Blumengarten Kroměříž: Ein Spaziergang durch Tschechiens barockes Gartenjuwel
Ende 2025 war ich schon einmal in Kroměříž in Tschechien und habe mich damals vor allem in das Schloss verliebt. Wir spazierten durch den winterlichen Schlossgarten, zwischen kahlen Bäumen und dieser besonderen Ruhe, die historische Orte im Winter manchmal haben. Schon damals war mir klar: Ich möchte unbedingt zurückkommen. Denn ein wichtiger Teil des UNESCO-Welterbes fehlte mir noch – der berühmte Blumengarten Kroměříž. einer der bedeutendsten Barockgärten Europas.
Zur besuchten Jahreszeit lag der barocke Garten allerdings bereits im Winterschlaf und konnte nicht besichtigt werden. Genau das machte mich natürlich neugierig. Ich wollte nicht nur das Schloss sehen, sondern auch jenen Garten kennenlernen, der gemeinsam mit Schloss und Schlosspark zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Ich wollte Kroměříž als Gesamterlebnis verstehen.
Im Frühling war es dann endlich soweit. Nach meinem Besuch in Olmütz legte ich noch einen Abstecher nach Kroměříž ein. Zuerst zog es mich allerdings noch einmal ins Schloss. Ich besichtigte die Bibliothek, stieg auf den Schlossturm und genoss den Ausblick über die Stadt. Danach ging es zu Fuß durch die Altstadt Richtung Blumengarten.

Blumengarten Kroměříž: Mehr als nur ein Garten
Der Name Blumengarten klingt fast harmlos. Tatsächlich steckt hinter dem Blumengarten Kroměříž ein riesiges barockes Gesamtkunstwerk voller Symbolik, Wissenschaft, Architektur und Unterhaltung.
Angelegt wurde der Garten im 17. Jahrhundert unter Bischof Karl von Liechtenstein-Kastelkorn. Nachdem Kroměříž im Dreißigjährigen Krieg stark zerstört worden war, wollte er hier einen repräsentativen Ort schaffen – mit Schloss, Park und einer Gartenanlage, die Macht, Bildung und Geschmack zeigen sollte.
Der Garten wurde streng symmetrisch angelegt. Alles folgt klaren Achsen: Wege, Hecken, Brunnen und Gebäude wirken perfekt durchkomponiert. Gleichzeitig gibt es überall kleine Überraschungen und ungewöhnliche Details.

Die Kolonnade: Das beeindruckendste Bauwerk im Garten
Das erste große Highlight im Blumengarten Kroměříž ist für mich die monumentale Kolonnade. Sie zieht sich unglaubliche 244 Meter entlang einer Seite des Gartens und wirkt fast wie ein eigenes Gebäude.
Zuerst steige ich auf das Dach hinauf. Von oben eröffnet sich ein fantastischer Blick über die geometrischen Blumenbeete, die akkurat geschnittenen Hecken und die symmetrischen Wege des Gartens.
Erst von hier oben erkennt man auch, wie exakt dieser Garten geplant wurde.
Ursprünglich war die Kolonnade nicht nur ein dekorativer Durchgang, sondern auch eine Art Skulpturengalerie. In den Nischen stehen zahlreiche antike Figuren, mythologische Gestalten und historische Persönlichkeiten. Insgesamt besteht die Sammlung aus 44 Skulpturen und zahlreichen Büsten antiker Götter und Helden.
Besonders spannend finde ich, dass die Kolonnade gewissermaßen ein fehlendes Residenzgebäude ersetzen sollte. Heute ist sie der wichtigste Aussichtspunkt des Gartens.


Broderien und Bosketten: Die Muster des Barockgartens
Zu den typischen Elementen des Blumengartens gehören Broderien und Bosketten. Broderien sind kunstvoll angelegte Zierbeete, deren Muster an Stickereien erinnern. Die Ornamente wurden nicht nur mit Pflanzen gestaltet, sondern auch mit farbigem Sand, Ziegelstaub, kleinen Steinen, Muscheln oder zerkleinerter Kohle ausgefüllt. Besonders gut erkennt man diese Muster von oben, etwa von der Kolonnade.
Die Bosketten dagegen sind kleine, von Hecken gefasste Gartenräume. Sie bringen Struktur in die Anlage und machen den streng symmetrischen Garten abwechslungsreicher. So entsteht ein Wechselspiel aus offenen Blickachsen, ornamentalen Beeten und versteckteren Bereichen.

Die Rotunde: Das Herz des Gartens
Nach der Kolonnade spaziere ich weiter zur Rotunde, dem eigentlichen Mittelpunkt des Blumengartens.
Schon von außen wirkt der achteckige Pavillon beeindruckend. Im Inneren eröffnet sich jedoch eine ganz eigene Welt aus Skulpturen, Grottenräumen und mythologischen Darstellungen. Ganz hinein konnte ich bei meinem Besuch allerdings nicht. Derzeit darf man ohne Führung nur eine Art Vorraum betreten. Wer die Rotunde betreten möchte, bucht am besten eine eigene Führung.
Die Deckenmalereien in der Rotunde zeigen Szenen aus Ovids „Metamorphosen“, darunter die Entführung Europas durch Zeus oder die Geschichte von Perseus und Andromeda.
Früher verfügte die Rotunde über eine komplizierte Wasseranlage mit versteckten Düsen. Besucher konnten plötzlich und völlig unerwartet nass gespritzt werden. Das erinnert mich ein wenig an die Wasserspiele von Schloss Hellbrunn bei Salzburg, wo ein ähnliches System die Besucher bis heute überrascht.


Ein Foucaultsches Pendel mitten im Barockgarten
Heute befindet sich in der Rotunde außerdem ein Foucaultsches Pendel — eine wissenschaftliche Installation, die die Erdrotation sichtbar macht.
Davon gibt es in Europa gar nicht so viele. Dieses Detail wirkt inmitten eines historischen Barockgartens besonders ungewöhnlich.

Wasser spielte hier eine Hauptrolle
Wasser ist eines der wichtigsten Elemente des gesamten Gartens. Brunnen, Wasserachsen und Springbrunnen strukturieren die Anlage. Der berühmte Löwen- und Tritonenbrunnen gehört ebenso dazu wie zahlreiche kleinere Wasseranlagen, die den Garten beleben.
Wasser war in der damaligen Zeit allerdings weit mehr als bloße Dekoration. Im Barock galt es als Ausdruck von Reichtum, technischem Können und Kontrolle über die Natur. Wer Wasser über weite Strecken leiten und kunstvoll in Szene setzen konnte, demonstrierte Macht und Fortschritt. Im Blumengarten Kroměříž wurde Wasser deshalb gezielt als Gestaltungselement eingesetzt.
Bei meinem Besuch Ende April waren die meisten Brunnen noch nicht in Betrieb. Vermutlich war es dafür einfach noch zu früh im Jahr und zu kühl. Doch auch ohne plätscherndes Wasser prägen die Brunnen und Wasserbecken das Erscheinungsbild des Gartens.


Die stilleren Ecken des Blumengartens
Nach den Forellenteichen spaziere ich weiter zum Erdbeerhügel, um noch einmal einen Blick von oben auf den Garten zu erhaschen. Die Labyrinthe lasse ich aus. Stattdessen führt mein Weg über den Obstgarten weiter zum Vogelhaus.
Die Forellenteiche tragen übrigens einen etwas irreführenden Namen. Tatsächlich wurden hier früher Karpfen gezüchtet, da das Wasser für Forellen zu ruhig war. Hinter den zwei Teichen erheben sich die Erdbeerhügel, die einst mit Erdbeeren bepflanzt waren und nicht nur schön aussahen, sondern auch eine kleine Erfrischung boten.

Fasanerie, Vogelhaus und exotische Pflanzen
Der Blumengarten war ursprünglich weit mehr als nur ein Ziergarten. Im Laufe der Zeit kamen zusätzliche Bereiche hinzu — darunter eine Fasanerie, ein Vogelhaus und verschiedene Tiergehege.
Ich spaziere also vom Erdbeerhügel zum Vogelhaus. Rund um das Gebäude liegen mehrere Wasserbecken – und genau dort ist an diesem Tag einiges los. Die Frösche quaken so laut, dass es fast wie ein kleines Konzert klingt. Eine andere Besucherin ist sogar kurz überzeugt, irgendwo müsse Musik eingespielt werden.
Auch exotische Pflanzen spielen im Blumengarten Kroměříž´eine große Rolle. Die Gewächshäuser dienten nicht nur praktischen Zwecken, sondern waren auch Statussymbole. Wer seltene subtropische Pflanzen präsentieren konnte, demonstrierte Reichtum und Bildung.
Heute befinden sich in diesem Bereich Besucherzentrum, Café und verschiedene Pflanzensammlungen. Besonders bekannt sind die jahrhundertealten Kamelien und subtropischen Pflanzen. Bevor ich allerdings im Kaffeehaus lande, komme ich noch an einer der kuriosesten Sehenswürdigkeiten des Gartens vorbei.

Der wohl kurioseste Ort: der Kaninchenhügel
Eine der ungewöhnlichsten Attraktionen im Blumengarten ist definitiv der sogenannte Kaninchenhügel. Ja, richtig gelesen: Dabei handelt es sich um einen künstlich angelegten Hügel mit einem ausgeklügelten System aus Kaninchenbauen.
Auf dem Hügel steht eine Statue der Jagdgöttin Diana, die über die Anlage wacht. Besonders kurios finde ich die Geschichte, die mir mein Guide erzählte: Man machte sich offenbar einen Spaß daraus, die Gänge mit Wasser zu fluten und zuzusehen, wie die Kaninchen aus ihren Bauen flüchteten. Barocke Unterhaltung konnte also durchaus eigenwillige Formen annehmen.
Auch heute leben wieder Kaninchen auf dem Hügel, allerdings hinter Gittern.


Palmenhaus und großes Gewächshaus
Zum Abschluss lohnt sich ein Blick in die Gewächshäuser und ins Palmenhaus. Nach den vielen Eindrücken im Freien ist das ein schöner Ort, um das Tempo etwas herauszunehmen und den Besuch gemütlich ausklingen zu lassen.
Abschließend lande ich im Café. Insgesamt habe ich rund zwei Stunden im Blumengarten Kroměříž verbracht. Für einen entspannten Rundgang reicht das gut aus. Gartenliebhaber können hier problemlos einen halben Tag verbringen.
Für mich war der Besuch die perfekte Ergänzung zum Schloss. Erst gemeinsam mit Schlosspark und Blumengarten erschließt sich, warum Kroměříž zu den bedeutendsten UNESCO-Stätten Tschechiens zählt. Und genau deshalb hat sich die Rückkehr im Frühling mehr als gelohnt.


Infobox: Blumengarten Kroměříž
Adresse: Květná zahrada, Kroměříž, Tschechien
Öffnungszeiten:
Die Öffnungszeiten variieren je nach Saison. Vor dem Besuch empfiehlt sich ein Blick auf die offizielle Website. >> HIER KLICKEN <<
Eintritt:
Für den Garten wird Eintritt verlangt. Es gibt unterschiedliche Tickets für Garten, Gewächshäuser und Führungen. Ermäßigungen gibt es für Kinder, Studierende und Senioren.
Besuchsdauer:
Mindestens 2 Stunden, für Gartenliebhaber oder Fotografen gerne auch ein halber Tag.
Barrierefreiheit:
Die Hauptwege sind gut ausgebaut. Einzelne Bereiche können jedoch je nach Untergrund oder Zugang eingeschränkt sein.
Highlights:
- 244 Meter lange Kolonnade mit Aussichtspunkt
- Rotunde mit Foucaultschem Pendel
- Broderien und Bosketten
- Forellenteiche und Erdbeerhügel
- Kaninchenhügel mit Diana-Statue
- Palmenhaus und Gewächshäuser
Mein Tipp:
Steige gleich zu Beginn auf die Kolonnade. Von oben erschließt sich die gesamte Anlage und die kunstvollen Muster der Broderien sind besonders gut zu erkennen.
Kombinieren mit:
Schloss Kroměříž, Schlossbibliothek, Schlossturm und Schlosspark.

FAQ zum Blumengarten Kroměříž

Reisebloggerin Gudrun Krinzinger vor Ort

📍 Persönlich besucht
Im Frühjahr 2026 habe ich den Blumengarten Kroměříž besucht und mehrere Stunden zwischen Rotunde und Gewächshäusern verbracht. Besonders beeindruckt haben mich die vielen ungewöhnlichen Details und die Geschichten, die mir mein Guide vor Ort erzählt hat.
GUDRUN KRINZINGER
Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.
Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.