Das Ausseerland mit Umweltzeichen: Wie nachhaltig ist eine Reise wirklich?
Nachhaltigkeit ist eines dieser Wörter, die mir im Tourismus inzwischen überall begegnen. Ich lese es auf Webseiten, in Prospekten, auf Speisekarten, in Hotelbeschreibungen und manchmal auch dort, wo ich mich frage: Was heißt das jetzt eigentlich konkret?
Nachhaltig. Klimafit. Regional. Ressourcenschonend. Enkeltauglich. Umweltfreundlich. Verantwortungsvoll.
Das klingt alles gut. Aber wie fühlt sich nachhaltiges Reisen wirklich an? Merke ich etwas davon? Oder ist auch das Umweltzeichen am Ende doch nur ein grünes Mascherl, das sich eine Region umhängt?
Genau diese Frage habe ich mir im Ausseerland gestellt. Denn das Ausseerland wurde mit dem Österreichischen Umweltzeichen für Destinationen ausgezeichnet. Damit ist das Ausseerland die erste Tourismusregion der Steiermark, die diese Auszeichnung erhalten hat.
Das klingt nach Kriterienkatalog, nach Audit, nach Strategie und vor allem nach viel Arbeit hinter den Kulissen. Aber für mich wird so ein Thema vor allem erst dann greifbar, wenn ich es selbst erlebt habe: beim Wohnen, beim Essen und in Gesprächen mit Menschen, die hier wohnen und arbeiten.

Nachhaltig anreisen: Mit dem Zug nach Bad Aussee
Nachhaltigkeit beginnt im besten Fall schon bei der Anreise. Und ins Ausseerland kann man sehr gut mit dem Zug fahren. Von Wien gibt es sogar eine direkte Verbindung nach Bad Aussee.
Wir, also meine Reisegefährtinnen Angelika und Elena, reisen mit dem Zug an. Kaum steigen wir in Bad Aussee aus, ist sie wieder da: diese wunderbare, klare Sommerfrische-Luft, die mir sofort zuflüstert: Schön, dass du wieder da bist. Denn nein, ich bin nicht zum ersten Mal im Ausseerland, ganz im Gegenteil. Und trotzdem frage ich mich, wie so oft an Orten, die mir lieb geworden sind: Warum war ich eigentlich so lange nicht mehr hier?
Weiterreisen ist möglich mit dem Salzkammergut Shuttle, das im Ausseerland wichtige Orte, Ausflugsziele und Hotels wie die Alpen Parks Hagan Lodge, die Wasnerin oder das Narzissenbad verbindet. Viele Hotels bieten außerdem eine Abholung vom Bahnhof an.

Wir haben uns allerdings für die einfachste Variante entschieden: Wir sind zu Fuß vom Bahnhof ins Zentrum von Bad Aussee marschiert. Nach einer längeren Zugfahrt war das das Beste. Das Wetter war herrlich, die Beine wollten sich bewegen, und schon waren wir da – im Mittelpunkt von Österreich. Gleich in die Tourismusinformation? Oder doch vorher ein Mittagessen? Im Café Strennberger waren wir jedenfalls gut aufgehoben. Dort konnten wir etwas essen und gleich die Broschüre durchblättern, in der beschrieben wird, wie das Ausseerland das Umweltzeichen erlangt hat.

Schlafen in einem Umweltzeichen-Betrieb: AlpenParks Hagan Lodge Altaussee
Untergebracht waren wir in der AlpenParks Hagan Lodge Altaussee – und damit in einem Betrieb, der selbst mit dem Österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet ist. Die Hagan Lodge zählt zu den Pionierbetrieben im Ausseerland und wurde auch im Rahmen der offiziellen Verleihung genannt.
Das ist ein wichtiger Punkt. Denn eine Region kann sich viel vornehmen. Entscheidend ist aber, ob die Betriebe diesen Weg mitgehen.
Die Hagan Lodge besteht nicht aus einem großen Hotelblock, sondern aus einzelnen Häusern. Genau das war von Anfang an Teil der Idee: kleinstrukturierter bauen, die Anlage in die Landschaft einfügen und nicht das Gefühl erzeugen, dass hier plötzlich ein riesiger Fremdkörper in der Gegend steht. Im Gespräch mit dem Besitzer wurde klar, dass der Betrieb schon lange vor dem Umweltzeichen mit Umweltauflagen, Gutachten und sehr konkreten Fragen konfrontiert war: Was darf versiegelt werden? Wie wird Oberflächenwasser abgeleitet? Welche Materialien werden verwendet? Sogar ein Ersatzjagdgebiet für Fledermäuse war Teil der Überlegungen.
Das klingt erst einmal technisch. Aber genau dort beginnt Nachhaltigkeit oft: nicht bei schönen Worten, sondern bei sehr praktischen Entscheidungen.

Nachhaltigkeit als Alltag, nicht als Werbesatz
Der Besitzer der Hagan Lodge beschreibt Nachhaltigkeit übrigens nicht romantisch. Er spricht nicht von einem perfekten Idealzustand, sondern von vielen kleinen Maßnahmen, die im Alltag funktionieren müssen.
In der Hagan Lodge werden Handtücher und Bettwäsche nicht täglich gewechselt, wie man es aus klassischen Hotels kennt. Die Häuser werden auch nicht jeden Tag betreten und gereinigt. Wer frische Wäsche braucht, bekommt sie natürlich. Aber der Grundgedanke ist ein anderer: weniger unnötiger Verbrauch, weniger Reinigungsaufwand, weniger Wasser- und Energieeinsatz.
Auch die Mülltrennung wurde im Zuge des Umweltzeichens noch einmal verbessert. Früher war die Trennung weniger fein organisiert, heute gibt es bereits in den Häusern mehrere Behälter, damit Gäste den Müll besser vorsortieren können. Danach wird im Betrieb weiter getrennt.
Beim Wasser wurde ebenfalls viel ausprobiert. In den Duschen und Wasserhähnen wurden wassersparende Systeme eingebaut, die Wasser mit Luft mischen. Der Gast soll nicht das Gefühl haben, dass zu wenig Wasser kommt – und trotzdem sinkt der Verbrauch. Auch die WC-Spülungen waren von Anfang an auf einen reduzierten Wasserverbrauch ausgelegt.

Elektrofahrzeuge, Energie und Zukunftspläne
Auch bei der internen Mobilität setzt die Hagan Lodge schon lange auf Elektrofahrzeuge. Die kleinen Transportfahrzeuge, mit denen das Team am Gelände unterwegs ist, sind mittlerweile weitgehend elektrisch. Nur bei Schnee- und Streugeräten stößt man noch an Grenzen, weil es dafür offenbar keine praktikablen elektrischen Alternativen gibt.
Gerade diese Ehrlichkeit gefällt mir. Nachhaltigkeit heißt nicht, dass alles perfekt ist. Es heißt, dass man hinschaut, was möglich ist – und auch zugibt, wo es noch schwierig wird.
Ein Zukunftsthema ist die Heizung. Der Betrieb denkt über eine zentrale Biomasseheizung nach, die mehrere Häuser versorgen könnte. Die Idee: ein gemeinsames Heizsystem, betrieben mit Hackschnitzeln aus der Region. Noch ist das nicht umgesetzt, auch weil die Kosten eine Rolle spielen. Aber es zeigt, dass das Umweltzeichen Fragen auslöst, die über einzelne Maßnahmen hinausgehen: Woher kommt die Energie? Was kann gemeinsam gedacht werden? Welche regionalen Lösungen wären möglich?
Bemerkenswert fand ich auch, dass in der Hagan Lodge bereits seit 2005 die Verbräuche von Wasser, Strom, Pellets und Gas je Haus aufgezeichnet werden. Für das Umweltzeichen war das ein Vorteil, weil der Betrieb nicht bei null anfangen musste. Es gab bereits Daten, mit denen man arbeiten konnte.
Und genau das zeigt für mich sehr gut, worum es eigentlich geht: Nachhaltigkeit braucht Zahlen und Abläufe. Und natürlich Menschen, die sich darum kümmern.

Was das Umweltzeichen einem Betrieb bringt
Auf die Frage, worin das Umweltzeichen dem Betrieb am meisten geholfen habe, kam keine reine Marketingantwort. Es gehe um Bewusstsein, um Energie, um Wassersparen und um die vielen Möglichkeiten, die man durch den Maßnahmenkatalog erkennt. Für die Hagan Lodge ist das Umweltzeichen also nicht nur ein Label für Gäste, sondern auch ein Werkzeug für den Betrieb selbst.
Das finde ich wichtig. Denn oft denkt man bei solchen Auszeichnungen zuerst an die Außenwirkung: gute Argumente auf der Webseite plus Logo ergibt nachhaltiges Image. Aber in Wirklichkeit kann so ein Zertifizierungsprozess auch intern etwas verändern. Er zwingt einen dazu, Abläufe zu überprüfen, macht sichtbar, was schon gut funktioniert und zeigt an, wo noch Luft nach oben ist.

Regionale Küche: Nachhaltigkeit, die schmeckt
Natürlich gehört zur Nachhaltigkeit im Ausseerland auch die regionale Küche.
Das klingt zunächst fast selbstverständlich. In einer Region wie dieser erwartet man gutes Essen, regionale Produkte und natürlich Fisch aus der Gegend. Wenn Produkte aus der Umgebung kommen, bleibt die Wertschöpfung in der Region. Produzent:innen werden sichtbar, Transportwege werden kürzer und Gäste bekommen so einen besseren Eindruck davon, wo sie eigentlich sind.
Im Ausseerland wurde dieses Thema auch in Form einer Genusslandkarte aufgegriffen. Sie soll Gäste und Einheimische dazu inspirieren, bewusst vor Ort einzukaufen und die kulinarischen Schätze der Region zu entdecken.
Das finde ich sympathisch, weil es den Blick weitet. Nachhaltigkeit findet nicht nur im Restaurant statt. Sie findet auch beim Einkauf statt. Beim Frühstück, beim Mitbringsel, bei der Frage, ob ich irgendwo schnell irgendwas konsumiere – oder ob ich mich bewusst darauf einlasse, was diese Region hergibt. Absolut empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang ein Besuch am Ausseer Wochenmarkt.
Und genau da schließt sich für mich wieder der Kreis zur Hagan Lodge: Auch dort wird das Frühstück nicht über ein riesiges Buffet organisiert, bei dem vieles übrig bleiben kann. Stattdessen gibt es Frühstückslisten, die am Vortag ausgefüllt werden. Die Bestellung kommt vom Nahversorger in Altaussee und wird den Gästen direkt in die Lodge gebracht. Das ist vielleicht weniger spektakulär als ein großes Buffet, aber es ist logisch: Es reduziert Verschwendung, stärkt den örtlichen Nahversorger und passt zum Charakter des Betriebs.

Essen mit Umweltzeichen: Kohlröserlhütte am Ödensee
Noch greifbarer wurde das Thema für mich beim Essen. Wir waren in der Kohlröserlhütte – Genuss am See am Ödensee. Auch dieser Betrieb trägt das Österreichische Umweltzeichen.
Allein die Lage des Restaurants macht deutlich, warum Nachhaltigkeit hier mehr sein muss als ein Schlagwort. Die Kohlröserlhütte liegt eingebettet in das Naturschutzgebiet und Europaschutzgebiet Ödensee. Wir sitzen dort also nicht einfach nur schön, sondern an einem besonderen Ort, der Schutz braucht.
Im persönlichen Gespräch wurde deutlich, dass die Zertifizierung für die Kohlröserlhütte kein völliger Neustart war. Der Betrieb war von seiner Philosophie, vom Konzept und von den verwendeten Produkten her schon vorher stark in diese Richtung ausgerichtet. Durch das Umweltzeichen wurde eher noch einmal genauer hingeschaut: Welche Produkte verwenden wir? Wo können wir optimieren? Was lässt sich für Gäste verständlicher machen?

Meyers Genusshandwerk: Was aus der Region kommt, darf bleiben
Besonders schön fand ich auch den Einblick in Meyers Genusshandwerk. In der Kohlröserlhütte werden eigene Produkte hergestellt: Pestos, Chutneys, Marmeladen, Grillsaucen und Sirupe. Produziert wird vor Ort, in der eigenen Produktionsküche. Die Produkte werden etikettiert, verpackt und nicht nur in der Hütte verkauft, sondern auch verschickt.
Logischerweise wanderte das eine oder andere Mitbringsel in meinen Koffer, den ich vorsorglich nur halb gefüllt hatte. Man weiß ja nie, was einem im Ausseerland kulinarisch noch so begegnet. Und ja: Das Essen in der Kohlröserlhütte schmeckte übrigens vorzüglich.

Nachhaltig feiern
Neu war für mich, wie wichtig das Umweltzeichen inzwischen auch für Veranstaltungen geworden ist. Gerade bei Seminaren, Firmenveranstaltungen und Hochzeiten steigt die Nachfrage nach zertifizierten Betrieben. In der Kohlröserlhütte, die als beliebte Location für Brautpaare gilt, gibt es mittlerweile auch Anfragen für nachhaltige Hochzeiten. Da geht es dann nicht nur ums Essen, sondern auch um Dinge wie ressourcenschonende Papeterie, etwa Einladungskarten aus Samenpapier, Vintage-Kleidung und ein insgesamt bewussteres Konzept.
Auch das passt gut zur Kohlröserlhütte. Denn das Essen ist ohnehin regional und saisonal gedacht, und der Ort selbst bringt diese gewisse Langsamkeit mit, die man für solche Feiern eigentlich braucht.
Ein kleines, aber sehr sympathisches Detail ist auch das Thema Lebensmittelverwertung. Beim Sonntagsbrunch gibt es „Too Good To Go“-Portionen, damit übrig gebliebenes Essen nicht weggeworfen werden muss.

Fine Dining und Nachhaltigkeit: Geht das zusammen?
Auf der einen Seite steht die Kohlröserlhütte am Ödensee: regional und naturnah, beheimatet in einer sensiblen Landschaft. Auf der anderen Seite gibt es Fine Dining mitten in Altaussee bei Stefan Haas, wo regionale Produkte noch einmal ganz anders interpretiert werden.
Und gerade dieser Abend hat für mich am besten zum Thema Nachhaltigkeit gepasst. Nicht, weil ständig das Wort Nachhaltigkeit gefallen wäre, sondern weil deutlich wurde, dass bewusste Küche nicht bei einem Gütesiegel beginnt, sondern mit einer Haltung.
Stefan Haas spricht nicht einfach von Produkten: Er spricht von Menschen. Von dem, was entsteht, wenn man weiß, wer hinter einem Lebensmittel steht. Das fand ich schön, weil Regionalität dadurch nicht nach Pflichtprogramm klingt. Es geht nicht darum, etwas auf die Speisekarte zu schreiben, weil es gerade gut klingt, sondern darum, Beziehungen aufzubauen und mit dem zu arbeiten, was eine Region hergibt.

Bio, regional, saisonal – was zählt wirklich?
Besonders gut nachvollziehen konnte ich seine Skepsis gegenüber den einfachen Begriffen. Bio ist gut, natürlich. Aber was bedeutet Bio, wenn ein Produkt sehr weit gereist ist? Ist ein regionales Produkt von jemandem, den man kennt, manchmal nicht stimmiger als ein zertifiziertes Produkt aus großer Entfernung?
Genau das passt für mich zum Ausseerland. Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Logo, sondern oft eine Abwägung. Was ist regional verfügbar? Was ist saisonal sinnvoll? Was schmeck? Was passt zum Ort? Und was erzählt ein Gericht über die Landschaft, in der es serviert wird?
Bei Stefan Haas wird daraus keine Moralgeschichte. Gerichte entstehen, werden auf Karten gezeichnet, ausprobiert und wieder verändert. Fine Dining wirkt absolut nicht abgehoben, sondern wie eine sehr persönliche Form, über Herkunft, Geschmack und Handwerk nachzudenken.
Und genauso fühlte sich auch unser Abend an: genussvoll, ungezwungen und voller guter Gespräche. Dass wir ihn noch dazu komplett alkoholfrei verbrachten, machte ihn umso besonderer: Chef-Sommelier Juliane Haas kredenzte uns die köstlichsten alkoholfreien Weine – und zeigte damit, dass Genuss ganz wunderbar ohne Promille funktioniert.

Leise über den Altausseer See: das Solarschiff
Ein lautes Tuten – und los geht’s. Die Stimmung an Bord ist fröhlich, fast ein bisschen aufgeladen, als würden wir tatsächlich zu einer großen Seereise aufbrechen und nicht „nur“ über den Altausseer See gleiten.
Wobei: Genau dieses Gleiten ist das Besondere. Auf dem Altausseer See fährt seit 2011 das Solarschiff „Altaussee“. Es gilt als das erste Solarschiff der österreichischen Fahrgastschifffahrt und bietet Platz für bis zu 100 Personen. Der Aluminium-Katamaran wurde 1997 in Korneuburg gebaut und verfügt über rund 35 Quadratmeter Solarmodule. Seit 2025 ist das Schiff außerdem mit modernen Lithium-Eisenphosphat-Batterien ausgestattet, die den Betrieb noch effizienter machen.

Das klingt technisch, fühlt sich an Bord aber vor allem eines an: angenehm leise. Kein lautes Motorengeräusch, kein Dieselgeruch, kein hektisches Vorwärtsdrängen. Stattdessen bewegt sich das Schiff fast lautlos über den See. Genau deshalb passt es so gut hierher. Zum Altausseer See, zu den Bergen, zur Sommerfrische und auch zum Gedanken eines sanfteren Tourismus. Die Altaussee-Schifffahrt beschreibt das Erlebnis selbst als „Entschleunigung pur“ – und ja, das trifft es ziemlich gut.
Unser Kapitän lässt sogar kleine Kinder auf die Brücke, von wo aus sie die Aussicht auf den See bestaunen dürfen. Wir bestaunen inzwischen die Trisselwand, das Dorf Altaussee, den Dachstein in der Ferne – und am Ende unserer Fahrt einen Kormoran, der uns ganz unaufgeregt begrüßt. Verschreckt wirkt er nicht, ganz im Gegenteil. Dass die Fischer mit dem ungefragten Fischfänger wenig Freude haben, ist wohl klar. Dass er uns Fahrgäste trotzdem beglückt, aber auch.

Bei der Jagdwiese spuckt uns das Schiff wieder aus. Hier haben wir gleich zwei kulinarische Möglichkeiten: die Seewiese Altaussee oder das Jagdhaus Seewiese. Wir entscheiden uns für die Einkehr im Jagdhaus Seewiese. Es gibt Brote – und was für welche! Für den Strudel bringe ich danach leider keinen Appetit mehr mit. Schade eigentlich.

Hochmoor beim Ödensee: Warum Schutz nicht abstrakt ist
Ein weiterer Ort, an dem Nachhaltigkeit im Ausseerland sehr deutlich wird, ist das Hochmoor beim Ödensee.
Moore sind keine Landschaften, die sich auf den ersten Blick aufdrängen. Sie sind nicht so spektakulär wie ein Gipfel, nicht so fotogen wie ein türkisblauer See und nicht so leicht zu erklären wie ein Wasserfall. Ganz ehrlich? Auf den ersten Blick können Moore sogar ziemlich unscheinbar wirken. Aber sie sind enorm wichtig.
Auch im Ausseerland spielen Moore eine große Rolle – was mir, ehrlich gesagt, vorher gar nicht so bewusst war. Beim Ödenseemoor geht es unter anderem um Renaturierung, Wasserspeicherung, Artenvielfalt und die Bedeutung von Mooren für den CO₂-Haushalt.
Als wir dort unterwegs waren, wurde mir noch einmal klar, dass Nachhaltigkeit viel mehr ist als Mülltrennung im Hotelzimmer. Es geht um Landschaften, die lange brauchen, um zu entstehen – und sehr schnell beschädigt werden können.
Für mich war das Hochmoor deshalb ein wichtiger Gegenpol zum schönen Genussprogramm. Denn ja, das Ausseerland ist wunderschön. Man kann hier gut essen und gut übernachten, wandern, Boot fahren und genießen. Aber diese Schönheit ist nicht selbstverständlich. Sie muss geschützt werden.

Wo nachhaltiges Reisen noch schwierig ist
So überzeugend viele Beispiele im Ausseerland sind – ganz einfach ist nachhaltiges Reisen nicht überall.
Das wurde in so manchen Gesprächen mit den Beteiligten besonders beim Thema öffentlicher Verkehr deutlich. Die Busverbindungen sind nicht so dicht, wie man es sich als Gast wünschen würde. Gerade für Mitarbeiter:innen, Gäste ohne Auto oder Restaurantbesuche am Abend ist Mobilität schnell kompliziert. Auch Taxilösungen sind offenbar nicht immer einfach, weil Zuständigkeiten und Linienverkehr eine Rolle spielen.
Und genau solche Punkte machen das Thema für mich glaubwürdig.
Nachhaltigkeit bedeutet nicht, dass eine Region von heute auf morgen alles gelöst hat. Es gibt gute Ansätze, zertifizierte Betriebe, regionale Küche, ein Solarschiff, sensible Naturräume und konkrete Maßnahmen in den Unterkünften. Aber es gibt auch Baustellen.
Gerade deshalb ist das Umweltzeichen kein Schlusspunkt, sondern eher ein Anfang. Eine Auszeichnung, die zeigt: Diese Region hat sich auf den Weg gemacht. Und dieser Weg besteht nicht nur aus schönen Bildern, sondern auch aus ziemlich praktischen Fragen.

Wie nachhaltig ist eine Reise ins Ausseerland wirklich?
Meine Antwort nach diesen Tagen im Ausseerland: Sie wird nachhaltiger, wenn man sich darauf einlässt.
Ein Umweltzeichen nimmt Gästen nicht jede Entscheidung ab. Es verhindert nicht, dass man mit dem Auto von Programmpunkt zu Programmpunkt hetzt oder einen Ort nur als schöne Kulisse konsumiert. Aber es zeigt, dass eine Region bereit ist, genauer hinzuschauen: auf ihre Betriebe, ihre Ressourcen, ihre Landschaft und auf die Menschen, die hier leben.
Denn Nachhaltigkeit besteht nicht nur aus schönen Bildern von Bergen und Seen. Sie besteht auch aus Wassersparventilen, Mülltrennung, Elektrofahrzeugen, Heizsystemen, regionalem Einkauf, Baukultur, Datenaufzeichnungen – und aus der Frage, wie man einen Ort nutzen kann, ohne ihn auszunutzen.
Genau darin liegt für mich der wichtigste Gedanke des Umweltzeichens: Das Ausseerland ist nicht nur eine Tourismusregion. Es ist ein Lebensraum für die Menschen, die hier leben. Und für alle, die kommen dürfen – und hoffentlich mit etwas mehr Bewusstsein wieder fahren.

Offenlegung: Diese Reise folgte auf Einladung vom Umweltzeichen Österreich und dem Tourismusverband Ausseerland.
GUDRUN KRINZINGER
Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.
Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.