Das Memeldelta – Rundreise Baltikum
Das Memeldelta steht nicht bei vielen Wohnmobilreisenden auf dem Programm. Die meisten bringen für ihre Baltikum-Rundreise zu wenig Zeit mit und fahren direkt von Kaunas nach Klaipėda, um von dort mit der Fähre auf die Kurische Nehrung überzusetzen.
Wir hingegen sind im Slow-Travel-Modus unterwegs. Wir folgen der Memel in Richtung Westen und sind gespannt, welche Vögel uns im Memeldelta begrüßen. Schließlich gilt die Region als eines der wichtigsten Vogelparadiese Litauens.

Wo liegt das Memeldelta?
Das Memeldelta liegt im Westen Litauens, kurz bevor die Memel in das Kurische Haff mündet. In Litauen trägt der Fluss den Namen Nemunas. Bei Rusnė teilt er sich in mehrere Flussarme auf und bildet gemeinsam mit Kanälen, Feuchtwiesen und kleinen Inseln eine weitläufige Deltalandschaft.
Das Gebiet liegt nahe der Grenze zum russischen Kaliningrader Gebiet. Zu den bekanntesten Orten im Memeldelta gehören Rusnė, Pakalnė, Uostadvaris und Ventė.
Das Memeldelta – Ein Vogelparadies
Besonders im Frühling und im Herbst tummeln sich Abertausende Zugvögel am Himmel über dem Memeldelta. Besonders eindrucksvoll sollen die Schwärme der Blässgänse sein, die hier einen Zwischenstopp einlegen, bevor sie zum Brüten weiter in Richtung Tundra ziehen.
Doch auch zahlreiche seltene Vogelarten werden im Memeldelta beobachtet. Um die besonderen Lebensräume von Tieren und Pflanzen zu schützen, wurde 1992 der Regionalpark Nemunas-Delta eingerichtet.
Neben den vielen Vogelarten leben in der Region auch Fledermäuse, Biber und andere Säugetiere. Weite Feuchtwiesen, Schilfgürtel, Wasserläufe und kleine Wälder bieten ihnen geeignete Rückzugsorte.

Was gibt es im Memeldelta zu sehen?
Im Nachhinein betrachtet gehört das Memeldelta zu den Höhepunkten meiner Reise durch Litauen. Das liegt an der besonderen Landschaft mit ihren Kanälen und Bächen, aber auch an den Störchen, die im Mai ihre Nester besetzen und mit dem Brüten beginnen.
Ganz besonders gefällt mir die Stille. Das Memeldelta wirkt unaufgeregt und weit entfernt von den stark besuchten Sehenswürdigkeiten Litauens.
Dabei stelle ich mir das Leben in dieser Landschaft nicht immer einfach vor. Wenn das Wasser steigt, werden einzelne Wege und Flächen überflutet. Dann ist das Boot nicht nur ein beliebtes, sondern manchmal auch das einzige Fortbewegungsmittel.

Wie im gesamten Baltikum wechselten auch hier im Laufe der Jahrhunderte die Herrscher – und mit ihnen die Sprachen und Religionen. Die Dörfer tragen heute litauische Namen, doch auch die früher gebräuchlichen deutschen Bezeichnungen sind weiterhin in Reiseführern, historischen Texten und auf Webseiten zu finden.
Zu sehen gibt es kleine Ansiedlungen, die im Laufe der Zeit geschrumpft sind. Einige Häuser sind verfallen, andere längst verschwunden. Auch die Kirche in Rusnė, auf Deutsch Ruß, wirkt bei unserem Besuch nicht so, als würde sie regelmäßig für Gottesdienste geöffnet.

Wir sind allerdings im Mai und damit in der Vorsaison unterwegs. Im Sommer dürfte es in der Region deutlich lebhafter werden.
Sehenswürdigkeiten im Memeldelta
Zu den wichtigsten Orten und Sehenswürdigkeiten im Memeldelta gehören:
- die Insel und der Ort Rusnė
- die evangelisch-lutherische Kirche von Rusnė
- die Promenade und der kleine Strand von Rusnė
- die Vogelbeobachtungstürme im Regionalpark
- der Rundwanderweg bei Pakalnė
- der Hafen von Uostadvaris
- das historische Pumpwerk von Uostadvaris
- der Leuchtturm von Uostadvaris
- die Vogelwarte von Ventė
- der Leuchtturm von Ventė
Rusnė – der Hauptort im Memeldelta
Wer mit dem Auto oder Wohnmobil in das Memeldelta fahren möchte, kommt an Rusnė kaum vorbei. Die Ortschaft liegt auf der gleichnamigen Insel und gilt als Hauptort der Region.
Hier teilt sich die Memel in mehrere Flussarme. Ab diesem Punkt heißen die Wasserläufe unter anderem Skirvytė, Pakalnė und Atmata.
Wir schlendern an der evangelisch-lutherischen Kirche vorbei, betrachten die Grabsteine mit deutschen Namen und spazieren anschließend an der Promenade entlang in Richtung Strand.


Der kleine Strand wirkt im Mai noch verlassen. Von hier reicht der Blick über das Wasser in Richtung des Kaliningrader Gebiets.

Vögel beobachten im Memeldelta
Wie bereits erwähnt, herrschen im Frühling und Herbst besonders gute Bedingungen, um große Vogelschwärme zu beobachten. Aber auch während unseres Besuchs im Mai ist die Landschaft vom Zwitschern und Rufen der Vögel erfüllt.
Die einzigen Arten, die ich zweifelsfrei identifizieren kann, sind Kraniche und Störche. Bei allen anderen überlasse ich die genaue Bestimmung lieber Menschen, die sich besser auskennen.
Wer genügend Geduld und Sitzfleisch mitbringt, kann eine der Vogelbeobachtungswarten im Delta aufsuchen. Ein Fernglas gehört dabei unbedingt ins Gepäck.
Welcher Vogel flattert mir wohl vor das Fernglas?

Am besten ist es, an einem Aussichtspunkt einige Zeit still zu warten. Nicht immer zeigt sich sofort ein seltener Vogel. Doch auch ohne spektakuläre Sichtung lohnt sich der Aufenthalt, um die Geräusche und die Weite dieser Landschaft zu erleben.
Wandern im Memeldelta
Zum Wandern im Delta empfehle ich den fahrbaren Untersatz (Auto, Wohnmobil oder Fahrrad) am Hafen von Pakalnė abzustellen. Hier beginnt ein etwa 3,5 km langer, gut markierter Rundweg mit einigen Schautafeln in litauischer Sprache. Spektakuläre Sichtungen blieben uns während dieser Wanderung zwar verwehrt, aber es war eine schöne von Vogelstimmen begleitete Exkursion durch die Natur.


Wir kommen an Wiesen, kleinen Wasserläufen und Sitzbänken vorbei. Immer wieder bleiben wir stehen und hören einfach nur der Natur zu.

Auch die Biber hinterlassen im Memeldelta deutliche Spuren. An einem Baum sind die kräftigen Nagespuren kaum zu übersehen.

Uostadvaris: Pumpwerk und Leuchtturm
Mittlerweile bestätigt sich der Wetterbericht und es beginnt leicht zu regnen. Nur kurz halten wir uns im Hafen von Uostadvaris auf.
Hier befinden sich ein kleiner Leuchtturm und ein historisches Pumpwerk. Beide Sehenswürdigkeiten sind bei unserem Besuch allerdings geschlossen.

Das Pumpwerk erinnert daran, wie viel technischer Aufwand notwendig war und ist, um das Leben in der wasserreichen Landschaft des Memeldeltas zu ermöglichen.
Ventė und die Vogelwarte
Bei leichtem Regen treffen wir in Ventė ein. Der Ort liegt auf einer Landzunge am Kurischen Haff und ist besonders für seine Vogelwarte bekannt.
Durch seine Lage ist Ventė ein bedeutender Punkt für die Beobachtung und wissenschaftliche Erfassung von Zugvögeln. Während der großen Vogelzüge passieren unzählige Tiere diese schmale Stelle.
Der Leuchtturm von Ventė
Der nur wenige Meter hohe Leuchtturm von Ventė ist schnell bestiegen. Eine schmale Wendeltreppe führt nach oben.


Bei den ungemütlichen Wetterverhältnissen gelingt uns zunächst kein weiter Ausblick auf die Kurische Nehrung. Erst eine halbe Stunde später lockern die Wolken auf. Wir haben den Regen auf einem Parkplatz mit Strandzugang abgewartet und können nun einen Blick auf unser nächstes Ziel werfen.
Ganz hinten am Horizont liegt ein dünner grauer Streifen: die Kurische Nehrung, eines der beliebtesten Reiseziele in Litauen.

Wie viel Zeit sollte man für das Memeldelta einplanen?
Für einen ersten Eindruck sollte man mindestens einen ganzen Tag einplanen. Wer Rusnė, eine Wanderung bei Pakalnė, Uostadvaris und Ventė miteinander verbinden möchte, ist einige Stunden unterwegs.
Vogelliebhaberinnen und Vogelliebhaber können problemlos länger bleiben. Besonders während des Vogelzugs lohnt es sich, mehrere Beobachtungsplätze anzufahren und ausreichend Zeit zum Warten mitzubringen.
Auch eine Bootsfahrt bietet eine schöne Möglichkeit, das Memeldelta aus einer anderen Perspektive kennenzulernen.
Mit dem Wohnmobil ins Memeldelta
Das Memeldelta lässt sich gut mit dem Auto oder Wohnmobil erkunden. Viele Sehenswürdigkeiten liegen außerhalb der Ortschaften und sind ohne eigenes Fahrzeug nur schwer erreichbar.
Die Straßen waren bei unserem Besuch im Mai gut befahrbar. Dennoch sollte man beachten, dass Teile der Region bei Hochwasser überschwemmt sein können.
Wer mit dem Wohnmobil unterwegs ist, findet in der Umgebung Parkplätze und Möglichkeiten für Zwischenstopps. Aktuelle Übernachtungsregeln und Stellplatzmöglichkeiten sollten vor der Reise geprüft werden.

Lohnt sich ein Besuch im Memeldelta?
Für mich gehört das Memeldelta zu den überraschendsten Entdeckungen unserer Litauenreise. Die Region besitzt keine spektakulären Sehenswürdigkeiten, die man schnell abhaken kann. Ihr Reiz liegt in der Landschaft, der Ruhe und den vielen kleinen Beobachtungen unterwegs.
Störche in ihren Nestern, das Rufen der Kraniche, von Bibern angenagte Bäume und schmale Wasserwege bleiben mir stärker in Erinnerung als so manche bekannte Sehenswürdigkeit.
Wer langsam reist, Natur mag und sich auch für stille Regionen abseits der klassischen Route interessiert, sollte das Memeldelta auf einer Rundreise durch Litauen nicht auslassen.
Hinweis zur Reiseplanung
Öffnungszeiten, Fahrpläne, Straßenverhältnisse und Angebote für Bootsausflüge können sich verändern. Bitte überprüfe aktuelle Informationen vor deiner Reise bei den jeweiligen Anbietern und Tourismusstellen.
Reisebloggerin Gudrun Krinzinger in Litauen

📍 Persönlich besucht
Ich habe den Berg der Kreuze während einer Wohnmobilreise 2023 durch das Baltikum persönlich besucht. Wir übernachteten direkt am offiziellen Parkplatz und konnten den Hügel dadurch sowohl am Nachmittag als auch nach Einbruch der Dunkelheit erleben
Weitere Reiseziele in Litauen
Das Memeldelta war eine der ruhigsten und überraschendsten Stationen unserer Wohnmobilreise durch Litauen. Unsere Route führte uns von Kaunas entlang der Memel bis nach Klaipėda und weiter auf die Kurische Nehrung. Auch der Berg der Kreuze gehörte zu den besonderen Orten dieser Reise.
Kaunas Sehenswürdigkeiten – It’s Kaunastic
Street Art, historische Architektur, die Freiheitsallee und die außergewöhnliche Hofgalerie in Litauens zweitgrößter Stadt.
Entlang der Memel von Kaunas bis ins Memeldelta
Unsere Wohnmobilreise zu Burgen, kleinen Orten und Aussichtspunkten entlang der Memel.
Klaipėda: Sehenswürdigkeiten und Tipps
Ein Spaziergang durch die Hafenstadt mit historischen Speicherhäusern, kleinen Skulpturen und dem Segelschiff Meridianas.
Die Kurische Nehrung: Sehenswürdigkeiten und Tipps
Dünen, Kiefernwälder, Nida, Juodkrantė und das Sommerhaus von Thomas Mann.
Der Berg der Kreuze in Litauen
Ein außergewöhnlicher Ort des Glaubens, der Erinnerung und des litauischen Widerstands.
6 Kommentare
Hinterlassen Sie einen Kommentar
GUDRUN KRINZINGER
Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.
Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.
Hallo Gudrun,
das Baltikum steht noch auf unserer Bucket List. Irgendwie kam die Pandemie dazwischen und dann ist es irgendwie wieder vom Reiseradar verschwunden. Aber jetzt haben wir ja auch ein eigenes Wohnmobil. Nur an Zeit für all die Ideen mangelt es uns noch ein wenig. Ich habe mir aber deinen Tipp gespeichert. Danke dafür.
Liebe Grüsse
Susan
Mit dem Wohnmobil ist das Baltikum super zu bereisen.
Liebe Gudrun,
das sieht auch nach einer sehr schönen Landschaft aus. Ich mag es, wenn es hier und dort immer etwas Neues zu entdecken gibt, wie den kleinen Leuchtturm oder die Pumpstation. Ein gutes Fernglas sollte man mitnehmen. In Litauen war ich bisher noch nie.
Liebe Grüße
Renate
Litauen zahlt sich wirklich aus…
Hallo Gudrun,
spannende Gegend. Und toller Tipp – sieht noch nach einem ungerührteren Reiseziel aus. Kommt man dort auch mit Bus/ Bahn hin?
Liebe Grüße
Dennis
Von Kaunas nach Silute gibt es einen Bus. Von dort nach Rusne habe ich keine Verbindung gefunden.