Monatsrückblick September 2026

Manchmal frage ich mich, wie viel ich von meinem Leben eigentlich noch wüsste, wenn ich nicht ständig fotografieren würde.

Mein Handy ist mittlerweile so etwas wie mein ausgelagertes Gedächtnis. Ich scrolle durch meine Fotos und denke: Ach ja, da war ich. Das habe ich da gemacht. Mit der Freundin war ich unterwegs. Und an diesem Abend war offenbar auch noch irgendetwas.

Fast ein bisschen erschreckend.

Wenn ich etwas nicht fotografiere, dann scheint es im Nachhinein beinahe so, als wäre es gar nicht passiert. Dabei sind natürlich gerade die Dinge, bei denen man nicht ständig das Handy in der Hand hat, oft die schönsten.

Für diesen Monatsrückblick bin ich durch meine September-Fotos gescrollt. Im Oktober möchte ich das ändern und meine Eindrücke wieder mehr in Worten festhalten. Mal sehen, ob das klappt.

Bosnisches Kaffeegeschirr
Lebst Du noch oder fotografierst Du nur?

Unterwegs in Bosnien

Der September begann für uns in Bosnien und Herzegowina. Aufgebrochen sind wir von unserem Stellplatz im Blidinje-Naturpark – für mich einer der schönsten Plätze der ganzen Reise.

Von dort ging es weiter zum Ramsko jezero und auf die Halbinsel Šćit mit ihrem Franziskanerkloster. Danach standen die sogenannten Bosnischen Pyramiden bei Visoko auf unserem Programm. Ob Pyramiden oder nicht – ungewöhnlich ist der Ort auf jeden Fall.

Weiter führte uns die Reise nach Mostar und anschließend nach Sarajevo. Unterwegs besuchten wir außerdem einen Lost Place: das ehemalige Hotel Igman.

Ruine des ehemaligen Olympiahotels am Berg Igman bei Sarajevo
Eine der Spuren der Olympischen Winterspiele 1984: die Ruine des ehemaligen Hotels am Igman.

Danach ging es weiter nach Travnik mit seiner bunten Moschee, der Festung und dem Geburtshaus von Ivo Andrić – wobei mir dort vor allem die Katze in Erinnerung geblieben ist.

Es folgten Jajce mit Wasserfall, Katakomben und Festung sowie die kleinen Holzmühlen an den Pliva-Seen. Danach kamen wir nach Banja Luka, das mich mit viel Grün, wenig Touristen und einer erstaunlich entspannten Atmosphäre überrascht hat.

Den Schlusspunkt unserer Reise setzte der Kozara-Nationalpark. Beim monumentalen Denkmal auf Mrakovica wurde das Wetter dann endgültig ungemütlich – und für uns war das das Zeichen, langsam Richtung Heimat aufzubrechen.

Am 9. September waren wir wieder in Wien. Zwei Wochen Bosnien lagen hinter uns – und sehr viele Geschichten, die noch längst nicht alle erzählt sind.

Aber immerhin: Zwei Blogberichte sind bereits online gegangen. Einmal mein großer Bericht über unsere gesamte Rundreise durch Bosnien und Herzegowina und außerdem mein Artikel über Bihać, die Stadt an der unglaublich grünen Una.

Und nach zwei Wochen unterwegs? Da könnte man natürlich erst einmal gemütlich ankommen. Könnte man.

Zurück in Wien – und direkt zu den Toten Hosen

Kaum waren wir wieder zu Hause, fragte mich mein Partner am Morgen: „Wollen wir heute zu den Toten Hosen gehen? Es gibt noch Karten.“

Ich bin weder der größte Tote-Hosen-Fan noch besonders textsicher, aber das Konzert hat mir richtig gut gefallen. Die Stimmung war großartig.

Von Bosnien direkt zu den Toten Hosen – der September hatte offenbar beschlossen, keine langsame Eingewöhnungsphase einzuplanen.

Menschen im Stadion in Wien beim tote Hosen Konzert
Die Toten Hosen haben einen neuen Fan! Und zwar mich…

Luziwuzi im Rabenhof

Kurz darauf ergab sich gleich der nächste Kulturabend.

Eine Freundin war krank geworden und konnte ihre Karte für „Luziwuzi“ im Rabenhof nicht nutzen. Also durfte ich einspringen.

Tom Neuwirth in der Rolle des Luziwuzi hat mir ausnehmend gut gefallen. Der Abend war unterhaltsam, aber gleichzeitig auch ziemlich beklemmend. Es gab einige Momente, in denen mir das Lachen im Hals stecken blieb.

Die Geschichte von Erzherzog Ludwig Viktor, genannt Luziwuzi, ist außergewöhnlich – und zeigt eine Seite der Habsburger, über die man sonst eher selten etwas hört. Ein großer Applaus geht auch an die Autorin Ruth Brauer-Kvam, die diese ungewöhnliche Geschichte auf die Bühne gebracht hat.

Wien auf den zweiten Blick geht weiter

Nach der Sommerpause ging es auch mit meinem Podcast „Wien auf den zweiten Blick“ wieder weiter.

Ich war im September in Wien unterwegs, habe recherchiert, fotografiert und neue Folgen aufgenommen. Das gefällt mir an diesem Projekt sowieso ganz besonders: Ich komme an Orte, an denen ich oft schon unzählige Male vorbeigegangen bin, und sehe sie plötzlich mit anderen Augen.

Im September sind die Folgen über das Billrothhaus und das Literaturhaus Wien online gegangen.

Und schon warten die nächsten Geschichten. Ihr dürft euch freuen.

Holzfaesser in einem Keller
In diesem Keller in Wien habe ich eine neue Episode von Wien auf den zweiten Blick aufgenommen

Apropos Freude: Ihr dürft gerne meinen Newsletter abonnieren. Dann verpasst ihr keine neuen Geschichten – und ich freue mich über jede neue Anmeldung.

Bild mit einem Foto der Reisebloggerin und dem Aufruf den Newsletter zu abonnieren

Sehr viele Einladungen – und sehr viel Wien

Auch sonst war im September einiges los. Es gab unzählige Pressetermine und Einladungen, unter anderem einen sehr schönen Slowenien-Abend im Weltmuseum, außerdem Veranstaltungen von Schweiz Tourismus und Tschechien Tourismus.

Instagram macht mir momentan übrigens richtig Freude. Die Reels laufen gut, und ich merke, dass mir diese kurzen Videos inzwischen wesentlich leichter von der Hand gehen als noch vor einiger Zeit.

Man lernt offenbar doch dazu.

Streetart in Wien
Wien ist immer gut für neue StreetArt!

Eine neue Buchhandlung musste natürlich besucht werden

Neu entdeckt habe ich im September auch die Buchhandlung SVEVO in der Wollzeile.

Eine neue Buchhandlung in Wien? Natürlich muss ich hin. Schließlich könnte es ja sein, dass es dort Bücher gibt, die ich noch nicht besitze, rein theoretisch zumindest.

Am selben Abend ging es noch zu einem Italien-Abend – womit wir wieder bei meinem ziemlich vollen September wären.

Naschmarkt, Schönbrunn und ein bisschen normales Leben

Nicht alles bestand aus Presseterminen, Arbeit und Kulturveranstaltungen.

Ich war nach längerer Zeit wieder einmal auf dem Naschmarkt unterwegs und mit einer Freundin in Schönbrunn spazieren. Schönbrunn im Herbst ist soooo schön!

Außerdem habe ich im September erstaunlich viel gekocht, drei neue Kochbücher sei Dank!

Vielleicht liegt das daran, dass ich wieder ein bisschen mehr Freude daran habe, einfach zu Hause zu sein, einzukaufen und selbst etwas zu kochen.

Auch das gehört zu meinem Reiseleben: wegfahren – und das Heimkommen wieder schätzen lernen.

Allee in Schönbrunn
Herbst in Schönbrunn, wunderschön, oder? Das Foto ist aus dem Jahr 2019.

Oberösterreich und ein Besuch, der mir wichtig ist

Im September führte mich mein Weg nach Oberösterreich zu einer Geburtstagsfeier.

Wenn ich dort bin, gehört für mich auch der Besuch am Friedhof dazu. Ich war am Grab meiner Eltern und meines Bruders und habe Blumen gebracht.

Das ist für mich kein großer Programmpunkt und auch nichts, worüber ich normalerweise viel schreibe. Aber es gehört zu meinem Leben und ist mir wichtig.

Blumengesteck auf einem Friedhof

Arbeiten, arbeiten, arbeiten

Ein großer Teil des Monats spielte sich allerdings weniger fotogen vor meinem Computer ab.

Ich habe Blogartikel überarbeitet, neue Texte geschrieben, Pinterest gepflegt, Tailwind befüllt, Reels geschnitten und alte Inhalte aktualisiert. Viele dieser Dinge sieht später niemand.

Man sieht einen fertigen Blogartikel oder einen Pin auf Pinterest – aber nicht die Stunden, die davor am Schreibtisch vergangen sind.

Besonders beschäftigt hat mich im September auch wieder die Frage, wie ältere Blogartikel besser gefunden werden können. Also habe ich begonnen, bestehende Inhalte zu überarbeiten und neu aufzubereiten. Ich habe zum Beispiel alle meine Prag Artikel überarbeitet:

Prager Burg: Sehenswürdigkeiten, Tickets und Tipps für Deinen Besuch
Jugendstil in Prag: Die schönsten Gebäude, Cafés und Passagen
Prag von oben: Die schönsten Aussichtspunkte
Franz Kafka in Prag: Auf den Spuren des Schriftstellers

Reisebloggen besteht eben nur zu einem erstaunlich kleinen Teil aus Reisen.

Palastgärten in Prag an der Südseite
Ich habe alle meine Prag Artikel überarbeitet

Echt.Erlebt

Auch unser gemeinsames Projekt Echt.Erlebt hat mich im September weiter beschäftigt.

Wir sind fünf Journalistinnen, die gemeinsam an diesem Projekt arbeiten, Ideen entwickeln, Kontakte knüpfen und überlegen, wie wir authentische Reisegeschichten und touristische Partner zusammenbringen können.

Auch hier passiert im Hintergrund gerade einiges. Ich bin gespannt, wohin uns das Projekt noch führt.

Wir sind echt.erlebt! Copyright: Martina Nell

Die Sache mit der Geldbörse

Eine Mission blieb im September übrigens ungelöst.

Ich suche eine neue Geldbörse. Eigentlich sollte man meinen, das sei keine besonders schwierige Aufgabe. Offenbar habe ich sehr genaue Vorstellungen davon, wie viele Fächer eine Geldbörse haben muss, wie groß sie sein darf und wie sie sich anfühlen soll. Die Suche geht also im Oktober weiter.

Wieder Flöte spielen

Und dann gibt es noch etwas, das überhaupt nichts mit Reisen, Bloggen oder Social Media zu tun hat. Ich habe meine Flöte wieder hervorgeholt.

Am kommenden Samstag habe ich meine erste Stunde nach langer Zeit. Darauf freue ich mich sehr, denn genau solche Dinge möchte ich wieder öfter machen: etwas, das einfach nur für mich ist und keinen Content ergeben muss.

Wobei …

Jetzt steht es schon im Blog.

Kino im September

Vier Filme waren es im September – wobei ich einen davon gleich zweimal gesehen habe.

In a Whisper ist ein tunesisch-französischer Film über eine Familie, in der vieles unausgesprochen bleibt. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Homosexualität, familiäre Geheimnisse und die Frage, wie offen man sein eigenes Leben führen kann. Mich hat der Film sehr berührt, vor allem weil er unglaublich gut gespielt ist.

Auch Gentle Monster hat mir sehr gut gefallen. Der Film greift mit Pädophilie ein schwieriges Thema auf und erzählt davon, was passiert, wenn Vertrauen innerhalb einer Familie vollkommen zerbricht.

Dann war da noch Wax and Gold, ein österreichischer Film, der in Äthiopien spielt. Beim Zuschauen musste ich an meine eigenen Reisen nach Äthiopien denken.

Und schließlich Vaterland. Den habe ich mir im September gleich zweimal angesehen. Nicht etwa, weil ich beim ersten Mal eingeschlafen wäre, sondern weil zwei Freundinnen den Film sehen wollten – also bin ich einfach beide Male mitgegangen.

Und ganz ehrlich: Ich hätte ihn mir auch noch ein drittes Mal anschauen können.

Sandra Hüller ist einfach unfassbar gut. Beim zweiten Mal sind mir außerdem wieder Details aufgefallen, die ich beim ersten Schauen gar nicht wahrgenommen hatte.

Kinosaal mit blauen Sesseln
Manchmal habe ich einen Kinosaal für mich ganz alleine

Gelesen im September

Lesetechnisch war der September durchaus ergiebig. Sechs Bücher habe ich beendet, eines abgebrochen.

Isidor – Ein jüdisches Leben von Shelley Kupferberg
Richtig gut. Eigentlich sogar unglaublich gut. Eines dieser Bücher, die bei mir wirklich hängen bleiben.

The Garnett Girls
Das Buch wurde mir empfohlen. Ich fand es okay, aber es war jetzt keines, das mich besonders begeistert hätte.

Maikäferjahre von Sarah Höflich
Lässt sich sehr gut lesen und hat mir gefallen.

Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer.
Ich fand es gut und sehr gut lesbar, aber an 22 Bahnen kommt es für mich nicht heran.

Die Hummerjahre
Der zweite Teil nach Die Hummerfrauen. Mir hat der erste Band besser gefallen, aber auch Die Hummerjahre ist ein gutes Buch.

5, 6, 7, 8 von Ewald Arenz
Auch hier gilt: Ich habe schon Bücher von Ewald Arenz gelesen, die mir besser gefallen haben. Trotzdem lässt es sich gut lesen.

Broder von Dörte Hansen
Dörte Hansen kann für mich eigentlich alles schreiben. Es ist fast egal, worüber – ich bin sofort in der Geschichte. Ich kenne kaum eine deutschsprachige Autorin, die mich so schnell hineinzieht. Beim Lesen entsteht vor meinen Augen ein richtiger Film. Trauer, Frust, Wut, kleine Gesten und Stimmungen – sie kann das alles so unglaublich genau beschreiben. Auch Broder hat mich wieder vollkommen gepackt.

Und dann war da noch eines, das ich abgebrochen habe:

Die unbekannte Sally Hemings von Barbara J. LeBoeuf
Der Klappentext hat mich sofort interessiert, aber beim Lesen wurde es mir irgendwann einfach zu mühsam. Und dann kam dieser Moment, an dem ich mir dachte: Dafür ist mir meine Lesezeit zu schade. Also habe ich es weggelegt.

Früher hätte ich mich wahrscheinlich noch durchgekämpft. Heute denke ich mir: Es gibt einfach zu viele gute Bücher, die noch auf mich warten.

Bücherstapel
Ein Teil meiner gelesenen Bücher

Und jetzt Oktober

Beim Durchsehen meiner Fotos für diesen Rückblick ist mir wieder bewusst geworden, wie voll meine Monate sind.

Manchmal vielleicht ein bisschen zu voll. Und gleichzeitig finde ich es schade, dass ich viele Erinnerungen erst wiederfinde, wenn ich durch meine Fotos scrolle.

Für den Oktober habe ich mir deshalb etwas vorgenommen: ein bisschen besser auf mich selbst achten. Weniger automatisch von einem Termin zum nächsten laufen. Wieder mehr Dinge machen, die keinen Blogartikel, kein Reel und keinen Pin ergeben müssen.

Flöte spielen wäre schon einmal ein Anfang. Und eine Geldbörse muss ich natürlich trotzdem noch finden.

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Miriam blitzt - Miriam Mehlman Fotografie

GUDRUN KRINZINGER

Ich tue. Ich reise. Ich bin.

Reiseblog von einer reiselustigen, strickbegeisterten, lesesüchtigen und fotografiewütigen Oberösterreicherin mit Hauptsitz Wien und Alte Donau.

Seit 2010 schreibe ich über meine Reisen auf dem Blog Reisebloggerin.at.

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