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Der Rest der Welt

Eine Führung am Naschmarkt

In der Hauptrolle: ein weißer Porzellanlöffel, verpackt in einem liebevoll genähten und mit einem Aufdruck verziertem Leinensäckchen.
Die Statisten: Tomatenflocken, Maulbeersaft, Ras el-Hanout, roter Pfeffer, Salzburger Heukäse, Zatar, Zitronengras Essig, Salzgurken, mit Schaffrischkäse gefüllte Mini-Kürbisse, Trüffelsalami, Kokoswürfel, Rauchmandeln, Oliven.
Dauer der Vorstellung: in etwa 2 Stunden.
Pausen: immer und überall.
Der Regisseur: Peter Nowak.
Das Stück: Der Wiener Naschmarkt.

Löffel

Wiener Naschmarkt

Na gut, dann gebe ich dem Naschmarkt halt noch eine Chance, dachte ich, als ich eine Einladung zu Peter’s Naschmarkt Genuss Spaziergang im E-Mail-Postfach hatte. Meine Beziehung zum größten Wiener Markt kann man als ambivalent bezeichnen. Ich mag die Melange im Café Do-An, den Bauernmarkt am Samstag und Fisch habe ich noch nie woanders gekauft als am Stand der Familie Gruber. Was ich nicht mag? Kellner, die sich mir mit der Speisekarte bewaffnet in den Weg stellen, um mich in ein Lokal zu locken, das „Madame, Madame“-Gerufe der Standler, die mir ihre Trockenfrüchte andrehen wollen und die hässlichen Souvenirstände mit den noch hässlicheren Mozart-, Sisi- und Klimtsouvenirs.

Peter Nowak, der seit vielen Jahren Führungen am Naschmarkt anbietet, sieht das alles mit einer gewissen Gelassenheit. Er bezeichnet den Naschmarkt auch nicht als Markt, sondern als ersten Bazar außerhalb des Orients. „Es ist nicht zwingend notwendig, dass ein Gemüsestand neben dem anderen steht, es ist der exotische Mix, die Vielfalt von Gewürzen und Kräutern, das Multikulturelle, die Türken mit den Obst- und Gemüseständen, die Ägypter mit den Gewürzen, das jüdische Standl mit den Falafel, das ist interessant und eigentlich müsste er Naschbazar heißen.“ meint Peter, bevor er mir den Namen des Gewürzes Ras el-Hanout erklärt.

Peter Nowak am Naschmarkt

Wir sind an einem seiner Lieblingsstände gelandet, zwängen uns durch die Verkaufstische, nehmen im Inneren eines Standes Platz und sehen plötzlich den Naschmarkt aus den Augen des Verkäufers. Die ägyptische Familie Lashin hat sich auf getrocknete Früchte, Hummus, Falafel, Käse, Oliven und Gewürze spezialisiert. Schon steht ein Teller mit den Köstlichkeiten vor uns.
Peter zaubert eine Dose mit Gewürzen hervor und ich verkoste Berberitzen und rieche an getrockneten Limetten. Doch Peter erklärt nicht nur, sondern hat zu jedem Gewürz das passende Rezept parat. Mit den Tomatenflocken stellt er Tomateneis her, ein kühlender Gegensatz zu frischem Spargel. Berberitzen landen im Pilawreis und Rosenwasser peppt nicht nur Dessserts auf, sondern macht auch Haare geschmeidig.

Ägyptischer Vorspeisenteller

getrocknete Früchte am Naschmarkt

Verkostung

Ob indonesische Schlangenfrüchte oder chinesische Bittergurken, norwegischer Karamellkäse oder mexikanische Mole, georgischer Wein oder italienischer Prosecco, ich reise an diesem Nachmittag um die ganze Welt und lande zum Abschluss dann doch wieder in Wien, am Stand vom Gurken-Leo. Leo genießt mittlerweile seine Pension, seine Salzgurken sind erfrischend salzig wie eh und je. Sauer geht’s weiter zur Essigbrauerei Gegenbauer. Seit Mitte der 90er Jahre stellt Erwin Gegenbauer Essig her, sein „saures Gold“ ist mittlerweile in der Spitzengastronomie im In- und Ausland angekommen.

Schlangenfrucht

Salzburger Heukäse

Maulbeersaft

Und angekommen sind wir somit auch an unserer letzten Station der Naschmarktführung, die zweieinhalb Stunden sind viel zu schnell vergangen. Dank Peter werde ich den Naschmarkt wieder öfters aufsuchen, auch wegen einer Knabberei, die ich zum ersten Mal verkostet habe. Dabei hat er mich noch gewarnt, bevor ich in die Köstlichkeit biss: „Vorsicht übrigens vor den Rauchmandeln, Suchtgefahr!“. Tja, zu spät…

Essigbrauerei Gegenbauer am Naschmarkt

Peter’s Naschmarkt Genuss-Spaziergänge
Dauer: ca. 2 Stunden
Mindestteilnehmerzahl: 2 Personen
Termine: Montag – Samstag 14:00 – Führung in deutscher Sprache
Montag – Freitag 10:00 – Führung in englischer Sprache
Treffpunkt: Vor dem Hauptausgang der U-Bahnstation „Kettenbrückengasse“ (Linie U 4)
Preis pro Person: € 31,00 (inkl. 20% MwSt)

Vorausbuchungen unter +43 664 4178320 unbedingt notwendig!

Dank einer Einladung durfte ich den Naschmarkt wieder neu entdecken. Vielen Dank!