Podlachien – Ein Abenteuer in Polen
[Werbung] Polen, das ist so eine Art Wundertüte. Ein riesengroßes Land mit unzähligen Regionen, die meisten davon unaussprechlich, zumindest für meine österreichische Zunge. Da gibt es schmucke Städte, wie zum Beispiel Krakau, in das ich mich letztes Jahr auf den ersten Blick verliebt habe. Und dann gibt es die weiten Landschaften der Masuren und die sanften Hügel der Niederen Beskiden und das geschichtsträchtige Danzig.
Und da, ganz oben, hoch im Norden und gleichzeitig ganz im Osten, dort wo sich Fuchs und Hase, oder besser gesagt Wolf und Wisent Gute Nacht sagen, wenn ich auch nicht weiß, in welcher Sprache sich die beiden unterhalten, dort liegt Podlachien mit seinen insgesamt vier Nationalparks.
Sie heißen Białowieski Nationalpark, Biebrza Nationalpark, Narew Nationalpark und Wigry Nationalpark. Dort kann man es sich dann aussuchen, ob man zu Pferd, mit dem Kajak, mit dem Fahrrad oder mit den Wanderschuhen unterwegs sein möchte.
Meine Reise nach Podlachien
Podlachien, das ist weit weg. Von Wien nach Białystok, der Hauptstadt der Woiwodschaft Podlachien, rechnet uns das Navi eine Fahrzeit von 9 Stunden und 16 Minuten aus. Aber wir wollen noch ein Stückchen nördlicher und noch ein bisschen östlicher, in eine Stadt, die auf Polnisch Suwałki heißt.
Suwałki ist das Eingangstor zum Nationalpark Wigry (polnisch Wigierski Park Narodowy). Städte haben wir auf dieser Reise in Polen nicht wirklich auf dem Radar, eher zufällig landen wir im Hafen von Łomża, einer Stadt am Fluss Narew. Beim Rundgang durch das Städtchen entdecken wir viele historische Häuser, unzählige Kirchen und einen alten jüdischen Friedhof mit von Moos überwachsenen Grabsteinen.
Ebenfalls spontan landen wir in Płociczno-Tartak . Und dort beginnen unsere polnischen Abenteuer.
Mit der Wigry Schmalspurbahn in den Wald
Drei Waggons stehen im kleinen Bahnhof in Płociczno-Tartak bereit, noch fehlt die Lokomotive, aber da kommt sie auch schon daher gerattert. Tuuut, tuuut! Alles einsteigen, bitte!
Gemütlich rumpeln wir zuerst an den Häusern des Dorfes vorbei, bis die Schmalspurbahn an Fahrt aufnimmt. Die Schienen teilen den Wald mit seinen riesigen Bäumen in zwei Hälften. Insgesamt stehen drei kurze Stopps am Programm mit einem längeren Aufenthalt in Krusznik. Hier wird die Lok umgehängt, der Lokführer bläst in seine Pfeife und schon geht es wieder retour nach Płociczno-Tartak.
An jedem Stopp gibt es Tafeln, die über die Geschichte der Bahn, über Wald- und Bienenwirtschaft und den Augustow-Urwald informieren. Gebaut wurde die Schmalspurbahn von den deutschen Truppen im ersten Weltkrieg um das Holz kostenbringend aus den Wäldern zu einem Sägewerk in Płociczno bringen zu können. Noch Jahre später nutzte man diese Möglichkeit und erweiterte kontinuierlich die Bahnstrecke .
Heute ist sie nur mehr um die 10 km lang und befördert statt Holz Touristinnen und Touristen. Der vergnügliche Ausflug mitsamt den Pausen hat zwei Stunden betragen. Die Schmalspurbahn war somit unser erstes Fortbewegungsmittel im Wigry Nationalpark und ein weiteres wartete am nächsten Morgen auf uns.
Kajakfahren auf dem Fluss Czarna Hańcza
Czarna Hańcza? Schon wieder so ein Wort, das meiner Zunge Kopfzerbrechen bereitet. Dieser Fluss in Podlachien zählt bei vielen Liebhabern des Kajaksports an erster Stelle. Ob ich ebenfalls Liebhaberin dieser Sportart werde?
Wir steigen in das Auto unseres Kajakvermieters, das Kajak rumpelt auf einem Anhänger hinter uns her. Nach zehn Minuten Fahrt steigen wir aus, das Kajak wird abgeladen. Wir bekommen Paddeln und Schwimmwesten ausgehändigt und die Anweisung „Have Fun!“. Dann heißt es einsteigen ins Boot, ein Schubs des Vermieters folgt und schon paddeln wir los.
Aber eigentlich paddeln wir nicht. Denn eine leichte Strömung umfasst das Kajak und treibt das Boot gemächlich flussabwärts. Und wir ziehen vorbei an Schilf und Birken, das Wasser des Flusses glitzert in der Morgensonne und die Amseln singen uns ein Lied. Nur selten tauchen wir die Paddel ins Wasser, es würde die Ruhe stören.
Doch plötzlich ein lautes Flügelschlagen, ein Schwan fühlt sich von uns gestört, er sucht empört das Weite. Und schon haben wir die Czarna Hańcza wieder für uns alleine, die Stille umfängt uns und lässt uns staunen.
Ich staune auch, als ich wie aus einem Traum erwache und auf das Mobiltelefon blicke. Eine Stunde ist bereits vergangen und viel weiterbewegt haben wir uns bisher noch nicht. Also paddeln wir halbherzig drauflos, die Schönheit des Flusses festhaltend, die Hektik hinter uns lassend. Das Paddel eintauchen, den Sog des Weiterkommens spüren, atmen, den Luftzug auf der Haut wahrnehmen, den Vögeln zusehen.
Birdwatching im Wigry Nationalpark
Paweł stellt das Spektiv scharf und lässt mich durch den Sucher blicken. „Da haben wir Kormorane und Silberreiher“, lässt mich der Förster und ausgebildete Naturführer wissen. Der heutige Samstag entpuppt sich als harte Nuss für Birdwatcher. Zu windig und zu kalt, befindet Paweł, der das Instrument zum Vögel beobachten schon wieder zusammenpackt und vor uns ausschreitet.
An der kleinen Lichtung, wo wir uns getroffen haben, stehen trotzdem viele Autos. Der Nationalpark ist bei den Einheimischen beliebt. Räder werden aus dem Kofferraum gepackt, Wanderschuhe geschnürt und die Fischer sind schon seit dem frühen Morgen am Wigry See unterwegs. „Und, was gefangen?“ ruft Pawel einem zu, der gerade an einem Steg anlegt. „Nein, zu windig und zu kalt“, antwortet der ältere Mann und lacht.
Wieder wird das Spektiv aufgestellt und das Ufer des Wigry See abgesucht. Leider nein, kein einziger Vogel lässt sich blicken, einzig und allein der Ruf des Kuckucks ist zu hören. Und dann vernehmen wir noch ein weiteres Geräusch, es kommt aus dem Schilf zu unseren Füßen, ein leises, aber trotzdem durchdringendes „whuuump, whuuuump“. Paweł blättert in seinem Vogelbuch: „Das ist eine Rohrdommel“. Die Rohrdommel geht für mich trotzdem als vierte Sichtung durch.
Der Wigry Nationalpark ist ein Paradies für Vogelkundler.
Schon bei der Anreise zum Wigry See bemerkten wir die Störche, die entweder hoch über unseren Köpfen in ihren Nestern sitzen oder durch die Felder staksen. Geweckt werden wir meistens frühmorgens von Vogelrufen. Der Kuckuck scheint in Podlachien unser treuester Begleiter zu werden. Ganz egal, wo wir aus dem Auto aussteigen und welche Wanderung wir in Angriff nehmen, das kontinuierliche „gu-kuh“ ertönt ganz in der Nähe.
Die beste Jahreszeit für Vogelbeobachtungen seien allerdings Frühling und Herbst, erklärt uns Paweł, der uns auf die kleinen und großen Dinge des Waldes aufmerksam macht. Wir beobachten Ameisen, hören den Fröschen zu, entdecken von Bibern angeknabberte Baumstämme und verkosten Waldsauerklee. Paweł erzählt von der Wisentherde, die meist im Winter zu beobachten ist. Im Winter sei die Stimmung des Waldes sowieso ganz anders, schwärmt er uns vor.
Und auch ich komme ins Schwärmen, wenn ich an Sichtungen von Wisent, Wölfe und Luchse denke. Vielleicht sieht mich der Wigry Nationalpark in Podlachien im Herbst wieder?
Infos zu meiner Podlachien-Reise
Zur Webseite der Schmalspurbahn >>hier klicken<<
Informationen zum Wigry Nationalpark >>hier klicken<<
Zu Pawełs Facebookseite >>hier klicken<<
Zur Facebookseite unseres Kajakvermieters >>hier klicken<<
Offenlegung: Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit PolandSoulTravel. Dieses Projekt lockt Naturliebhaber in weniger bekannte Ecken Polens. Es sind sozusagen echte Geheimtipps für Neugierige, die gerne abseits des Mainstream reisen.
5 Kommentare
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GUDRUN KRINZINGER
Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.
Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.
Hallo Gudrun,
was für eine schöne Reise. Schmalspurbahn kenne ich nur aus der ehemaligen DDR. Die fuhr immer durch den Harz, mit viel Dampf und Getöse. Ich liebe sowas sehr.
Leider war ich noch nie in Polen, obwohl dort ein Teil meiner Wurzeln liegt (Masuren). Meine Mutter war mal im Geburtsort meines Vaters und hat sogar noch das Häuschen vorgefunden.
Ich glaube, ich sollte Polen definitiv mal auf meine Löffelliste setzen.
Danke für die Inspiration.
Liebe Grüße
Liane
Unbedingt hinfahren, kann ich nur raten! Das Land ist wunderschön!
Ich muss gestehen, Polen hab ich so gar nicht auf meinem Reiseradar. Ich glaube, daran muss ich mal was ändern.
Ich kenne das Land auch noch viel zu wenig, aber das was ich gesehen habe, ist überzeugend schön!
Hallo,
schön, deine Reisetipps. Vor allem Polen lese ich sehr interessiert. Ich sollte da endlich mal wieder hin – nach 35 Jahren.
Liebe Grüße
Ulrike