Gairloch in den Highlands: Regen, Whisky & Wandern
Ein Erfahrungsbericht von Sonja Warter
Letztes Jahr habe ich eine Krimiserie gelesen, die in den schottischen Highlands spielt. Und sofort war klar: Da muss ich hin! Zugegeben: Es hat auch eine Rolle gespielt, dass die Wahrscheinlichkeit, dort überfallen zu werden, minimal ist. Nach meinem Erlebnis zu Silvester hatte ich diesmal Lust auf etwas wirklich Sicheres. Das bezieht sich natürlich nicht auf das Wetter, denn das wechselt in den Highlands schneller, als ich meine nassen Socken tauschen kann. Gekommen bin ich, um zu wandern, was ich selbstverständlich getan habe. Doch manchmal bin ich es auch ruhiger angegangen und habe festgestellt: Auch bei Regen lässt sich zum Beispiel im kleinen Städtchen von Gairloch einiges anfangen.

Wie kommt man überhaupt in die Highlands?
Von Österreich aus am leichtesten per Flugzeug. Wobei ich das Wort „leicht“ nicht so sorglos in den Mund nehmen sollte. Um zu meinem Ausgangspunkt – Gairloch – zu kommen, musste ich nach Inverness (es gibt natürlich auch Flughäfen in Edinburgh oder Glasgow, aber die sind deutlich weiter südlich) fliegen. Der Flughafen da ist so klein, dass auch die Reisebüroangestellten in Wien nicht wussten, wo das ist. Viele Anreisemöglichkeiten gibt es nicht, denn man kommt de facto nur über Amsterdam oder London da hin. Und die Transferzeiten in Amsterdam sind … sportlich. Ich hatte Glück: Mit einem kleinen Sprint schafften es mein Gepäck und ich gemeinsam nach Inverness. Soweit ich gehört habe, ist das bei etwa einem Drittel der Reisenden, die via Amsterdam kommen, anders: Entweder erwischen sie selbst den Anschluss nicht und/oder ihre Koffer.
Wenn man es aber mal geschafft hat, in Inverness zu landen, ist alles easy. Trotz ETA-Pflicht sind die Grenzbeamten tiefenentspannt, freundlich und auf Smalltalk getrimmt. Und wer noch kein ETA hat (Stand August 2025), darf mit Ermahnung trotzdem einreisen. Das wird sich wohl bald ändern.

Auf nach Gairloch
Von Inverness fuhr ich gleich weiter nach Gairloch, einem kleinen Ort an der Nordwestküste der schottischen Highlands. Das Wetter hatte beschlossen, gleich am ersten Tag alle Stücke zu spielen. Noch im Landeanflug auf Inverness bekam ich einen herrlichen Regenbogen präsentiert, auf den ich meinen Sitznachbarn gleich aufgeregt hinwies. Als echter Schotte war er jedoch wenig beeindruckt. Auf der folgenden etwa zweistündigen Fahrt nach Gairloch wechselte das Wetter dann übrigens gefühlt alle 10 Minuten.
Der kleine Ort selbst ist langgezogen, seine Highlights muss man sich über längere Distanzen zu Fuß „erarbeiten“. Aber das macht nix! Wer nicht zu Fuß gehen will, sollte sich sowieso überlegen, ob die Highlands das Richtige für ihn sind! Ich habe außerdem schnell gelernt: Die Regensachen sollten immer griffbereit sein. Im besten Fall hat man ohnehin schon etwas Wasserfestes an und setzt einfach nur noch die Kapuze auf. Apropos anziehen: Die Temperaturen in den Highlands sind großteils … sagen wir … erfrischend. Das T-Shirt kannst du fast nur unter Pullover und Jacke tragen, wenn du nicht frieren willst. Das gilt natürlich nicht, wenn du wirklich wanderst und allein durch die Bewegung ins Schwitzen kommst.

Hafen mit Lokalkolorit
Am ersten Tag musste ich meine Umgebung natürlich sofort erkunden. Auf dem Weg von meinem Hotel zum hübschen Hafen kam ich bald an einer malerisch, praktisch am Strand gelegenen Kirche vorbei. Zwar keine offizielle Sehenswürdigkeit, aber ein richtiges Postkartenmotiv! Spätestens da wusste ich: Hier gefällt es mir!

Der recht übersichtliche Hafen wirkt noch recht authentisch, wenn er auch nicht gerade in Vollbetrieb ist. Es gibt da eine kleine Hütte mit käuflich erwerbbaren Meeresspezialitäten, einige offensichtlich regelmäßig genutzte Fischerboote, einen riesigen Haufen mit den typischen Hafenutensilien wie Tauen, halb verwitterten Drahtkäfigen und jeder Menge anderes für Laien unidentifizierbares Zeug. Das Meer verströmt seinen typischen Geruch, allerdings sehr dezent, ohne aufdringlich zu sein.
Neben einer Mischung aus Galerie und Souvenirgeschäft findet sich am Hafen ein entzückender Tante-Emma-Laden, in dem es praktisch alles gibt, inklusive dem lokalen Mückenspray, der besser wirkt, als alles, was es bei uns zu kaufen gibt. Der kleine Nahversorger, der gleichzeitig die lokale Post ist, hat aber auch schon mal geschlossen, wenn die Besitzer auf einer Hochzeit eingeladen sind. Vermutlich würde dann aber ohnehin niemand einkaufen gehen, von ein paar ausländischen Gästen abgesehen.
Wenn der Regen so richtig herunterhängt, die schwarzen Wolken also fast schon greifbar sind, ist Gairloch ein kleiner schottischer Hafen wie aus dem Bilderbuch. Wie herrlich echt das alles hier noch ist! Spoiler: Das ist nicht überall so, leider wurde auch Schottland schon vom Massentourismus entdeckt!

Schottisches Wetter ist unberechenbar
Was ich schnell gelernt habe: Es ist sinnlos, in den Highlands auf besseres Wetter zu warten. Klar, bei heftigem und böigem Wind gepaart mit Regen solltest du nicht unbedingt auf einen Berg steigen, auf dem du den Elementen noch mehr ausgesetzt bist. Aber sonst gilt: Anziehen nach dem Zwiebelprinzip, Regensachen immer griffbereit haben, möglichst wasserdichte Schuhe anziehen und raus ins Vergnügen! Die Schotten selbst spielen bei Regen sogar Golf oder gehen an den Strand. Außerdem kannst du dich auf die Wetterberichte ohnehin nicht verlassen, wie solltest du also planen?
Nach einer Wanderung kannst du triefnass in ein Café kommen und dort mit deinen tropfenden Sachen zuerst ein mittelgroßes Rinnsal und dann einen See verursachen und niemand regt sich auf. Der Tee und die Scones werden dir in jedem Fall mit einem charmanten „Darling, here is your tea“ serviert.

Der „Boots Room“ macht nasse Wanderschuhe wieder trocken
In den Hotels gibt es übrigens überall einen sogenannten „Boots Room“, das ist sowas Ähnliches wie ein Skiraum, aber eben für Wanderschuhe bzw. Wanderutensilien. Manchmal sind sie geheizt bzw. verfügen über einen Trockner, sodass die Wanderschuhe mit etwas Glück am nächsten Tag wieder angenehm feuchtfrei sind. Über den Geruch in derartigen Räumen hülle ich mich lieber in demonstratives Schweigen.
Eines ist allerdings klar: Es gibt nur ganz wenige Regenjacken bzw. -schuhe, die dem Wetter in den Highlands standhalten. Irgendwann wird jeder bis auf die Unterhose nass – das gehört einfach dazu. „Wer nicht mindestens einmal den A… richtig nass bekommen hat, war nicht in Schottland“, habe ich mir sagen lassen. Also nimm es mit Humor und trink einen Schluck Whisky zum Aufwärmen!
Zwischendurch ins Museum
Wenn so gar keine Besserung der Wettersituation absehbar ist, kannst du in Gairloch natürlich auch ins Museum gehen. Das befindet sich übrigens in einem ehemaligen Atombunker und weist durchaus einige überraschende Ausstellungsstücke auf. Von einem Leuchtturmscheinwerfer über geologische Fundstücke bis hin zu einem „Mitches-Vernichter“ (Mitches sind die lokalen und seeehr lästigen Mücken) ist alles dabei. Danach hast du dir auf jeden Fall eine Belohnung verdient. Die kriegst du im obersten Stock im Café in Form von 5 Milliarden köstlicher Kalorien.
Oder du marschierst noch ein gutes Stück weiter – Regen hin oder her – und gönnst ihn dir im Mountain Coffee Gairloch, das auch gleichzeitig ein sehr schräger Buchladen, garniert mit allerlei Lebensweisheiten, ist. Wenn ich so drüber nachdenke, finde ich, dass du das selbst bei gutem Wetter nicht auslassen solltest!

Whisky wärmt von innen
Zugegeben, es kann schon passieren, dass du nach einem Tag, an dem du mehrfach nass und vielleicht nie wieder ganz trocken geworden bist, am Abend richtig frierst. Besonders dann, wenn du nicht gleich kapierst, wie sich sämtliche Heizungen im Zimmer einschalten lassen. Das kann manchmal ganz schön tricky sein. Lieber einmal zu viel fragen, als eine Nacht lang frieren.

Apropos frieren: Dagegen haben die Schotten noch ein anderes gutes Mittel: den Whisky. Der wird hier übrigens – wie auch in Kanada – ohne e geschrieben. Also nicht Whiskey, sondern Whisky. Destillerien findest du in den Highlands einige. Die an einem richtigen Schlechtwettertag zu besuchen, wäre natürlich auch eine Option.
Bis zu meinem Schottland-Trip war ich überhaupt keine Whisk(e)y-Trinkerin, mittlerweile kann ich diesem Seelenwärmer durchaus einiges abgewinnen. Ich wusste ja nicht einmal, dass es getorften und nicht getorften Whisky gibt. Falls du so wie ich eine Whisky-Anfängerin oder ein -Anfänger bist: Getorfte Whiskys schmecken rauchig, kräftig, erdig. Bei ihrer Herstellung wird Torf verbrannt und dieser Rauch zieht in das Malz ein, daher der Geschmack. Nicht getorfte Whiskys sind dagegen eher mild, fruchtig, malzig. Beides ist köstlich. Unter uns: Ich mag die getorfte Variante lieber!
Was ich noch gelernt habe: Wer Wein verkosten kann, kann auch Whisky verkosten. Das Prinzip ist ähnlich: Du schaust darauf, welche Farbe dein Whisky hat und ob er Schlieren im Glas produziert, du hältst deine Nase vorsichtig über das Glas und nimmst die Aromen auf und dann – Achtung jetzt kommt ein Pro-Tipp! – fügst du deinem Whisky mit einer Pipette ein paar Tropfen Wasser hinzu und riechst noch mal. Erst danach lässt du dir den ersten Schluck auf der Zunge zergehen. Daumen hoch? Daumen runter? Deine Entscheidung! Ich sage: Hauptsache, er wärmt von innen!
Was du beachten solltest
- Vergiss das ETA nicht! Lange werden die Grenzbeamten wohl nicht mehr so entspannt sein. Am besten erledigst du die Angelegenheit via App. Ist zwar auch mühsam, aber immer noch am besten!
- Das Wetter in den schottischen Highlands ist unberechenbar, aber das macht auch den Charme aus.
- Du solltest immer für alle Wetter-Eventualitäten gerüstet sein.
- Ein Schirm allein nützt dir oft nichts – ich sage nur: Wind – , nimm auf jeden Fall eine regenfeste Jacke mit!
- Manche Hotels darfst du mit nassen Schuhen nicht betreten. Nütze den Boots Room!
- Schau, dass du immer alte Zeitungen zum Ausstopfen deiner Schuhe in Griffweite hast! Das kann wahre Wunder wirken!
- Erkundige dich nach den Öffnungszeiten von Museen und Cafés, die sind manchmal ziemlich eingeschränkt.
- Gairloch bietet ein Schlechtwetterprogramm für einen Tag, danach solltest du Alternativen überlegen.
- Fahre nicht nach Hause, ohne zumindest einmal Whisky zu trinken!

Seit 2024 schreibt Sonja als Gastautorin auf dem Blog der Reisebloggerin. Als PR-Profi und Ghostwriter beruflich eher sachlich unterwegs, genießt sie es, wenn sie hier auch über ihre Lieblingsspeisen oder unnützes Wissen berichten kann. Bisherige Lieblingsländer: Marokko, Island und Kanada. Sinnlosestes Wort in ihrem Wortschatz: Sää, das finnische Wort für „Wetter“. Sie liebt Fish & Chips mit kanadischem Wildlachs und hasst französische Austern.
Das ist der erste Teil von Sonjas Schottland-Saga. Teil 2 findest du hier, Teil 3 hier.
GUDRUN KRINZINGER
Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.
Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.