Dreiländereck: Von Arnoldstein über Tarvis zu den Laghi di Fusine
Ein Gastbeitrag über das Dreiländereck von Sonja Warter
Ich dachte ja immer, das Dreiländereck sei eine Region. In Wirklichkeit ist es (auch) ein Berg, auf dem tatsächlich drei Ländern zusammentreffen: Österreich, Italien und Slowenien. Mit einem Grenzstein, den man umarmen kann. Mich als Österreicherin zieht es ein bisschen Richtung Italien, obwohl ich den Slowenen natürlich nicht unrecht tun will. Ich weiß nicht, warum das so ist, aber kaum bist du jenseits der Grenze, schmeckt der Kaffee um Welten besser. Kein Wunder also, dass Touristen wie Einheimische von Villach aus gern einmal nach Tarvis und vielleicht sogar noch ein bisschen weiter pilgern. Apropos weiter: Wenn du schon mal in der Gegend bist: Die Laghi di Fusine sind ein Muss!

Wiedereröffnetes Dreiländereck
Hoch über Arnoldstein thront das Dreiländereck, also der Berg. Okay, hoch ist vielleicht übertrieben, denn weiter als 1.500 m kommt hier nicht hinauf. Und noch vor einem Jahr gar nicht. Damals standen die Bergbahnen aufgrund einer Insolvenz still. Dann kam der Unternehmer Andreas Blüm und übernahm, obwohl er mit Bergbahnen bis dato nichts am Hut hatte. Doch das Dreiländereck war der Skiberg seiner Kindheit und den wollte er unbedingt wieder zu neuem Leben erwecken. Gesagt – getan. Unter der Führung von Blüm wurden die Lifte generalüberholt und die Familienwanderwege erneuert. Jetzt ist das Dreiländereck eine Art Naherholungsgebiet, in dem alle auf ihre Kosten kommen: Der Nachwuchs kann hier wieder Skifahren lernen, die Anfänger üben sich im Skitourengehen und für die Wanderer gibt es romantische Wege im Schnee.
Nostalgisches Vergnügen

Tatsächlich kommt ein bisschen Nostalgie auf, wenn man mit dem 3-er Sessellift nach oben fährt. Auch in meiner Kindheit sahen die Lifte genau so aus! Um die weiteren Pisten nutzen zu können, gibt es noch sechs Schlepplifte. Alles wirkt ein bisschen aus der Zeit gefallen, aber vielleicht ist es genau deswegen so anziehend. Eine witzige Idee ist der kleine Eislaufplatz, der in einer ehemaligen Scheune eingerichtet wurde. Wie oft er allerdings zum Einsatz kommt, ist die Frage. Bei unserem Besuch stand er aufgrund der milden Temperaturen unter Wasser.
Kaum vorstellbar, dass es auf diesem kleinen Skiberg mit seiner entspannten Atmosphäre einmal Grenzposten gab. Was, so sagen die Gerüchte, die Bevölkerung nicht davon abgehalten hat, Kaffee, Zigaretten und anderes von Slowenien nach Österreich zu schmuggeln.
Grenzüberschreitendes Winterwandern

Wir haben es mit Winderwandern versucht. Leider hat uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht, weswegen der versprochene herrliche Ausblick genau bis zur Nebelwand reichte. Das hatte allerdings auch was. Etwas Mystisches.
Das Netz der Wanderwege ist gut beschildert und hat sicher im Sommer genauso seinen Reiz. Empfohlen wurde uns unter anderem eine Wanderung zur Kapelle Madonna della Neve, zu Deutsch Maria im Schnee. Aber wenn man schon mal hier ist, dann muss man natürlich zum Grenzstein beziehungsweise zum zugehörigen Marterl. Als ich den Grenzstein umarmt habe, zeigte sich – ganz unabsichtlich – eine leichte Tendenz Richtung Italien. Die Sehnsucht nach einem richtig guten Kaffee war also schon unbewusst vorhanden …
In der Nähe des Grenzsteins stößt man übrigens sogar auf die Überreste einer alten italienischen Bunkeranlage. Für Freunde von Lost Places sicherlich ein lohnendes Ziel.
Auf zu den Laghi di Fusine
Wieder im Tal angekommen machten wir uns endgültig auf den Weg nach Italien. Das Ziel: die Laghi di Fusine, zwei wunderschöne Seen, die nur etwa 15 Autominuten von der Grenzstadt Tarvis entfernt sind. Klar, dass sie auch einen deutschen Namen haben. Doch Weißenfelser Seen klingt halt einfach nicht so schön wie die italienische Bezeichnung. Als wir dort waren, war es glücklicherweise nicht sehr kalt – also für die Verhältnisse dort. Temperaturen knapp unter null Grad gelten dort im Winter geradezu als warm. Die Quecksilbersäule kann sonst durchaus zweistellig ins Minus rutschen.
Die beiden Seen in den Julischen Alpen verdanken wir den geologischen Vorgängen während der letzten Eiszeit. Der untere und der obere See – also der Lago di Fusine inferior und der Lago die Fusine superior – werden nur durch einen Moränenwall voneinander getrennt, den mal allerdings selbst im Winter problemlos überschreiten kann.

Vom unteren zum oberen See
Außerhalb der Touristensaison im Winter war hier relativ wenig los, doch das dürfte nicht immer so sein, glaubt man den Einheimischen. Selbst bei Nebel war allein der Blick über den halbzugefrorenen unteren See mit dem grünlich schimmernden Wasser, dem einen oder anderen einsamen Häuschen und den Julischen Alpen im Hintergrund einfach spektakulär.
Der Weg zum oberen See führt an einem Findling vorbei, also einem riesigen Felsklotz, einem anderen Überbleibsel aus der Eiszeit. Grödel für die Wanderschuhe braucht man nicht unbedingt, mit geht es sich allerdings angenehmer. Der Lago die Fusine superior gefiel mir sogar noch um einen Tick besser als der untere See. Vielleicht, weil da alles noch etwas ursprünglicher wirkt. Der schneebedeckte See, der herumwabernde Nebel, die schroffen Berge. Und wenn sich dann noch ein winziger Sonnenstrahl Bahn bricht, ist das Ensemble perfekt.

Im Ristorante Edelweiss am unteren See bekam ich dann endlich den lange herbeigewünschten italienischen Kaffee, der – natürlich – um Klassen besser geschmeckt hat als alles, was man auf österreichischer Seite unter dieser Bezeichnung bekommt.
Riesiges Waldgebiet
Die Gegend hier ist wirklich ein cooles Biotop, und ich hatte keine Ahnung. Wusstest du, dass das Waldgebiet rund um Tarvis das größte zusammenhängende Areal in Staatsbesitz außerhalb von Naturparks ist? Ich nicht. Es wird hier kaum in die Natur eingegriffen, weswegen man die Anpassungen des Waldes aufgrund des Klimawandels gut beobachten kann, zum Beispiel in Form eines ständig zunehmendes Buchenwaldes.
Wahrscheinlich ist es nicht, aber du könntest hier theoretisch auf Bären treffen, ebenso auf Wölfe, Füchse oder Fischotter. Sogar Luchse gibt es hier wieder, die wurden allerdings erst im Rahmen des europäischen Wildtierprojekts „Life Lynx“ angesiedelt und sind gut versteckt. Schade eigentlich.
Miniera di Raibl: verlassene Mine in leerer Stadt
In früheren Jahren war ich öfter in Tarvis, aber dass es nur 15 Kilometer entfernt eine verlassene Mine gibt, hatte ich bisher nie gehört. Bis 1991 wurden in der Miniera di Raibl Zink und Blei abgebaut. Einst sicherte die Mine den Arbeitern des Städtchens Cave del Predil über ein relativ hohes Einkommen und sogar eine gute medizinische Versorgung ein vergleichsweise schönes Leben, heute erinnert der Ort an eine Geisterstadt.

Viel Tourismus scheint es nicht zu geben. Normalerweise fährt man in ein verlassenes Bergwerk mit einer Art Zug, hier geht man zu Fuß. Zumindest noch, denn das soll sich ändern.
Was dieses Bergwerk so besonders macht, ist der geschichtsträchtige Kaiser-Franz-Josef-Hilfsstollen, der ursprünglich zum Ableiten des Wasser gebaut wurde. Im ersten Weltkrieg wurde er allerdings als Geheimgang für Soldaten und Munition genutzt. Zur Vorbereitung der 12. Isonzoschlacht transportierte das Kaiserreich täglich Hunderte Tonnen Nachschub durch diesen etwa sechs Kilometer langen Stollen nach Log pod Mangartom in Slowenien, ohne dass Italien davon Wind bekam. Mit Erfolg: Österreich-Ungarn und das Deutsche Kaiserreich gewannen die Schlacht.
Die Stadt selbst ist heute eine Art Ghost Town, ein Lost Place der besonderen Art. Von den 2.500 Einwohnern, die hier zur Blütezeit der Mine lebten, sind so gut wie keine mehr übrig. 120 Menschen sind noch hier, Nachfahren der ehemaligen Minenarbeiter. Es gibt keine Schule und nur ein kleines Geschäft für den täglichen Bedarf. In einem großen Hochhaus wohnen noch genau neun Menschen. Der Rest ist verwaist. Eine der wenigen Personen, die nach wie vor hier zu Hause sind, ist eine junge Frau, die Führungen in der ehemaligen Mine anbietet. Weg will sie nicht, denn die Wohnungen sind günstig und das Leben ruhig. Und noch ein Asset hat die Gegend anzubieten: den naheliegenden Raibler See, der aufgrund seiner weißen Strände auch „Karraibl“ genannt wird.
Tarvis: erste Stadt auf italienischem Boden
Bevor wir von unserem Ausflug nach Italien wieder nach Österreich zurückkehren, müssen wir natürlich Tarvis – oder eigentlich Tarvisio – noch einen Besuch abstatten. Für Italiener ist es die letzte italienische Stadt, für uns natürlich die erste.
Ich war auch früher schon hier. Seit jeher besuchen die Österreicher hier den „Fetzenmarkt“, wie man die Halle hinter der roten Fassade mit den vielen Ständen mit Lederwaren, Bekleidung und Taschen in Kärnten despektierlich nennt. Daran hat sich bis heute nichts verändert.

Und wer auf dem Weg an die Adria nicht mit dem Autogrill vorliebnimmt, um den ersten italienischen Kaffee zu konsumieren oder die erste richtige italienische Pizza zu essen, der macht eben einen Abstecher nach Tarvis. Dementsprechend gibt es hier eine hohe Anzahl an Restaurants und Trattorien. Und ja: Es schmeckt hier wie im „echten“ Italien, sogar die Nudeln sind schon al dente, um nicht hart bis fast nicht gekocht dazu zu sagen.
Wir gehen es etwas nobler an, kehren im Ristorante Edelhof ein und genießen unsere italienischen Speisen in alpiner Atmosphäre.
Beim vorherigen Spaziergang in der Stadt haben wir uns noch über die nach wie vor hängende Weihnachtsbeleuchtung gewundert, schließlich war es schon Mitte Jänner, als wir da waren. Die Erklärung war einfach: An diesem Wochenende fanden nur fünf Kilometer weiter zwei Weltcup-Skirennen der Damen statt. Das erste wurde von einer Italienerin gewonnen, ganz wie es sich gehört.
Hier schließt sich der Kreis zum bereits besprochenen Skifahren in der Grenzregion. Wenn nicht gerade ein Rennen stattfindet, können sich hier natürlich auch Normalsterbliche auf die Pisten wagen. Und das zu einem viel günstigeren Preis als in den meisten österreichischen Skigebieten.
Mein Fazit
Ein Trip in die Grenzregion Österreich – Italien – Slowenien lohnt sich definitiv. Wie ich jetzt festgestellt habe, gibt es da noch wesentlich mehr zu entdecken, als ich bisher angenommen habe. Ein paar schöne Tage lassen sich im Dreiländereck Kärnten locker verbringen, ohne dass man zweimal das Gleiche machen muss. Auf allen Seiten der Grenzen.

Seit 2024 schreibt Sonja als Gastautorin auf dem Blog der Reisebloggerin. Als PR-Profi und Ghostwriter beruflich eher sachlich unterwegs, genießt sie es, wenn sie hier auch über ihre Lieblingsspeisen oder unnützes Wissen berichten kann. Bisherige Lieblingsländer: Marokko, Island und Kanada. Sinnlosestes Wort in ihrem Wortschatz: Sää, das finnische Wort für „Wetter“. Sie liebt Fish & Chips mit kanadischem Wildlachs und hasst französische Austern.
Offenlegung: Die Recherche am Dreiländereck erfolgte auf Einladung von Kärnten Villach Tourismus.
GUDRUN KRINZINGER
Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.
Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.