Villach im Winter: Von der Therme auf den Gipfel

Ein Beitrag über Villach von Sonja Warter

Villach hatte ich bislang eher als leicht verstaubte Destination in Erinnerung, wenngleich die nahe Grenze zu Italien und Slowenien immer schon verlockend war. Außerdem war es für mich eher eine Sommerdestination, schließlich sind die herrlichen Badeseen quasi ums Eck. Doch ich habe der Stadt und der Region wohl Unrecht getan. Wer möchte, kann nämlich innerhalb eines Tages die sanfte Wärme und die gesundheitlichen Vorteile der KärntenTherme genießen, den Hausberg der Stadt, den Dobratsch, mit Schneeschuhen erwandern und abends köstlich in Italien speisen. Wer lieber Skifahren geht, kommt auch auf seine Kosten. Zumindest, wenn es keine Schickimicki-Region wie Kitzbühel oder Sankt Anton sein muss.

Sonniger, schneebedeckter Hang am Dobratsch oberhalb von Villach
Wintersonne am Dobratsch: sanfte Hänge statt überfüllter Skipisten.

Gesunder Ausgangspunkt: die KärntenTherme im Warmbad-Villach

Was immer man in der Gegend plant, es ist schlau, sich in einem der Hotels des Gesundheits- und Thermenresorts Warmbad-Villach einzuquartieren. Wegen der Gesundheit – und dem Vergnügen. Das Resort befindet sich übrigens – wer hätte das gedacht? – mitten in einem Naturparkgebiet.

Die gesundheitsfördernde Wirkung der Dobratsch-Quellen, insgesamt sieben an der Zahl, sind schon seit der Römerzeit bekannt. Die KärntenTherme Warmbad-Villach, wie sie sich heute präsentiert, eröffnete 2012 und setzt auf die drei Säulen Erlebnis, Fitness und Wellness. Ich kann bestätigen: Freunde spektakulärer Wasserrutschen kommen hier voll auf ihre Kosten. Das gilt übrigens genauso für echte Kälte-Fans. Seit 2023 gibt es nämlich auch eine Kältekammer mit -110 Grad. Kältetherapie gilt ja mittlerweile bei den verschiedensten Beschwerden als wirksam. Zum Beispiel nach Verletzungen, wie eine Kollegin nach zwei „Sitzungen“ am eigenen Leib festgestellt hat.

Außenbecken der KärntenTherme Warmbad-Villach mit dampfendem Thermalwasser im Winter
Warmbad-Villach: Im heißen Thermalwasser baden, während rundherum der Winter Einzug hält.

Das Urquellbecken ist fast für jeden etwas

Thermal-Urquellbecken in Warmbad-Villach mit historischem Hallenbad
Das Urquellbecken in Warmbad-Villach wird direkt mit reinem Thermalwasser gespeist.

Ich selbst bin eher eine Freundin des Thermal Urquellbeckens, das sich direkt über einer Quelle befindet und mit 100 % reinem Thermalquellwasser befüllt ist. Kein Chlor, keine Chemikalien. Das gibt es sonst nirgendwo in Europa. Besonders empfohlen wird die Nutzung für alle, die mit Abnützungen und Schäden am Bewegungsapparat kämpfen, Probleme mit Muskeln und Gelenken haben, von Kreislauf- und Durchblutungsstörungen betroffen oder gestresst sind. Bei 29 Grad lässt sich jedenfalls entspannt schwimmen, zumal das Thermalwasser auch einen Einfluss auf den Allgemeinzustand haben soll und somit als Jungbrunnen gilt. Da geht man doch gerne schwimmen! Sogar vor dem Frühstück.

Die Kombination aus Medizin und modernem Tourismusambiente kommt bei Touristen und Profisportlern gut an. Die Eigentümerfamilien Lukeschitsch und Mayerhofer-Winkler – ja, die gesamte KärntenTherme mitsamt ihren acht Betrieben ist bis heute in Familienbesitz – haben es geschafft, regelmäßig echte Kapazunder nach Villach, insbesondere in den Karawankenhof, in dem ich selbst zu Gast sein durfte, zu bringen. Darunter die Fußball-Spitzenclubs AC Milan, Olympique Lyon, Paris St. Germain und diverse Nationalmannschaften. Auch der Fußball-Nachwuchs trainiert gerne hier.

Zuerst der Sport, dann das Vergnügen

Tortenstück in der Konditorei Warmbaderhof in Villach
Süße Pause im Warmbad: Die Konditorei des Warmbaderhofs ist ein Fixpunkt für Genießer.

Apropos Training: Im Warmbad Villach lässt man sich wahrlich etwas einfallen, um neue Gäste anzulocken. Schon mal vom Indoor Triathlon gehört? Nein? Funktioniert wie der „normale“ Triathlon. Nur eben indoor. Zwischen 13. und 15. März 2026 wäre es wieder so weit. Auf die Plätze – fertig – los!

Bei aller Gesundheit darf auch mal gesündigt werden, zumindest ist das mein Ansatz. Deswegen ist für Feinspitze wie mich ein Besuch der mehrfach ausgezeichneten Konditorei Warmbaderhof Pflicht. Das dazugehörige Grand Hotel als 5-Sterne-Haus der Gruppe ist unter anderem bei Prominenten aus Kunst und Kultur sehr beliebt. Selbst Falco war einmal hier.

Therme für Arme: das Maibachl

Wer eher aufs wilde Baden steht, der sollte auf die Schneeschmelze am Dobratsch achten. Die ist nämlich dafür verantwortlich, dass – üblicherweise im Mai, wie der Name schon sagt – das sogenannte Maibachl zutage tritt. Es entspringt wie die anderen Quellen des Villacher Warmbades am Fuß des Dobratsch. Das Wasser sinkt in die Tiefe ab, wo es auf 38 Grad erwärmt wird. Undurchdringliche Erdschichten bilden eine Grenze nach unten, weswegen das Sickerwasser in weiterer Folge wieder nach oben gezwungen wird, wo es sich mit kälterem Wasser vermischt und mit 29 Grad die Oberfläche erreicht. Allerdings nur bei Schneeschmelze oder schweren Niederschlägen, da die Quellen des Maibachl etwas höher liegen als die anderen und es deswegen etwas mehr Druck braucht, um es sprudeln zu lassen.

Das Maibachl, das nahe am Kurpark liegt, ist netterweise für alle frei zugänglich. Es gibt mittlerweile sogar zwei Quellbecken, die die Badegäste quasi selbst errichtet haben. Seit 2003 werden sie vom hydrografischen Dienst des Landes Kärnten überwacht, sodass auch beim wilden Baden nichts schiefgehen kann. Sofern man den richtigen Moment nicht verpasst.

Sanfter Wintertourismus am Dobratsch

Günstig kommt man auch auf den Dobratsch, dem schon erwähnten Hausberg von Villach. Der war früher ein Skigebiet, seit 2002 ist er ein Naturpark. Damit ist er von der mäßig erfolgreichen Skiregion zum Vorzeigemodell in Sachen Rückbau mutiert. Die wenigen Lifte sind längst verschwunden, nur die Bergstation des ehemaligen Sesselliftes existiert noch. Heute allerdings als Ort zum Innehalten (und zum Umziehen).

Dass die Lifte abgebaut werden, war längst nicht immer klar. Doch wie viele Skigebiete hatte der Dobratsch schon ab den 1990er Jahren immer wieder mit Schneemangel zu kämpfen. Die einzig mögliche Lösung für den Erhalt des Skigebiets wäre eine künstliche Beschneiung gewesen, doch die hätte Probleme mit der Trinkwasserversorgung von Villach verursacht, da das Wasser der Stadt direkt vom Dobratsch kommt. Also entschieden sich die Verantwortlichen unter Einbindung der Bevölkerung schließlich für die Umstellung auf sanften und nachhaltigen Tourismus. Und gut war’s: Im Vergleich zu vorher sind die Nächtigungen nicht nur nicht gesunken, sondern sogar gestiegen. Selbst die ehemaligen Skihütten haben profitiert.

Mir fehlt zwar der Vergleich mit „Dobratsch alt“, aber die aktuelle Variante gefällt mir ausnehmend gut.

Blick vom Dobratsch über das winterliche Tal von Villach und die umliegenden Alpen
Oben Sonne, unten Nebel – der Dobratsch bietet oft die bessere Winterperspektive.

Auf dem Dobratsch ist es chillig

Alles, was man heute auf dem Dobratsch macht, ist langsamer Natur. Man kann u. a. in geschützter Umgebung Skitouren gehen, Schneeschuhwandern oder an geführten Vollmondtouren teilnehmen. Viele nützen das einstige Skigebiet quasi als Trainingsberg, um die allerersten Skitouren zu machen. Und um ganz nebenbei ein bisschen Sonne zu tanken. Wenn es im Tal noch grau und nebelig ist, kann es oben am Berg schon strahlend sonnig sein. Mit dem kleinen Nachteil, dass es am Wochenende ein ordentliches Gewusel gibt.

Wir haben auch eine kleine Runde mit den Schneeschuhen gedreht. Das geht relativ leicht, da eine Pistenraupe Wege in den Schnee gebahnt hat, auf denen sich besonders leicht wandern lässt. Chillig war es allerdings im doppelten Sinn: Langsam und entspannt und windig und kalt. Mit einem Wort: herrlich!

Schneeschuhwanderung am Dobratsch bei Villach durch verschneite Almflächen und Wälder
Mit Schneeschuhen unterwegs am Dobratsch – Winterwandern mit Weitblick über Villach.

Mit dem Bus auf den Berg

Wie sich das für einen Naturpark gehört, kann, aber muss nicht, umweltschonend anreisen. Wer sich auspowern will, kann die Villacher Alpenstraße sogar mit dem Rad bis auf etwa 1.700 Meter, also bis zum Gasthaus Rosstratte, hinauffahren. Energiesparender ist der Bus. Dieser öffentliche Transfer wurde während der Corona-Pandemie ins Leben gerufen und aufgrund des großen Erfolgs einfach beibehalten. Um gerade einmal 5 Euro werden Einheimische wie Touristen nun viermal täglich von der Stadt auf den Berg und wieder zurück chauffiert.  

Schneeschuhwanderin auf einem Winterweg im Naturpark Dobratsch bei Villach
Schneeschuhwandern im Naturpark Dobratsch: ruhig, entschleunigt und erstaunlich vielseitig.

Auch so mancher Zwischenstopp ist lohnend. Zum Beispiel beim Sky Walk „Rote Wand“, unter dem der Berg mehr oder weniger senkrecht abfällt. Das etwas mulmige Gefühl lässt sich leicht durch den absolut beeindruckenden Ausblick auf die Julischen Alpen und die Karawanken kompensieren. Hintergrund für den schroffen Abfall des Berges an dieser Stelle ist ein Felssturz im Jahr 1348, ausgelöst durch ein Erdbeben in Friaul. 2015 kam es zu einem weiteren, wenn auch deutlich kleineren Felssturz. Der Berg bröckelt also nach wie vor, allerdings ist man heute besser darauf vorbereitet.

Nicht gewusst und nicht erwartet hatte ich, dass es am Dobratsch eine ganz spezielle Flora und Fauna gibt. Es lohnt sich daher auf jeden Fall, einen Rundgang mit einer/einem der Ranger:innen zu machen. Von einer solchen haben wir zum Beispiel erfahren, dass in der Gegend des Felssturzes an der Südseite des Dobratsch eine Art „Backofensituation“, also ein spezielles Mikroklima, herrscht, was sie zur nördlichen Grenze für eigentlich weiter südlich vorkommende Pflanzen macht. Es gibt hier sogar eine Pflanze, die an keinem anderen Ort in Österreich wächst: die Illyrische Gladiole. Wer hätte das gedacht?

EU-gefördertes Projekt

Hilfreich für die Weiterentwicklung der Region ist unter anderem das  Interreg-Projekt INDIALPS, dessen Leadpartner der Naturpark Dobratsch ist. Gemeinsam mit fünf weiteren Partnern, darunter drei italienische wie der Parco Naturale delle Prealpi Giulie und die Tourismusregion Tarvis, widmet man sich hier den grenzüberschreitenden Herausforderungen in der Alpen-Adria-Region und möglichen Lösungen, um die Region langfristig noch weiter zu optimieren. Schade ist allerdings, dass nur Österreich und Italien im Boot sind. Obwohl auch Slowenien ums Eck ist, ist in derartigen Projekten kein drittes Land vorgesehen. Nichtsdestotrotz kümmern sich die Kärntner dennoch um einen regen Austausch mit ihren slawischen Nachbarn. Diese Kooperation soll ebenfalls ausgebaut werden.

Kärntner Nudeln mit Butter und Schnittlauch, traditionelle Spezialität
Kärntner Nudeln gehören in Villach einfach dazu – am besten mit ordentlich Hunger.

Im Rahmen des Interreg-Projekts wurden bereits neue touristische Angebote entwickelt, wie zum Beispiel der 85 km lange Dobratsch-Rundwanderweg oder grenzüberschreitende Radtouren. Besonders sinnvoll finde ich vor allem die Einbindung ganz vieler kleinerer und größerer Partnerbetriebe von Herstellern der berühmten Kärntner Nudeln über Kanutourenanbieter bis hin zu Galerien und Hotels. Sie alle sollen durch die gemeinsame Bewerbung profitieren.

Die Kärntner Nudeln in der Rosstratte habe ich übrigens getestet: Ich empfehle Hunger mitzubringen, denn sonst ist die Portion kaum zu schaffen und das wäre wirklich schade. Wenn wir schon bei der Kulinarik sind: Wer in Villach ist, sollte auch einen Kärntner Reindling, den traditionellen Germ-Gugelhupf mit Zimt und Rosinen, probieren. Wer weiß, vielleicht haben den sogar Prinz Edward und Wallis Simpson probiert, als sie im Parkhotel einen Teil ihrer Flitterwochen verbrachten?

Weiter geht’s

Skifahren waren wir nicht, doch das soll auf der Gerlitzen ausgezeichnet gehen. Auch die Lifte des Dreiländerecks sind wieder in Betrieb – der wird in Teil 2 dieses Berichts noch eine Rolle spielen. Ebenso wie ein Hauch von Italien, denn seien wir uns ehrlich: Italien geht immer und sei es nur ein paar Minuten hinter der Grenze.


Schneeschuhwanderin auf einem Winterweg im Naturpark Dobratsch bei Villach
Sonja beim Schneeschuhwandern

Seit 2024 schreibt Sonja als Gastautorin auf dem Blog der Reisebloggerin. Als PR-Profi und Ghostwriter beruflich eher sachlich unterwegs, genießt sie es, wenn sie hier auch über ihre Lieblingsspeisen oder unnützes Wissen berichten kann. Bisherige Lieblingsländer: Marokko, Island und Kanada. Sinnlosestes Wort in ihrem Wortschatz: Sää, das finnische Wort für „Wetter“. Sie liebt Fish & Chips mit kanadischem Wildlachs und hasst französische Austern.

Offenlegung: Die Recherche erfolgte auf Einladung von Kärnten Villach Tourismus.

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GUDRUN KRINZINGER

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Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.

Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.

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