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Der Rest der Welt

Salzburger Bauernherbst

„Nu a weng mehr Kernseifn“ oder „Ruhig mehr Wossa“ lauten die Anweisungen von Heidi. Immer wieder begutachtet sie unsere Werkstücke. „Schaut scho gaunz guat aus!“ lobt sie Jakobs und meinen Einsatz. Erleichtert lachen wir uns an. Stück für Stück hatten wir einen Berg Schafwollvlies zerlegt und die Fasern auf eine quadratische Schablone gelegt. Einer Lage in waagrechter Richtung folgte eine Lage in senkrechter Richtung.

Nassfilzen im Salzburger Wollstadel

Schließlich gossen wir vorsichtig heißes Seifenwasser über unser Schafwollquadrat und staunten wie der Berg unter unseren Fingern verschwand. Mit Kernseife arbeiteten wir weiter. Das Quadrat musste mehrere Minuten massiert werden, wir drehten es um und entfernten die Schablone. Wieder wurde das gute Stück massiert und schön langsam dürfen wir uns Gedanken über weitere Verzierungsmöglichkeiten machen.

Mir mangelt es an Fantasie. Ich linse zu den anderen. Jakob entscheidet sich für einen bereits vorgefertigten Hirsch, der sein Sitzkissen schmücken soll, Maria werkt an einem grünen Herz. Ein Herz ist gar keine so schlechte Idee, denke ich mir und zupfe mir rotes Wollvlies aus einem Korb. Vorsichtig forme ich das Motiv, wieder kommen Wasser, Kernseife und meine Hände zum Einsatz und endlich liegt es vor mir: Mein erstes gefilztes tropfnasses Sitzkissen.

Sitzkissen

Die letzten Verarbeitungsschritte überlasse ich den beiden Wollschwestern Heidi und Silvia, die gemeinsam mit ihrer Mutter den Salzburger Wollstadel in Bramberg im Pinzgau betreiben. Das ganze Jahr über kann man hier Filz- und Strickkurse buchen. Wer nicht kreativ sein will, deckt sich einfach im angeschlossenen Verkaufsraum mit Sitzkissen, Filzpatschen, Taschen, Jacken
oder Hüten ein.

Salzburger Wollstadel

Und noch eine Besonderheit gibt es hier: Die Pinzga Doggln. Diese traditionellen Hausschuhe aus der Region Nationalpark Hohe Tauern werden aus mindestens fünf Stoffschichten und einer stabilen Filzsohle gefertigt. Sie sehen unverwüstlich aus.

Pinzga Doggln

Nur wenige Meter vom Wollstadel entfernt wird ebenfalls fleißig gearbeitet. „Der gestrige Sturm hat die Äpfel von den Bäumen geschüttelt“, erklärt uns Toni Lassacher, Obmann des Obst- und Gartenbauvereins. Immer wieder fahren Autos und Traktoren vor, Kofferräume und Ladeflächen werden entladen. Die Obstpresse in Bramberg hat Hochbetrieb. Geduldig warten die Lieferanten, alles Mitglieder des Vereins, auf den Apfelsaft, der frisch gepresst in Saftboxen abgefüllt wird. Köstlich schmeckt er, der Bramberger Apfelsaft, genau so köstlich wie das frisch gebackene Brot, das im Rauriser Tal auf den Tisch kommt.

Aus diesem Apfel wird Apfelsaft

Roswitha Huber, die selbst ernannte Eigenbrötlerin, ist mir keine Unbekannte. Schon vor zwei Jahren durfte ich auf der Kalchkendlalm zu Besuch sein und unter ihrer Anleitung ein Sauerteigbrot backen.

Am heutigen Tag herrscht Freudenstimmung. Das 4.Brotbackfest geht mit einem umfangreichen Programm über die Bühne. Am Freitag heißt das Motto „Offene Öfen“ im Raurisertal. An sieben Stationen werden die Holzbacköfen angefeuert und man tauscht sich mit den Brotbäckern aus. Welches Rezept funktioniert besonders gut? Welches weniger? Das Brot geht sprichwörtlich weg wie die warmen Semmeln.

Brot

Am Samstag lautet das Motto des Symposiums „Mehl-Wasser-Salz“. Zwölf Referenten kommen zu Wort. Seinen Abschluss findet das Brotbackfest am Sonntag mit einem großen Brotmarkt beim Andrelwirt in Wörth.

Doch noch ist Freitag und alle warten auf Roswitha. Kaum steigt sie aus dem Auto, wird sie von Freunden und Bekannten umringt. Zum Brotbacken bleibt ihr heute keine Zeit. Zum Glück hat sie fleißige Helfer wie Michael, der an diesem Freitag das Kommando über den Holzbackofen übernommen hat. Er streut ein wenig Mehl in den Ofen und siehe da, es wird schwarz. Es ist also noch zu heiß um die Laibe einzuschieben. Aber er verspricht uns Bescheid zu geben, wenn er das frisch gebackene Brot aus dem Ofen holt. Nach einer guten Stunde ist es soweit. Wie das duftet! Ich finde, es gibt nichts besseres.

Brotbacken auf der Kalchkendlalm

Brot, Pinzga Doggln und Apfelsaft stehen dann auch am nächsten Tag beim Bauernfest in Krimml zum Verkauf. Dieses Fest ist nur eines von vielen. Insgesamt gibt es 75 Gemeinden im Salzburger Land, die mit Erntedankfesten, Almabtriebsfesten und Handwerksmärkten den Salzburger Bauernherbst feiern, der von Mitte August bis Ende Oktober dauert.

Festumzug Salzburger Bauernherbst

In Krimml wird der Festtagsumzug von einem Schnalzer eingeläutet, der in einer akrobatischen Einlage auf sein Ross steigt und seine Peitsche duch die Luft sausen lässt.Im Anschluss reiht er sich in den Festumzug ein, der mitten durchs Ortszentrum von Mittersill an den vielen Schaulustigen vorbeiführt. Neben den festlich geschmückten Wägen bewundere ich auch die Einheimischen und Zuschauer, die zur Feier des Tages ihre schönsten Trachten tragen.

Schnalzergruppe Mittersill

Krimmler Bauernherbstfest

Inspirieren kann man sich da bei der Trachtenmodenschau. An zahlreichen Ständen werden typische Pinzgauer Köstlichkeiten angeboten. Ich verkoste Germkrapfen mit Preiselbeeren und Sauerkraut und als Nachspeise einen Heidelbeerkuchen.

Germkrapfen

Satt und zufrieden setze ich mich auf eine Bank und blättere durch das Bauernherbstprogramm des nächsten Jahres. Da gibts zum Beispiel
in Seeham des Kunsthandwerksmarkt mit über 90 Aussteller aus dem In- und Ausland. In der Stadt Salzburg feiert man den Rupertikirtag und in Bad Gastein lassen die Böcksteiner Knappen mit dem Schwerttanz eine alte Tradition aufleben.

Kleintierschau

Eröffnet wird der Salzburger Bauernherbst 2016 am 28.August in Niedernsill mit Frühschoppen, Almabtrieb, Bauernmarkt, Kräuterstand, Oldtimer Traktoren undBrauchtumsvorführungen. Ich hoffe, wir sehen uns nächstes Jahr!

Weitere Informationen über den Salzburger Bauernherbst gibt es auf der Homepage: Salzburger Bauernherbst

Diese Reise erfolgte auf Einladung des Tourismusverband Salzburger Land. 

Mit mir unterwegs war Maria von kofferpacken.at. Ihre Eindrücke vom Salzburger Bauernherbst findet ihr hier und hier.