Bihać in Bosnien: Sehenswürdigkeiten, Una und die Festung Sokolac
Bihać war einer unserer ersten Stopps auf unserer zweiwöchigen Rundreise durch Bosnien und Herzegowina mit dem Wohnmobil. Die Stadt liegt im Nordwesten des Landes, nur wenige Kilometer von der kroatischen Grenze entfernt – und direkt an der Una.
Genau dieser Fluss sollte uns in den nächsten Tagen noch ziemlich oft begleiten.
Bevor wir uns aber Bihać selbst angesehen haben, stand erst einmal eine Burg auf dem Programm. Und wenn es auf dieser Rundreise durch Bosnien eine Sache gab, die wir ziemlich schnell gelernt haben, dann diese: Im Hochsommer lohnt es sich, früh aufzustehen.
Also machten wir uns schon gegen sieben Uhr morgens auf den Weg zur Festung Sokolac.

Bihać auf einen Blick
Lage: Nordwesten von Bosnien und Herzegowina, nahe der Grenze zu Kroatien
Region: Una-Sana-Kanton
Fluss: Una
Bekannt für: Festung Sokolac, Fethija-Moschee, Kapitänsturm und die Una mitten in der Stadt
Zeit einplanen: 1 Tag
Mein Tipp: Das Museum im Kapitänsturm nicht auslassen – dort erfährt man viel über die Geschichte von Bihać und die zahlreichen Burgen der Region.
Aktivitäten: Stadtspaziergang, Festung Sokolac, Museum, Spaziergang an der Una, Rafting und Kajakfahren
Weiterreise: ideal als Ausgangspunkt für den Una-Nationalpark
Festung Sokolac bei Bihać
Die mittelalterliche Festung Sokolac liegt nur etwa drei Kilometer von Bihać entfernt auf einem Hügel oberhalb der Stadt.
Wir waren tatsächlich die ersten Besucher des Tages – eine gute Entscheidung, denn oben gibt es nicht besonders viel Platz zum Parken. Noch wichtiger war allerdings: Am frühen Morgen waren die Temperaturen noch halbwegs erträglich.
Die Festung, die in alten Quellen auch einfach Sokol genannt wird, wurde erstmals 1369 erwähnt. 1395 taucht sie in einer Urkunde als königliche Burg auf. Nach der osmanischen Eroberung Bihaćs kam auch Sokolac 1592 unter osmanische Herrschaft. Ende des 19. Jahrhunderts ließ der damalige Bezirksvorsteher Lothar von Berks die Anlage restaurieren und für Besucher öffnen.
Heute sind noch Teile der Befestigungsmauern und der mächtige Turm erhalten. Man kann durch die Anlage spazieren und auch auf den Turm hinaufsteigen.
Von oben blickten wir weit über die Landschaft rund um Bihać. Viel Grün, die Stadt unter uns – und irgendwo dazwischen die Una.

Mit dem Wohnmobil nach Sokolac
Mit unserem Wohnmobil sind wir bis zur Festung hinaufgefahren. Das funktioniert, allerdings wird die Straße auf den letzten Metern schmal und steil. Auch die Park- und Wendemöglichkeiten sind eingeschränkt.
Mit einem größeren Wohnmobil würde ich deshalb eher etwas weiter unten stehen bleiben und das letzte Stück zu Fuß gehen.
Wer überhaupt nicht hinauffahren möchte, kann Sokolac auch zu Fuß erreichen. Die örtliche Tourismusinformation beschreibt einen Weg durch den Wald zur Festung.
Sokolac ist längst nicht die einzige Burg rund um Bihać
Das habe ich erst später im Museum in Bihać gelernt.
Die gesamte Region war über Jahrhunderte Grenzgebiet, dementsprechend dicht war das Netz an Burgen, Türmen und Befestigungsanlagen. Die Stadt Bihać nennt unter anderem Orašac, Havala und Ostrovica; außerdem gehörten weitere Wehrbauten zur Verteidigungslinie rund um Bihać.
Sokolac ist also nur eine davon – allerdings eine, die sich relativ einfach besuchen lässt.
Nach unserem morgendlichen Burgenbesuch ging es hinunter in die Stadt.

Bihać – zuerst einmal Frühstück
Wir stellten das Wohnmobil unweit des Zentrums ab. Die Parkgebühr konnten wir glücklicherweise per App bezahlen – praktisch, denn passendes Kleingeld hatten wir am dritten Tag unserer Bosnien Rundreise leider noch nicht.
Da wir früh aufgebrochen waren, freuten wir uns schon auf ein bosnisches Frühstück und die Wahl an Kaffeehäusern in der Fußgängerzone machte uns die Auswahl schwer.
Danach spazierten wir durch die Stadt. Das Zentrum von Bihać ist überschaubar und die wichtigsten historischen Sehenswürdigkeiten liegen recht nah beieinander.

Ein bisschen Geschichte von Bihać
Bihać wird erstmals 1260 in einer Urkunde des ungarisch-kroatischen Königs Béla IV. erwähnt. Bereits 1262 erhielt der Ort die Rechte einer freien königlichen Stadt.
Über Jahrhunderte war die Stadt wegen seiner Lage von großer strategischer Bedeutung. Nach langem Widerstand wurde die Stadt 1592 von den Osmanen erobert und entwickelte sich zu einem wichtigen westlichen Stützpunkt des Osmanischen Reiches.
Von der ehemaligen Stadtbefestigung ist heute nur noch wenig erhalten. Dafür stehen im Zentrum einige Gebäude, an denen sich die verschiedenen Epochen Bihaćs ziemlich gut ablesen lassen.

Die Fethija-Moschee
Eines der auffälligsten Gebäude ist die Fethija-Moschee. Wir konnten sie nur von außen besichtigen – aber schon da sieht man, dass sie sich von anderen Moscheen unterscheidet.
Das hat einen einfachen Grund: Das Gebäude war ursprünglich eine christliche Kirche. Nach der Eroberung Bihaćs durch die Osmanen im Jahr 1592 wurde sie zur Moschee umgebaut. Die gotischen Bauelemente blieben teilweise erhalten. Der ursprüngliche Glockenturm wurde zunächst als Minarett genutzt und 1863 durch das heutige Minarett ersetzt.
Diese Mischung aus gotischer Kirche und Moschee macht die Fethija zu einer der ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten von Bihać.

Der einsame Glockenturm der Antoniuskirche
Nur ein paar Schritte weiter steht ein großer Glockenturm, doch die dazugehörige Kirche fehlt.
Die katholische Kirche des heiligen Antonius von Padua wurde Ende des 19. Jahrhunderts errichtet und 1894 fertiggestellt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Kirchenschiff komplett zerstört. Erhalten blieb nur der Glockenturm, der heute ziemlich markant in die Höhe ragt.

Daneben befindet sich das kleine steinerne Turbe, ein islamisches Mausoleum aus der österreichisch-ungarischen Zeit. Um seine Entstehung und die dort Bestatteten ranken sich mehrere Geschichten und Legenden.

Kapitänsturm: Dieses Museum würde ich nicht auslassen
Direkt vis-a-vis steht der Kapitänsturm – Kapetanova kula. Und hier würde ich wirklich empfehlen, hineinzugehen.
Von außen wirkt der Turm ziemlich imposant. Im Inneren befindet sich das Museum des Una-Sana-Kantons, und die Ausstellung verteilt sich über mehrere Stockwerke. Der genaue Zeitpunkt, an dem der Kapitänsturm erbaut wurde, ist nicht wirklich geklärt; er gehört aber zu den ältesten erhaltenen Gebäuden Bihaćs.
Da die Dame, die die Karten verkauft, gerade auf Mittagspause war, mussten wir ein wenig warten, bis wir hineinkonnten.

Das Museum selbst ist modern gestaltet und erzählt nicht nur die Geschichte von Bihać, sondern von der gesamten Region. Besonders interessant fand ich die historischen Karten – darunter Material aus dem Kriegsarchiv in Wien – und die Informationen über die Japoden, die lange vor den Römern und Slawen in dieser Gegend lebten.

Und dann waren da noch die Burgen.
Erst durch die Ausstellung wurde mir bewusst, wie viele befestigte Orte es rund um Bihać gab. Sokolac, wo wir wenige Stunden zuvor gestanden waren, war nur ein Teil eines ganzen Systems von Wehranlagen.
Mein Tipp für Bihać:
Auch wenn du nur wenig Zeit hast, würde ich den Kapitänsturm unbedingt einplanen. Das Museum ist überschaubar, sehr interessant aufbereitet und gibt einen guten Überblick über die Geschichte der Stadt und der gesamten Krajina.

Und dann ist da natürlich die Una
Die Una ist die Lebensader von Bihać. Sie fließt mitten durch die Stadt, und im Sommer spielt sich das Leben an ihren Ufern ab.
Die Una entspringt in Kroatien nahe Donja Suvaja, unweit der Grenze zu Bosnien und Herzegowina. Von dort fließt sie rund 212 Kilometer durch den Nordwesten Bosniens, bildet abschnittsweise die Grenze zu Kroatien und mündet schließlich bei Jasenovac in die Save. Über Save und Donau gehört sie damit zum Einzugsgebiet des Schwarzen Meeres.
Ich machte einige Fotos und dann wir blieben einfach eine Weile am Ufer sitzen. Wie herrlich kühl so ein Fluss die Umgebung an einem heißen Sommertag macht!
Noch war mir nicht bewusst, dass uns die Una und später auch der Una-Nationalpark fast die gesamte kommende Woche begleiten würden. Südlich von Bihać sollten wir dann sehen, wie abwechslungsreich dieser Fluss tatsächlich ist – mit Stromschnellen, Kaskaden und den großen Wasserfällen bei Štrbački buk und Martin Brod.

Rafting auf der Una
Wer nicht nur am Ufer sitzen möchte, kann die Una auch wesentlich sportlicher erleben.
Rafting gehört zu den bekanntesten Outdoor-Aktivitäten rund um Bihać. Verschiedene Anbieter fahren unterschiedliche Abschnitte der Una, von einfacheren Strecken bis zu anspruchsvolleren Wildwasserpassagen. Auch Kajaktouren werden angeboten.
Ich selbst gehöre eher zur Fraktion „am Fluss sitzen und fotografieren“ als zur Rafting-Fraktion.
Aber wer Wildwasser mag, findet rund um Bihać reichlich Gelegenheit für sportliche Aktivitäten.

Was kann man in Bihać noch sehen?
Wer mehr Zeit hat, kann außerdem das AVNOJ-Museum besuchen. In dem Gebäude fand im November 1942 die erste Sitzung des Antifaschistischen Rates der Nationalen Befreiung Jugoslawiens statt – ein wichtiges Ereignis für die spätere Entstehung des sozialistischen Jugoslawiens.
Mein Eindruck von Bihać
Bihać war ein gemütlicher Einstieg in das alltägliche Leben in Bosnien und der perfekte Beginn unserer zweiwöchigen Wohnmobilreise durch das Land.
Wir waren am frühen Morgen auf der Festung Sokolac, genossen unser Frühstück in einem Kaffeehaus in der Stadt, spazierten anschließend durch die Altstadt, sahen uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten an und verbrachten schließlich noch Zeit an der Una.
Das lässt sich gut an einem Tag machen.
Das Museum kann ich wärmstens empfehlen. Es hat aus unserem Stadtspaziergang mehr gemacht als nur einen Rundgang von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit. Plötzlich hatten auch Sokolac und die vielen Burgen in der Landschaft einen Zusammenhang.
Und trotzdem ist das Bild, das mir von Bihać als Erstes in den Kopf kommt, ein anderes: die unglaublich grüne Una mitten in der Stadt.
Reisebloggerin Gudrun Krinzinger in Bihać

📍 Persönlich besucht
Ich habe Bihać im August 2026 im Rahmen meiner zweiwöchigen Bosnien-Rundreise mit dem Wohnmobil besucht. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die unglaublich grüne Una mitten in der Stadt.
GUDRUN KRINZINGER
Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.
Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.