Schnelle Hilfe im Notfall: Ambulanzflüge aus aller Welt
Unfälle und Erkrankungen im Urlaub sind ein Thema, an das wir bei den Reisevorbereitungen nicht gerne denken. Und doch sind medizinische Notfälle die Realität für Tausende von Reiselustigen. Sie landen im Urlaubsparadies im Krankenhaus, aufgrund von Herzinfarkten, Infektionen oder Unfällen beim Sport. So sehr man das Reisen auch liebt, die Genesung und vollständige Heilung funktioniert in der Heimat meist doch besser.
Doch was, wenn eine Heimreise aufgrund des schlechten gesundheitlichen Zustandes auf regulären Wegen nicht möglich ist? Die Antwort auf diese Frage sind Ambulanzflüge. Die flexiblen Flugzeuge helfen beim Rücktransport von jedem Reiseziel, selbst aus den entlegensten Winkeln.

Was ist ein Ambulanzflug?
Ein Ambulanzflug ist ein speziell organisierter Flug für Patienten, die in ihre Heimat – oder in eine Spezialklinik in einem anderen Land – transportiert werden müssen. Du kannst dir die kleinen Flugzeuge wie eine Intensivstation in der Luft vorstellen. Sie sind mit moderner medizinischer Technik wie Beatmungsgeräten und Überwachungsmonitoren ausgestattet. Das medizinische Fachpersonal an Bord kann Medikamente verabreichen, die Vitalfunktionen überwachen und im Notfall jederzeit einschreiten.
Einer der weiteren Vorteile von Ambulanzflügen ist ihre große Flexibilität. Die eingesetzten Maschinen sind in der Regel recht klein und können auch auf regionalen Flughäfen landen. Hast du einen Unfall in einer eher abgelegenen Region der Welt, musst du als Patient nicht erst stundenlang per Krankenwagen zum nächsten großen Airport gebracht werden. Das Ambulanzflug landet so nah wie möglich an deinem Aufenthaltsort und bringt dich direkt zu einem Krankenhaus in Österreich oder Deutschland, ganz ohne Umstiege und Wartezeiten.

Ambulanzflug oder medizinisch betreuter Linienflug?
Der Aufwand und die Kosten für Ambulanzflüge sind hoch, daher werden sie nicht bei jeder Verletzung oder Erkrankung eingesetzt. Patienten, die nicht intensivmedizinisch betreut werden müssen und deren Zustand stabil ist, können als Alternative einen Rücktransport im Linienflugzeug absolvieren.
Der sogennante Medical Escort findet auf einem ganz regulären Flug statt. Meist werden dafür Plätze in der Business Class gebucht, wo die Sitze breiter sind und deutlich mehr Platz für das medizinische Team herrscht, um alle notwendigen Handgriffe zu erledigen. Je nach Fall reisen ein Arzt und/oder eine medizinisch ausgebildete Pflegekraft mit dem Patienten mit. Angehörige können sich ebenfalls ein Ticket kaufen, um dem Erkrankten auf der Reise zur Seite zu stehen.
Was aber, wenn selbst das Sitzen in der Business Class nicht oder nur sehr schwer möglich ist? Der Linienflug kann dennoch eine Option sein. Manche Airlines ermöglichen den Einbau eines Stretchers für den Liegendtransport. Dafür werden einige Sitze der Economy Class ausgebaut und an ihrer Stelle eine spezielle Krankenliege installiert. Ein Sichtschutz schützt vor neugierigen Blicken und verleiht Privatsphäre. Aufgrund des technischen Aufwandes werden Stretcher meist nur auf Langstrecken angeboten. Solltest du näher an deiner Heimat einen Unfall haben – etwa innerhalb von Europa – und einen Liegendtransport benötigen, wird dieser stattdessen höchstwahrscheinlich auf dem Landweg per Krankenwagen durchgeführt.

Warum ist ein Ambulanzflug manchmal die einzige Option?
Die meisten Reisenden wissen längst, wie wichtig der Abschluss einer guten Reisekrankenversicherung oder Auslandskrankenversicherung ist. Zudem haben viele von uns auch einen medizinischen Versicherungsschutz für den Urlaub über unsere Kreditkarte. Aus reinen Kostengründen muss man sich daher selten Sorgen über Behandlungen im Ausland machen.
Warum kommt es also dennoch regelmäßig zu Ambulanzflügen und Krankentransporten aus dem Urlaub? Die Antwort, warum Kranke und Verletzte schnell nach Hause gebracht werden, ist vielfältig.
Bessere medizinische Versorgung
Die medizinische Betreuung entspricht nicht überall auf der Welt den europäischen Standards. In vielen Ländern fehlen moderne Geräte oder das richtige Fachpersonal. Auch in Ländern mit einer guten medizinischen Versorgung können Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede die Behandlung erschweren.
Lange Rehabilitation
Nach einem Unfall oder einer akuten, schweren Erkrankung steht der Patient häufig am Beginn eines langen Weges zur Besserung. Eine herkömmliche Heimreise wäre oft erst nach Wochen oder gar Monaten möglich. Das Ärzteteam entscheidet sich in diesen Fällen für den besten, schnellstmöglichen Zeitpunkt für den Rücktransport.
Psychologische Entlastung
In vertrauter Umgebung wird man am schnellsten wieder gesund. Die Nähe zu Familie und Freunden und die gemeinsame Sprache mit dem medizinischen Team oder Zimmerkollegen machen einen Krankenhausaufenthalt in der Heimat deutlich angenehmer als im Urlaubsland.

Wer organisiert einen Ambulanzflug?
Egal ob Ambulanzflug oder Medical Escort im Linienflug, auf eigene Faust lässt sich eine Rückkehr in die Heimat nicht organisieren. Dienstleister, die spezielle auf Ambulanzflüge spezialisiert sind, übernehmen die Sache. Es handelt sich dabei fast immer um einen Bett-zu-Bett Service, bei dem du als Patient oder Angehöriger nichts übernehmen musst und bei allen Fragen einen Ansprechpartner hast. Das reduziert den Stress enorm.
Die Organisation umfasst zahlreiche Schritte:
- Medizinische Einschätzung, ob ein Ambulanzflug oder Linienflug sinnvoll ist
- Kontakt zu den Ärzten im Ausland
- Abklärung der Einreise- und Zollformalitäten
- Bereitstellung von Flugzeug, Crew und medizinischem Team
- Organisation des Krankenwagens für die letzten Kilometer von der Landebahn zum heimischen Krankenhaus
Die Kosten: Wer bezahlt für den Ambulanzflug?
Die Kosten von Ambulanzflügen hängen vor allem vom medizinischen Aufwand und der Distanz ab. Doch selbst bei geringen Beträgen lohnt es sich, vor dem Abschluss einer Reisekrankenversicherung genau aufs Kleingedruckte zu achten und dich genau zu informieren, ob und inwieweit der Heimtransport per Ambulanzflug oder medizinisch betreutem Linienflug übernommen wird.

Abschlussgedanken zum Thema Notfälle im Urlaub
Sicherheit auf Reisen beginnt nicht erst dann, wenn bereits etwas passiert ist. Mach dir stets bereits vor der Abreise bewusst, welche Risiken es an deinem Reiseziel gibt und wie die medizinische Versorgung im Notfall aussehen würde. Eine umfassende Versicherung gehört genauso ins Reisegepäck wie die Kontaktdaten der richtigen Ansprechpartner. Nicht zuletzt solltest du bei allen neuen Abenteuern und Erfahrungen keinen Übermut entwickeln. Lass dich auf Bali nicht zu gefährlichen Überholmanövern mit dem Roller verleiten, verschieb die Wandertour bei Regen auf steinigem Terrain lieber auf den nächsten Tag und geh auch auf Reisen zu einem Arzt, sobald du ungewöhnlich Symptome an dir feststellst. So kommst du hoffentlich nie in die Situation, einen Ambulanzflug zu brauchen.

GUDRUN KRINZINGER
Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.
Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.