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Der Rest der Welt

Barfuß in Mumbai

Das Taxi sah aus als würde es jeden Augenblick zusammenbrechen. Blinker gab es schon lange keinen mehr, die Armaturen hatten schon bessere Jahre gesehen. An jeder Ampel, an jeder Kreuzung starb es ab und wurde mit unendlicher Geduld des Taxifahrers und unter einem unendlichen Hupkonzert der restlichen Verkehrsteilnehmer wieder in Gang gebracht. Ich sah zu wie der Lenker das Gaspedal betätigte und sah auf seine nackten Füße. Er war barfuß.

Blick auf Mumbai

Fast direkt vor der Moschee stieg ich aus, neugierig beäugt von den Mumbaikar. Momentan waren wenige Touristen in der Stadt unterwegs, ich in meinen Outdoorklamotten neben den elegant gekleideten Inderinnen in ihren bunten Saris fiel auf. Gemeinsam pilgerten wir in einer langen Schlange zum Haji Ali Dargah, Grabmal und Moschee zugleich, das nur über einen Betonsteg mit dem Festland verbunden war. Kaum war ich bei der Moschee angekommen, dröhnte eine Stimme aus den Lautsprechern. Ich vermutete einen Aufruf zum Gebet, als ein Inder auf mich zukam und mir erklärte, das Tor zur Moschee würde für die nächsten zwei Stunden schließen. Entweder man bleibe im Gebäudekomplex oder man gehe zum Festland zurück. Gemeinsam mit vielen Indern schoss ich noch schnell ein Erinnerungsfoto und beschloss umzukehren.

Haji Ali Dargah

Das Meerwasser schwappte an manchen Stellen über den brüchigen Betonsteg. Es kam von links und von rechts. Die Stände, in denen vor wenigen Minuten noch Opfergaben verkauft wurden, waren verschwunden. Die einzigen, die ausharrten, waren die Bettler, die mit verzweifelten Gesten ihre Pappbecher und Metalldosen in die Höhe hielten. Neben mir raffte eine Inderin ihren Sari zusammen und trippelte mit vorsichtigen Schritten in das Nass. Ihre Flipflops hielt sie in der rechten, den Arm ihres Kindes in der linken Hand. Beide, Kind und Mutter, waren barfuss. Ich rettete mich auf eine Betonstufe und blickte in die Fluten.

Steg zu Moschee

„The Tide is coming“, raunte mir ein Mann zu. Wie so viele andere zog ich meine Schuhe aus, krempelte unter den amüsierten Blicken der Umstehenden meine Hosenbeine in die Höhe und stieg ins Meer. Entgegen meiner Befürchtungen war das Wasser warm. An manchen Stellen sah ich den Beton unter dem Wasser schimmern, an manchen Stellen war es knöchelhoch, an der schlimmsten Stelle knietief. Da war ich, barfuß in Mumbai.

Doch es sollte nicht mein einziger barfüßiger Ausflug für heute bleiben.

Die Flut kommt

Nur wenige Meter von der Moschee entfernt liegt der hinduistische Mahalakshmi Tempel. Noch waren meine Hosenbeine nicht getrocknet, reihte ich mich in die Schlange der Gläubigen ein. Noch hatten wir alle Schuhe an, als wir an den Verkaufsständen vorbeigingen, die Blumengirlanden, Glücksbringer, Rosen und Kokosnüsse verkauften.

Die Betonung liegt auf noch, denn je näher wir dem Heiligtum kamen, umso mehr Gläubige entledigten sich ihrer Schuhe. Unter jedem Verkaufsstand türmten sich Schlapfen und Flip-Flops. Für ein kleines Entgelt gab ich meine Schuhe bei einer Schuhgarderobenfrau ab.

Opfergaben

Ich reihte mich in die lange Schlange der indischen Frauen ein, die sich auf das Allerheiligste zubewegten. Den Männern war eine eigene Schlange zugedacht. Die Frauen vor und hinter mir waren in bunt schimmernde Saris gehüllt, die Arme mit Goldarmbändern geschmückt. Kinder klammerten sich an ihre Mütter, es herrschte Festtagsstimmung an diesem Sonntag. Schritt für Schritt stiegen wir die Treppen zum Tempel empor, jede Handtasche wurde durchsucht, meinen Fotoapparat musste ich abgeben.

Souvenirs

Vor mir standen sicher noch um die 300 Personen, als mich ein Aufseher zur Seite nahm, eine Gittertüre öffnete und mich direkt vor die drei Göttinnen Mahalakshmi, Mahakali and Mahasaraswati schob. Eine weitere Aufpasserin drückte mir eine Blume in die Hand, die ich vor die Göttinnen legte. Als Gegengabe bekam ich eine Lotusblüte und eine Süßigkeit gereicht und wurde Richtung Ausgang geschoben. Stopp, wollte ich schreien.

Die Geste mich vorzulassen war sicherlich nett gemeint, aber weder konnte ich einen Blick auf die Göttinnen erhaschen, noch mich auf das Ritual einlassen. Es ging mir viel zu schnell und verwirrt stand ich da, die Blüte in der einen, eine süße Kugel in der anderen Hand und starrte auf meine bloßen Füße.

Hinduistische Opfergaben

Bilder von den Göttinnen gibt es hier: http://mahalakshmi-temple.com/gal_mahalashmi.asp

Die Swiss hat die Flugkosten für den Flug nach Mumbai übernommen. Vielen Dank dafür! Euren Flug nach Mumbai bucht ihr hier: http://www.swiss.com/de/DE/buchen/flug