Mit dem Reblaus Express von Retz nach Drosendorf
Schon am Bahnhof in Retz liegt eine besondere Stimmung in der Luft. Es ist der 1. Mai, die erste Fahrt der Saison, und man merkt sofort: Nicht nur ich freue mich auf den Reblaus Express. Auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist eine gewisse Aufregung spürbar: Funktioniert alles? Sind alle bereit? Kann es losgehen?
Auf Plattform zwei warten bereits die ersten Fahrgäste. Einige haben ihre Kameras griffbereit, andere schauen gespannt in Richtung der Gleise. Dann fährt er ein: der Reblaus Express mit seinen nostalgischen Waggons.
Ich suche mir meinen Platz. Mit mir sind Familien mit Kindern an Bord, Radfahrerinnen und Radfahrer, Ausflügler und Menschen, die einfach Lust auf diese besondere Fahrt haben. Die Stimmung ist vom ersten Moment an entspannt und schon auch ein bisschen feierlich. Schließlich startet heute die Saison und wir sind live dabei!


Wenn der Zug aus Retz hinausfährt
Kurz nach der Abfahrt kommt einer der schönsten Momente der ganzen Strecke. Der Zug fährt in einer weiten Kurve aus Retz hinaus, die Häuser werden weniger, die Weingärten mehr, und plötzlich öffnet sich der Blick zurück auf die Stadt samt Windmühle.
Der Reblaus Express ist kein Zug, in den man einsteigt, weil man möglichst schnell irgendwo ankommen möchte. Das Quietschen der Räder in den Kurven, das Ruckeln und Bremsen, dieses gemächliche Dahintuckern – all das gehört zum Erlebnis dazu. Es ist nicht perfekt glatt und modern. Zum Glück! Sogar die Fenster lassen sich noch wie früher nach unten schieben. Allein dieses Geräusch und diese Bewegungen erinnern mich sofort an die Zugfahrten meiner Kindheit.

Nostalgie auf Schienen
Der Reblaus Express lebt übrigens nicht nur von der Landschaft, sondern auch von den Menschen an Bord.
Wenn man den Gesprächen der anderen Fahrgäste zuhört, erfährt man unterwegs ganz nebenbei einiges über die einzelnen Orte und Stationen. Da wird erzählt, wo man aussteigen könnte, was es früher einmal gab und welche Strecke sich besonders gut mit dem Rad fahren lässt.
Für die Kinder ist es besonders aufregend, zwischen den Waggons durchzugehen. Auch wenn man auf den Plattformen nicht stehen bleiben darf, kann man natürlich langsam hindurchgehen.
Draußen zieht währenddessen das Weinviertel vorbei. Felder, kleine Orte, Bahnhöfe, Weingärten – und immer wieder Tiere. Besonders viele Hasen sehe ich, aber auch Rehe tauchen am Rand der Felder auf.

Der Heurigenwaggon
Mein Waggon liegt direkt neben dem Heurigenwaggon. Das ist natürlich praktisch. Immer wieder geht jemand vom Team durch und fragt, ob jemand etwas essen oder trinken möchte. Am Anfang werden vor allem Kaffee und Mehlspeisen bestellt. Später kommen dann die ersten Spritzer dazu.
Bei meiner Fahrt wird der Heurigenwaggon von der Familie Bender betreut. Und man merkt, dass manche Gäste genau deswegen gekommen sind. Es wird geplaudert, gelacht und angestoßen. Die Saisoneröffnung wird durchaus ein bisschen gefeiert.


Die Strecke Richtung Waldviertel
Nach Retz folgen die ersten Stationen: Hofern, Niederfladnitz, Pleißing-Waschbach, Weitersfeld. Irgendwann merke ich, dass sich die Landschaft verändert.
Ein besonderer Stopp ist Hessendorf mit dem Anglerparadies. Dort ist richtig viel los. Man kann hier tatsächlich selbst Fisch fangen und ihn sich danach zubereiten lassen. Für Familien ist das sicher ein spannender Ausflugspunkt, aber auch für alle, die gerne eine längere Pause im Grünen machen.
Weiter geht es Richtung Langau, Geras und Zissersdorf. In Geras wäre ein kultureller Stopp interessant, vor allem wegen des Prämonstratenser-Chorherrenstifts. Auch das merke ich mir für ein nächstes Mal vor. Denn bei dieser ersten Fahrt will ich vor allem den Reblaus Express selbst erleben.


Ankommen in Drosendorf
Drosendorf ist der Endpunkt der Strecke und zugleich eine historisch interessante Kleinstadt, in der man gut länger bleiben könnte.
Es gibt Stadtführungen, man kann durch den Ort spazieren und sich die Stadtmauer anschauen. Ich fahre diesmal allerdings schon nach etwa 20 Minuten wieder zurück.
Ganz ohne Erlebnis geht das aber nicht. In Drosendorf kann ich noch zuschauen, wie die Lok umgekuppelt wird. Allein dafür haben sich einige Menschen am Bahnhof versammelt. Überhaupt fällt mir auf, dass entlang der Strecke immer wieder Leute stehen, die den Reblausexpress fotografieren. Diese Bahn hat offensichtlich ihre Fans.


Auf der Rückfahrt ist es deutlich ruhiger im Waggon. Viele Fahrgäste sind in Drosendorf ausgestiegen, vor allem die Radfahrerinnen und Radfahrer. Es dauerte eine Weile, bis alle Fahrräder ausgeladen waren. Entlang des Reblaus Express-Radwegs geht es für sie retour nach Retz – diesmal auf zwei Rädern.
Ich hole mir inzwischen noch etwas zu essen und zu trinken, setze mich auf meinen Platz und lasse mich wieder zurück nach Retz bringen. Weniger Menschen im Zug, draußen die Landschaft, dazu das vertraute Quietschen und Bremsen – spätestens jetzt bin ich endgültig im Entschleunigungsmodus.


Zug und Rad: eine Idee fürs nächste Mal
Nach dieser Fahrt verstehe ich sehr gut, warum so viele ihre Räder mitnehmen. Der Reblaus Express und der Radweg passen einfach gut zusammen. Man kann mit dem Zug nach Drosendorf fahren und mit dem Rad zurück oder umgekehrt. Man kann unterwegs aussteigen, sich Geras anschauen, beim Anglerparadies Halt machen oder den ganzen Tag langsam zurückradeln.
Für meinen nächsten Ausflug habe ich mir genau das vorgenommen. Entweder nehme ich das Rad mit und fahre eine Strecke zurück. Oder ich bleibe länger in Drosendorf, mache eine Stadtführung und nehme einen späteren Zug retour. Auch Geras würde mich als Zwischenstopp sehr interessieren.
Das Schöne ist: Der Reblaus Express muss kein einmaliges Programm sein. Man kann die Strecke jedes Mal ein bisschen anders erleben.
Auch Hunde dürfen im Reblaus Express mitfahren. Wer seinen Hund mitnehmen möchte, sollte an Leine und Maulkorb denken – dann steht der nostalgischen Zugfahrt auf vier Pfoten nichts im Weg.

Retz nicht nur als Bahnhof sehen
Von Wien aus lässt sich die Fahrt mit dem Reblaus Express gut als Tagesausflug machen. Trotzdem würde ich empfehlen, Retz nicht nur als Startpunkt zu sehen. Die Stadt hat so viel zu bieten, um den Ausflug zu verlängern.
Die Windmühle, der Hauptplatz, die Kellergassen, der Erlebniskeller oder eine Nachtwächterführung passen wunderbar zu einem Wochenende im Weinviertel. Wenn man schon in Retz startet, sollte man sich auch Zeit für Retz nehmen.
Meine Tipps für Retz habe ich hier aufgeschrieben: 24 Stunden in Retz
Für mich macht genau diese Kombination den Reiz aus: erst Stadt, dann Landschaft, dann Zug. Oder Rad, Zug und ein Glas Wein. Alles ist möglich, solange man nicht versucht, zu viel in den Tag hineinzupacken.

Was bleibt von dieser Fahrt?
Am Ende sind es gar nicht die großen Dinge, die mir vom Reblaus Express in Erinnerung bleiben. Es sind eher die kleinen Momente: die Aufregung beim Saisonstart, die Waggons mit ihren Namen, die Kinder, die neugierig zwischen den Abteilen unterwegs sind, Alfred Polt in seiner Kalmuck-Jacke, die Fenster, die sich noch öffnen lassen, und dieses Quietschen in den Kurven, das sofort nach früher klingt.
Genau dann merkt man, was diese Fahrt eigentlich ausmacht: Sie nimmt Tempo heraus. Man sitzt da, schaut hinaus und muss für eine Weile nichts anderes tun. Und das ist vielleicht schon der ganze Zauber des Reblaus Express.
Offenlegung: Die Fahrt mit dem Reblaus Express erfolgte auf Einladung der Niederösterreich Bahnen.

Praktisches zum Reblaus Express
GUDRUN KRINZINGER
Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.
Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.