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Der Rest der Welt

Im Schulmuseum in Bad Leonfelden

Aufrecht stehen sie da, die Lippen fest zusammengepresst, die Augen in die Kamera gerichtet, kein Lächeln ist zu sehen. Das festliche Sonntagsgewand haben sie an, doch bei näherem Hinsehen erkennt man, dass nur die Kinder in der ersten Reihe Schuhe anhaben, die in den hinteren sind barfuß. Mittendrin das „Fräulein“, das bei Verheiratung den Schuldienst quittieren musste. Schaut die Dame deshalb so vergrämt, weil sie nicht verheiratet ist?

Klassenfoto

Ich bin im Schulmuseum in Bad Leonfelden und betrachte die Fotos an den Wänden. Kind sein am Land war um die Jahrhundertwende (19./20.Jh) sicherlich kein Honiglecken  Zuerst musste zuhause fleißig mitgearbeitet werden, und dann musste man oft noch stundenlang in die Schule marschieren, die Siebensachen im Schulranzen auf dem Rücken. Im Winter hatte man auch ein Holzscheit mitzuschleppen, sonst konnte der Ofen in der Klasse nicht beheizt werden. Und da saß man nun auf den harten Holzbänken, beäugt von Kaiser Franz Josef und eingeschüchtert vom strengen Blick des Herrn Lehrers oder des Fräuleins.

Schulmuseum

Tafel

Schule schwänzen war kein Thema. Als Maria Theresia die Schulpflicht einführte, landeten Väter, die ihre Kinder nicht regelmäßig in die Schule schickten, im Kerker. Und zu Beginn des 20.Jhdts. wurden Eltern angehalten, die Abwesenheit ihrer Kinder schriftlich zu entschuldigen, was wegen mangelnder Rechtschreibung der Eltern zu kuriosen Entschuldigungstexten führte: „Geerter Herr Schullehrer. Ich als den Oberndorfer seine Mutter gebe inen freundlich bekannt das er ser marod ist. Achtungsvol“ (sic!).

Doch auch die Lehrer hatten kein leichtes Leben. Oft mussten sie einen Nebenjob annehmen (Flickschuster, Mesner, Organist), um sich und ihre Familie erhalten zu können. Man lebte recht und schlecht aus Mitteln des Schulfonds, von kirchlichen Sammlungen und Naturalien. Zu den Aufgaben des Lehrers gehörte es auch, die Tinte für den Schulunterricht anzurühren. Dazu brauchte man Galläpfel, Vitriol, Gummi arabicum, Weinessig und Regenwasser. Das genaue Rezept aus dem Jahr 1775 ist im Schulmuseum einzusehen.

Dieses Museum quillt über vor originellen und originalen Ausstellungsstücken. In einer Vitrine liegen ein römischer Stilus und eine Wachstafel. Mit dem spitzen Ende wurden Zeichen in die Wachstafel geritzt, und mit der breiten wieder glattgestrichen. Man machte „tabula rasa.“ Und woher kommt die Redensart: „Vom Fleck weg heiraten“? Mädchen lernten im Handarbeitsunterricht Sticken, Stopfen und Nähen. Ein Musterfleck wurde produziert, und wenn die zukünftige Schwiegermutter mit der genauen Ausführung zufrieden war, durfte geheiratet werden, eben „vom Fleck weg“.

Wachstafel

Handarbeitsfleck

Die einstündige Führung ist viel zu kurz, und die Zeit vergeht wie im Flug. Sollte ich wieder einmal in der Gegend sein, werde ich das Schulmuseum sicherlich nochmals besuchen.

Vielen Dank an den Kurverband Bad Leonfelden, der mich zu einem Aufenthalt in Bad Leonfelden eingeladen hat.