Lendviertel Graz: Die besten Tipps für das kreative Viertel
Warum ich immer wieder ins Lendviertel zurückkehre
Wer Graz nur auf die Altstadt, den Uhrturm und den Schlossberg reduziert, verpasst einen der spannendsten Stadtteile der Stadt. Das Lendviertel auf der rechten Murseite hat sich in den vergangenen Jahren zu einem kreativen Treffpunkt entwickelt. Zwischen Designshops, kleinen Cafés, Streetart, Märkten und innovativen Projekten zeigt Graz hier eine ganz andere Seite. Bei jedem Besuch entdecke ich neue Lieblingsorte – und genau deshalb zieht es mich immer wieder ins Lendviertel.

Das Stadtviertel Lend in Graz
Dass das Lendviertel längst kein Geheimtipp mehr ist, hat auch der Tourismus für sich entdeckt. Neben klassischen Stadtführungen werden mittlerweile eigene Spaziergänge durch den Stadtteil angeboten. Dabei geht es weniger um große Sehenswürdigkeiten als um die Geschichten hinter den Fassaden, kreative Projekte und Menschen, die das Viertel prägen.
So wandere ich vor einigen Jahren an einem Nachmittag mit Angela durch die Straßen des Lendviertels und höre ihr zu. Lend war schon immer ein bisschen ärmer. Hier lebte der Teil der Bevölkerungsschicht, der sich das „bürgerliche“ linke Murufer nicht leisten konnte (oder wollte). Mittlerweile gilt es als Trendviertel. Die Kreativ-Szene hat das Viertel für sich entdeckt und gibt es sicher nicht mehr so schnell her.
In der Griesgasse reiht sich ein cooles Geschäftslokal an das andere. Im Mangolds wird seit mittlerweile 25 Jahren vegetarisch gekocht. Dook’s heißt das beliebte Kaffeehaus gleich daneben und schräg vis-a-vis im heidenspass steht Upcycling auf dem Programm. Ein kaputter Radlschlauch verwandelt sich in einen Gürtel und aus Vinyl-Platten werden Ohrringe.

Wir überqueren den Südtiroler Platz und wie immer werfe ich einen Blick in die Auslage meines absoluten Lieblingsgeschäfts in Graz, in das Samen Köller. Drehe ich mich um, kommt nicht nur der Uhrturm in mein Blickfeld, sondern auch das Kunsthaus.

Das Kunsthaus Graz – mehr als nur der „Friendly Alien“
Wegen seiner ungewöhnlichen Architektur wurde dem Kunsthaus Graz im Laufe der Jahre so mancher Spitzname verpasst – vom „Friendly Alien“ bis zur „blauen Blase“. Lange Zeit gehörte ich allerdings zu jenen Menschen, die das Gebäude vor allem von außen bewundert haben. Jahrelang bin ich daran vorbeigegangen, ohne einen Fuß hinein zu setzen.
Erst vor zwei Jahren habe ich das Innere des Kunsthauses für mich entdeckt – und mich gefragt, warum ich so lange damit gewartet habe. Die wechselnden Ausstellungen sind ein guter Grund für einen Besuch, doch schon das Gebäude selbst ist ein Erlebnis. Besonders gefallen hat mir der Blick auf den Grazer Uhrturm durch eine der charakteristischen „Blasen“ des Hauses. Dieser ungewöhnliche Rahmen eröffnet eine Perspektive auf die Stadt, die man so kaum irgendwo anders findet.
Mindestens ebenso gefährlich für das Reisebudget ist der Museumsshop. Zwischen Designobjekten, Büchern, Postkarten und originellen Mitbringseln kann ich problemlos viel mehr Zeit verbringen als geplant.
Und dann wäre da noch das Café. Es zählt längst zu den beliebtesten Treffpunkten der Stadt und ist auch ohne Museumsbesuch einen Abstecher wert.

Das Lendviertel – kreativ, innovativ, nachhaltig
Von hier aus führt unser Weg weiter in die Mariahilferstraße. Für mich gehört sie zu den spannendsten Straßen in Graz. Kaum eine andere Ecke der Stadt verändert sich so oft. Neue Lokale eröffnen, kleine Geschäfte ziehen ein, kreative Ideen werden ausprobiert. Gleichzeitig gibt es Orte, die längst zu Institutionen geworden sind.
Beim Spazierengehen fällt die Entscheidung oft schwer: Wo einkehren? Die Auswahl reicht von internationaler Küche bis zu klassischen Grazer Lokalen. Im Hummel wird libanesisch gekocht, während sich der Mohrenwirt der klassischen Grazer Wirtshausküche verpflichtet fühlt.
Zwischen den Lokalen entdecke ich immer wieder spannende Geschäfte. Schlendert man nun die Mariahilferstraße weiter, steht man in Kürze vor dem Kunst- und Keramikstudio Da Loam. Ich finde die großen Vasen wunderschön, die die Kermikkünstlerin Selma Etareri aus Ton erschafft. Im Zerum Lifestyle Graz dreht sich alles um nachhaltige Mode und bewusstes Einkaufen. Gleich daneben zeigt tag.werk, wie kreativ soziale Projekte sein können. Hier entstehen aus alten Planen, Werbebannern und anderen Materialien Taschen und Accessoires, jedes Stück ein Unikat.
Wenig später erreichen wir den Mariahilferplatz. Im Advent verwandelt sich der Platz jedes Jahr in einen meiner liebsten Weihnachtsmärkte in Graz. Doch auch abseits der Adventzeit lohnt sich ein Stopp. Direkt nebenan befindet sich nämlich einer meiner persönlichen Geheimtipps: das Kulturzentrum bei den Minoriten.


Mein Geheimtipp im Lendviertel
Viele Besucher werfen lediglich einen Blick in die Kirche und gehen weiter. Wer jedoch durch den unscheinbaren Eingang in den ehemaligen Kreuzgang tritt, entdeckt einen wunderbar ruhigen Ort mitten in der Stadt. Der historische Kreuzgang lädt zum Verweilen ein, während im Kulturzentrum regelmäßig interessante Ausstellungen gezeigt werden. Ich habe hier schon mehrmals vorbeigeschaut und wurde bisher nie enttäuscht.

Vis-a-vis der Mariahilferkirche liegt mit dem Büchersegler eine jener Buchhandlungen, in denen man eigentlich nur kurz hineinschauen möchte und eine halbe Stunde später immer noch zwischen den Regalen steht. Solche unabhängigen Buchhandlungen werden leider immer seltener, umso mehr freue ich mich über jeden Besuch.
Je weiter wir Richtung Lendplatz spazieren, desto lebendiger wird das Viertel. Vorbei an bekannten Lokalen wie Brot und Spiele zieht es mich immer wieder ins Hungry Heart. Das kleine Burgerlokal zählt seit Jahren zu meinen Favoriten in Graz.
Gleich daneben befindet sich mit Paul & Bohne eine Kaffeebar, die für viele Grazer längst Kultstatus erreicht hat. Ob für einen schnellen Espresso oder eine längere Pause – hier ist fast immer etwas los.

Der Lendplatz – das Herz des Viertels
Am Lendplatz schlägt das Herz des Viertels. Besonders an Markttagen herrscht reges Treiben. Produzenten aus der Region verkaufen Obst, Gemüse, Käse, Brot, Blumen und natürlich Käferbohnen, während sich die ersten Gäste bereits in den umliegenden Cafés niederlassen. Der Bauernmarkt zählt zu den beliebtesten Märkten der Stadt und zeigt, wie Genuss und Alltag im Lendviertel miteinander verbunden sind.
Besonders gerne sitze ich im Der Lenz im Lend, beobachte das Marktgeschehen und genieße die entspannte Atmosphäre.

Die Schell Collection
Wer sich für Kultur interessiert, sollte außerdem einen Blick in die Schell Collection werfen. Das Privatmuseum widmet sich der Geschichte von Schlüsseln, Schlössern, Tresoren und Sicherheitstechnik. Was zunächst trocken klingt, entpuppt sich schnell als überraschend spannende Zeitreise durch mehrere Jahrhunderte. Zu sehen sind kunstvoll verzierte Schlüssel, raffinierte Schließmechanismen und historische Vorhängeschlösser.
Besonders faszinierend finde ich die Erkenntnis, wie viel Kreativität Menschen über Jahrhunderte investiert haben, um ihre Häuser, Schätze und Geheimnisse zu schützen – und wie viel Einfallsreichtum andere wiederum entwickelten, um diese Sicherungen zu überwinden.

Hoteltipps im und rund um das Lendviertel
Wer im Lendviertel übernachten möchte, hat mittlerweile mehrere spannende Möglichkeiten. Besonders praktisch ist die Lage rund um die Mur: Man ist schnell in der Altstadt, aber genauso schnell mitten im kreativen Lendviertel.
Das Hotel Weitzer kenne ich aus eigener Erfahrung. Mein Zimmer war geräumig, der eigene Balkon sowieso Sonderklasse. Von dort aus konnte ich den Grazer Uhrturm sehen, Grazer Luft schnuppern und mir denken: Ja, das passt. Graz und ich, wir mögen uns.
Nur einen Häuserblock entfernt liegt das Grand Hôtel Wiesler direkt an der Mur. Es besticht mit coolem Design, viel Geschichte und einer Suite, in der schon Arnold Schwarzenegger genächtigt haben soll. Das Haus passt wunderbar zu Graz: klassisch, aber nicht verstaubt.
Ebenfalls zur Hotelgruppe gehört das Hotel Daniel beim Grazer Hauptbahnhof. Dort habe ich selbst noch nicht übernachtet, erwähne es aber gerne, weil es mit seinem Konzept „Urban Stay, Smart Luxury“ gut zu einem modernen Graz-Aufenthalt passt.
Bei einem späteren Besuch habe ich außerdem im Lendhotel übernachtet. Das moderne Designhotel passt perfekt zum Charakter des Viertels. Kunst spielt im Haus eine große Rolle, und die Dachterrasse zählt für mich zu den schönsten Aussichtspunkten im Lendviertel.

Ein Stadtviertel voller Überraschungen
Das Lendviertel ist allerdings weit größer, als viele Besucher vermuten. Volksgarten, Orpheum, zahlreiche Seitenstraßen, Innenhöfe und kleine Plätze würden locker einen weiteren Tag füllen. Und vermutlich ist genau das der Grund, warum ich bei jedem Besuch wieder hier lande. Kaum ein anderes Viertel in Graz verändert sich so sehr und bleibt sich gleichzeitig selbst treu.

Häufige Fragen zum Lendviertel in Graz
Meine Lieblingsorte im Lendviertel auf einen Blick
Zur besseren Orientierung habe ich meine wichtigsten Tipps im Lendviertel auf einer Karte eingezeichnet.
Reisebloggerin Gudrun Krinzinger in Graz
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GUDRUN KRINZINGER
Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.
Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.

sehr interessanter Stadtbericht über Graz