Zwei Wochen mit dem Wohnmobil durch Bosnien – mein Reisetagebuch
Bosnien und Herzegowina stand schon länger auf unserer Reiseliste. Sarajevo und Mostar kannte ich bereits von einer Reise im Frühjahr, diesmal wollten wir aber mit dem Wohnmobil durch Bosnien reisen und das Land ganz anders kennenlernen: ohne komplett durchgeplante Route und mit zwei Wochen Zeit.
Auf dieser Reise bestimmten nicht nur Sehenswürdigkeiten unsere Route, sondern auch Temperaturen von 35 oder 36 Grad, ein Campingplatz, der uns besonders gut gefiel, ein anderer, auf dem die Wohnmobile viel zu eng nebeneinander standen und den wir deshalb links liegen ließen – und zum Abschluss sogar die Wettervorhersage, die uns früher als gedacht Richtung Heimat schickte.
Wir sahen viel, aber wir hatten auch Tage, an denen wir ganz bewusst nichts machten.

Unsere Route mit dem Wohnmobil durch Bosnien und Herzegowina
Unsere Reise führte uns von Wien über Graz, Slowenien und Kroatien nach Bosnien. Dort ging es weiter über Bihać – Una-Nationalpark – Livno – Kravica – Međugorje – Počitelj – Mostar – Blidinje – Rama-See – Visoko – Sarajevo – Travnik – Jajce – Banja Luka bis in den Nationalpark Kozara.
Dazwischen lagen Campingplätze direkt am Fluss, Stellplätze im Wald, natürlich viel bosnischer Kaffee und noch mehr Bäckereien. Tierisch wurde es ebenfalls: mit Wildschweinen, Füchsen, Schafen, mehreren Katzen – und sogar einem Fliegenfischer ohne Fang. Dazu kamen jede Menge spontane Planänderungen.

Tag 1: Von Wien nach Bosnien
Wie immer ging unsere Reise in Wien los. Haben wir alles eingepackt? Irgendetwas vergessen? Diese Gedanken gehören vor einer Reise wohl einfach dazu.
Dann noch die letzten Checks: Sind alle Dokumente fürs Auto dabei? Reicht für die Einreise nach Bosnien wirklich der Personalausweis? Ist die Maut für Slowenien bezahlt? Und ganz wichtig: Bosnien gehört nicht zur EU – also beim Handy aufpassen und die mobilen Daten rechtzeitig ausschalten.
Früh am Morgen fuhren wir Richtung Graz und weiter durch Slowenien und Kroatien. Grenzübergang um Grenzübergang, immer weiter Richtung Süden.
An der Grenze nach Bosnien mussten wir ein bisschen warten. Die Einreise selbst funktionierte dann völlig problemlos mit dem Personalausweis.
Und dann waren wir endlich da.
Für den ersten Abend brauchten wir kein großes Programm mehr. Den Campingplatz nahe der Grenze hatten wir uns schon zu Hause eingezeichnet: ein Stellplatz direkt am Fluss.
Wohnmobil abstellen. Durchatmen. Ankommen. Und erst einmal den Stress der letzten Tage abschütteln.

Tag 2: Süßes Nichtstun am Fluss
Am nächsten Morgen beschlossen wir etwas, das mir auf Reisen nicht immer leichtfällt:
Wir machten nichts.
Kein Museum. Keine Stadtbesichtigung. Keine Liste mit Sehenswürdigkeiten, die wir unbedingt abhaken mussten.
Wir blieben einfach am Fluss und genossen den Tag. Ich kramte meine Bücher hervor, ordnete mein Strickzeug und freute mich darüber, einmal nirgends hinzumüssen.
Noch war es nicht so heiß wie an den kommenden Tagen angekündigt. Ein Spaziergang entlang des Flusses war also durchaus drin. Nur ins Wasser wollte ich nicht unbedingt – das war eiskalt.
Genau so durfte dieser erste richtige Urlaubstag sein: ruhig, langsam und absolut ohne Programm.

Tag 3: Bihać – Sehenswürdigkeiten und die Festung Sokolac
Für den nächsten Tag waren hohe Temperaturen angekündigt. Also machten wir etwas, das in den kommenden Tagen noch häufiger notwendig werden sollte: Wir standen sehr früh auf und waren deshalb schon um sieben Uhr unterwegs.
Unser erstes Ziel war die Festung Sokolac, einige Kilometer außerhalb von Bihać. Die frühe Uhrzeit hatte gleich zwei Vorteile: Es war noch nicht ganz so heiß und wir hatten die Festung tatsächlich für uns alleine.
Sokolac liegt auf einem Hügel und ist schon wegen ihrer Lage einen Besuch wert.

Danach ging es direkt nach Bihać. Dort fanden wir einen Parkplatz – nur hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch kein bosnisches Bargeld. Also versuchten wir unser Glück mit der Park-App. Und tatsächlich: Das funktionierte problemlos. Damit war zumindest das Wohnmobil versorgt und wir konnten uns in Ruhe auf die Suche nach einem bosnischen Kaffee machen.
Den hatte ich bei meiner Sarajevo-Reise im Frühjahr lieben gelernt und natürlich war ich davon ausgegangen, dass ich auch in Bihać problemlos einen bekommen würde.
Aber in den Kaffeehäusern – und davon gibt es in Bihać jede Menge – tranken ausnahmslos alle Espresso. Also bestellte auch ich einen Espresso. Ausgerechnet in Bosnien bekam ich meinen bosnischen Kaffee nicht.

Danach machten wir einen Rundgang durch die Stadt. Bihać hat wirklich viel Geschichte auf kleinem Raum zu bieten. Wir kamen unter anderem an der Fethija-Moschee, am Kapitänsturm und am Glockenturm der ehemaligen Antoniuskirche vorbei. Dazu fließt die Una mitten durch die Stadt und ist eigentlich selbst schon eine Sehenswürdigkeit.
Das Wasser war unglaublich klar und leuchtete in diesem intensiven Grün, das uns in den kommenden Tagen im Nationalpark Una noch oft begegnen sollte.
Camping in Bosnien: direkt an der Una
Was mir im Nationalpark Una besonders gut gefallen hat, waren die kleinen Campingplätze direkt am Fluss. Entlang der Una gibt es immer wieder große Wiesen bei Privathäusern, auf denen ein paar Wohnmobile Platz finden. Viel Infrastruktur darf man dort nicht erwarten: eine Toilette, vielleicht eine Dusche – das war es teilweise schon.
Dafür steht man direkt an der Una.
Und auch wir fanden nach unserem Besuch von Bihać einen solchen Platz. Zwei Campingfahrzeuge standen bereits auf der Wiese, wir bekamen den dritten Platz. Vor uns der Fluss, glasklares Wasser und rundherum viel Grün.
Wir holten die Campingstühle heraus, plauderten mit unseren Nachbarn und blickten auf den Fluss. Irgendwann raschelte es am gegenüberliegenden Ufer. Dort drüben befindet sich bereits Kroatien. Wir schauten also gespannt ins Gebüsch – und plötzlich tauchte ein Wildschwein auf. Kurz darauf folgte ein kleines.
Unsere Campingnachbarn erzählten uns später, dass sie sogar einen Bären gesehen hätten. Ob das tatsächlich stimmte, weiß ich nicht. Vielleicht haben sie uns auch einfach einen Bären aufgebunden?

Dabei würde ich wirklich gerne einmal wieder einen Bären in freier Wildbahn sehen. In Estland und Rumänien hatte ich dieses Glück bereits – in Bosnien sollte es diesmal offenbar nicht sein.
Dafür entdeckten wir jede Menge Vögel. Besonders gefreut habe ich mich über einen Eisvogel, der an der Una natürlich genau den richtigen Lebensraum findet.
Am Abend wurde es immer ruhiger. Über uns ein klarer Sternenhimmel, vor uns die Una. Solche Abende sind einer der Gründe, weshalb ich so gerne mit dem Wohnmobil unterwegs bin.
Tag 4: Una-Nationalpark: Štrbački buk fast für uns allein
Am nächsten Morgen stand der erste große Wasserfall unserer Bosnien-Reise auf dem Programm: der Štrbački buk. Wir wollten möglichst früh dort sein und erreichten den Parkplatz bereits gegen halb acht.
Der Parkplatz ist riesig, aber zu dieser Uhrzeit praktisch leer. Die Schranke war bereits offen, obwohl der offizielle Betrieb erst etwas später begann. Also gingen wir hinein und beschlossen, den Eintritt auf dem Rückweg zu bezahlen.
Vom Parkplatz sind es ungefähr 300 Meter bis zum Wasserfall. Über Holzstege und Aussichtsplattformen kann man die verschiedenen Kaskaden aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Denn der Štrbački buk ist nicht einfach nur ein einzelner senkrechter Wasserfall, das Wasser stürzt über mehrere Stufen und Kaskaden in die Tiefe.

Und unser Plan ging auf: Wir hatten den Štrbački buk beinahe für uns alleine.
Wir gingen den gesamten Steg entlang, blieben immer wieder stehen, machten Fotos und ließen uns Zeit. Ungefähr eine Stunde verbrachten wir dort. Als wir zurückkamen, war inzwischen jemand beim Eingang und wir bezahlten unseren Eintritt nachträglich.
Danach ging es zurück zum Campingplatz zum Frühstücken.
Schafe zum Frühstück
Zurück am Campingplatz wartete schon die nächste kleine Überraschung auf uns. Während wir gemütlich frühstückten, kam ein Schafhirte mit seiner Herde vorbei.
Die Schafe ließen sich von den Wohnmobilen wenig beeindrucken und spazierten einfach über die Wiese. Der Campingplatzbesitzer war davon allerdings weniger begeistert. Kaum hatte er die Herde entdeckt, kam er auch schon herbeigeeilt und half dem Hirten, die Schafe wieder in die richtige Richtung zu lotsen.
Kurz darauf war der Spuk vorbei – und wir konnten weiter frühstücken.
Martin Brod und die Waschmaschine ohne Strom
Danach fuhren wir zu Martin Brod, dem zweiten großen Wasserfallgebiet im Una-Nationalpark. Auch hier waren wir relativ früh unterwegs. Das war nicht nur wegen der Temperaturen angenehm, sondern auch wegen der Parksituation.
Besonders spannend fand ich eine traditionelle Form des Wäschewaschens. Durch den Wasserdruck entsteht in einem Behälter beziehungsweise Becken ein kräftiger Strudel. Die Wäsche wird hineingegeben und vom Wasser immer wieder herumgewirbelt.
Eine Waschmaschine – nur ohne Strom.

Ein Fliegenfischer in der Una
Wir suchten uns schließlich einen Picknickplatz direkt am Fluss. Bei diesen Temperaturen hatten wir keine Lust, noch weitere Sehenswürdigkeiten abzuklappern.
Irgendwann hielt neben uns ein weiterer Campingbus. Ein Mann stieg aus und begann, seine Ausrüstung auszupacken. Zuerst die Watthose, dann die Angel und schließlich alles, was ein Fliegenfischer offenbar sonst noch braucht. Wir konnten ihm dabei zusehen, wie er sich vor unseren Augen vom Camper in einen Fliegenfischer verwandelte.
Kurz darauf stand er mitten in der Una.
Ich beobachtete ihn eine ganze Weile. Immer wieder ließ er die Schnur durch die Luft gleiten und setzte die Fliege aufs Wasser. Das Ganze hatte etwas unglaublich Ruhiges, fast Meditatives. Er stand im Fluss, rundherum nichts als Wasser und Grün, und versuchte sein Glück.
Nur eines habe ich während der ganzen Zeit nicht gesehen: einen Fisch.
Am Abend wechselten wir auf einen größeren Campingplatz. Der war deutlich voller als unser kleiner Platz vom Vorabend, trotzdem erstaunlich ruhig. Auffällig war, wie viele jüngere Camper hier unterwegs waren. Dazu kamen zahlreiche Motorradreisende, die mit wenig Gepäck und kleinen Zelten unterwegs waren.

Und der Campingplatz hatte noch einen Vorteil: Man konnte kostenlos Kajaks ausleihen.
Also warteten wir bis zum späteren Nachmittag, schnappten uns eines der Kajaks und paddelten noch eine Runde auf der Una. Vom Wasser aus wirkte der Fluss noch einmal ganz anders. Wir ließen uns zwischendurch einfach treiben und hielten Ausschau nach Vögeln am Ufer.
Tag 5: Von der Una nach Livno
Am nächsten Morgen ging es weiter Richtung Süden. Zunächst fuhren wir noch einmal ein Stück an der Una entlang und in Richtung Martin Brod zurück. Dann veränderte sich die Landschaft.
Plötzlich lagen weite, relativ flache Flächen vor uns. Die Häuser standen hauptsächlich an den Seiten, auf den Feldern lagen überall Strohballen. Mich erinnerte diese Landschaft ein bisschen an die Mongolei.
Irgendwo unterwegs hielten wir in einem kleinen Ort. Wir gingen zuerst in eine Bäckerei und kauften uns etwas zu essen. Danach setzten wir uns ins Café nebenan, bestellten Kaffee und aßen dort unsere Bäckereisachen.
Livno: Stadt und Wildpferde
Nach ungefähr zwei Stunden Fahrt erreichten wir Livno. Wir stellten das Wohnmobil ab und spazierten zunächst ein bisschen durch die Stadt. Mein erster Eindruck? Ganz nett, aber nichts, was mich sofort vom Hocker gehauen hätte. Vielleicht lag es auch daran, dass wir gerade von der Una und dieser unglaublich grünen Landschaft kamen.

Wir machten erst einmal Mittagspause und fuhren anschließend zum Franziskanerkloster Gorica, etwas außerhalb des Zentrums.
Gerade fand eine Grafikausstellung statt, die mit dem Künstlersymposium zusammenhing.
Zum Kloster gehört außerdem ein kleines ethnografisches Museum. Wir sahen Gegenstände aus dem früheren Alltagsleben, erfuhren etwas über alte Bräuche und Bestattungsriten und natürlich auch über die Geschichte des Klosters.
Das Franziskanerkloster ist bis heute bewohnt. Wir schauten uns auch die dazugehörige katholische Kirche an. Ihre Gestaltung überraschte mich: Im Inneren erinnerte sie mich stellenweise eher an eine orthodoxe als an eine katholische Kirche.

Sehen wir die Wildpferde oder nicht?
Livno ist vor allem wegen seiner Wildpferde bekannt. Auf der Hochebene oberhalb der Stadt lebt eine große Herde frei – und natürlich hatten auch wir überlegt, ob wir die Pferde besuchen sollten.
Dabei handelt es sich nicht um Wildpferde im eigentlichen Sinn. Ihre Vorfahren waren Hauspferde, die früher von den Bauern der Region als Arbeitstiere eingesetzt wurden. Als Pferde in der Landwirtschaft zunehmend durch Maschinen ersetzt wurden, wurden viele Tiere nicht mehr gebraucht und sich selbst überlassen. Über die Jahrzehnte vermehrten sie sich und heute leben ihre Nachkommen frei auf den Hochflächen rund um Livno.
Für Besucher werden Touren angeboten, bei denen man mit Geländefahrzeugen zu den Herden fährt. Natürlich reizte mich das – Tiere in freier Landschaft zu beobachten, ist genau mein Ding.
Allerdings waren uns die angebotenen Touren relativ teuer. Gleichzeitig hatte ich recherchiert, dass die Pferde aufgrund der extremen Hitze zu dieser Zeit unter Stress standen und Besuche deshalb nicht unbedingt empfehlenswert waren.
Also entschieden wir schließlich: Wir lassen es.
Wir fuhren stattdessen zum Campingplatz und lernten dort Nachbarn kennen, die am selben Tag auf eigene Faust zu den Pferden gefahren waren. Sie hatten es tatsächlich bis zur Herde geschafft – allerdings war die Fahrt nicht besonders gut ausgegangen. Auf der schlechten Strecke hatte ein Stein von unten ihr Fahrzeug beschädigt.
Damit war für uns endgültig klar, dass wir mit unserem Wohnmobil nicht selbst hinauffahren würden.
Am nächsten Tag bekamen wir dann noch einmal vorgeführt, dass eine gebuchte Tour auch keine Garantie für ein schönes Erlebnis gewesen wäre. Andere Gäste auf unserem Campingplatz hatten eine Tour zu den Wildpferden gebucht. Ausgerechnet an diesem Tag änderte sich das Wetter. Während sie oben unterwegs waren, gerieten sie mitten in einen Wolkenbruch und kamen ziemlich durchnässt wieder zurück.
Da waren wir endgültig ganz zufrieden mit unserer Entscheidung.
Tag 6: Wir bleiben noch einen Tag
Am nächsten Morgen war schnell klar: Wir fahren heute nicht weiter. Der Campingplatz gefiel uns, wir hatten keinen Zeitdruck – also warum schon wieder zusammenpacken?
Wir verlängerten einfach um eine Nacht.
Ein bisschen Arbeit musste trotzdem sein, schließlich reist bei mir der Laptop immer mit. Danach blieb genügend Zeit zum Lesen, Herumsitzen und Campingplatzschauen.

Tag 7: Auf Umwegen zu den Kravica-Wasserfällen
Am nächsten Morgen ging es wieder weiter. Unser Ziel waren die berühmten Kravica-Wasserfälle, allerdings machten wir unterwegs einige ungeplante Zwischenstopps. Zunächst führte uns die Straße an einem künstlichen Stausee entlang. Irgendwann hielten wir in der kleinen Stadt Tomislavgrad und suchten – natürlich – eine Bäckerei.
Bosnische Bäckereien waren inzwischen zu einem festen Bestandteil unserer Reise geworden. Apfel- und Kirschtaschen, Nussschnecken, Schokocroissants und noch einiges mehr lagen in den Vitrinen. Ich entschied mich an diesem Tag für eine Nussschnecke.
Mit unserer Beute suchten wir uns anschließend ein Kaffeehaus und machten Pause.
In Tomislavgrad war gerade Markttag. An den Ständen stapelten sich Tomaten, Paprika und anderes Gemüse. Vor allem aber gab es jede Menge Feigen. Dazwischen wurde alles Mögliche für den Alltag verkauft – bis hin zu Besen und anderen Haushaltswaren.

Es war kein berühmter Ort. Keine Stadt, die auf unserer Liste gestanden hatte, und keine Sehenswürdigkeit, wegen der wir extra hierhergefahren wären. Einfach eine ganz normale bosnische Kleinstadt.
Und genau deshalb mochte ich unseren Stopp.
Geschlossen, geschlossen – und weiter
Von Tomislavgrad ging es weiter Richtung Süden. Unser nächster Zwischenstopp war Ljubuški. Dort hatte ich ein archäologisches Museum herausgesucht, das direkt neben einem Kloster liegt. Das klang nach einem guten Plan für eine kleine Pause unterwegs.
Nur leider standen wir vor verschlossenen Türen.
Also gingen wir zumindest in die Kirche. Und die war nicht nur offen, sondern angenehm kühl. Wir blieben vermutlich ein bisschen länger drinnen, als es unser Interesse an der Kirche unbedingt erfordert hätte. Draußen hatte es inzwischen wieder weit über 30 Grad und jeder schattige oder klimatisierte Raum gewann schlagartig an Attraktivität.
Ein weiteres vermeintliches Museum, das wir uns herausgesucht hatten, stellte sich vor Ort als Restaurant heraus. Und irgendwo über uns wartete noch eine Festung. Für den Aufstieg konnten wir uns bei über 35 Grad allerdings nicht begeistern.
Damit war unser ursprünglicher Plan für diesen Zwischenstopp ziemlich schnell erledigt.
Also schauten wir auf die Karte – und beschlossen spontan, nach Međugorje zu fahren.
Ein kurzer Abstecher nach Međugorje
Ich hatte keine besonderen Erwartungen an Međugorje. Natürlich kannte ich den Namen und wusste, dass es sich um einen der bekanntesten katholischen Wallfahrtsorte der Region handelt. Aber ich war nicht als Pilgerin hier, sondern eher neugierig darauf, wie dieser Ort aussieht.
Bekannt wurde Međugorje durch Berichte über Marienerscheinungen, die Anfang der 1980er-Jahre begonnen haben sollen. Seitdem kommen Pilger aus aller Welt hierher. Und dass der Ort ganz auf diese Besucher eingestellt ist, merkt man schon nach wenigen Minuten.
Wir gingen zunächst in die große Kirche und schauten uns anschließend ein bisschen im Zentrum um. Zu den eigentlichen Pilgerstätten außerhalb des Ortskerns – etwa auf den Erscheinungsberg – gingen wir nicht.

Međugorje selbst sieht ein bisschen aus wie ein Ferienort. Nur bekommt man statt Schwimmflügeln, Badetüchern und Strandspielzeug eben Madonnen, Heiligenbilder und Rosenkränze.
Souvenirgeschäft reiht sich an Souvenirgeschäft, dazwischen Hotels, Restaurants und Cafés. Nach unserem Rundgang setzten wir unsere Fahrt fort. Schließlich hatten wir für diesen Tag noch ein eigentliches Ziel: die Kravica-Wasserfälle.
Kravica-Wasserfälle: Wasserfall mit Halligalli
Unser Campingplatz lag direkt bei den Kravica-Wasserfällen. Nachdem wir das Wohnmobil abgestellt hatten, gingen wir gleich zum Wasserfall.
Und dort erwartete uns ein ziemliches Touri-Spektakel.
Liegestühle, Sonnenschirme, Bars, Cocktails, laute Musik – und unglaublich viele Menschen. Im Wasser wurde gebadet, am Ufer herrschte dichtes Gedränge. Fast ein bisschen wie im Freibad. Nur dass sich im Hintergrund einer der bekanntesten Wasserfälle Bosniens über die Felsen ergießt.
Der Wasserfall selbst ist wunderschön. Aber dieser ganze Trubel war mir eindeutig zu viel. Ziemlich schnell war uns klar, dass wir nur eine Nacht bleiben würden.
Später am Abend gingen wir noch einmal zu den Wasserfällen. Und plötzlich war Kravica kaum wiederzuerkennen. Die Tagesgäste waren verschwunden und es war ruhig geworden.
Wenn es am Abend schon so anders aussah – wie würde Kravica dann erst ganz früh am Morgen sein?
Also beschlossen wir: Vor der Abfahrt morgen wagen wir noch auf einen Blick auf Bosnien berühmtesten Wasserfall.

Tag 8: Počitelj ganz alleine
Nach unserem frühen Besuch bei den Kravica-Wasserfällen fuhren wir gleich weiter und landeten in Počitelj.
Gegen sieben Uhr morgens kamen wir an. Parken ist in Počitelj nicht ganz einfach. So früh fanden wir allerdings problemlos einen Platz – und auch im Ort selbst waren wir alleine unterwegs.
Počitelj zieht sich einen Hang oberhalb des Flusses Neretva hinauf. Schon von unten sieht man die alten Steinhäuser, die Moschee und die Befestigungsanlagen über dem Ort.
Wir gingen durch die steilen Gassen, über unzählige Stufen und das alte Steinpflaster. Das sieht auf Fotos großartig aus. Zum Gehen ist es weniger großartig.
Wir schauten uns die Moschee von außen an, bogen immer wieder in kleine Gassen ab und stiegen schließlich bis zu einem der Türme hinauf. Von dort oben konnten wir über die Dächer von Počitelj und hinunter zur Neretva schauen.
Was mich während unseres Rundgangs immer wieder beschäftigte: Wie viele Menschen leben hier eigentlich noch?
Teilweise wirkte Počitelj auf mich fast wie eine historische Kulisse. Alte Steinhäuser, enge Gassen, Mauern und dazwischen kaum ein Mensch. Gleichzeitig ist Počitelj kein Freilichtmuseum, sondern weiterhin ein bewohnter Ort. So früh am Morgen war allerdings schwer zu erkennen, welches Haus bewohnt war und welches nicht.

Mostar mit dem Wohnmobil – ein spontaner Abstecher
Nach Počitelj stellte sich die Frage: Was machen wir jetzt? Mostar lag nicht weit entfernt.
Ich kannte die Stadt bereits von meiner Reise im Frühjahr. Mit dem Wohnmobil spontan in eine so touristische Stadt zu fahren, ist allerdings immer ein bisschen mühsam. Wo parken? Wie voll ist es schon? Und wollen wir uns Mostar überhaupt antun?
Weil es noch früh war, beschlossen wir, es zu versuchen.
Und wir hatten Glück. Relativ zentral fanden wir einen Parkplatz für nur zehn Euro am Tag, stellten das Wohnmobil ab und spazierten Richtung Altstadt.
Natürlich führte unser erster Weg zur Stari Most, der berühmten Alten Brücke. Wir überquerten sie und gingen weiter zur Moschee, die ich bereits von meinem ersten Besuch kannte. Diesmal besichtigten wir sie gemeinsam und stiegen anschließend die vielen Stufen hinauf. Von oben hat man einen wunderbaren Blick über Mostar, die Neretva und natürlich auf die Alte Brücke.

Danach war erst einmal die obligatorische Kaffeepause fällig.
Anschließend gingen wir wieder zurück Richtung Stari Most und hinunter zu jener Stelle an der Neretva, von der die kleinen Ausflugsboote starten. Bei meinem Besuch im Frühjahr waren sie ständig auf dem Fluss unterwegs gewesen – und mir ehrlich gesagt gehörig auf die Nerven gegangen.
Diesmal hatten wir Glück. Es war noch so früh, dass die Boote noch nicht fuhren. Unten am Fluss war es angenehm ruhig und wir konnten die Brücke noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive betrachten.
Während wir dort standen, hörte ich einem Guide zu, der seiner Gruppe von den traditionellen Sprüngen von der Stari Most erzählte. Junge Männer springen hier seit Generationen von der mehr als 20 Meter hohen Brücke in die Neretva. Der Guide erzählte auch davon, dass es dabei immer wieder zu schweren Unfällen und Todesfällen gekommen sei.
Wir blieben noch eine Weile am Fluss, dann machten wir uns langsam auf den Rückweg.
Und das Timing hätte kaum besser sein können.
Gegen zehn Uhr begann sich Mostar deutlich zu verändern. Die ersten Reisebusse waren angekommen und Gruppen wurden durch die engen Gassen der Altstadt geführt, rund um die Brücke wurde es immer voller.

Wir hatten Mostar an diesem Tag genau so erlebt, wie ich es mir gewünscht hatte: früh, ruhig
Also zurück zum Wohnmobil – und raus aus der Stadt, bevor es richtig voll wurde.
Blidinje mit dem Wohnmobil: Camping am See
Bevor wir Mostar verließen, besprachen wir noch kurz unsere weitere Route. Das Wetter machte uns die Entscheidung ziemlich leicht: Wir wollten ins kühlere Landesinnere und hinauf in die Berge. Also entschieden wir uns für eine Weiterfahrt nach Blidinje.
Noch in Mostar zeigte das Thermometer im Wohnmobil ungefähr 35 Grad. Dann begann die Straße anzusteigen, wir fuhren immer höher in die Berge und mit jedem Höhenmeter fiel die Temperatur. Was für eine Wohltat!
Direkt am See gibt es einen einzigen Campingplatz. Wir holten die Campingstühle heraus und setzten uns einfach vor das Wohnmobil. Berge rundherum, der See vor uns und langsam ging die Sonne unter, die ersten Sterne tauchten auf und wenig später die Milchstraße, so muss Campen!

Tag 9: Wir bleiben in Blidinje
Und weil es hier so schön war, so ruhig und endlich angenehm kühl, mussten wir am nächsten Morgen nicht lange überlegen: Wir blieben einfach noch eine Nacht.
Tag 10: Vom Blidinje-See zum Rama-See
Am nächsten Morgen fuhren wir zunächst einmal rund um den Blidinje-See, danach ging es weiter zum Ramsko jezero, dem Rama-See.
Der Unterschied war sofort sichtbar: Der See war zwar groß, aber der Wasserstand sehr, sehr niedrig. Man konnte am Ufer deutlich erkennen, wie weit das Wasser normalerweise reicht. Der Rama-See ist ein Stausee und sein Wasserstand kann stark schwanken. Ende des Sommers war das besonders gut zu sehen.
Unser eigentliches Ziel lag auf einer Halbinsel im Ramsko jezero: Šćit. Dort befindet sich ein Franziskanerkloster, das wir uns unbedingt ansehen wollten. Also parkten wir das Wohnmobil und machten uns auf den Weg zur Klosteranlage.

Eine meiner Museumsüberraschungen
Zuerst besichtigten wir die Kirche, in der mir besonders das große gemalte Altarbild auffiel. Gleich nebenan befindet sich ein ethnologisches Museum, von dem ich mir ehrlich gesagt nicht allzu viel erwartet hatte.
Umso größer war die Überraschung, als wir hineingingen. Das Museum erzählt auf mehreren Etagen vom früheren Leben in der Region. Im Erdgeschoss geht es vor allem um den bäuerlichen Alltag und die Arbeit auf den Feldern. Eine Etage höher entdeckten wir traditionelles Handwerk, Stickereien und alte Hochzeitstrachten. Ganz oben widmet sich die Ausstellung schließlich der Tier- und Pflanzenwelt rund um den Rama-See.

Wo schlafen wir heute?
Nach unserem Besuch in Šćit brauchten wir einen Stellplatz für die Nacht. Campingplätze gab es rund um den See durchaus, nur überzeugte uns keiner so richtig. Bei 35 oder 36 Grad wollten wir nicht den restlichen Tag in der prallen Sonne stehen.
Auf einem schattigeren Platz hätten wir zwar noch unterkommen können, dort standen die Wohnmobile allerdings so eng nebeneinander, dass zwischen ihnen gefühlt nur wenige Zentimeter Platz waren. Das wollten wir auch nicht.
Also fuhren wir weiter und versuchten unser Glück beim Jablanica-Stausee. Doch dort sah es nicht besser aus: entweder wieder volle Sonne oder ein Stellplatz direkt neben einer stark befahrenen Straße. Aus der Suche nach einem Campingplatz wurde so eine ungeplante Fahrt quer durchs Land, bis wir schließlich in Visoko landeten.
Visoko? Nie gehört.
Bei einer Familie fanden wir schließlich einen Stellplatz. Auch dort standen bereits einige Wohnmobile, aber der Platz passte und wir waren einfach nur froh, angekommen zu sein.

Erst jetzt beschäftigte ich mich genauer damit, wo wir eigentlich gelandet waren – und stieß auf die bosnischen Pyramiden.
Bitte was?
Tag 11: Die bosnischen Pyramiden von Visoko
Unser Campingplatz lag ganz in der Nähe der sogenannten Sonnenpyramide. Nachdem wir nun schon einmal eher zufällig in Visoko gelandet waren, wollten wir natürlich wissen, was es damit auf sich hatte.
Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg. Über Stufen geht es den Hang hinauf, vorbei an zahlreichen Informationstafeln, auf denen ausführlich erklärt wird, warum es sich bei diesem Berg um eine von Menschen geschaffene Pyramide handeln soll, wer sie entdeckt hat und welche Theorien damit verbunden sind.
Nur besonders viel Pyramide konnten wir ehrlich gesagt nicht erkennen. Unsere Neugier war trotzdem geweckt, denn zur Pyramidenwelt von Visoko gehören auch unterirdische Tunnel.

Also fuhren wir weiter zu den Ravne-Tunneln.
Kurz vor zehn Uhr war bei den Ravne-Tunneln schon erstaunlich viel los. Fast ein bisschen wie an einem Wallfahrtsort.
Wir schlossen uns einer englischsprachigen Führung an und gingen mit unserem Guide hinein ins Tunnelsystem. Je weiter wir kamen, desto esoterischer kamen mir die Erklärungen vor.
Wir hörten von besonderen Energieströmen, Kristallen und großen Energiesteinen. Auch das Wasser in den Tunneln soll aufgrund der besonderen Bedingungen außergewöhnlich rein sein.
Wer daran glaubt, soll daran glauben. Ich bin eher skeptisch, fand die ganze Sache aber trotzdem ziemlich unterhaltsam. Schließlich waren wir nun einmal da, also hörten wir uns die Geschichten an, betrachteten die Steine und ließen uns erklären, welche besonderen Kräfte hier wirken sollen.

Sarajevo mit dem Wohnmobil?
Nach unserem Besuch in Visoko mussten wir wieder einmal entscheiden, wie unsere Bosnien-Rundreise weitergehen sollte. Sarajevo war ursprünglich gar nicht eingeplant, schließlich war ich erst im Frühjahr dort gewesen. Mein Partner kannte die Stadt allerdings noch nicht – und so beschlossen wir spontan: Wir fahren hin!
Unser Campingplatz lag hoch über Sarajevo und bot bereits einen ersten Blick auf die Stadt. Die beiden Besitzerinnen waren ausgesprochen freundlich. Eine von ihnen wollte gerade selbst ins Zentrum fahren und nahm uns kurzerhand mit. Ansonsten hätte sie uns ein Taxi organisiert.

Ein entspannter Nachmittag in Sarajevo
Für mich fühlte sich Sarajevo diesmal ganz anders an als bei meiner ersten Reise. Ich musste keine Sehenswürdigkeiten mehr abhaken, sondern konnte meinem Partner einfach einige meiner Lieblingsorte zeigen.
Unser erster Weg führte – natürlich – in eine Bäckerei. Und nicht in irgendeine, sondern genau in jene, in der ich schon bei meinem ersten Aufenthalt zwei- oder dreimal eingekauft hatte. Danach gab es Kaffee, bevor wir über die Lateinerbrücke Richtung Altstadt spazierten.
Wir bummelten ohne großen Plan durch die Straßen, schauten beim Markt vorbei, besuchten die Moschee und machten zwischendurch natürlich noch eine Kaffeepause. Auch die Vijećnica wollte ich meinem Partner zeigen, doch diesmal hatten wir Pech: Wegen eines Staatsempfangs war sie geschlossen.
Also spazierten wir einfach weiter, bis es Zeit fürs Abendessen wurde. Und was isst man in Sarajevo? Ćevapi natürlich.

Danach gönnten wir uns noch ein Bier und nahmen schließlich ein Taxi zurück zum Campingplatz. Dort oben wartete zum Abschluss noch einmal ein ganz anderer Blick auf Sarajevo auf uns: die Lichter der Stadt bei Nacht.
Tag 12: Der Tunnel of Hope
Am nächsten Morgen hatte ich noch einen Wunsch. Einen Ort hatte ich bei meiner Sarajevo-Reise im Frühjahr nämlich nicht besucht: den Tunnel of Hope beim Flughafen.
Am Gelände werden verschiedene Exponate gezeigt, außerdem läuft ein Film über die Belagerung Sarajevos und den Bau des Tunnels. Die historischen Aufnahmen sind eindringlich und vermitteln einen Eindruck davon, weshalb dieser Tunnel für die eingeschlossene Stadt so wichtig war.
Der ursprüngliche Tunnel war ungefähr 800 Meter lang, heute kann nur noch ein kleiner Abschnitt begangen werden.
Dann hatten wir unglaubliches Glück. Ein Guide führte gerade vier englischsprachige Gäste durch das Museum und lud alle Besucher ohne eigene Führung ein, zuzuhören.
Schon bald wurde klar, warum seine Erzählungen so besonders waren: Er hatte den Tunnel während der Belagerung selbst benutzt.
Er erzählte nicht nur, wann und warum der Tunnel gebaut wurde, sondern auch davon, wie es gewesen war, damals in Sarajevo zu leben. Dadurch bekam die Geschichte eine ganz persönliche Stimme.
Ich fand seine Erzählungen unglaublich spannend und blieb bis zum Ende der Führung dabei. Anschließend ging ich noch einmal alleine durch den zugänglichen Tunnelabschnitt – diesmal mit meiner Kamera und mit all den Geschichten im Kopf, die wir gerade gehört hatten.

Sarajevo 1984: Vom Tunnel zu den Olympischen Spielen
Danach entdeckte mein Partner in einem Reiseführer noch einen Ort, der uns interessierte: das ehemalige Hotel Igman.
Das Hotel wurde im Zusammenhang mit den Olympischen Winterspielen 1984 errichtet und ist heute ein Lost Place. Vom einstigen Luxushotel steht vor allem noch das Betonskelett. Wir betraten das abgefuckte Hotel, stiegen vorsichtig auf Glasscherben von einer Etage in die nächste und versuchten uns vorzustellen, wie das Gebäude früher einmal ausgesehen haben muss.
Anschließend fuhren wir weiter zu den ehemaligen Skisprungschanzen. Diese stiegen wir allerdings nicht hinauf, dafür war es schon wieder viel zu heiß. Im Zieleinlauf entdeckten wir dafür ein Siegertreppchen, auf das ich natürlich sofort hinaufmusste.

Tag 13: Die beste Dusche Bosniens – und ein Fuchs
Nach Sarajevo war schön langsam die Heimreise angesagt. Bevor wir aber tatsächlich Richtung Wien weiterfuhren, wollten wir noch einmal einen ruhigen Platz im Grünen finden – am liebsten irgendwo im Wald oder zumindest dort, wo es schön schattig war. Nach all den heißen Tagen in Bosnien war Schatten inzwischen zu einem ziemlich wichtigen Kriterium geworden.
Also wurde die App Park4Night gezückt und eine ganze Weile gesucht, bis wir schließlich bei einem Restaurant in der Nähe von Vitez fündig wurden. Etwas abseits, mitten im Grünen und mit Stellplätzen für Camper – das klang genau nach dem, was wir gesucht hatten.
Als wir ankamen, war noch kein anderer Camper da. Es gab jede Menge Platz, viel Grün und vor allem ausreichend Schatten. Nach den Temperaturen der vergangenen Tage war das schon einmal perfekt.
Noch besser wurde es allerdings, als ich die Dusche entdeckte: die beste Dusche unserer bisherigen Bosnienreise.
Gegen neun Uhr schloss das Restaurant und danach wurde es rund um unseren Stellplatz ganz ruhig. Neben uns plätscherte ein Bach, dahinter begann der Wald und wir waren praktisch alleine.
Bis plötzlich ein Fuchs auftauchte.
Und der kam direkt auf uns zu. Im ersten Moment waren wir sogar ein bisschen erschrocken, denn ein Fuchs, der so wenig Scheu vor Menschen zeigt, machte mich misstrauisch. War das normal? Mussten wir uns wegen Tollwut Gedanken machen?
Die Erklärung war zum Glück wesentlich banaler. Neben dem Campingbereich standen drei kleine Hütten, in denen Gäste wohnten – und die fütterten das Tier. Damit war auch klar, warum er so selbstverständlich bei uns vorbeischaute.

Tag 14: Noch ein Tag im Grünen
Am nächsten Morgen war Sonntag und eigentlich hätten wir unsere Reise fortsetzen können. Aber je länger wir darüber nachdachten, desto weniger Gründe fanden wir, warum wir überhaupt weiterfahren sollten. Der Platz war schön und schattig, wir hatten unsere Ruhe und mussten nirgendwo zu einer bestimmten Zeit sein.
Also blieben wir einfach noch eine Nacht.
Uns wurde zwar angekündigt, dass sonntags im Restaurant immer sehr viel los sei, doch unser Stellplatz lag so abgeschirmt, dass wir davon kaum etwas mitbekamen. Statt weiterzufahren, verbrachten wir einen herrlich entspannten Sonntag im Grünen.
Und am Abend wussten wir dann endgültig, dass es eine gute Idee gewesen war zu bleiben.
Der Fuchs kam wieder und brachte er Verstärkung mit. Plötzlich standen zwei Füchse vor uns.
Tag 15: Travnik: Sehenswürdigkeiten und Ivo Andrić
Nach unserem Ruhetag ging es am Montag wieder weiter. Da erneut hohe Temperaturen angekündigt waren, starteten wir früh Richtung Travnik.
Am Vorabend hatte ich entdeckt, dass Ivo Andrić hier geboren wurde. Für mich als ehemalige Buchhändlerin und begeisterte Leserin natürlich ein ziemlich gutes Argument für einen Besuch.

Die Festung über Travnik
Zuerst ging es allerdings hinauf zur Festung, die gut erhalten über der Stadt thront. Wir spazierten durch die Anlage, genossen den Blick über Travnik und machten uns anschließend auf den Weg hinunter in den Ort.
Die Bunte Moschee
Dort wartete mit der Šarena Džamija, der Bunten Moschee, eine echte Überraschung. Schon die Fassade mit ihren Pflanzenornamenten, Farben und Malereien ist außergewöhnlich, und auch im Inneren setzt sich die Gestaltung fort.

Ivo Andrić – und eine Katze
Danach besuchte ich das Geburtshaus von Ivo Andrić. Der Literaturnobelpreisträger gehört zu den bekanntesten Schriftstellern der Region, entsprechend ausführlich schaute ich mir das kleine Museum an.
Und dort wartete noch jemand auf uns: Auf einem Sofa lag eine Katze und schlief seelenruhig, als würde ihr das Geburtshaus ohnehin gehören.
Abschließend gingen wir zur bekannten Quelle Plava Voda.
Travnik gefiel mir richtig gut. Hier könnte man problemlos einen ganzen Tag verbringen, durch die Stadt schlendern, immer wieder etwas entdecken und zwischendurch einen Kaffee trinken.
Wir mussten allerdings weiter, denn an diesem Tag hatten wir noch ein zweites Ziel.
Jajce: Wasserfall, Festung und Altstadt
Von Travnik fuhren wir weiter nach Jajce. Die Stadt kannte ich vor allem von einem Foto: unten der Wasserfall, darüber die Stadt und ganz oben die Festung. Genau dieses Motiv wollte ich sehen.
Nachdem wir den Campingbus abgestellt hatten, ging es durch die Altstadt hinauf zur Festung. Unterwegs besichtigten wir die Katakomben und den Bärenturm.
Danach liefen wir hinunter zum berühmten Pliva-Wasserfall. Schön – aber noch nicht der Blick, den ich gesucht hatte.
Also zurück zum Campingbus und ein Stück aus Jajce hinaus. Dort fanden wir schließlich den Aussichtspunkt.
Wasserfall, Stadt und Festung. Jetzt hatte ich mein Foto!

Die kleinen Mühlen am Pliva-See
Anschließend fuhren wir weiter zu den Pliva-Seen. Dort stehen die historischen Wassermühlen, die Mlinčići.
Unter Wassermühlen hatte ich mir ehrlich gesagt größere Gebäude vorgestellt. Tatsächlich sind es kleine Holzhäuschen, die dicht nebeneinander über dem Wasser stehen.
Unser Campingplatz lag ganz in der Nähe. Er war der größte unserer bisherigen Reise und aufgrund seiner Lage bei den Wassermühlen und nahe Jajce entsprechend gut besucht.

Tag 16: Ein Ethnodorf ganz für uns alleine
Am Dienstag starteten wir wieder früh, denn zwei Ziele standen noch auf unserer Liste. Das erste war ein Ethno Selo in der Umgebung von Banja Luka. Schon die Anfahrt war ein kleines Abenteuer: enge Straßen und teilweise gefühlt über Stock und Stein.
Die Anlage ist wie ein historisches Dorf aufgebaut. Rund um den Dorfplatz stehen ein Schulhaus, eine Kirche, eine Apotheke und verschiedene Werkstätten. Man erfährt einiges über alte Handwerksberufe und kann historische Wohnhäuser besichtigen.
Sogar im Restaurant gab es etwas zu entdecken: eine Sammlung alter Bügeleisen.
Ich mag solche Museen. Statt von Raum zu Raum zu laufen, spaziert man durch ein Dorf, schaut in die Häuser und entdeckt immer wieder etwas Neues.
Und das Beste: Wir hatten das ganze Dorf für uns alleine. Die abenteuerliche Anfahrt hatte sich gelohnt.

Banja Luka bei gefühlten 100 Grad
Danach ging es nach Banja Luka – und dort war es wieder wahnsinnig heiß. Trotzdem wollten wir uns zumindest einen Eindruck von der Stadt verschaffen.
Besonders gut gefiel mir die große orthodoxe Kirche, die historisch aussieht, in ihrer heutigen Form aber ein Wiederaufbau ist. Ganz anders die katholische Kirche mit ihrer modernen Architektur.
Wir spazierten durch die Fußgängerzone und über den Markt, schauten bei der Festung vorbei und fotografierten die Moschee von außen.
Was mir an Banja Luka besonders auffiel, war das viele Grün. Breite Straßen, Alleen und jede Menge Bäume – dazu erstaunlich wenige Touristen.
Eigentlich hätte ich gerne mehr gesehen. Aber irgendwann gewann die Hitze und wir wollten einfach nur noch raus aus der Stadt.

Unser letzter Stopp in Bosnien: Nationalpark Kozara
Am späten Nachmittag fuhren wir weiter in den Nationalpark Kozara. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass dies unser letzter Stopp in Bosnien sein würde. Ein paar Urlaubstage hatten wir noch, aber Banja Luka war der letzte Ort gewesen, den wir unbedingt sehen wollten. Danach wollten wir einfach schauen, was passiert.
Im Nationalpark erwartete uns eine Überraschung: Auf Mrakovica steht ein gewaltiges Monument aus jugoslawischer Zeit. Das Anfang der 1970er-Jahre errichtete Denkmal erinnert an die Partisanen und Opfer der Kämpfe in der Region Kozara während des Zweiten Weltkriegs.

In der Nähe eines Skilifts fanden wir schließlich einen Platz für die Nacht. Wir fragten beim Restaurantbesitzer nach, ob wir mit unserem Campingbus dort stehen bleiben durften, und bekamen ein Ja. Also stellten wir uns hin und gingen noch im Restaurant essen.
Dass dies unsere letzte Nacht in Bosnien und Herzegowina sein würde, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Am nächsten Morgen zeigte die Wetter-App einen deutlichen Wetterumschwung. Eigentlich hatten wir noch ein paar Tage Zeit und hätten problemlos weitere Orte besuchen können.
Aber irgendwie fühlte sich die Reise an diesem Punkt rund an. Wir hatten unglaublich viel gesehen und erlebt.
Also beschlossen wir ziemlich spontan: Das war’s. Wir fahren morgen Richtung Heimat.

Was von zwei Wochen Bosnien bleibt
Wenn ich an diese Reise zurückdenke, sind da natürlich Sarajevo, Mostar, Travnik, Jajce und die vielen Wasserfälle. Aber genauso bleiben die kleinen Geschichten: die klare Una, das Wildschwein mit Frischling, die Füchse am Campingplatz, die Katze im Geburtshaus von Ivo Andrić und mein Foto auf dem olympischen Siegertreppchen.
Und natürlich die Hitze. 35 oder 36 Grad waren keine Seltenheit, deshalb standen wir oft sehr früh auf. So hatten wir Štrbački buk fast für uns, spazierten frühmorgens durch Počitelj und standen um sechs Uhr alleine bei Kravica.
Mit dem Campingbus unterwegs zu sein bedeutete auch, dass wir morgens oft nicht wussten, wo wir abends schlafen würden. Genau dadurch landeten wir ungeplant in Visoko, blieben spontan länger auf schönen Campingplätzen oder änderten einfach unsere Route.

Was ebenfalls bleibt? Bosnische Bäckereien und bosnischer Kaffee. Unsere Kombination war irgendwann perfekt: zuerst Gebäck holen, danach ein Kaffeehaus suchen.
Und die vielen unkomplizierten Begegnungen unterwegs: Menschen, die uns mitnahmen, uns einen Stellplatz anboten oder einfach ein paar Worte Deutsch mit uns wechselten.
Wir hatten eine ungefähre Route, aber zum Glück keinen festen Plan. Denn gerade die Umwege, Pausen und spontanen Entscheidungen machten diese Reise aus.
Am Ende fuhren wir sogar ein paar Tage früher nach Hause, weil sich das Wetter ändern sollte und wir das Gefühl hatten: Jetzt fühlt sich die Reise rund an.

Unsere Bosnien-Rundreise auf der Karte
Damit du unsere Route besser nachvollziehen kannst, habe ich hier alle wichtigen Stationen unserer Reise eingezeichnet. Wir waren zwei Wochen mit dem Wohnmobil durch Bosnien unterwegs – von Bihać und dem Una-Nationalpark über Mostar, Blidinje und Sarajevo bis nach Travnik, Jajce, Banja Luka und in den Nationalpark Kozara.
Viele Stopps waren geplant, andere entstanden ganz spontan unterwegs. Genau das machte diese Reise für uns aus.
Auf der Karte findest du unsere Route und die wichtigsten Orte, die wir besucht haben. Sehenswürdigkeiten und Grenzübergange habe ich blau markiert, die Campingplätze sind rot markiert.
Reisebloggerin Gudrun Krinzinger in Bosnien

📍 Persönlich besucht
Ich war 2026 zweimal in Bosnien und Herzegowina. Im Frühjahr habe ich Sarajevo und Mostar besucht, im Spätsommer war ich zwei Wochen mit dem Wohnmobil durch das Land unterwegs.
3 Kommentare
Hinterlassen Sie einen Kommentar
GUDRUN KRINZINGER
Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.
Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.
Gerade die spontanen Planänderungen machen die Route sympathisch. Besonders schön finde ich die kleinen Stellplätze direkt an der Una – wenig Infrastruktur, dafür glasklares Wasser, viel Ruhe und sogar Wildschweine am gegenüberliegenden Ufer. Genau dafür lohnt sich eine Wohnmobilreise durch Bosnien.
Bosnien steht natürlich auch noch ganz weit oben auf unserer Camperreise-Liste. Die Menschen sollen unglaublich nett und gastfreundlich sein und wie schön die Natur ist, sieht man ja bereits auf deinen Bildern.
Ich habe eure Reise durch BIH schon auf Insta verfolgt und fand es so schön. Wir sind 2022 mit dem Mietwagen von Kroatien nach Mostar und Sarajevon und von dort aus weiter durch die Berge nach Montenegro gereist. Fand ich damals schon total cool, daher möchte ich unbedingt nochmal hin. Daher danke für deine vielen Tipps. LG, Nadine