgeführt werden.

Lohnt sich das jüdische Viertel in Venedig?
Ja, unbedingt.
Das jüdische Viertel gehört für mich zu den Orten, an denen sich Venedig von einer anderen, nachdenklicheren Seite zeigt. Rund um den Campo del Ghetto Nuovo begegnet man nicht der prachtvollen Kulisse des Markusplatzes, sondern einer Geschichte von Ausgrenzung, Kontrolle und Verfolgung.
Gleichzeitig erzählt das Viertel von Religion, Gelehrsamkeit, kultureller Vielfalt und dem Zusammenhalt einer Gemeinschaft, die trotz zahlreicher Einschränkungen ein reiches geistiges Leben entwickelte.
Besonders beeindruckend finde ich die historischen Synagogen. Von außen sind sie kaum zu erkennen. Erst beim Betreten zeigt sich, welche kunstvoll gestalteten Räume sich hinter den unscheinbaren Fassaden verbergen.
Wer Venedig abseits der klassischen Sehenswürdigkeiten kennenlernen möchte, sollte sich für das jüdische Viertel ausreichend Zeit nehmen – am besten im Rahmen einer Führung.

Häufige Fragen zum jüdischen Viertel in Venedig
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4 Kommentare
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GUDRUN KRINZINGER
Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.
Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.
Interessant! Hab ich einiges gelernt. Und die Fotos sind toll!
LG
Ulrike
Danke schön! Es war gar nicht so einfach zum Fotografieren, es war doch etwas duster in den Räumen…
Wo kann ich Hochglanzposter vom Jüdischen Viertel bestellen.
Das weiß ich leider nicht…