Kapverden Rundreise: Mein Reisetagebuch über fünf Inseln

Schon öfter war mein Finger auf der Landkarte bei jenen Inseln hängen geblieben, die westlich von Senegal mitten im Atlantik liegen. Kap Verde klang für mich immer ein wenig geheimnisvoll: afrikanisch und portugiesisch zugleich, geprägt von Vulkanen, Wind, Musik und dem Meer.

Anfang Jänner 2015 war es schließlich so weit. Ziemlich kurzfristig buchten wir eine Reise und flogen über Lissabon nach Praia. Unsere Kapverden Rundreise führt uns auf fünf sehr unterschiedliche Inseln: Santiago, Fogo, São Vicente, Santo Antão und Sal.

Wir reisten mit Fähren, Mietwagen, Taxis und Aluguers, den typischen Sammeltaxis der Kapverden. Wir wanderten entlang steiler Küsten, standen nur wenige Wochen nach einem Ausbruch vor einem aktiven Vulkan, beobachteten Fischer bei ihrer Arbeit und lernten, weshalb man auf einer stürmischen Fährüberfahrt unbedingt den Horizont im Auge behalten sollte.

Pastellfarbene Häuser und windgebeugter Baum in einer Straße von Mindelo auf São Vicente
Pastellfarbene Fassaden und vom Wind geformte Bäume prägen das Straßenbild

2. Jänner 2015: Ankunft in Praia, der Hauptstadt der Kapverden

Unsere Kapverden Rundreise beginnt in Praia, der Hauptstadt von Kap Verde auf der Insel Santiago. Das Zentrum der Stadt liegt erhöht auf einem Plateau, das passenderweise einfach „Plateau“ genannt wird.

Mitten durch das Zentrum führt eine Fußgängerzone. Kleine Cafés und Restaurants laden dazu ein, erst einmal anzukommen und das Leben der Stadt zu beobachten. Neben alten Häusern aus der Kolonialzeit stehen moderne Gebäude mit Glasfassaden. Praia wirkt auf den ersten Blick nicht wie eine klassische Postkartenstadt. Gerade diese Mischung macht die Hauptstadt für mich aber interessant.

Besonders gerne besuche ich auf meinen Reisen Märkte. Sie erzählen meist mehr über den Alltag eines Landes als manche Sehenswürdigkeit. Auch in Praia zieht es mich deshalb zuerst zu den Marktständen, an denen Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch verkauft werden.

Etwas außerhalb des Zentrums entdecken wir einen weiteren großen Markt. Um zehn Uhr sind noch längst nicht alle Verkaufsstände geöffnet. In den unzähligen, zum Großteil überdachten Gängen gibt es dennoch schon fast alles zu kaufen.

Neue Kleidung liegt neben gebrauchten Schuhen und T-Shirts, die vermutlich aus Kleidersammlungen in Europa oder den USA stammen. Frauen flechten langes Kunsthaar in die Haare ihrer Kundinnen. Daneben werden Betten, Elektrogeräte, Kosmetikartikel und Haushaltswaren angeboten.

Überraschenderweise geht es auf dem Markt relativ ruhig zu. Auch als Touristen werden wir nicht ständig angesprochen oder zum Kauf gedrängt. So können wir uns in aller Ruhe umsehen und erste Eindrücke vom Alltag in Praia sammeln.

Am Abend besuchen wir das Musikrestaurant 5al da Música. Ein kapverdischer Musiker singt rhythmische Lieder, während wir gegrillten Oktopus esse. Mit Live-Musik schmeckt er gleich doppelt so gut.

Blick über die dicht bebaute Hauptstadt Praia auf der Insel Santiago
Praia ist die Hauptstadt der Kapverden und breitet sich über mehrere Hügel der Insel Santiago aus.

3. Jänner 2015: Mit dem Mietwagen über Assomada nach Tarrafal

Am nächsten Morgen warten wir auf den Mietwagenverleiher. Und wir warten. Europäische Pünktlichkeit sollte man hier besser nicht erwarten.

Eigentlich weiß ich das von meinen vielen Afrikareisen. Trotzdem werden wir langsam ungeduldig, denn wir haben für diesen Tag einiges geplant. Erst gegen zehn Uhr können wir schließlich losfahren.

Unser erstes Ziel ist Assomada im Zentrum der Insel Santiago. Dort besuchen wir einen großen afrikanischen Markt. Bunt gekleidete Frauen sitzen zwischen ebenso farbenfrohen Waren. Manchmal müssen wir zweimal hinsehen, um zwischen Stoffen, Gemüse und Körben überhaupt die Verkäuferin zu erkennen.

Eine Treppe führt auf das Dach des Marktgebäudes. Von oben können wir das Treiben beobachten, ohne selbst mitten im Gedränge zu stehen.

Stoffbänder werden mit alten Tretnähmaschinen bearbeitet, frisch gefangener Thunfisch wird zerlegt und würzige Würstchen brutzeln in heißem Fett. Es ist laut, bunt und sehr lebendig.

Frauen verkaufen und verarbeiten Fleisch auf dem Markt von Assomada auf Santiago
Auf dem Markt von Assomada wird frisches Fleisch direkt vor Ort vorbereitet und verkauft.

Danach fahren wir weiter in Richtung Norden. Die Straße führt durch die Serra Malagueta, eine beeindruckende Berglandschaft im Norden Santiagos.

Über eine steile Treppe steigen wir zu einer Anhöhe hinauf. Von dort bietet sich ein traumhafter Blick in alle Himmelsrichtungen. Wolken ziehen über die Bergrücken und wirken dabei fast wie Wellen, die über Felsen schlagen. Blumen, Vögel und Spinnen liefern uns unzählige Fotomotive.

Am Abend erreichen wir Tarrafal im äußersten Norden der Insel. Am feinen Sandstrand liegen die Fischerboote und warten auf ihre nächste morgendliche Ausfahrt auf den Atlantik.

In einem Restaurant oberhalb der Bucht bestellen wir frisch gefangenen Thunfisch. Die Sonne leuchtet noch einmal rötlich durch die Wolken und verschwindet hinter einer Reihe von Segelbooten.

Ein schöner Abschluss für unseren ersten Tag mit dem Mietwagen.

Grüne Berglandschaft der Serra Malagueta mit kleinen Häusern im Nebel auf Santiago
In der Serra Malagueta ziehen Wolken über die grünen Bergrücken und verhüllen immer wieder die kleinen Dörfer.

4. Jänner 2015: Entlang der Ostküste zurück nach Praia

Frühmorgens beobachten wir am Strand von Tarrafal, wie Fischer ihr kleines Boot aus dem Wasser ziehen. Frauen warten bereits mit großen Kunststoffbehältern auf den Fang.

Der Fisch wird vermutlich noch am selben Tag auf einem Markt verkauft oder in einem der Restaurants im Ort serviert. Viele weitere Boote liegen im Sand. Sie wurden in der vergangenen Nacht offenbar nicht genutzt.

Sauber geputzt und frisch gestrichen wirken manche Fischerboote beinahe wie Dekorationen am Strand. Dazwischen streunen Hunde herum. Einer davon ist noch so klein, dass er kaum größer als eine Faust ist.

Fischer und Frauen stehen zwischen bunten Fischerbooten am Strand von Tarrafal auf Santiago
Am frühen Morgen bringen die Fischer ihren Fang an den Strand von Tarrafal, wo die ersten Käuferinnen bereits warten.

Mit dem Mietwagen fahren wir anschließend entlang der Ostküste zurück nach Praia. Gegen Mittag erreichen wir Pedra Badejo.

Am Hafen stehen zahlreiche Menschen und blicken aufgeregt hinaus aufs Meer. Auch wir bleiben stehen und fragen uns, was passiert ist. Am Horizont erkennen wir mehrere Fischerboote nahe der Küste.

Nach einer Weile erfahren wir den Grund für die Aufregung: Der Motor eines Fischerbootes ist ausgefallen. Das Boot wurde auf ein Riff getrieben und muss nun abgeschleppt werden.

Wenig später kehren die Boote in den Hafen zurück. Das beschädigte Boot hängt im Schlepptau, während zwei Fischer mit Kübeln Wasser aus dem Rumpf schöpfen.

Oberhalb des Hafens liegt das Restaurant Falucho auf einer kleinen Landzunge. Von hier aus können wir das weitere Geschehen beobachten und gleichzeitig eine Pause von der Fahrt einlegen.

Zurück in Praia fahren wir noch zum Leuchtturm Ponta Temerosa. Zu unserer Überraschung stehen oben mehrere Besucher und fotografieren.

Wir waren noch nie auf einem Leuchtturm und rechnen eigentlich nicht damit, dass man diesen besichtigen kann. Doch Besucher sind willkommen. Also steigen wir über eine Wendeltreppe hinauf zum großen Scheinwerfer, der den Schiffen noch heute den sicheren Weg in die Bucht weist.

Oben bläst der Wind besonders stark. Das Geländer ist an manchen Stellen so stark verrostet, dass wir ihm lieber nicht zu nahe kommen. Der Blick über das Meer ist dennoch großartig.

Weißer Leuchtturm Ponta Temerosa an der Küste von Praia
Überraschender Besuch bei dieser Kapverden Rundreise: Der Leuchtturm Ponta Temerosa steht für Besucher offen.

5. Jänner 2015: Besuch im Ethnografischen Museum von Praia

Direkt in der Fußgängerzone von Praia besuchen wir das Ethnografische Museum, das auf Portugiesisch Museu Etnográfico heißt.

Die Ausstellung ist überschaubar, zeigt aber einige interessante Exponate. Manche Gegenstände wurden erst wenige Jahre zuvor aus einem Schiffswrack geborgen, das auf dem Meeresgrund lag.

Besonders im Gedächtnis bleibt mir ein großer Kupfertopf. Er wurde vermutlich verwendet, um Essen für versklavte Menschen zuzubereiten, die von hier aus in die Kolonien transportiert wurden.

Die Kapverdischen Inseln spielten über lange Zeit eine wichtige Rolle im transatlantischen Sklavenhandel. Ihre Lage zwischen Afrika, Europa und Amerika machte sie zu einem bedeutenden Zwischenhandelsplatz.

Großer historischer Kupfertopf im Ethnografischen Museum von Praia
Der große Kupfertopf im Museu Etnográfico erinnert an die koloniale Geschichte der Kapverden und den transatlantischen Sklavenhandel.

Auf Santiago wurde außerdem Baumwolle angebaut und verarbeitet. Daraus entstanden sogenannte Panos – gewebte Stoffe mit geometrischen Mustern. Diese Tücher waren wertvoll, wurden als Kleidung oder Schmuck getragen und dienten teilweise sogar als Tauschware.

Am Nachmittag verlassen wir Santiago vorerst. Mit der Cabo Verde Fast Ferry fahren wir vom Hafen von Praia zu unserem nächsten Reiseziel unserer Kapverden Rundreise: zur Vulkaninsel Fogo.

Die Überfahrt dauert rund viereinhalb Stunden. Eigentlich wollten wir fliegen, doch wegen des Vulkanausbruchs Ende November ist der Flugverkehr nach Fogo eingestellt.

Die Fahrt mit der Schnellfähre wird allerdings alles andere als angenehm. Der Wellengang setzt uns ordentlich zu, und ich werde deutlich seekranker, als ich mir das vorher eingestehen möchte. Wie ich die Überfahrt erlebt habe, erzähle ich ausführlicher in meinem Beitrag „Seekrank? Ich doch nicht!“.

Oranger Rettungsring an Bord der Cabo Verde Fast Ferry Kriola
Der Rettungsring an Bord der Schnellfähre Kriola – auf der stürmischen Überfahrt nach Fogo ein durchaus beruhigender Anblick.

6. Jänner 2015: Am aktiven Vulkan Pico Pequeno

Nur sechs Wochen vor unserer Reise ist der Pico Pequeno auf Fogo ausgebrochen. Natürlich möchten wir wissen, wie nahe wir an den Vulkan herankommen.

Frühmorgens mieten wir ein Auto und fahren von São Filipe hinauf zur Caldeira. Dort befindet sich der Eingang zum Parque Natural do Fogo.

Medienberichten zufolge hat sich der Vulkan bereits etwas beruhigt. Wir hoffen deshalb, dass die Straße zumindest teilweise geöffnet ist und uns das Militär passieren lässt.

Tatsächlich stehen Sperrgitter auf der Straße. Eine Fahrbahn ist jedoch offen. Wir fahren weiter, bis sich vor uns ein mehrere Meter hoher Wall aus dunklem Vulkangestein über die Straße schiebt.

Es ist kaum vorstellbar, dass diese Gesteinsmassen erst wenige Wochen alt sind.

Rechts von uns erhebt sich der mehr als 2.800 Meter hohe Pico do Fogo. Der markante Vulkankegel ist das Wahrzeichen der Insel. Die Ausbrüche der vergangenen Jahrhunderte ereigneten sich jedoch an anderen Stellen innerhalb der Caldeira.

1995 hatte es hier einen größeren Ausbruch gegeben. Am 23. November 2014 begann erneut Lava zu fließen.

Während wir in der Vulkanlandschaft stehen, hören wir den Pico Pequeno immer wieder schnauben. Gelegentlich fliegen auch Gesteinsbrocken in die Höhe. Das tiefe Grummeln hallt an den Felswänden des Kraterrandes wider.

Wir sind beeindruckt, aber auch nervös. Noch nie zuvor waren wir einem aktiven Vulkan so nahe gekommen.

Rauch steigt aus dem aktiven Pico Pequeno auf der Insel Fogo auf
Nur wenige Wochen nach dem Ausbruch steigt noch immer Rauch aus dem Pico Pequeno auf.

Noch ausführlicher und persönlicher habe ich diesen Tag in meinem Beitrag „Fogo heißt Feuer“ auf Reisenotizen festgehalten. Darin erzähle ich vom zerstörten Dorf in der Caldeira, der verschütteten Straße und von dem merkwürdigen Grummeln, das aus dem Inneren des Vulkans zu kommen schien.

São Filipe: Eine Stadt zum Bleiben

Nach einer mehrstündigen Rundfahrt über die Insel bleibt uns noch etwas Zeit, um São Filipe zu erkunden.

Viele der alten Häuser sind gut erhalten oder wurden erst vor Kurzem renoviert. Andere stehen leer oder zum Verkauf. Dazwischen entdecken wir kleine Geschäfte und chinesische Händler, wie wir sie auch auf den anderen kapverdischen Inseln noch sehen werden.

Einige Restaurants und Cafés sind besonders stimmungsvoll eingerichtet. Nach diesem aufregenden Tag würden wir am liebsten noch ein paar Tage bleiben, die Erlebnisse verarbeiten und irgendwo mit einem guten Buch sitzen.

Doch viel Zeit bleibt uns leider nicht. Bereits am nächsten Tag geht es mit der Fähre zurück nach Santiago, dem nächsten Stopp unserer Kapverden Rundreise.

Gepflasterte Straße mit bunten Häusern und kleinen Geschäften in São Filipe auf Fogo
Bunte Häuser, kleine Geschäfte und gepflasterte Straßen prägen das Zentrum von São Filipe.

7. Jänner 2015: Immer den Horizont fixieren

Die Cabo Verde Fast Ferry benötigt rund vier Stunden für die Überfahrt von Fogo nach Santiago.

Das Schnellboot ist zwar schneller als eine herkömmliche Fähre, hat aber einen entscheidenden Nachteil: Es liegt nicht besonders tief im Wasser und reitet regelrecht auf den Wellen.

Im Inneren verspricht eine Tafel den Passagieren einen „Relaxing Trip“.

Eine Weile fahren wir noch im Schutz der Küste von Fogo. Der hohe Vulkankegel ist gut zu erkennen. Sogar den Rauch des kleineren, aktiven Kegels können wir noch sehen.

Doch sobald wir den windgeschützten Bereich verlassen, ist es mit der entspannten Reise vorbei.

Der Wellengang wird stärker. Das Schnellboot schlägt unaufhörlich auf den Wellen auf. Anders als bei der Hinfahrt entscheide ich mich diesmal, draußen zu bleiben, und verzichte auf meinen Sitzplatz im großen Aufenthaltsraum, in dem etwa 160 Passagiere Platz finden.

„Immer den Horizont fixieren“, hatte mir einmal ein alter Seemann geraten. So könne sich das Gleichgewichtssystem besser orientieren und die Seekrankheit möglicherweise verhindert werden. Bei der Hinfahrt hätte ich diesen Rat ebenfalls beherzigen können – aber im Nachhinein ist man bekanntlich immer klüger.

Diesmal halte ich mich daran.

Also schaue ich stundenlang auf den Horizont.

Im Aufenthaltsraum werden währenddessen bereits die Spucksäckchen verteilt. Crewmitglieder tauschen volle gegen leere aus und helfen älteren Passagieren auf dem Weg zur Toilette. Bei diesem Wellengang erscheint schon das Gehen beinahe unmöglich.

Irgendwann erkennen wir am Horizont endlich die Umrisse von Santiago. Nach vier anstrengenden Stunden ist die Überfahrt geschafft.

Und tatsächlich: Diesmal bleibe ich von der Seekrankheit verschont.

Blick von der Fähre auf die Vulkaninsel Fogo mit dem Pico do Fogo im Hintergrund
Während der Überfahrt nach Santiago bleibt der markante Vulkankegel von Fogo noch lange am Horizont sichtbar.

Ein tragischer Nachtrag

Am folgenden Tag sank die Fähre Vicente etwa drei Kilometer vor der Küste Fogos. Von Santiago aus hatte ich sie noch am Horizont auf ihrer Fahrt gesehen.

An Bord befanden sich 26 Menschen, 15 von ihnen starben. In den europäischen Medien wurde über das Unglück kaum berichtet.

8. Jänner 2015: Cidade Velha, die älteste Stadt der Kapverden

Cidade Velha bedeutet übersetzt „alte Stadt“. Im 15. Jahrhundert gründeten die Portugiesen im Süden Santiagos die Siedlung Ribeira Grande. Sie gilt als erste dauerhaft von Europäern errichtete Stadt südlich der Sahara.

Mit einem Taxi fahren wir zum Forte Real de São Filipe, wo wir unseren Rundgang beginnen.

Die Festung wurde auf einem Hügel etwa 100 Meter über der Stadt errichtet und sollte Ribeira Grande vor Angriffen schützen. Dennoch wurde die Stadt 1712 von Freibeutern eingenommen und weitgehend zerstört. Die Festungsanlage wurde später restauriert.

Steinmauern des Forte Real de São Filipe oberhalb von Cidade Velha auf Santiago
Das Forte Real de São Filipe thront auf einem Hügel über Cidade Velha und sollte die Stadt vor Angriffen schützen.

Über eine steile Treppe gehen wir hinunter in Richtung Meer. An dieser Stelle stand einst eine große Kathedrale. Für die Portale und Fenstereinfassungen wurden vor mehr als 400 Jahren eigens Kalksteine aus Portugal herangeschafft.

Die Sonne und der starke Wind machen uns müde, hungrig und durstig. Direkt am Meer finden wir ein gemütliches Lokal. Wir strecken die Füße in den Sand, essen frischen Fisch und beobachten die Fischer bei ihrer Arbeit.

Mitten auf dem zentralen Platz steht ein alter Pranger aus weißem Marmor. Er erinnert an eines der dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte. Hier wurden Menschen bestraft, ausgepeitscht und versklavte Personen zum Verkauf angeboten.

Historischer Pranger aus hellem Stein auf dem Hauptplatz von Cidade Velha
Der Pranger auf dem zentralen Platz erinnert an den Sklavenhandel und eines der dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte.

Rund um den Platz stehen hübsch renovierte Häuser und einige Restaurants.

Danach spazieren wir durch die Rua Banana, eine der ältesten Straßen von Cidade Velha. Die traditionellen Steinhäuser wurden mit Unterstützung der UNESCO renoviert. Beim Spaziergang lässt sich noch erahnen, wie die frühe Siedlung ausgesehen haben könnte.

Zum Abschluss kämpfen wir uns gegen den Wind hinauf zum ehemaligen Franziskanerkloster Convento de São Francisco.

Die ersten Franziskanermönche kamen bereits im 15. Jahrhundert nach Ribeira Grande. Auch diese Anlage wurde in den vergangenen Jahren restauriert. Von hier oben bietet sich uns ein wunderschöner Blick über die Landschaft bis zum Meer.

Historische Klosteranlage Convento de São Francisco zwischen Palmen in Cidade Velha
Die restaurierten Mauern des ehemaligen Franziskanerklosters liegen etwas oberhalb von Cidade Velha.

9. und 10. Jänner 2015: Mindelo auf São Vicente

Neue Insel, neue Welt. Unsere Kapverden Rundreise führt uns auf die Insel São Vicente.

Mindelo liegt in einer großen, geschützten Bucht und ist die größte Stadt der Insel São Vicente. Nach Praia zählt sie zu den bedeutendsten Städten des Landes.

Wir fühlen uns hier sofort wohl.

Im Zentrum rund um die Rua Lisboa reihen sich gemütliche Bars, Cafés und Restaurants aneinander. Beinahe überall erklingen die Lieder der berühmten kapverdischen Sängerin Cesária Évora, die in Mindelo geboren wurde.

Natürlich gibt es auch einen Fischmarkt. Und natürlich drehen wir dort mehrere Runden.

Thunfische und Schwertfische von beeindruckender Größe werden im Ganzen oder portionsweise verkauft. Dazwischen entdecken wir bunte Fische, Tintenfische und Muscheln. Der Fang stammt von den kleinen Fischerbooten, die unmittelbar neben dem Markt anlegen.

Gleich daneben befindet sich der Torre de Belém. Wir steigen die Stufen zur Aussichtsplattform hinauf. Im Inneren gibt es ein kleines Museum, doch der eigentliche Grund für unseren Besuch ist der Blick über die Stadt und die Bucht.

Der Turm ist eine Nachbildung des berühmten Torre de Belém in Lissabon, der als Symbol der portugiesischen Seefahrtsgeschichte gilt.

Mindelo wirkt multikulturell, entspannt und weltoffen. Ältere Männer sitzen am Straßenrand, unterhalten sich mit Vorübergehenden und scheinen jeden zu kennen.

Die geschützte Bucht war über lange Zeit ein wichtiger Zwischenstopp für Handelsschiffe auf dem Weg zwischen Europa und Südamerika. Seeleute aus aller Welt kamen in den Hafen.

Heute legen weniger Handelsschiffe an. Dafür besuchen zunehmend Kreuzfahrtschiffe die Stadt.

Im Yachtclub gehen wir über einen schwankenden Steg und fotografieren Segelboote und Katamarane, viele davon unter europäischen Flaggen.

Blick über die Bucht von Mindelo mit Strand, Hafen und Segelbooten auf São Vicente
Von oben reicht der Blick über die geschützte Bucht, den Hafen und die Uferpromenade von Mindelo.

11. Jänner 2015: Mit der Fähre nach Santo Antão

Um sieben Uhr morgens stehen wir am Hafenschalter und kaufen unsere Tickets für die Überfahrt nach Santo Antão.

Saharasand liegt in der Luft. Der Himmel ist diesig und staubig. Die Sonne hat Mühe, durch diese dichte Wand aus Sand zu dringen.

Nach etwa 80 Minuten erreicht die Fähre Porto Novo auf Santo Antão.

Mit einem Aluguer fahren wir gemeinsam mit anderen Reisenden entlang der Küste bis in den Norden der Insel.

Schon der erste Eindruck ist grandios. Die Berge ragen steil aus dem Meer. Auf der einen Seite brechen die Wellen des Atlantiks gegen die Küste, auf der anderen Seite erheben sich hohe Gipfel.

In Ponta do Sol spazieren wir durch den Ort und planen die kommenden Tage.

Der ehemalige Fischerort scheint langsam aus seinem Dornröschenschlaf zu erwachen. Immer mehr Reisende kommen hierher, neue Pensionen entstehen und zusätzliche Restaurants öffnen.

Wandern gehört zwar nicht unbedingt zu unseren größten Leidenschaften. Trotzdem haben wir unsere Bergschuhe eingepackt. Denn Santo Antão will zu Fuß entdeckt werden.

Zwei Wanderungen stehen auf unserem Programm. Bevor es losgeht, versorgen wir uns mit ausreichend Trinkwasser.

Die Straßen von Ponta do Sol führen zwischen den Häusern direkt auf die steile Berglandschaft Santo Antãos zu.

12. Jänner 2015: Küstenwanderung nach Cruzinha da Garça

Mit dem Sonnenaufgang starten wir zur Küstenwanderung von Ponta do Sol nach Cruzinha da Garça. Der alte Pflasterweg führt hoch über dem Atlantik durch die spektakuläre Berglandschaft von Santo Antão und an den Dörfern Fontainhas und Corvo vorbei.

Nach rund sechs Stunden erreichen wir müde, aber glücklich Cruzinha da Garça. Für den Rückweg nehmen wir ein Aluguer nach Ponta do Sol.

Den ausführlichen Bericht über die Strecke, unsere vielen Fotopausen und die müden Beine gibt es in meinem Beitrag „Wandern auf den Kapverden“.

Eine Frau beim Wandern auf den Kapverden
Wanderstöcke schaden nicht, auch nicht auf den Kapverden

13. Jänner 2015: Durch das grüne Paul-Tal

Mehrere Reiseführer empfehlen eine Wanderung durch das Paul-Tal.

Die klassische Route beginnt oben am Vulkankrater Cova de Paúl. Zunächst geht es etwa eine Stunde steil bergab, danach führt der Weg durch das Tal bis zum Meer.

Unsere Beine sind von der Küstenwanderung noch ziemlich müde. Auch unseren Knien möchten wir den steilen Abstieg ersparen. Deshalb drehen wir die Tour kurzerhand um.

Wir starten auf Meereshöhe in Vila das Pombas und gehen die gepflasterte Straße talaufwärts.

Das Paul-Tal gilt als eine der fruchtbarsten Regionen Santo Antãos. Während andere Teile der Insel seit Monaten keinen Regen gesehen haben, fließt hier Wasser durch die Talsohle. Sogar ein paar Regentropfen spüren wir.

Links und rechts wachsen Bananen, Papayas und Zuckerrohr. Auf der Straße sind nur selten Fahrzeuge unterwegs. Ab und zu kommt ein Sammeltaxi vorbei, ansonsten können wir ungestört über die Pflastersteine bergauf marschieren.

Nach etwa drei Stunden erreichen wir die Bar O Curral. Hier hat sich ein Österreicher niedergelassen und stellt aus dem Zuckerrohr der Umgebung hochwertigen Zuckerrohrschnaps her.

Auf den Kapverden wird dieser Schnaps Grogue genannt.

Bevor wir mit der Verkostung beginnen, essen wir selbst gemachte Aufstriche aus Ziegenkäse und Linsen sowie eine pikante Creme, die uns ein wenig an Liptauer erinnert.

Danach probieren wir verschiedene Sorten Grogue. Die stärkste Variante hat mehr als 80 Prozent Alkohol. Viel mehr als Schärfe können wir dabei ehrlich gesagt nicht erkennen.

Schließlich kaufen wir einen Liter eines in Eichenfässern gereiften Grogues mit etwa 40 Prozent Alkohol.

Der Rückweg fällt uns danach erstaunlich leicht.

Verschiedene Flaschen mit Grogue stehen auf einem Tisch
Verkostung von Grogue auf den Kapverden

14. Jänner 2015: Wie Grogue hergestellt wird

Zuckerrohr haben wir inzwischen fast überall auf Santo Antão gesehen. Es wächst nicht auf großen, ebenen Feldern, sondern auf kleinen Terrassen in den steilen Tälern.

Die Ernte ist entsprechend mühsam.

Seit Jahrhunderten wird auf der Insel aus Zuckerrohr Grogue hergestellt. Heute besuchen wir eine mittelgroße Brennerei.

Schon von Weitem rieche ich den gärenden Zuckerrohrsaft. Zwei Männer schieben die langen Zuckerrohrstängel durch eine Presse. Der austretende Saft wird in große Holzfässer geleitet.

Dort bleibt er mehrere Tage stehen und beginnt zu fermentieren. Die braune Flüssigkeit sieht nicht gerade appetitlich aus. Es ist kaum zu glauben, dass daraus später ein klarer Schnaps entstehen soll.

Nach der Fermentation wird die Flüssigkeit in Kupferkesseln destilliert. Zum Beheizen werden unter anderem getrocknete Zuckerrohrblätter verwendet.

An diesem Tag wird vor allem Zuckerrohr gepresst. Die Fässer werden gereinigt und für den nächsten Einsatz vorbereitet.

Fertigen Grogue kann man hier leider nicht kaufen. Das Prädikat „handgemacht“ hat er aber auf jeden Fall verdient.

Zwei Männer vor einer Zuckerrohrpresse, ein Stopp bei unserer Kapverden RUndreise
Das herstellen von Grogue ist schwere Arbeit.

Über die Bergstraße nach Porto Novo

Später erkunden wir Santo Antão mit einem gemieteten Taxi weiter.

Das Wetter bleibt leider dunstig. Unsere Erwartungen sind deshalb nicht besonders groß, obwohl die Route über eine der schönsten Bergstraßen der Kapverden führen soll.

Die Pflasterstraße steigt bis auf rund 1.500 Meter Höhe an und verläuft teilweise direkt über einen schmalen Berggrat. An der engsten Stelle scheint der Kamm kaum breiter als die Straße zu sein.

Rechts und links geht es fast senkrecht mehrere Hundert Meter hinunter. Der Nebel verbirgt einen Teil der Tiefe – vielleicht ist das gar nicht so schlecht.

Auf dem Bergkamm besuchen wir das Dorf Später erkunden wir Santo Antão mit einem gemieteten Taxi weiter.

Das Wetter bleibt leider dunstig. Unsere Erwartungen sind deshalb nicht besonders groß, obwohl die Route über eine der schönsten Bergstraßen der Kapverden führen soll.

Die Pflasterstraße steigt bis auf rund 1.500 Meter Höhe an und verläuft teilweise direkt über einen schmalen Berggrat. An der engsten Stelle scheint der Kamm kaum breiter als die Straße zu sein.

Rechts und links geht es fast senkrecht mehrere Hundert Meter hinunter. Der Nebel verbirgt einen Teil der Tiefe – vielleicht ist das gar nicht so schlecht.

Auf dem Bergkamm besuchen wir das Dorf Pico da Cruz. Die Straße führt durch dichte Wolken. Der starke Wind und der Nebel verleihen der Landschaft eine beinahe gespenstische Stimmung.

Ein Auto steht an einer Strasse
Verwunschenes Kapverden

Gespenstisch wirkt später auch Porto Novo.

Der Ort ist vor allem der Fährhafen Santo Antãos. Sobald eine Fähre abgelegt hat und die ankommenden Reisenden verschwunden sind, kehrt Ruhe ein.

Menschen lehnen vor Hausmauern, der Wind pfeift durch die Straßen und Sand wird durch die Luft geweht. Porto Novo erinnert uns an die Kulisse eines alten amerikanischen Westerns.. Die Straße führt durch dichte Wolken. Der starke Wind und der Nebel verleihen der Landschaft eine beinahe gespenstische Stimmung.

Kind spielt in einer gepflasterten Straße von Porto Novo auf Santo Antão
Eine ruhige Alltagsszene in den gepflasterten Straßen von Porto Novo.

15. Jänner 2015: Rundfahrt über São Vicente

Mit der Morgenfähre fahren wir zurück nach São Vicente. Bis zu unserem Weiterflug nach Sal bleiben uns noch etwa vier Stunden.

Mit dem Gepäck noch einmal nach Mindelo zu fahren, reizt uns nicht besonders. Also mieten wir spontan ein Aluguer samt Fahrer und erkunden weitere Teile der Insel.

Besonders beeindruckend ist die Ostküste.

Hier wird feiner Saharasand vom afrikanischen Festland über den Atlantik getragen und auf der Insel abgelagert. Die Straße führt direkt an hellen Dünen entlang und teilweise sogar mitten durch sie hindurch.

Der helle Sand bildet einen starken Kontrast zum schwarzen vulkanischen Gestein São Vicentes.

Unser letzter Stopp ist São Pedro, ein Fischerort in der Nähe des Flughafens.

Auf dem Hauptplatz werden gerade zwei neue Fischerboote aus Holz gebaut. Am Strand sitzt ein Fischer und repariert sein Netz.

Wäre der Wind nicht so stark und hätten wir mehr Zeit, könnten wir uns gut vorstellen, hier ein oder zwei Nächte zu verbringen.

Doch unser Flug wartet.

Beim Abschied fragen wir uns, ob wir jemals auf diese Insel zurückkehren werden.

Mehrere Männer bauen ein neues hölzernes Fischerboot in São Pedro auf São Vicente.
In São Pedro entsteht direkt im Ort ein neues Fischerboot in traditioneller Handarbeit.

16. Jänner 2015: Salz, Sonne, Wind und Sand auf Sal

Unsere letzte Station der Kapverden Rundreise ist Sal. Der Name der Insel bedeutet auf Portugiesisch „Salz“ – passend zur Saline Pedra de Lume, die in einem alten Vulkankrater liegt.

Wir besuchen die stillgelegte Industrieanlage, sehen verrostete Fahrzeuge und baden im stark salzhaltigen Wasser der Saline. Der Auftrieb ist so stark, dass wir kaum untergehen können.

Sal zeigt sich deutlich touristischer als die anderen Inseln unserer Reise. Besonders Santa Maria wirkt auf uns weniger persönlich. Gleichzeitig verstehen wir schnell, weshalb die Insel bei Kitesurfern so beliebt ist: Der Wind scheint hier niemals Pause zu machen.

Mehr über die Saline Pedra de Lume, Santa Maria und unsere Eindrücke von der Insel erzähle ich in meinem ausführlichen Beitrag „Sal auf den Kapverden: Zwischen Salz, Wind und Kitesurfern“.

Salzmine auf der Insel Sal, der letzte Stopp unserer Kapverden Rundreise
Die stillgelegte Saline liegt in der Caldera eines erloschenen Vulkans.

Fünf Inseln und fünf verschiedene Welten

Die Kapverdischen Inseln haben viele Gesichter.

Santiago zeigte mir Märkte, koloniale Geschichte und den Alltag in Praia. Auf Fogo stand ich nur wenige Wochen nach einem Ausbruch vor einem aktiven Vulkan. São Vicente begeisterte mich mit der Musik und entspannten Atmosphäre Mindelos. Santo Antão forderte mich mit seinen Wanderwegen heraus und belohnte mich mit spektakulären Landschaften. Sal zeigte mir zum Abschluss eine touristischere Seite des Landes.

Unsere Kapverden Rundreise hat uns fünf Inseln gezeigt, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Vier weitere bewohnte Inseln warten noch darauf, von mir entdeckt zu werden.

Wann darf ich wiederkommen?

Felsformation auf den Kapverden, Kapverden Rundreise
Unsere Kapverden Rundreise hat uns gezeigt, wie unterschiedlich die einzelnen Inseln sind.

Unsere Kapverden Rundreise im Überblick

  • Reisezeit: 1. bis 16. Jänner 2015
  • Besuchte Inseln: Santiago, Fogo, São Vicente, Santo Antão und Sal
  • Fortbewegung: Inlandsflug, Fähren, Mietwagen, Taxi und Aluguer
  • Reisestil: individuell organisiert
  • Höhepunkte: Pico Pequeno, Cidade Velha, Mindelo und Santo Antão
  • Herausforderung: die Fährüberfahrten

Reisebloggerin Gudrun Krinzinger auf Kapverden Rundreise

📍 Persönlich besucht

Für diesen Beitrag waren wir im Jänner 2015 zwei Wochen auf den Kapverden unterwegs. Wir besuchten Santiago, Fogo, São Vicente, Santo Antão und Sal und organisierten die Reise individuell mit Fähren, Flügen, Mietwagen und Aluguers.

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GUDRUN KRINZINGER

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Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.

Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.

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