Saint-Tropez neu entdecken: Zwischen Zitadelle, Kunst und Altstadtromantik
Ein Gastbeitrag von Katrin Wössner von fernwehzauber.de
Saint-Tropez – allein der Name klingt nach Sonne, Luxus und dem schillernden Leben an der Côte d’Azur. Doch die kleine Stadt im Süden Frankreichs hat weit mehr zu bieten als nur Yachten, Designer-Boutiquen und angesagte Strandclubs. Wer genauer hinschaut, entdeckt hier ein faszinierendes Zusammenspiel aus Geschichte, Kultur und französischem Lebensgefühl. Von der mächtigen Zitadelle hoch über der Stadt bis hin zur verwinkelten Altstadt La Ponche lädt Saint-Tropez dazu ein, auf Erkundungstour zu gehen. In diesem Artikel nehme ich dich mit zu den schönsten Sehenswürdigkeiten in Saint-Tropez – perfekt für alle, die mehr als nur Sonne und Strand erleben möchten.
Meine Anreise nach Saint-Tropez
Wer wie wir aus nördlicher Richtung kommt und nicht die gesamte Bucht von Saint-Tropez entlangfahren möchte, kann bspw. bequem mit dem Schnellboot von Sainte-Maxime nach Saint-Tropez übersetzen. Sainte-Maxime ist ein kleiner, charmanter Ort direkt auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht von Saint-Tropez. Im Zentrum von Sainte-Maxime befindet sich das Parkhaus Louis Blanc (6, Bd Frédéric Mistral), von dem aus man bequem zu Fuß in rund 7 Minuten zum Hafen (Port de Sainte-Maxime) und zur Anlegestelle von „Les Bateaux Verts“ gelangt. Von dort sind wir morgens mit dem Schnellboot übergesetzt – und ich kann dir sagen, schon die Überfahrt war ein Erlebnis. Während die Sonne langsam höher stieg, hatte ich einen fantastischen Blick auf das glitzernde Wasser und die Küste. Die Fahrt dauert nur etwa 15 Minuten, aber sie stimmt dich perfekt auf den Tag ein.
Am Hafen von Saint-Tropez angekommen, hatte ich sofort dieses Gefühl, mitten im Herzen der Stadt gelandet zu sein. Schon allein wegen dieser entspannten Anreise würde ich jedem empfehlen, das Boot zu nehmen, anstatt sich mit dem Auto entlang der Bucht durch den Verkehr zu quälen. Dies gilt natürlich vor allem in der Hochsaison im Sommer, wo die Straßen (D559 und D98A) besonders morgens sehr stark befahren sind.

Die Zitadelle von Saint-Tropez: Geschichte mit Aussicht
Mein erster Halt war die Zitadelle von Saint-Tropez, die 1602 errichtet wurde, um die Stadt vor verschiedensten Angreifern zu schützen. Sie thront hoch über der Stadt und lässt sich binnen 15 Minuten problemlos erklimmen. Wir haben hierzu den Weg durch die Altstadt über die Rue de la Citadelle gewählt. Schon von außen wirkt diese Festung wie ein imposantes Bollwerk, das sich während seiner aktiven Nutzung gegen Piraten, Korsaren, Osmanen und sogar spanische Kriegsschiffe zur Wehr setzen musste. Das eigentliche Highlight jedoch, ist der atemberaubende Ausblick von oben. Ich konnte über die Dächer der Stadt hinweg bis weit hinaus aufs Meer sehen – ein Panorama, das man so schnell nicht vergisst! Im Inneren der Zitadelle gibt es ein Seefahrtsmuseum, dass die maritime Vergangenheit von Saint-Tropez spannend erzählt. Besonders gefallen hat mir, wie hier Geschichte und Landschaft verschmelzen. Ich hatte das Gefühl, für einen Moment in eine andere Zeit einzutauchen.

Der Hafen: Zwischen Luxus und Alltag
Zurück unten in der Stadt führte mich mein Weg direkt zum Hafen von Saint-Tropez. Hier ist immer etwas los: riesige Yachten liegen Seite an Seite mit kleinen Fischerbooten, und die Promenade ist gesäumt von Cafés und Boutiquen. Ich habe mich in eines der Cafés gesetzt, einen Kaffee bestellt und einfach nur das Treiben beobachtet. Es war faszinierend, wie hier Glamour und Tradition nebeneinander existieren. Wenn man ein bisschen genauer hinsieht, entdeckt man sogar noch Fischer, die ihre Netze reparieren – ein schöner Kontrast zu all dem Luxus drumherum.

Place des Lices: Wo das Leben pulsiert
Ein ganz anderes Bild bot sich mir auf dem Place des Lices. Unter den großen Platanen spielen die Einheimischen Pétanque, und ich habe dort das erste Mal so richtig das Gefühl gehabt, im Süden Frankreichs angekommen zu sein. An Markttagen ist der Platz ein wahres Paradies: überall bunte Stände mit frischem Obst, Gemüse, Oliven und duftenden Seifen. Ich habe mir dort ein Stück Käse, ein Schälchen Oliven und ein Glas Rosé gegönnt – und genau in diesem Moment habe ich verstanden, warum der Marktbesuch hier so beliebt ist. Der Place des Lices ist für mich das Herz der Stadt, weil er Saint-Tropez von seiner entspannten, authentischen Seite zeigt.
Tipp: Wer sich für Oliven interessiert und in der Region einmal eine Plantage besuchen möchte, ist hier ebenfalls genau richtig! Umfährt man die Bucht von Saint-Tropez im Uhrzeigersinn, so gelangt man auf der D25 gut einen Kilometer nördlich von Saint-Maxime zur Oliveraie Domaine de la Pierre Plantée (Rte du Muy, 83120 Sainte-Maxime), wo mit über 4000 Olivenbäumen 14 verschiedene Olivensorten angebaut werden. Wer der französischen Sprache mächtig ist, sollte sich eine Führung auf keinen Fall entgehen lassen. Man bekommt einen tiefen Einblick in den Olivenanbau und erfährt spannende Geschichten über Land und Leute und all dies obendrein mit einem extrem charmanten provenzalischen Akzent.

Musée de l’Annonciade: Kleine, aber feine Kunst
Ein weiteres Highlight für mich war das Musée de l’Annonciade (2 Place Georges Grammont), das in einer ehemaligen Kapelle untergebracht ist. Obwohl das Museum nicht sehr groß ist, hat es eine beeindruckende Sammlung moderner Kunst. Werke von Matisse und Signac haben mich dort besonders angesprochen.
Matisse fängt mit seinen leuchtenden Farben und klaren Formen die mediterrane Lebensfreude ein. Seine Werke strahlen eine Energie aus, die perfekt zur Sonne und Leichtigkeit des Südens und der Côte d’Azur passen. Signac dagegen zeigt mit seiner pointillistischen Malweise ruhige Motive, die durch Licht und Struktur eine fast meditative Stimmung erzeugen. Dennoch schaffen es beide Künstler auf ganz unterschiedliche Weise, beim Betrachter Emotionen zu wecken und Saint-Tropez ist ein idealer Ort, um diese zu spüren! So verwundert es auch nicht, dass viele der Künstler, deren Werke im Musée de l’Annonciade ausgestellt sind in Saint-Tropez selbst gelebt oder gearbeitet haben – man spürt richtig, wie sehr die Stadt Kreative inspiriert hat. Für mich war es ein schöner Kontrast zum Hafenbummel und eine Gelegenheit, Faszination und Ruhe gleichzeitig zu genießen.
La Ponche: Die romantische Altstadt

Mein absolutes Highlight war das Altstadtviertel La Ponche. Schon beim ersten Schritt fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Enge Gassen, bunt gestrichene Häuser und kleine Plätze verleihen dem Viertel seinen besonderen Charme. Ich bin einfach drauflosgebummelt, habe mich treiben lassen und dabei winzige Boutiquen sowie gemütliche Brasserien entdeckt. An einer Ecke holte ich mir ein Croissant und spazierte weiter bis ans Meer, wo kleine Strände zur Abkühlung einladen.
Für mich ist La Ponche der beste Beweis, dass Saint-Tropez weit mehr ist als nur ein Treffpunkt für die Schönen und Reichen – es ist ein Ort voller Seele und Geschichte.
Tipp: Wer nicht nur an Klassikern der französischen Pâtisserie interessiert ist, findet in der Konditorei La Tarte Tropézienne täglich auch leckere Croissants, Baguettes, Brioches und Pains au Chocolat.
In der Region rund um Saint-Tropez sind wir dieser Konditorei an verschiedenen Orten begegnet – etwa in Grimaud, Cogolin, Ramatuelle und Sainte-Maxime – und waren jedes Mal begeistert.
Einige Filialen öffnen bereits morgens um 6:30 Uhr, was besonders Frühaufstehern entgegenkommt.
Zum Schmunzeln: Geprägt durch frühere Frankreichaufenthalte in den Regionen Gironde und Charente bestellte ich einmal versehentlich „Chocolatine“. Der Verkäufer lächelte freundlich und erklärte mir, dass man „bei uns keine Chocolatine, sondern Pain au Chocolat bestellt.“
Fazit: Saint-Tropez hat mich überrascht
Vor meiner Reise habe ich bei Saint-Tropez vor allem an Yachten, Promis und exklusive Strandclubs gedacht. Doch mein dortiger Aufenthalt hat mir gezeigt, dass die Stadt viel mehr zu bieten hat. Von der Zitadelle über den lebendigen Place des Lices bis hin zum romantischen Altstadtviertel La Ponche – Saint Tropez ist ein Ort, an dem Luxus und Authentizität auf wunderbare Weise zusammenfinden. Besonders die Anreise mit dem Schnellboot ab Sainte-Maxime war für mich ein unvergessliches Erlebnis und hat den Start in meinen Tag in Saint-Tropez perfekt gemacht. Wenn du die Côte d’Azur besuchst, solltest du dir diesen Ort auf keinen Fall entgehen lassen.
GUDRUN KRINZINGER
Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.
Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.