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Der Rest der Welt

Interview mit Christian Hlade

Jedes Jahr im Jänner besuchen tausende Besucher die Ferienmesse in Wien. Ich bin einer von ihnen. Mit dem Smartphone ziehe ich los auf der Suche nach inspirierenden Menschen in der Reisebranche, die mir inmitten des Trubels ein Interview geben wollen. Am Stand von WeltWeitWandern bleibe ich stehen. Christian Hlade sei gerade irgendwo am Messegelände unterwegs, vertröstet mich Nina Kraxner, die in der Firma für Kommunikation und Marketing zuständig ist. Aber grundsätzlich sei ihr Chef in Interviewlaune.

Zwei Stunden später schleiche ich wieder am Stand vorbei. Christian Hlade verabschiedet gerade einen Gast und wendet sich mir zu. Und ja, er ist in Interviewlaune!

Christian Hlade von Weltweitwandern

Wie kamen Sie auf die Idee mit WeltWeitWandern?

Wandern und Reisen war mein Hobby. Am Anfang war das Reisen eine Art Flucht: Die Enge der Provinz in Graz, mein Architektur Studium hat mir nicht getaugt, also bin ich ganz viel weggefahren.

Beim Wegfahren bin ich mit der Traveller-Szene in Indien in Kontakt gekommen, ich lernte zum Beispiel Australier kennen, die oft zwei Jahre unterwegs waren. Ich kam in Berührung  mit der großen weiten Welt und anderen Kulturen. Ich spürte einfach, die haben eine ganz andere Energie als ich zu Hause in meinem Leben.

Zuerst habe ich Diavorträge gehalten, dann wollte ich Reiseschriftsteller werden, aber mir hat die Begabung gefehlt, ich brauchte zu lange zum Schreiben. Schließlich entstand der Plan, von dieser Weite und den Reiseerlebnissen leben zu können und irgendwie so hat sich Weltweitwandern ergeben.

Mussten Sie eine Prüfung machen um ins Reisebürogeschäft einsteigen zu können? (Christian Hlade lacht laut auf)

Das war eine längere Geschichte und ein bisschen ein Kampf mit der österreichischen Wirtschaftskammer. Ich arbeitete in Studentenzeiten als Guide bei Kneissl-Touristik, habe dann später auch für andere Reiseunternehmen eigene Gruppen geführt und habe gesehen, das taugt mir. Ich habe also bei der Wirtschaftskammer angerufen und habe nach einer Genehmigung bzw. Gewerbeberechtigung gefragt. Das war aber vor 20 Jahren noch relativ öd. Die haben mich ganz komisch behandelt, so nach dem Motto, das ist alles illegal was ich da tue. Ich wollte aber keine Selbstanzeige machen, ich wollte nur fragen wie das geht…

Man riet mir eine Ausbildung zu machen, eine Art Lehre, im Anschluss hätte ich eine dreijährige Praxis gebraucht. Nachdem ich aber schon jahrelang studiert hatte, wollte ich keine sechs Jahre Ausbildung mehr dranhängen. Zum Glück gab es dann so eine Art Gewerbereform. Ein Beamter wies mich auf die Möglichkeit hin, einen außerordentlichen Nachweis der Befähigung einzubringen. Das habe ich dann gemacht und bin als Architekt mit einer dicken Mappe anmarschiert. Es gibt in Österreich immer einen Umweg…

Lag der Schwerpunkt von Ihrem Reisebüro  immer schon auf Wandern?

Ja, immer schon. Ich habe schnell gemerkt, sobald du einige Schritte weggehst von der Straße, wird’s ursprünglicher, schöner und angreifbarer. Wandern war für mich nie Sport, sondern ein Grund um in Gegenden zu kommen, wo das Leben ursprünglicher ist.  Das war eine Art Sehnsucht, etwas kennenzulernen, wo es völlig anders ist als bei uns.

Wie viele Reisen begleiten Sie pro Jahr als Guide?

Ich habe letztes Jahr einige Pressereisen gemacht oder komplizierte Pilotreisen, zum Beispiel nach Tadschikistan, das touristisch noch sehr in den Kinderschuhen steckt.

Wo würden Sie jemanden hinschicken, der zum ersten Mal bei WeltWeitWandern eine Reise bucht?

Ich sag sofort Marokko, wobei Marokko ist gefährlich, denn da kommen die Leute so begeistert zurück, das sie meinen, diese Reise war die schönste ihres Lebens. Ab dann kann es nur noch schlechter werden. Der Begeisterungsfaktor ist da schon sehr hoch.

Trotzdem, wir haben super Reisen nach Madeira oder ins Himalayagebiet oder nach Rumänien, man kann mit uns in viele Länder fahren.

Wo würden Sie hinfahren wenn Sie zwei Wochen Urlaub hätten?

Wahrscheinlich eh nach Marokko, weil ich da soviele Freunde habe. Oder nach Ladakh, also zu den üblichen Verdächtigen.

Wenn man Ihre Facebookseite verfolgt, sind Marokko und Nepal ihre Lieblingsziele.

Mit 16 Jahren war ich in Marokko und mit 19, nach der Matura, in Nepal. Diese beiden Länder begleiten mich schon immer.

2015 war in Nepal ein Erdbeben. Das von Ihnen gegründete Kinderheim wurde zerstört. Mittlerweile ist das Kinderheim wieder aufgebaut und Sie arbeiten an neuen Projekten in Nepal. Wie geht die Arbeit voran?

Das Erdbeben war schrecklich. Wir konnten zum Glück schnell reagieren. Unser Partner hat mich angerufen, wie das Erdbeben gerade im Gange war. Zehn Minuten nachdem das Haus zusammengebrochen ist, war ich schon informiert. Wir haben am gleichen Tag Hilfsaktionen gestartet. Unser Partner öffnete die Lager und gab Zelte aus. Wir waren schneller als die Hilfsorganisationen, denn wir waren ja vor Ort. Wir hatten Lebensmittel, Fahrzeuge und Decken, die wir verteilten. Unsere Guides vor Ort halfen wo sie konnten.

Wir kommunizierten ganz schnell. Es gab Fotos und wir teilten den Menschen mit, was mit den Spendengeldern geschah. Und ein, zwei Monate später, ohne daß wir ein Stück Papier drucken mußten, waren 500.000 Euro am Konto. Mit dem Geld bauten wir 120 Unterkünfte und finanzierten den Wiederaufbau unseres Kinderheims.

Und es blieb noch Geld übrig. Diese 150.000 Euro bilden den Grundstein für das Schulprojekt. Das wird eine Million Euro kosten. Wir bauen mit unseren Partnern eine riesige Schule am Rande von Kathmandu mit 400 Schülern.

Wir sind durch das Erdbeben und die Hilfsbereitschaft unserer Gäste ein professioneller Bildungsprovider in Nepal geworden. Das Erdbeben war natürlich schrecklich, aber am Ende entsteht doch etwas Positives. Unsere Gäste haben viel geholfen. Unheimlich viele Leute, die mit uns in Nepal waren, starteten Aktionen zum Spenden. Das war beeindruckend.

Sie haben letzten November ein Buch mit dem Titel „Wandern wirkt“ herausgegeben. Wie ging es Ihnen mit dem Schreiben?

Das war cool! Also ich schreibe ja sehr gerne und blogge auch selber, ich hatte sehr viel Material. Und dann folgte der Prozess des Durcharbeitens. Reduzieren, Streichen, Umarbeiten, das Zurückziehen ins stille Kämmerchen, Nachdenken, Sortieren, ich mag das sehr gerne. Das Schreiben und über den eigenen Lebensweg nachdenken war ein totaler Luxus.

Es war eine positive Zeit und ohne eitel zu wirken: Ich bin voll zufrieden mit dem Buch.

Oft macht man ein Projekt und dann denkt man sich: Scheiße, ich hätte es besser machen können.

Aber das Buch war eine Art Gemeinschaftsprojekt, es war eine Grafikerin mit an Bord und ich hatte einen tollen Lektor.

Was sind die nächsten Projekte bei WeltWeitWandern?
Was mir im Tourismus taugt: Man kann neue Sachen ausprobieren. Wir haben schon vor Jahren begonnen unsere Guides nach Österreich einzuladen. Darüber informieren wir unsere Gäste. Einer unserer Guides kommt zum Beispiel aus Georgien, unsere Gäste aus Salzburg laden ihn ein und zeigen ihm die Stadt. Dann reist er weiter nach Kärnten und dann nach Wien. So sind die Guides Gäste von unseren Gästen. Und das ist schön!

Ein weiteres Projekt haben wir auch.  Der Himalaya-Guide besucht zum Beispiel Marokko. Der Marokko Guide fährt inzwischen nach Nepal und fährt dort mit einer Gruppe mit. Das taugt unseren Gästen, und den Guides auch. Das bringt total viel.

Und heuer machen wir die Krönung. Wir haben alle unsere Partner angeschrieben und Ende Februar fahren wir mit 30 unserer Guides nach Marokko. Es kommen Guides aus der Mongolei, aus dem Iran, aus Madagaskar, aus Südamerika, aus Rumänien, eben aus der ganzen Welt. Am Abend gibt es Vorträge und Diskussionsrunden zu vielen verschiedenen Themen. Wir werden diskutieren und eine Woche gemeinsam verbringen. Und das haut heuer endlich hin und es wird supergeil!

Vielen Dank für das Interview!

Mehr über WeltWeitWandern gibt es auf der Homepage:
Weltweitwandern

Mehr über Christian Hlade findet ihr hier:
Blog Hlade

Das Buch „Wandern wirkt“, erschienen im Braumüller Verlag, gibt es in jeder Buchhandlung.
Ich kaufe am liebsten in der Buchhandlung Kuppitsch in Wien. Buy local!