Walking Safari oder Game Drive? Zwei Arten, Sambia zu erleben
Es war still. Kein Motorengeräusch, kein Stimmengewirr, nur Schritte auf staubiger Erde und das aufmerksame Flüstern unseres Guides. Die Luft war noch kühl an diesem Morgen, feine Sonnenstrahlen fielen durch das zartgrüne Geäst der Bäume, während wir vorsichtig durch das Grasland entlang des Lower Zambezi stapften.
Vor uns: Spuren im Sand, wie eingeritzt in ein Tagebuch der Wildnis. Unser Guide beugte sich hinunter, hob eine getrocknete Kugel von was auch immer auf – brüchig, aber noch immer voller Hinweise – und begann zu erzählen.
Später deutete er mit seinem geschnitzten Stock auf frischen Dung, erklärte die Zusammensetzung, die Herkunft, sogar das Alter des Tieres. Jeder Haufen, jeder Abdruck, jede Spur am Boden hatte für ihn eine Bedeutung. Ich folgte seinem Blick, versuchte zu sehen, was er sah – und erkannte: Das hier war nicht nur eine Safari. Es war ein Dialog mit der Wildnis, bei dem der Busch seine Geheimnisse nur denen offenbart, die genau hinsehen.
Ich hätte nie gedacht, dass Safari so sein kann. So wissensreich. So tief verbunden mit dem, was um einen herum lebt, wächst – und stirbt.

Sambia – das Ursprungsland der Walking Safari
Sambia ist für viele Safarikenner ein Geheimtipp. Die Nationalparks sind abgelegen, weitläufig und meist wenig besucht. Doch vor allem ist das Land berühmt dafür, dass hier die Walking Safari geboren wurde. In den 1950er-Jahren begann der legendäre Guide Norman Carr im South Luangwa Nationalpark, Gäste zu Fuß durch die Wildnis zu führen – ein revolutionäres Konzept in einer Zeit, in der Safaris noch Jagdreisen waren.
Heute gehört die Walking Safari fest zum sambischen Safari-Erlebnis. Nirgendwo sonst in Afrika ist sie so etabliert, so professionell geführt und zugleich so intensiv wie hier.

Zu Fuß durch den Busch
Wer das erste Mal an einer Walking Safari teilnimmt, merkt schnell: Hier geht es nicht um spektakuläre Tierfotos oder „Big Five“-Checklisten. Es geht ums Eintauchen in den Busch. Um das Erkennen von Tierspuren im Sand, das Deuten von Kratzspuren an der Baumrinde, das Lauschen auf Warnrufe von Vögeln.
In meinem Fall war es der Lower Zambezi Nationalpark, wo ich zu Fuß unterwegs war. Unser Guide war beeindruckend – nicht nur wegen seines Fachwissens, sondern weil er es verstand, Zusammenhänge lebendig zu erklären. Zu jedem Blatt, jedem Haufen Elefantenkot, jedem Abdruck auf dem Pfad wusste er eine Geschichte zu erzählen.
Einmal blieben wir vor einem Skelett stehen, das wir fast übersehen hätten. Mit stoischer Ruhe erklärte er, wie das Tier wohl ums Leben kam, welche Spuren darauf hindeuteten – als wäre es ein Kriminalfall.
Säugetiere haben wir nur wenige gesehen – ein paar Antilopen in der Ferne, scheu und schnell verschwunden. Aber das war völlig in Ordnung. Denn der Reiz lag nicht im Sehen, sondern im Spüren.
Es waren die unscheinbaren Begegnungen, die mich am meisten faszinierten: eine winzige Gottesanbeterin, die auf dem Finger unseres Guides balancierte, während hinter uns jemand das Fernglas senkte und staunend nähertrat. Oder ein Käfer, der über die glatte Rinde eines Mopane-Baums kroch.
Der Walk wurde von einem bewaffneten Ranger begleitet – eine Maßnahme, die Sicherheit gibt, ohne die Ruhe zu stören. Es gelten klare Regeln: kein lautes Sprechen, im Gänsemarsch gehen, aufmerksam bleiben. Eine Walking Safari ist kein Spaziergang – sie ist ein bewusstes Gehen durch eine Welt, die einen nur dann wirklich einlässt, wenn man sich respektvoll und leise bewegt.

Game Drive: Wenn das Tierreich zur Bühne wird
Im Gegensatz dazu steht der klassische Game Drive – ebenfalls ein fester Bestandteil jeder Sambia Safari. Und auch wenn man zunächst denkt, man kennt das Konzept, wird man in Sambia überrascht. Gut ausgebildet, erfahren und aufmerksam – sie sind weit mehr als Fahrer: Sie wissen, wo sie suchen müssen, wann sie warten sollen und wie sie mit anderen Guides (ganz ohne Funkgeräte!) kommunizieren, um Tiere aufzuspüren.

Ich durfte Game Drives im Lower Zambezi, im Kafue und im South Luangwa erleben – und jede Region bot ein anderes Spektrum.
South Luangwa: Ein Löwenrudel in Bewegung
Im South Luangwa war die Stimmung besonders elektrisierend, als uns bei Einbruch der Dunkelheit ein Löwenrudel entgegenkam. Es war einer dieser Momente, in denen man den Atem anhält. Kein schläfriges Dösen im Schatten, wie man es oft am Tag erlebt – die Löwen waren aktiv, wach, in Bewegung.
Jeki Plain: Die Wildhunde im Takt der Natur
Im Lower Zambezi Nationalpark waren wir auf der Jeki Plain unterwegs – ein Ort, von dem man sagt, er sei einer der besten Plätze in Sambia, um Afrikanische Wildhunde zu beobachten. Und tatsächlich: Unser Guide wusste genau, wann und wo das Rudel auftaucht.
Wildhunde haben feste Tagesrhythmen, und kurz nach dem Morgengrauen machen sie sich fast täglich auf die Jagd. Wir standen rechtzeitig bereit – und plötzlich kamen uns die ersten Tiere des Rudels entgegen. Sie bewegten sich mit unglaublicher Präzision und Schnelligkeit über die Ebene.
Wir konnten später beobachten, wie sie einen Büffel rissen – schnell, effizient, fast lautlos. Die Szene war nichts für Zartbesaitete, aber sie zeigte die Wildheit und Intelligenz dieser Tiere auf beeindruckende Weise.

Kafue: Die lautlose Jagd
Doch der wohl eindrucksvollste Moment ereignete sich im Kafue Nationalpark. Auf einem der sandigen Wege lag eine Impala-Antilope, scheinbar verletzt. Es bewegte sich kaum, was ungewöhnlich ist – denn Impalas fliehen bei der kleinsten Störung. Unser Guide schaltete die Scheinwerfer aus. Stille. Dann ein Laut – tief, kehlig, vibrierend. Es klang wie ein Sägeblatt, das langsam durch ein Stück Holz gezogen wird. Ich erstarrte, denn dieses Geräusch hatte ich schon oft gehört. Mittlerweile hatten sich unsere Augen an das nächtliche Schwarz adjustiert, das verletzte Tier schleppte sich davon, gefolgt von einem Leoparden, der konzentriert seine Beute beobachtete.
Als das Licht erneut aufflammte, stand der Leopard über seiner Beute und biss kräftig zu. Für einen Moment blieb er stehen, hob den Kopf in unsere Richtung, trat einen Schritt zurück. Es sah fast aus, als wollte er sagen: „Ich war das nicht.“

Später zog er das Tier ins Gebüsch – effizient, kraftvoll, ohne jede Hast. Am nächsten Morgen sahen wir ihn wieder. Oder besser gesagt: sie. Denn es war eine Leopardin. Diesmal war sie mit ihrem halbwüchsigen Sohn unterwegs, der ungeschickt versuchte, ein Perlhuhn zu jagen – und kläglich scheiterte. Eine kleine, fast humorvolle Szene nach einem dramatischen Abend.
Walking Safari oder Game Drive – was passt besser?
Die beiden Safariarten könnten unterschiedlicher kaum sein – und genau das macht ihren Reiz aus. Eine Walking Safari ist ruhig, detailverliebt und verlangt Aufmerksamkeit. Man bewegt sich zu Fuß durch den Busch, mehrere Kilometer am Tag, begleitet von einem bewaffneten Ranger. Im Fokus stehen nicht nur Tiere, sondern auch Pflanzen, Spuren, Geräusche und Verhaltensweisen. Die Tiere bleiben dabei meist auf Abstand – was die Begegnungen umso intensiver macht.
Ein Game Drive hingegen ist bequem, dynamisch – und oft voller Wow-Momente. Man sitzt im Fahrzeug, kann größere Distanzen zurücklegen und hat gute Chancen, Großtiere wie Elefanten, Löwen oder Leoparden aus nächster Nähe zu beobachten. Die Guides steuern gezielt bestimmte Gebiete an, wissen, wo sie suchen müssen, und ermöglichen hautnahe Tierbeobachtungen, ohne die Tiere zu stören. Hier darf die Kamera mit großem Teleobjektiv gerne zum Einsatz kommen.
Zum Glück muss man sich in Sambia nicht entscheiden: In vielen Lodges ist es ganz selbstverständlich, beide Safariarten zu kombinieren – etwa morgens zu Fuß unterwegs zu sein und nachmittags im Jeep auf Pirsch zu gehen. Und besonders entlang des Sambesi gibt es noch eine dritte Möglichkeit: Pirschfahrten vom Wasser aus, bei denen man Elefanten, Flusspferde und Vögel vom Boot aus beobachtet. Erfahrene Veranstalter wie zB. Severin Travel stellen maßgeschneiderte Reisen zusammen, bei denen all diese Erlebnisse harmonisch ineinandergreifen – für eine Safari, die so abwechslungsreich ist wie das Land selbst

Praktische Tipps für beide Safariarten
Für Walking Safaris empfehle ich:
- Bequeme, hohe Wanderschuhe
- Wasserflasche
- Fernglas für Vögel und Details
- Sonnenschutz
- Keine schweren Kameras – das lenkt ab und macht das Gehen mühsam
- Unbedingt auf Kleidung achten: gedeckte Farben
- Respektiere die Anweisungen des Guides – sie dienen deiner Sicherheit und der Ruhe im Busch
Für Game Drives gilt:
- Große Kamera mit Teleobjektiv nicht vergessen!
- Sonnenschutz
- Warme Kleidung samt Haube (gerade am frühen Morgen ist es empfindlich kalt)
- Geduld – manchmal dauert es, bis sich etwas tut
- Genieß die Sundowner-Pause: Mit einem Gin Tonic in der Hand in die untergehende Sonne blicken – ein magischer Moment!

Mein Fazit: Am schönsten ist die Kombination
Sambia ist eines jener seltenen Länder, in denen beides möglich ist – und beides in höchster Qualität. Die Guides sind hervorragend ausgebildet, verfügen über viel Wissen und eine Leidenschaft, die ansteckt.
Eine Walking Safari erdet. Sie entschleunigt, sie schärft den Blick und öffnet das Herz für das, was in der Natur passiert. Ein Game Drive dagegen zeigt das große Kino der Wildnis: Löwen, Leoparden, Jagd, Bewegung – das, was Safari auch sein darf: spektakulär.
Ich würde mich nie entscheiden wollen. Und muss es auch nicht. Denn in Sambia lässt sich beides wunderbar kombinieren – und gerade das macht eine Reise durch dieses beeindruckende Land so besonders.

GUDRUN KRINZINGER
Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.
Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.