Geheimtipps Wien – Besondere Reisetipps für meine Heimatstadt

Ich habe das Schloss Schönbrunn samt Schlosspark ausgiebig besichtigt, bin den Südturm des Steffl emporgestiegen und das Riesenrad im Wiener Prater drehte sich mit mir mehr als einmal eine Runde. Die meisten Museen habe ich ebenfalls abgeklappert und natürlich frage ich mich ab und an, was ich in Wien noch nicht gesehen habe.


Welche Geheimtipps blieben mir bisher verborgen? Gibt es so etwas wie Geheimtipps in Wien überhaupt, einer Stadt die jährlich mehr als 7,5 Millionen Touristen beherbergt? Wurde nicht schon jeder Kirchturm, jede Gedenktafel, jedes Palais millionenfach abgelichtet?

Doch bei Spaziergängen durch die Stadt entdecke ich dann doch das verborgene Wien. Meist versteckt es sich hinter grünen Eingangstüren und Haustoren.

Versteckte Winkel in Wien
Versteckte Winkel in Wien

Verborgene Gassen und versteckte Innenhöfe

Ich biege in eine Seitengasse des Graben ein, schlüpfe durch ein Haustor und stehe in einem sogenannten Pawlatschenhof. „Pawlatsche“ leitet sich vom tschechischen Wort „pavlac“ ab und bedeutet schmaler, offener Hausgang. Was wirkt wie ein gemütlicher Balkon ist in Wirklichkeit der Zugang zur Wohnung, mit dem Nachteil, dass die Nachbarn ganz genau wissen, wer um welche Uhrzeit mit wem nach Hause kommt.

Doch hier im 1.Bezirk, im Geburtshaus Johann Nestroys, wirkt das Arrangement herrlich beschaulich. Die schmiedeeisernen Gitter sind aufwändig renoviert, Efeu rankt sich elegant von Stockwerk zu Stockwerk.
Neben den versteckten Innenhöfen, die im 1.Bezirk zu finden sind, gibt es noch die Durchhäuser. Oftmals sind es schmale Gassen, die es den Bewohnern erlauben, einen Schleichweg durch dicht verbautes Gebiet zu nehmen, ohne einen ganzen Hausblock umrunden zu müssen.

Wer sich nicht selbst auf die Suche nach verborgenen Innenhöfen und Gassen machen möchte, kann sich einer Führung „Verborgene Winkel“ anschließen oder blättert in den Büchern „Geheime Pfade“ (Falter Verlag) und „Wien – Abseits der Pfade“ (Braumüller Verlag).

Der Innenhof vom Nestroy Geburtshaus
Das Geburtshaus von Johann Nestroy in der Bräunerstraße
Eine blaue abgeschabte Tür mit einer Laterne, an der Wand steht eine Heiligenfigur
Der Heiligenkreuzerhof
der Geigenbauer im Heiligenkreuzerhof
Das Schild des Geigenbauers ist ebenfalls ein beliebtes Fotomotiv im Heiligenkreuzerhof
Verborgene Innenhöfe in Wien
Verborgene Innenhöfe in Wien – Dieser Durchgang versteckt sich zwischen Wollzeile und Bäckerstraße
Verborgene Wiener Innenhöfe
Verborgene Wiener Innenhöfe

Feines Handwerk – Made in Vienna

Wiener Schneekugelmanufaktur

„Mein Großvater wollte die Glühbirne verbessern“, mit diesen Worten beginnt Erwin Perzy III eine Führung durch die Räumlichkeiten der Wiener Schneekugelmanufaktur im 17.Bezirk. Die Erfindung, die seit 120 Jahren Alt und Jung auf der ganzen Welt beglückt, ist also einem Zufall zu verdanken. In der ersten Schneekugel steckte übrigens ein Modell der Mariazeller Basilika, und als Schnee fungierte Gries.

Im Lauf der Jahre kamen mehr und mehr Modelle hinzu. Heute kann man sich sogar seine eigene Schneekugel kreieren lassen, eine Möglichkeit, von der viele Firmen weltweit Gebrauch machen. Der momentane Verkaufsschlager ist eine Schneekugel, deren Inhalt aus einer winzigen Klopapierrolle besteht. Mehr als 8000 Stück hat die Manufaktur bisher verkauft, ein Zeichen dafür, dass dem Seniorchef auch in Zeiten von Corona der Humor nicht abhanden gekommen ist.

Übrigens: Als Schnee-Imitat hat eine Mischung aus Hartwachs den Gries abgelöst. Das genaue Rezept wird Erwin Perzy III seiner Tochter hoffentlich bald verraten. Sie hat die Wiener Schneekugelmanufaktur am 1.Juli von ihrem Vater übernommen und geht als Sabine I in die 120-jährige Firmengeschichte ein.

Seniorchef macht einen Entwurf am Computer für eine Schneekugel
Die Schneekugel wurde in Wien erfunden – natürlich nicht am Computer
Das Riesenrad noch ohne Kugel
Dieses Riesenrad wartet auf die Kugel und den Schnee
Wie entstand die erste Schneekugel? Im Schneekugelmuseum in der Schneekugelmanufaktur ist die Erfindung nachgestellt
Wie alles begann: Im Schneekugelmuseum
Schneekugeln mit typisch Wiener Motiven wie Riesenrad, Stephansdom und Sisi
Schneekugeln mit typisch Wiener Motiven wie Riesenrad, Stephansdom und Sisi

Jarosinski & Vaugoin

Einige Kilometer stadteinwärts verbirgt sich im 7.Bezirk hinter einer grünen schlichten Holzglastüre ein Unternehmen, dessen Geschichte bis zu Napoleon Bonaparte zurückreicht. 1847 gründete Carl Vaugoin in Wien eine Silberschmiede und war zu diesem Zeitpunkt nicht alleine. Mehr als 300 Silberschmieden zählte man um die Jahrhundertwende in Wien. Alleine in der Zieglergasse, wo sich das Traditionsunternehmen heute befindet, gab es sechs dieser Betriebe.

Jean-Paul Vaugoin führt die Werkstatt mittlerweile in sechster Generation. Geplant war das nicht, erzählt er mir, während er Lade um Lade eines Schranks öffnet und Bestecke aus allen Epochen präsentiert. Sein Vater war überraschend verstorben, gemeinsam mit seinem Bruder überlegte er die Werkstätte zu verkaufen. Zum Glück wurde diese Idee verworfen und mit viel Elan stürzte er sich in die Übernahme der Firma.

Während im Verkaufsraum Taufbecher, Geldklammern, Armreifen und Manschettenknöpfe um die Wette glitzern, befindet sich das Herz der Silberschmiede in den Hinterräumen und im ersten Stock. Hier sitzen die Arbeiter hinter Werkbänken und Schleifmaschinen und erzeugen einzigartige Produkte, die unter anderem die Tische von Königshäusern schmücken.

Abgehoben agiert man im Traditionsunternehmen trotzdem nicht. Bei Jean-Paul Vaugoin ist jeder willkommen, der sich für echtes Handwerk interessiert. Und so führt er auch Schulklassen, Vereinsgruppen und Einzelpersonen durch seinen Betrieb.

Jean-Paul Vaugoin - Silberschmied
Jean-Paul Vaugoin zieht ein Besteckset nach dem anderen aus den Laden
Bestecke aus Silber von Vaugoin
Bei Vaugoin gibt es mehr als 200 Besteckdesigns – Alle sind aus Silber
Hendlhaxenhalter aus Silber
Ein selten gebrauchtes Besteck: Hendlhaxenhalter aus Silber
In der Silberwerkstatt Vaugoin
In der Silberwerkstatt Vaugoin

Glashütte Comploj

Glashütten verortete ich bisher im Waldviertel und in der Steiermark, denn in beiden Regionen besuchte ich bereits einen Glasbläserkurs. Doch dass die Kunstfertigkeit des Glasblasens auch in Wien gelehrt wird, war mir neu.

Seit 2017 befindet sich in der Westbahnstraße die Glashütte Comploj. Vasen in sanften Farben sind auf weißen Podesten angeordnet. Es wirkt wie ein Gesamtkunstwerk, die Objekte scheinen im Raum zu schweben. Mir wäre es unmöglich nur ein einziges zu kaufen. Es wäre auch undenkbar für mich eines der Gefäße mit Wasser zu füllen und Blumen darin zu arrangieren.

Hinter einem weißen Vorhang, direkt neben dem Schauraum, verbirgt sich die Werkstatt. Eine Mitarbeiterin öffnet den Schmelzofen, der mich an eine überdimensionierte Discokugel erinnert, und gewährt mir einen Blick in die orange-rote Hitze. Und plötzlich geht alles ganz schnell.

Der Glaspfropfen, der eben noch auf einer Stange im Ofen gedreht wurde, wird mit einer Zange in die richtige Form gezogen. Ein kurzes Zischen und dann käme das gute Stück in den Kühlofen, wenn es denn ein richtiges Kunstobjekt wäre und nicht Anschauungsmaterial für neugierige Besucher.
Die Karte mit den Terminen zum Glasmachen landet auf jeden Fall in meiner Tasche.

Glasvasen im Ausstellungsraum Comploj in der Westbahnstraße
Glasvasen im Ausstellungsraum Comploj in der Westbahnstraße
Comploj - Eine Glashütte in Wien
Mitten in Wien wird bei Comploj Glas geblasen
In der Glashütte Comploj
In der Glashütte Comploj

Rudolf Scheer und Söhne –
K&K Hofschuhmacher

Das Jahr 1816 ging in die Geschichte als Jahr ohne Sommer ein. In Wien ging die erste Gaslaterne in Betrieb, Salzburg kam zu Österreich, die Nationalbank entstand und im 3.Bezirk – damals noch Vorstadt – gründete Johann Scheer einen Schusterbetrieb.

204 Jahre später stehe ich ehrfürchtig in einem Verkaufsraum im ersten Bezirk, alles im Raum atmet Geschichte. Ein Geruch nach Leder liegt in der Luft. Der Lärm des Alltags ist draußen geblieben. Draußen an der Fassade befindet sich auch das meist fotografierte Geschäftsportal Wien, doch hier ins Innere verirren sich nur einige wenige Kunden.

Denn wer das Geschäft Scheer in der Bräunerstraße betritt, braucht einen Termin und einiges an Geduld. Mindestens 8 Monate benötigt man für die Fertigung eines Maßschuhes, erklärt Markus Scheer, der Laden und Werkstatt von seinem Großvater übernommen und den Betrieb in der siebten Generation führt.

Die Namen seiner Kunden hütet er wie einen Schatz, in den Vitrinen liegen die Leisten von Kaiser Franz Josef und Kronprinzessin Stephanie. Aus Namen schlage man kein Kapital, meint Markus Scheer. Es gibt eine Familie der Scheerschuh-Träger, die meisten sind mittlerweile zu Freunden geworden.

Die Frage nach dem Preis eines Schuhs hört Markus Scheer oft und er beantwortet sie souverän:

„Ein Scheerschuh kostet sehr viel Geld, aber er ist nicht teuer.“

Eingangsportal - goldene Schrift auf schwarzem Grund - Rudolf Scheer und Söhne - Hofschuhmacher
Rudolf Scheer & Söhne – K.und K. Hofschuhmacher
schwarze Schuhe der Kronprinzessin Stephanie
Kronprinzessin Stephanie ließ ihre Schuhe bei Scheer fertigen
Leder in vielen verschiedenen Farben beim Schuhmacher Scheer
Exquisite Lederwaren bei Scheer
Handgemachte Schuhe in der Schuhmachermanufaktur Scheer
Handgemachte Schuhe in der Schuhmachermanufaktur Scheer

Besondere Führungen im Belvedere

Wien ist eine Stadt der vielen Museum. Wer mir nicht glaubt, werfe am besten einen Blick in mein Museumsprojekt.

Dem eifrigen Museumsgeher empfehle ich zum Beispiel einen Besuch im Kriminalmuseum, im Volkskundemuseum oder im Porzellanmuseum Augarten. Diese kleinen, feinen Museen sind Geheimtipps in der Wiener Museumslandschaft.

Doch auch in meinen Lieblingsmuseen gibt es Führungen, die ein altbekanntes Museum zu etwas Besonderen machen. „Ganz Österreich im Belvedere“ lautet eine Führungsreihe, die jeden Sonntag ein Bundesland in den Fokus rückt. Schließlich umfasst die Sammlung Belvedere Bilder aus einer 800-jährigen Sammlungsgeschichte. Kunstvermittler Philipp Reichel-Neuwirth hat zu diesem Thema spannende Museumsspaziergänge entworfen.

Ansicht vom Stephansdom
Das Belvedere mit anderen Augen betrachten

Der Böhmische Prater

Das Riesenrad im Wiener Prater kennt jeder, aber wer von euch war schon einmal im Böhmischen Prater? Zugegeben, ich selbst bin auch erst einmal vor vielen Jahren durch das Gelände spaziert. Während sich der große Bruder schneller, höher und lauter auf die Fahnen geheftet hat, punktet der Böhmische Prater mit dem ältesten Ringelspiel Europas. Und gemütlicher und familiärer geht es sowieso im 10.Bezirk zu.

Ein flapsiges „Geht’s auch retour?“ veranlasst den Schausteller das Riesenrad gegen den Uhrzeigersinn fahren zu lassen, zum Gaudium aller Beteiligten. Ebenfalls viel gelacht wird im Tivoli, dem Veranstaltungszentrum. Ob Kindergeburtstag oder betagtere Jubilare, die Veranstalter arrangieren Geburtstagspartys für jedes Alter. Zusätzlich gibt es ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit Kabarett und Konzerten.

Karussell im Böhmischen Prater
Schee is so a Ringlspü – Karussell im Böhmischen Prater
Riesenrad im Böhmischen Prater
Auch vom Riesenrad im Böhmischen Prater hat man einen schönen Blick auf Wien
Böhmischer Prater Wien
Alte Fahrgeschäfte im Böhmischen Prater

Die Wiener Küche

Auch nach vielen Jahren in Wien freue ich mich, wenn mir jemand ein neues Lokal zeigt. Wobei neu natürlich relativ ist, denn die Gastwirtschaft Stopfer am Rudolfsplatz gibt es schon seit 1951.

Auf der Speisekarte stehen typisch klassische Wiener Gerichte wie Schnitzel, Eiernockerl und Tafelspitz. Die Nachspeisenkarte lässt ebenfalls keine Wünsche offen und beim Stopfer habe ich mit Abstand die besten Marillenpalatschinken meines Lebens gegessen

Hoteltipp für Wien

Es ist immer ein bisschen seltsam, wenn ich in Wien in einem Hotel einchecke. Schließlich wohne ich in dieser Stadt. Doch um einen Urlaub in Wien zu machen, empfehle ich – auch Wienern – den Alltag hinter sich zu lassen und in ein Hotel zu übersiedeln.

Das Hotel Tigra befindet sich mitten in Wien hinter historischen Mauern. Sogar Mozart hat als Kind knapp drei Monate an dieser Adresse logiert, bloß war damals das Hotel noch kein Hotel.

Aber vielleicht hat er genau aus dem Fenster seinen Kopf gesteckt, hinter dem ich gerade meinen Trolley auspacke? Das Problem mit vergessenen Handyladekabeln hatte Mozart wohl nicht, dafür kann ich auf freundliche Rezeptionisten zurückgreifen, die mir ein solches zur Verfügung stellen.

Das Hotel Tigra ist glücklicherweise keine Bettenburg, sondern vermittelt gemütliche Atmosphäre in ihren Hotelzimmern, die nicht zu groß und nicht zu klein sind. Mein Zimmer hatte Steckdosen an Stellen, wo man sie wirklich braucht, auch keine Selbstverständlichkeit in diesen Zeiten.

Besonders hervorheben möchte ich die Leselampe beim Bett, was ebenfalls keine Selbstverständlichkeit ist, aber lebensnotwendig für mich.

So fand ich auch die Frühstückszeiten perfekt auf meinen Lebensrhythmus abgestimmt, wochentags von 6:30 bis 10:30 und am Wochenende von 7 bis 11 Uhr, ich denke mir, da finden sich alle wieder.
Alles in allem war es ein perfekter Aufenthalt

Zimmer im Hotel Das Tigra
Mein Zimmer im Hotel Das Tigra
Hotel Das Tigra
Links im Bild – Hotel Das Tigra
Blick aus meinem Zimmer
Der Blick aus meinem Zimmer
Frühstücksbuffet im Hotel Tigra
Frühstücksbuffet im Hotel Tigra

Geheimtipps Wien – Adressen

Hotel Tigra
Tiefer Graben 14 – 20
1010 Wien

Original Wiener Schneekugelmanufaktur
Schumanngasse 87
1170 Wien

Silberschmiede Jarosinski & Vaugoin
Zieglergasse 24
1070 Wien

Glashütte Comploj
Westbahnstraße 18
1070 Wien

Maßschuhe Scheer
Bräunerstraße 4
1010 Wien

Belvedere
Prinz Eugen Straße 27
1030 Wien

Böhmischer Prater
Laaerwald 3c
1100 Wien

Gastwirtschaft Stopfer
Rudolfsplatz 4
1010 Wien

Offenlegung:
Die Einladung zu dieser Pressereise samt Programm erfolgte vom Hotel Das Tigra.

Hinterlassen Sie einen Kommentar





gudrun-krinzinger-reisebloggerin

GUDRUN KRINZINGER

Ich tue. Ich reise. Ich bin.


Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.

Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.

MUSEUMSBLOG

BÜCHERBLOG

REISENOTIZEN