Georgien Rundreise: Telawi und die schönsten Ausflüge in Kachetien
Schon die Fahrt von Sighnaghi nach Telawi ist ein Erlebnis für sich. Zuerst fahren wir noch durch die sanften Hügel der Weinregion, vorbei an Weingärten, die im September schwer von Trauben hängen. Lastwägen, randvoll mit frisch geernteten Reben, kommen uns entgegen – ein eindeutiges Zeichen, dass wir im Herzen der georgischen Weinlese unterwegs sind.
Statt der Route über den Gombori-Pass, die viele Reisende aus Tiflis wählen, folgen wir zunächst dem Verlauf des Alasanitals. Die Straße wird breiter, die Berge des Großen Kaukasus rücken langsam ins Bild, und irgendwann öffnet sich die Landschaft zu einer weiten Ebene, die in goldenen und grünen Tönen leuchtet.

Erste Eindrücke einer Stadt, die wie ein Dorf wirkt
Telawi hat rund 20.000 Einwohner und ist die größte Stadt der Region. Und dennoch fühlt es sich überhaupt nicht nach Großstadt an. Vielleicht liegt es an den zweistöckigen Häusern mit Blechdächern, vielleicht an den von Eichen, Walnussbäumen und Platanen gesäumten Straßen.
Telawi: Geschichte und Altstadt
Die Stadt reicht in ihrer Geschichte bis in die Antike zurück. Besonders im Mittelalter entwickelte sich Telawi zum politischen und kulturellen Zentrum Ostgeorgiens. Spuren dieser Vergangenheit sind noch heute sichtbar: kleine Gassen, Reste von Befestigungsanlagen und Gebäude aus verschiedenen Epochen prägen die Altstadt.
Beim Spaziergang durch das Zentrum stößt man auf bunte Häuser mit geschnitzten Holzbalkonen, alte Kirchen und kleine Plätze, die von Einheimischen belebt sind. Die Atmosphäre ist entspannt und viel weniger touristisch als in Tiflis.


Batonistsikhe – wo einst Könige lebten
Bevor wir Telawi erkunden, checken wir zuerst im Hotel ein – und werden gleich mit einem Glas georgischem Wein begrüßt. So viel zur berühmten kachetischen Gastfreundschaft. Nach dieser kleinen Stärkung machen wir uns zu Fuß auf den Weg zur Festung Batonistsikhe, die man durch ein großes Tor betritt.


Zuerst stehen wir etwas ratlos da: Wo kauft man eigentlich die Tickets für den Palast? Direkt am Eingang zum Palast jedenfalls nicht. Nach kurzem Herumirren landen wir schließlich beim Museum, das ebenfalls innerhalb der Festungsmauern liegt – dort bekommt man die Eintrittskarten.
Also starten wir unseren Rundgang mit dem Museum: Keramik, Kunsthandwerk, Schmuck, Waffen – die üblichen, aber dennoch spannenden Ausstellungsstücke, die einen guten Überblick über die Geschichte Kachetiens geben. Erst danach geht es in den eigentlichen Palast, der im Vergleich zu anderen königlichen Residenzen eher klein und bescheiden wirkt.
Trotzdem hat der Ort etwas Besonderes. Innerhalb der mächtigen Mauern befinden sich zwei kleine Kirchen, das Museum und der Palast selbst. Von den Türmen aus schweift mein Blick über die Stadt. Es ist leicht, sich hier in die Zeit der kachetischen Könige zurückzuversetzen, als Telawi politisches und kulturelles Zentrum der Region war.




Die mächtige Platane von Telawi
Zweitwichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt Telawi ist eine fast 900 Jahre alte Platane, deren Stamm einen Umfang von über elf Metern hat und die inzwischen eine kleine Persönlichkeit geworden ist. Dass sie in den letzten Jahren krank war, sieht man ihr kaum an – dank einer Pflegeaktion aus der Partnerstadt Biberach steht sie wieder kräftig da. Nur umarmen kann man sie nicht, außer man bringt neun weitere Personen mit.


Wie wir in Telawi doch noch einen Winzer finden
Natürlich geht in Kachetien nichts ohne Wein, und so wollen auch wir unsere erste Verkostung direkt in Telawi machen – damit mein Partner, der das Mietauto fährt, später nicht mehr fahren muss. Doch so einfach ist das gar nicht. Für eine Buchung sind wir schon recht spät dran, und viele Weingüter haben bereits geschlossen.
Nach einigem Herumfragen finden wir dann doch noch einen Winzer, der uns relativ spontan empfängt. In seinem kleinen Garten, zwischen Rebstöcken und Holztisch, schenkt er uns seine Weine ein – goldener Weißwein, ein kräftiger Saperavi, alles natürlich in den traditionellen Qvevris vergoren. Einen Einblick in diese spezielle Vergärung bekommen wir natürlich auch.
Und wie es in Georgien üblich ist, bleibt es – zum Glück – nicht nur beim Wein. Teil der Verkostung sind auch Unmengen an Essen, die vor uns aufgebaut wurden: Käse in verschiedenen Reifegraden, Brot, eingelegtes Gemüse und würzige Saucen.

Ausflüge in die Umgebung von Telawi
Mit einem vollen Herzen (und gut gefülltem Magen) planen wir für den nächsten Tag unsere Ausflüge. Rund um Telawi liegen einige der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Kachetiens – und wir wollen sie alle sehen.
Alawerdi – ein religiöses Zentrum Kachetiens
Das Alawerdi-Kloster, das im 6. Jahrhundert gegründet wurde, gilt als eines der wichtigsten Heiligtümer des Landes und ist ein beliebtes Ausflugsziel. Normalerweise wirkt die Kathedrale mit ihrem gewaltigen Bau und der offenen Ebene rundherum monumental. Während unseres Besuchs präsentiert sie sich allerdings etwas anders: komplett in grüne Schutzfolie eingepackt, da die gesamte Anlage renoviert wird.
Die 56 Meter hohe Kathedrale, deren Ursprünge bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen, war lange Zeit das höchste Gebäude Georgiens. Sie behielt diesen Titel bis zum Bau der Sameba-Kathedrale in Tiflis. Im 19. Jahrhundert wurden die herrlichen Fresken leider übermalt, erst 1966 begann man sie wieder freizulegen.
Auch die Klöster, die wir im Anschluss besuchen, sind zum Teil in einem schlechten baulichen Zustand.



Ikalto – ein stiller Ort mit großer Vergangenheit
Weiter geht es mit unserem Mietauto zum Ikalto-Kloster, das einst eine der bedeutendsten Akademien Georgiens beherbergte. Hier sollen Theologie, Philosophie, Rhetorik, aber auch Weinherstellung Teil des Lehrplans gewesen sein. Der berühmte Dichter Schota Rustaweli soll sogar hier studiert haben.
Vom einstigen Klosterkomplex sind heute mehrere Kirchen erhalten, darunter die Hauptkirche Periszwaleba aus dem 8./9. Jahrhundert, die kleinere Sameba-Kirche, und die Allerheiligenkapelle aus dem 12./13. Jahrhundert.

Die Shuamta-Klöster mitten im Wald
Die Shuamta-Klöster gehören zu den stillsten und zugleich stimmungsvollsten Orten rund um Telawi. Schon die Anfahrt führt uns hinein in dichten Wald,
Das Alte Shuamta, datiert auf das 5.–7. Jahrhundert, wirkt wie ein Ort aus einer anderen Zeit. Der Komplex besteht aus drei kleinen Kirchen, die bereits im 6. Jahrhunderterrichtet wurden, also rund tausend Jahre früher als das Neue Shuamta. Die Gründung geht vermutlich auf einen der 13 syrischen Missionare zurück, die in Georgien das Christentum verbreiteten. Wir sind die einzigen Besucher und lassen die besondere Atmosphäre auf uns wirken.


Im Anschluss fahren wir zum Neuen Shuamta Kloster, das bis heute von Nonnen bewohnt wird. Besucher müssen am Tor läuten – dann öffnet eine Schwester und bittet hinein. Als Hosenträgerin bekomme ich am Eingang ein graues Hüfttuch, wie es in georgischen Klöstern üblich ist. Erst dann darf ich die Kirche betreten.


Tsinandali – Aristokratie, Gartenkunst und Wein
Nach zwei Nächten in Tilawi fahren wir nach dem Frühstück nach Tsinandali, dem ehemaligen Sitz der Fürstenfamilie Chavchavadze. Schon beim Betreten des weitläufigen Parks merkt man, dass dieser Ort anders ist als die Klöster und Kirchen, die wir davor besucht haben. Der Garten erinnert an englische Landschaftsparks: schattige Wege, seltene Gehölze – sogar Bambus steht am Eingang.
Fürst Alexander Chavchavadze (1786–1847), Hausherr dieses Anwesens, entstammte einer der einflussreichsten Familien Georgiens. Sein Vater war Botschafter am Hof von König Irakli II., seine Taufpatin war niemand geringerer als Katharina die Große. Alexander selbst war General, Dichter, Komponist, sprach sechs Sprachen und pflegte engen Kontakt zu europäischen Intellektuellen. Unter seinen Gästen fanden sich Persönlichkeiten wie der französische Schriftsteller Alexandre Dumas.
Während der Führung sehen wir einige der historischen Räume, erleben aristokratisches Leben ohne Kameras (Fotografieren verboten!) und bewundern Möbel, Geschirr und Porträts. Besonders beeindruckend ist das Arbeitszimmer des Fürsten, in dem der erste georgische Flügel gestanden haben soll.


Heute kann man im Erdgeschoss Weine verkosten oder durch den Park wandern, bevor man im modernen Verkostungsraum einen der klassischen Tsinandali-Weißweine probiert. Die Verbindung aus Kultur, Musik, Gartenkunst und Weintradition macht diesen Ort zu einem der vielseitigsten Ausflugsziele rund um Telawi.


Mein Schlusswort zu Telawi
Telawi ist vielleicht nicht so bekannt wie Tiflis oder Signagi, aber es lohnt sich, hier länger zu verweilen. Die Mischung aus Kleinstadtidylle, Geschichte und Weintradition macht es zu einem perfekten Ausgangspunkt, um Kachetien zu entdecken. Und spätestens wenn man mit einem Glas Qvevri-Wein in der Hand den Sonnenuntergang über den Kaukasusbergen sieht, weiß man: hier schlägt das Herz Georgiens.

Praktische Tipps für deine Reise nach Telawi
Anreise
Von Tiflis nach Telawi sind es rund 100 Kilometer. Mit dem Auto dauert die Fahrt etwa zwei Stunden – perfekt, um unterwegs in kleinen Dörfern oder an Weingütern Halt zu machen. Wer kein eigenes Auto hat, kann auf Marshrutkas (Minibusse) zurückgreifen, die regelmäßig vom Isani-Busbahnhof in Tiflis abfahren.
Beste Reisezeit
- Frühling (April–Juni): Angenehme Temperaturen und blühende Weinberge.
- Herbst (September–Oktober): Zeit der Weinlese, wenn die ganze Region feiert.
Im Hochsommer kann es heiß werden, der Winter ist meist ruhig, aber kühl.
Unterkünfte
Telawi bietet eine gute Auswahl an Gästehäusern, kleinen Hotels und Weingütern mit Übernachtungsmöglichkeit. Besonders reizvoll sind Unterkünfte, die einen Blick auf den Kaukasus bieten – und vielleicht gleich eine Weinverkostung im Preis inkludieren.
Kulinarik
In Telawi kommt man am Wein nicht vorbei. Probiere unbedingt die in Qvevris gereiften Naturweine. Dazu passen regionale Gerichte wie:
- Mtsvadi (gegrillte Fleischspieße)
- Khinkali (gefüllte Teigtaschen)
- Churchkhela (die süße „georgische Snickers“ aus Nüssen und Traubensaft).

Hinweis zu Schreibweisen in Georgien
Georgische Namen können je nach Transkription sehr unterschiedlich aussehen. Das betrifft nicht nur die Ortschaften (z. B. Telawi/Telavi, Sighnaghi/Signagi, Tsinandali/Zinandali), sondern auch Klöster (Schuamta/Shuamta, Ikalto/Iqalto) und historische Persönlichkeiten (Chavchavadze/Tschawtschawadse, Erekle/Irakli).
Der Grund:
Georgisch wird in einem eigenen Alphabet geschrieben. Bei der Übertragung ins lateinische Alphabet existieren mehrere Systeme – ein wissenschaftliches, ein englisches, ein russisches und ein „eingedeutschtes“.
GUDRUN KRINZINGER
Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.
Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.