Wandern in Liechtenstein: Mit Wander-Kathi vom Berg ins Tal
Liechtenstein hatte ich bisher nicht unbedingt als klassische Wanderdestination auf dem Radar. Dabei braucht es von Vaduz aus gar nicht lange, und man befindet sich mitten in der Bergwelt. Genau das durfte ich selbst erleben – bei einer geführten Wanderung mit Katharina, besser bekannt als Wander-Kathi.
Gerade wenn ich eine Gegend noch nicht kenne, bin ich gerne mit einem Wanderguide unterwegs. Ich finde es angenehm, einfach mitgehen zu können, ohne ständig auf den Weg achten zu müssen. Und meistens erfährt man dabei auch Dinge über die Region, an denen man alleine vermutlich einfach vorbeigegangen wäre.

Von Vaduz mit dem Bus hinauf nach Gaflei
Unser Wandertag begann mitten in Vaduz. Statt ins Auto stiegen wir in den Bus und fuhren hinauf in die Berge. In Triesenberg wechselten wir den Bus und setzten unsere Fahrt bis nach Gaflei fort.
Unten in Vaduz war der Himmel zunächst noch recht blau gewesen, weiter oben zogen bereits mehr Wolken auf. Und innerhalb relativ kurzer Zeit waren wir aus dem Hauptort des Fürstentums mitten in der Bergwelt angekommen.
Wander-Kathi hat dafür einen schönen Ausdruck: Sie nennt diese Welt das „Bergwunderland“.
„Wenn man den Berg hochfährt und durch den Tunnel fährt, ist man in einer komplett anderen Welt“, erzählt sie. „Ich sage immer: Wenn man da durchfährt, ist man im Bergwunderland.“
Diese kurzen Distanzen machen für sie einen wesentlichen Reiz beim Wandern in Liechtenstein aus. „Man kann morgens noch gemütlich einen Kaffee trinken und kurze Zeit später steht man schon auf einem Berg und hat das Gefühl, ganz weit weg zu sein.“

Aussicht über das Rheintal
Von der Bushaltestelle in Gaflei spazierten wir zunächst zum Aussichtsturm. Von hier oben öffnet sich der Blick weit über das Rheintal. Wander-Kathi erklärte uns, was wir vor uns sahen, bevor wir wieder zurückgingen und unsere eigentliche Wanderung begannen.
Auf dieser Wanderung ging es weniger um große sportliche Herausforderungen, die Tour war angenehm und gemütlich zu gehen. Es blieb genügend Zeit, um die Landschaft wahrzunehmen. Immer wieder öffneten sich schöne Blicke auf die umliegenden Berge – und Wander-Kathi konnte uns erklären, was wir gerade sahen.
Ich selbst blieb auch immer wieder wegen der vielen Blumen stehen.

Wandern in Liechtenstein: klein, aber unglaublich vielfältig
Dass man in Liechtenstein so schnell vom Tal mitten in die Berge gelangt, ist für Wander-Kathi etwas ganz Besonderes.
„Ich würde nicht sagen, dass es komplett anders ist als in Österreich oder der Schweiz. Wir haben natürlich dieselbe wunderschöne Alpenwelt. Aber Liechtenstein hat einfach diesen unfassbaren Charme. Es ist klein und unglaublich kompakt.“
Auf kleinstem Raum gebe es einfache, mittelschwere und anspruchsvolle Touren. „Es ist für jeden etwas dabei, obwohl wir so ein kleines Land sind.“
Und noch etwas fiel mir auf unserer Wanderung auf: Die Wanderwege sind wirklich hervorragend beschildert.
Auch Wander-Kathi bestätigt diesen Eindruck. Sie ist unter anderem bereits in Rumänien, Italien und Frankreich gewandert und schätzt das Liechtensteiner Wegenetz sehr: „In Liechtenstein ist das Wanderwegenetz extrem gut ausgebaut.“
Besonders praktisch findet sie, dass sich viele Wege miteinander kombinieren lassen. Dadurch könne man sowohl kurze zweistündige Wanderungen als auch Tages- oder Mehrtagestouren planen.


Käse kaufen bei der Alpgenossenschaft Triesenberg
Unsere Wanderung führte uns weiter in Richtung Steg. Unterwegs kamen wir bei der Alpgenossenschaft Triesenberg vorbei – und natürlich konnte ich der Gelegenheit nicht widerstehen, Käse einzukaufen.
Solche kleinen Zwischenstopps mag ich bei Wanderungen besonders. Es geht nicht darum, möglichst schnell von A nach B zu kommen. Man bleibt stehen, probiert etwas Regionales oder nimmt – wie in unserem Fall – ein Stück Liechtenstein in Form von Käse mit nach Hause.
Und wenn wir schon beim Essen sind: Wer Liechtenstein besucht, sollte laut Wanderkati unbedingt noch eine andere Spezialität probieren.
„Wer in Liechtenstein ist und die Möglichkeit hat, sollte unbedingt Käsknöpfle probieren. Das ist unsere Spezialität.“
Überhaupt gehört für sie der kulinarische Teil zum Wandern dazu: „Nach einer Wanderung schmeckt ja sowieso alles super lecker – ob eine Hüttenspezialität, ein kühles Getränk oder etwas Süßes. Das gehört für mich genauso zum Bergerlebnis wie der Gipfel.“

Grosssteg und die Bergwelt rund um Steg
Von Gaflei ging es nach und nach hinunter Richtung Steg und unterwegs gab es immer wieder etwas zu sehen. Schöne Ausblicke auf die Berge, viele Blumen am Weg und natürlich die Erklärungen von Wander-Kathi. Genau so mag ich Wanderungen – ich möchte die Landschaft genießen, fotografieren und mir auch die Zeit nehmen können, zwischendurch einfach einmal stehen zu bleiben.
Von unserem Wanderweg aus blickten wir von oben auf Grosssteg. Die Siedlung ist Teil einer über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft, die von der traditionellen Vieh- und Alpwirtschaft geprägt wurde. Die Hütten, Wiesen und Weiden erzählen bis heute von dieser alten Form der Bewirtschaftung. Von oben konnte man diese besondere Siedlungsstruktur richtig schön erkennen.

Hinunter zum Stausee Steg und Gänglesee
Schließlich erreichten wir den Stausee Steg und machten dort noch eine etwas längere Runde. Ganz in der Nähe liegt auch der kleine Gänglesee.
Spätestens hier war endgültig Zeit für den gemütlichen Teil unserer Wanderung. Wir machten Pause, jausneten und genossen die Umgebung am Wasser.
Anschließend kehrten wir im Restaurant Seeblick ein, wo wir uns Kaffee und Kuchen gönnten. Besonders lustig wurde es, als uns der Wirt ein liechtensteinisches Wörterbuch in die Hand drückte. Von einem einheimischen Gast bekamen wir Nachhilfe im Liechtensteiner Dialekt. Wir versuchten uns an Aussprache und Bedeutung der Wörter – und hatten dabei jede Menge zu lachen.
Danach mussten wir nicht einmal mehr zu unserem Ausgangspunkt zurückwandern. Wir stiegen in Steg einfach in den Bus und fuhren zurück nach Vaduz um uns noch weitere Sehenswürdigkeiten von Liechtenstein anzusehen.


Wandern ohne Auto funktioniert erstaunlich gut
Dass unsere gesamte Tour mit öffentlichen Verkehrsmitteln funktioniert hat, fand ich besonders angenehm. Und offenbar war das keineswegs eine Ausnahme.
„Ich mache die meisten Wanderungen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln“, erzählt Wanderkati. „Viele Ausgangspunkte liegen an Bushaltestellen und sind sehr gut zugänglich.“
Auch bei ihren geführten Touren schätzt sie das: Die Gäste können morgens mit dem Bus anreisen, wandern und anschließend wieder entspannt zurückfahren. Kein Parkplatzsuchen und vor allem kein Autofahren mit müden Beinen nach einer längeren Tour.
Unsere Wanderung war dafür das beste Beispiel: Vaduz – Triesenberg – Gaflei, zu Fuß hinunter nach Steg und anschließend mit dem Bus zurück nach Vaduz.
Insgesamt waren wir ungefähr vier Stunden unterwegs, wobei wir uns viel Zeit ließen.

Wander-Kathies Lieblingstouren in Liechtenstein
Unsere Tour war bewusst gemütlich gewählt. Wer mehr Herausforderung sucht, findet in Liechtenstein aber genügend Möglichkeiten.
Wander-Kathi selbst fällt es schwer, nur eine Lieblingswanderung zu nennen. Besonders am Herzen liegt ihr der Rappenstein. Die Tour ist teilweise alpin und schwierigere Passagen sind mit einem Drahtseil gesichert.
„Die Kombination aus Berglandschaft, Weitblick und dem Gefühl, wirklich unterwegs zu sein, ist einfach unfassbar schön.“
Und selbst wenn sie dieselbe Tour immer wieder geht, wird es für sie nicht langweilig: „Das ist für mich das Schöne am Wandern: Man geht zwar denselben Weg, erlebt ihn aber nie zweimal genau gleich.“
Auch der Fürstensteig beeindruckt sie immer wieder. Wenn sie dort über das Rheintal blickt und gleichzeitig die Berge vor und hinter sich sieht, bleibt selbst sie als Einheimische stehen.
„Es gibt diese Momente, in denen ich immer wieder denke: Ich wohne im Paradies. Es ist so unglaublich, dass ich hier zu Hause bin.“
Für erfahrenere Bergwanderer empfiehlt sie außerdem die Drei Schwestern. Dort wird es deutlich alpiner: karge Felsen, ausgesetzte Stellen, Leitern und Seile. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Bergerfahrung sind erforderlich.
Wer es gemütlicher angehen möchte, findet beispielsweise in Malbun schöne Möglichkeiten. Wanderkati empfiehlt unter anderem den Alperzweg als Panoramaweg. Familien können sich den Sass-Seele-Weg ansehen, der mit entsprechender Kondition sogar mit Kinderwagen machbar ist.

Was gehört in den Wanderrucksack?
Egal ob gemütliche Wanderung oder anspruchsvollere Bergtour: Bei der Ausrüstung gibt es für Wander-Kathi ein paar Dinge, über die sie nicht diskutiert.
An erster Stelle stehen gute Wanderschuhe mit Profil. Dazu kommen der Tour entsprechende Kleidung, ausreichend Wasser, etwas zu essen und Sonnenschutz.
Wander-Kathi selbst hat außerdem ein Erste-Hilfe-Set, Rettungsdecke und Biwaksack im Rucksack. Und bei einem Punkt wird sie besonders deutlich: Regenschutz.
„Eine Regenjacke gehört für mich immer dazu. Auch wenn am Anfang die Sonne scheint und es warm ist: Ich habe immer einen Regenschutz dabei. Immer. Immer.“
Wie schnell sich das Wetter in den Bergen verändern kann, hatte sie übrigens erst an dem Tag erlebt, an dem sie meine Interviewfragen beantwortete: Am Rappenstein braute sich auf dem Gipfel ein Gewitter zusammen – und Wander-Kathi machte sich „ratzfatz“ an den Abstieg.

Warum ich einen Wanderguide empfehlen kann
Ich bin auch in anderen Regionen gerne mit einem Wanderguide unterwegs, wenn ich die Gegend noch nicht kenne. Unsere Wanderung in Liechtenstein hat mir wieder gezeigt, warum.
Natürlich könnte man viele der Wege problemlos selbst gehen – die Beschilderung ist ausgezeichnet. Aber mit einem einheimischen Guide erlebt man eine Landschaft anders. Wander-Kathi wusste nicht nur, wo wir entlanggehen mussten, sie konnte uns erzählen, welche Berge wir sehen, uns auf Besonderheiten am Weg aufmerksam machen und uns ihr Liechtenstein aus ihrer ganz persönlichen Perspektive zeigen.
Genau das ist der Unterschied zwischen einer schönen Wanderung und einer Wanderung, an die man sich später noch besonders gerne erinnert.
Denn für Wander-Kathi geht es beim Bergwandern ohnehin um viel mehr als Kilometer und Höhenmeter. Besonders bewegen sie jene Momente, in denen Gäste einen Gipfel erreichen, den sie sich selbst vielleicht gar nicht zugetraut hätten.
„Wenn die Leute auf dem Gipfel stehen und merken, was sie aus eigener Kraft geschafft haben und dann einfach die Tränen fließen, weil sie sich das selbst gar nicht zugetraut hatten – das geht mir jedes Mal wieder ans Herz.“
Und wahrscheinlich beschreibt das ziemlich gut, was Wandern ausmachen kann: Manchmal ist das eigentliche Ziel eben nicht nur der Gipfel.

Unterwegs mit Wander-Kathi
Kathi nennt die Liechtensteiner Berge gerne „meine Berge“ – und nach unserer gemeinsamen Wanderung weiß ich auch, warum. Ihre Begeisterung für ihre Heimat ist ansteckend und genau diese möchte sie bei ihren Touren an ihre Gäste weitergeben. Sie will zeigen, wie wunderschön Liechtenstein ist und wie gut es tut, draußen unterwegs zu sein. Vielen Dank, liebe Kathi, für die schöne Wanderung, die vielen Einblicke und deine Zeit für meine Fragen!
Inspiration zum Wandern in Liechtenstein findet man auf ihrem Instagramkanal: Wander Kathi
Und das ist ihre Internetseite: Wander-Kathi – Durchatmen, Genießen, Auftanken

Wander-Kathi kennt „ihre Berge“ – wie sie sie selbst nennt – natürlich bestens.
Reisebloggerin Gudrun Krinzinger in Liechtenstein

📍 Persönlich besucht
Ich habe Liechtenstein im Mai 2026 persönlich besucht und bin gemeinsam mit Wander-Kathi von Gaflei nach Steg gewandert. Meine Eindrücke in diesem Artikel beruhen auf dieser Reise. Die Wandertipps kommen von Wander-Kathi.
Offenlegung: Ich wurde im Rahmen einer Pressereise nach Liechtenstein eingeladen. Meine Eindrücke und Empfehlungen bleiben davon unabhängig.
Wandern in Liechtenstein

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Wenn du nach Liechtenstein gleich die nächsten Wanderschuhe schnüren möchtest, findest du auf meinem Blog noch einige weitere Touren und Wanderideen. Manche führen durch Weinberge, andere durch beeindruckende Felslandschaften oder sogar mitten durch die Stadt. Vielleicht ist ja schon die nächste Wanderung für dich dabei:
GUDRUN KRINZINGER
Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.
Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.